Design

Blick in den Rachen der Bestie: Die New Yorker Designmesse

Von Lisa Zeitz

Helmut Koller, Leopard

Helmut Koller, Leopard

08. Oktober 2005 Weltweit wächst das Interesse am Design des 20. Jahrhunderts. Jetzt haben sich 53 Galerien aus Amerika, Europa und Australien zur „International Art + Design Fair“ in New York versammelt, um Kunst und Kunstgewerbe von 1900 bis 2005 auszustellen. Wie auch in vergangenen Jahren - die Messe gibt es seit 1999 -, gibt das Art déco den stilistischen Ton an. Zwischen riesigen kugeligen Bouquets aus Schleierkraut und Gerbera kann man sich dem Einfallsreichtum auf den Gebieten Möbel, Textilien, Glas, Keramik und Silber ebenso hingeben wie der Malerei, Graphik und Bildhauerei.

Die New Yorker Macklowe Gallery repräsentiert mit Tiffany Lampen und Vasen mit Jugendstilmotiven zeitlich den einen Pol der Exponate. Der andere Pol findet sich bei Orley & Shabahang aus Palm Beach, wo zeitgenössische persische Teppiche mit Art-déco-kompatiblen abstrakten Motiven im Angebot sind. Die Calderwood Gallery aus Philadelphia hat gleich am Eingang der Messe eine veritable Ausstellung der 1922 gegründeten französischen Möbelfirma Dominique aufgebaut, deren Mission erklärtermaßen die „Befreiung vom Albtraum des Altertums“ war. Von den Wänden blickt Greta Garbo, die dieses Jahr ihren einhundertsten Geburtstag feiern würde, aufgenommen von verschiedenen Fotografen in ihren berühmtesten Rollen; die Fotografien kosten zwischen 450 und 8500 Dollar. Den Glanz von Hollywood beschwört auch die New Yorker Galerie Camilla Dietz Bergeron, die auf Juwelen spezialisiert ist. Paul Flato, „Juwelier der Stars“, hat in den 1940er Jahren im Anklang an ein Wahrsagersymbol eine goldene Hand mit sieben platingefaßten Diamantsternen geschaffen. Die Brosche trägt jetzt ein Preisschild von 85 000 Dollar.

Die Pariser Galerie Dumonteil hat sich ganz dem Thema Tier verschrieben und vertritt Bildhauer des frühen 20. Jahrhunderts bis zu Zeitgenossen. Aus dem 21. Jahrhundert datiert ein bronzener Kamin in Form eines kreisrund stilisierten Raubtieres, von der Hand des Künstler Jean-Marie Fiori. Wie schön muß es erst sein, wenn im Rachen ein Feuerchen lodert! (65 000 Dollar) Helmut Kollers mit Acryl auf Leinwand gemalter Leopard (unsere Abbildung) ist bereits verkauft. Bei James P. Infante aus New Jersey stehen verschiedene Uhren, Vasen und Gläser der Wiener Werkstätte und ihrer Zeitgenossen in den Vitrinen. Die langstieligen Wiener Weingläser kosten zwischen 9500 und 11 500 Dollar. Zum ersten Mal an der Messe vertreten - und der einzige Stand aus Deutschland - ist Erik Thomsen Asian Art aus Bensheim. Zwei japanische Wandschirme von Hekito, in den dreißiger Jahren bemalt und jeweils etwas breiter als dreieinhalb Meter, stellen in Tusche und Mineralfarben graue und rötlich gesprenkelte Fische in nur zart angedeutetem Gewässer dar (48 000 Dollar).

Bis 11. Oktober. Geöffnet Samstag, Montag und Dienstag von 11 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Eintritt samt Katalog 18 Dollar.



Text: F.A.Z., 8. Oktober 2005
Bildmaterial: Dumonteil

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