Von Angelika Heinick, Paris
18. September 2007 Der Parcours des Mondes, ein Rundgang durch die Galerien von Saint-Germain-des-Prés, wo sich rund fünfzig Stammeskunsthändler für ein paar Tage eingemietet haben, ist der glanzvolle Auftakt zur Pariser Herbstsaison. Aufgrund einer seit den Surrealisten gepflegten Sammlertradition und einer aktiven Händlerschicht versteht sich Paris, vor New York und Brüssel, als der wichtigste Handelsplatz für die Kunst Afrikas und Ozeaniens.
Archaische Raritäten
Auch diesmal sind namhafte Händler aus der europäischen Nachbarschaft, Nordamerika und Australien angereist. Die Pariser Galerie 1900-2000 zeigt eine Ausstellung ozeanischer Kunst aus dem ehemaligen Besitz Bretons, Ernsts und anderer Surrealisten, die zwar nicht zum Verkauf steht, aber die historische Bedeutung der Künstlersammlungen hervorheben soll. Die afrikanische Stammeskunst ist zweifellos der Hauptpfeiler der Veranstaltung: Joris Visser aus Brüssel legt den Schwerpunkt auf archaische Werke, die noch kaum dem ästhetischen Einfluss der Europäer ausgesetzt waren. Eine monumentale, kraftvolle Schultermaske der Wurkun aus Nigeria ist nicht zuletzt aufgrund ihrer Provenienz aus der ehemaligen Sammlung Jacques Kerchache, der als Berater des früheren Präsidenten Chirac das Musée du Quai Branly in die Wege leitete, eine Rarität (45.000 Euro).
Holztrog von musealem Rang
Der Pariser Bernard Dulon kann mit einem Meisterwerk musealen Formats aufwarten: Die Arche oder ritueller Trog der Dogon (Mali) in Gestalt eines Pferds, der zu beiden Seiten von Ahnenfiguren und Krokodilen geziert ist und in dem das Festmahl zur Dorfgründung zubereitet wurde, ist aus dem 16. oder 17. Jahrhundert und kostet 400.000 Euro. Dalton Somaré aus Mailand hat die Sinnlichkeit Indiens mitgebracht: Eine in Sandstein gearbeitete Dame, die sich das nasse Haar auswringt ist für 35.000 Euro zu haben. Der Londoner Sam Fogg bietet religiöse Kunst Äthiopiens vom ziselierten Bronzekreuz des 12. bis 13. Jahrhunderts (35.000 Euro) bis zur Ikone in Form eines Flügelaltars aus dem 17. Jahrhundert für 22.000 Euro.
Bis Sonntag, den 16. September. Täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Katalog kostet 10 Euro.
Text: F.A.Z., 15.09.2007, Nr. 215 / Seite 43
Bildmaterial: Bernard Dulon, Sam Fogg
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