Von Catrin Lorch
14. Mai 2007 Sie tragen teures Tuch, gepflegte Bärte und dunkle Hüte, fein plissierte Kragen und schimmernde Batistkleidchen: Fünf Damen und Herren haben sich mit zwei Kindern zum Gruppenporträt eingefunden; mit 1,5 mal 1,7 Metern ist das Gemälde bemerkenswert groß. Die Gesichter sind fein und lebendig gezeichnet, eine detailliert ausgemalte Parklandschaft im Hintergrund und ein Korb mit Früchten, aus dem sich die Kinder mit vollen Händen bedienen, selbst ein Stillleben. Das Familienbildnis aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eines der schönsten Lose in der Auktion mit Alter Kunst bei Lempertz in Köln am 19. Mai. Allein sein Schöpfer ist unbekannt: Auf 80.000 bis 100.000 Euro taxiert, ist es ein anonymes Meisterwerk.
Eine Weite Landschaft mit dem Urteil des Paris von Gillis van Coninxloo, gleichfalls im Großformat von 1, 6 mal 2,4 Metern, ist als charakteristisches Frühwerk mit 100.000 bis 120.000 Euro bewertet. Jan Breughel d.J. ist mit zwei Werken vertreten: Adam bei der Feldarbeit, in Öl auf Kupfer (Taxe 100.000/150.000 Euro) und eine kleinere Kupferplatte Flora mit Putten in einer Parklandschaft (40.000/45.000). Die Thronende Madonna von Engeln umgeben von Rossello di Jacopo Franchi, einem Florentiner Maler des frühen 15. Jahrhunderts, ist auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzt; Vier Altarflügel eines Westfälischen Meisters aus dem Jahr 1515, Einzeldarstellungen von Heiligen, wurden auf 40.000 bis 60.000 Euro taxiert.
Niederländische Meister
Der Auferstandene Christus des Dürer-Schülers Hans Schäufelein ist an einen Kupferstich des Lehrers angelehnt, malt die Komposition jedoch in leuchtend klaren Farben aus (40.000/50.000). Die Anbetung der Könige von Ambrosius Benson, einem in Brügge tätigen Maler des 16. Jahrhunderts, nimmt sich eine Darstellung Gerard Davids zum Vorbild und vereinte die vielfigurige Szene zu einem dichten Prospekt (60.000/80.000). Das winddurchtoste Seestück des Jacob Adriaensz Bellevois zeigt die Einschiffung einer niederländischen Fregatte. Die wehenden Fahnen und der offensichtlich regenfeuchte Himmel zeugen von besonderen Qualitäten seines Schöpfers, der im 17. Jahrhundert in Rotterdam lebte (40.000/45.000).
Ein überraschendes Doppelbildnis ist dem Maler Justus Juncker mit seinen beiden Trompe-l'oeil-Bildern gelungen: Die Gegenstücke des 1767 in Frankfurt gestorbenen Malers sehen aus wie Türen, auf deren Kassettierungen man die Papierporträts einer Frau mit Pelzmütze und eines Mannes mit Pfeife samt Spielkarten und Kalenderblätter geheftet hat (25.000/28.000). Bei den Zeichnungen fallen eine Flusslandschaft mit einem Torgebäude mit Taubenschlag und Storchennest an der Ufermauer von Jan van Goyen auf (25.000/ 30.000) und zwei männliche Akte von Philipp Otto Runge (je 20.000/25.000)
Landschaftsbilder neuer Meister
Bei den Neuen Meistern sind es vor allem Landschaften, die im Angebot die Spitzenstücke stellen - am wichtigsten Carl Spitzwegs Waldandacht, gerade 54 Zentimeter hoch, die als besonders charakteristisch für die Darstellung religiöser Ergriffenheit im Werk des Künstlers gilt: Schätzung 400.000 bis 450.000 Euro. Eine Hochgebirgslandschaft mit jungem Paar beim Fischen ist mit 30.000 bis 40.000 Euro bewertet und sein originelles Querformat Zwei Lappländer im Winter. Im Hintergrund ein gestrandetes Schiff mit 16.000 bis 20.000 Euro.
Oswald Achenbachs Straßenszene in Frascati bei Rom ist eine der erfolgreichen italienischen Veduten des Düsseldorfers (80.000/100.000), gleich hoch bewertet wie Barend Cornelis Koekkoeks Flusslandschaft mit Kirchenruine und Pferdewagen. Die königliche Villa in Wachwitz bei Dresden erscheint, wie Carl Gustav Carus sie inmitten einer Gartenlandschaft malt, als ruhe sie als einfache Villa in der italienischen Campagna (16.000/18.000).
Totentanz aus Zizenhausen
Ein Raub der Sabinerinnen aus Bronze (50.000) sowie die dem Meister von Kefermarkt zugeschriebene - und um 1500 in Passau oder Oberösterreich entstandene - hölzerne Beweinung Christi, eine vierfigurige Gruppe vor einer Landschaft (38.000/42.000), fallen unter den Skulpturen auf. Eine Madonna mit Kind aus dem Umkreis von Veit Stoss und aus derselben Zeit ist mit 32.000 bis 34.000 Euro beziffert, eine alpenländische Thronende Muttergottes, Ende des 13. Jahrhunderts entstanden, mit 23.000 bis 25.000 Euro.
Eine der Werkstatt Hans Leinbergers zugeschriebene Madonna mit Kind ist auf 30.000 bis 33.000 Euro taxiert. Zwei Raritäten finden sich im Angebot: Eine vollplastische Kröte aus Bronze, vermutlich in Padua Anfang des 16. Jahrhunderts gegossen, ist auf 6000 bis 7000 Euro geschätzt und der Totentanz aus Zizenhausen, der immerhin noch 21 der ursprünglich 42 Tonfiguren vereint, auf 5000 Euro: Sündenfall und Papst, Kaiser und Krüppel, Bauer und Krämer - buntbemalt und mit morbidem Realismus geformt, lassen sich da inszenieren wie die Figuren einer Weihnachtskrippe.
Antinapoleonisches Schnupftuch
Im Katalog mit dem Kunstgewerbe für den 18. Mai zählt ein höfischer Dresdner Aufsatzschrank um 1730/1735 entstanden, zu den musealen Meisterstücken, und er wird auf 80.000 bis 100.000 Euro taxiert, ein Secretaire en pente mit farbigem Japanlack, Jacques Dubois zugeschrieben, auf 25.000 bis 35.000 Euro. Ein Paar, um 1770 von Carl David Schrödel gearbeiteter Leuchter aus dem Besitz Friedrich Augusts III. ist auf 12.000 bis 14.000 Euro geschätzt.
Aus einer deutschen Sammlung wurden fast dreißig Kästchen eingeliefert, die in unterschiedlichster Form und Funktion - aus Silber, Holz, Eisen und Leder - ein paar Kapitel Kunst- und Kulturgeschichte erzählen (Taxen von 900 bis 7000 Euro). Aus dem Wäscheschrank des 19. Jahrhunderts stammt ein Antinapoleonisches Schnupftuch, das als ausgesprochen elegante Bildfindung in rotem Kupferplattendruck auf Leinen unzählige Karikaturen des französischen Kaisers zum Rapport verbindet (900 Euro).
Bildmaterial: Lempertz
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