Von Kristina Deutsch
24. Juni 2006 In der Auktion mit Kunst und Kunsthandwerk am 28. und 29.Juni bei Nagel in Stuttgart ist einmal mehr die Virtuosität der Maler des 17.Jahrhunderts bei den Motiven des Alltags bewiesen: Als Beispiel hält das Haus ein dem Antwerpener Joris van Son zugeschriebenes Großes Stilleben mit Früchtekorb, Prunkgeschirr, Hummer und Meeresfrüchten bereit (Taxe 22 000 Euro).
Gut zwei Jahrhunderte später lehrte der französische Impressionismus Alexander Koester, wie sich aus einer Gruppe Weißer Enten im Teich die Autonomie des Pinselstrichs extrahieren läßt (28000). Höhepunkt bei den Gemälden ist Wilhelm Leibls Bildnis eines Bauernmädchens mit schwarzem Kopftuch von 1892, geschätzt auf 35000 Euro. Die Porzellan-Abteilung wird angeführt von einer mythologischen Figurengruppe nach einem Modell Kaendlers aus dem Jahr 1744: Über einem Rocaillensockel erhebt sich eine mit Darstellungen der Taten des Herkules gespickte Felsenlandschaft; der Halbgott thront über dem Geschehen und wird von Juno mit Lorbeer bekrönt (25000). Ebenfalls in Meissen, um 1900, entstanden fünf Karaffenstöpsel, die Johann Caspar Lavater eine Freude gewesen wären: Die unterschiedlichen Charakterköpfe sind auf je 300 Euro taxiert.
Beim Jugendstil ist eine grün-blau glasierte Keramik-Bodenvase am höchsten bewertet, die Richard Mutz nach dem Entwurf Ernst Barlachs um 1903/04 ausführte. Typisch für Barlachs Frühwerk sind die als Henkel fungierenden Groteskenköpfe; das bestätigt die Expertise des Ernst Barlach-Museums Wedel, wo sich die Vase bis November 2005 als Leihgabe befand (12000). Ein in Mainz aus Nußbaum gefertigter Louis-XVI-Eckaufsatzsekretär mit reicher Marketerie (28000) und ein klassizistisches Zylinderbureau aus Palisander und Rosenholz, ebenfalls spätes 18.Jahrhundert, in Rußland gebaut (40000), sind die Glanzlichter bei den Möbeln.
Text: F.A.Z., 24. Juni 2006
Bildmaterial: Nagel
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