Von Camilla Blechen
05. Juni 2007 Rembrandts Darstellung des heiligen Hieronymus mit seinem getreuen Löwen schmückt den Umschlag des Grafik-Katalogs der Galerie Bassenge in Berlin, die im Rahmen ihrer Frühjahrsauktion vom 7. bis 9. Juni zweieinhalbtausend Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten versteigern wird. Auf 95.000 Euro taxiert, lenkt das Spitzenblatt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen knorrigen Weidenstumpf, eine Baumruine, der unerwartet frisches Geäst entsprießt. Eine Besonderheit im grafischen OEuvre Rembrandts liegt auch mit einem Studienblatt von 1651 vor, das den Kopf des Künstlers mit einer Figurengruppe zeigt (Taxe 35.000 Euro).
Martin Schongauers Dornenkrönung Christi soll 7500 Euro einspielen, wie das zur gleichen Schätzung angebotene Liebespaar im Walde von Albrecht Altdorfer. Die Schätzung für Dürers Kanone liegt bei 5000 Euro. In das barocke Venedig entführen neun Einzelblätter Canalettos (von 3000 bis 15.000 Euro). Aus dem 19. Jahrhundert kommt Max Klingers Handschuh (6000). Auf die gleiche Taxe bringen es die Kaltnadelradierung Der Walzer von Anders Zorn, Camille Pissarros Bettler, eine Farbradierung von 1894, und Toulouse-Lautrecs Konterfei eines Gehängten in lithographischer Wiedergabe.
Abwechslungsreiche Moderne
Abwechslungsreich geht es bei der Moderne zu, die mit Max Liebermanns Ölskizze zu dem im Jahr 1900 vom Frankfurter Städel erworbenen Gemälde Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus einsetzt (60.000). Ein Neuzugang im Werk des Vedutenmalers Werner Heldt ist mit dem jetzt aufgetauchten Stilleben am Fenster (80.000) zu registrieren, das zwei Jahre vor dem Tod des Künstlers entstanden sein dürfte. Ebenfalls bis dato unbekannt war Lesser Urys von Droschken befahrene Tiergartenallee (65.000). In weichen Pastellkreiden realisiert wurde das Bildnis einer jungen Frau mit blauem Hut des Ungarn Joszef Rippl-Rónai (40.000). Mit einem Künstlerexemplar seiner 1913 erschienenen Klänge (28.000 Euro) ist Wassily Kandinsky vertreten. Max Beckmanns großformatige Lithographie Selbst im Hotel soll 25.000 Euro kosten, Emil Noldes düsterer Blick auf den Hamburger Hafen 10.000 Euro. George Grosz' Illustrationen zu Schillers Räubern wären schließlich für 9000 Euro zu haben.
Auf zwei Einzelblättern aus der Serie Langer Marsch mit Adler (18.000 und 16.000 Euro) hat der jüngst verstorbene Künstler Jörg Immendorff Huldigungen an seine Vorbilder Max Ernst und André Breton und Reminiszenzen an die Weggefährten Rudolf Springer und Georg Baselitz festgehalten. Seinen größten Trumpf spielt Bassenge mit einem Frühwerk von Neo Rauch aus: Eingekeilt zwischen Gitterwerk und schwebenden Wandsegmenten, ist das koloristisch verzauberte Tanzende Paar von 1988 mit einer bescheidenen Taxe von 25.000 Euro versehen.
Text: F.A.Z., 02.06.2007, Nr. 126 / Seite 29
Bildmaterial: Bassenge
Dieses Feld kennt keine Sieger: Alois Wünsche-Mitterecker bei ![]()
Ein Vivat der Musik Puccinis: das Opernfestival in Torre del Lago
Cyndi Laupers: Großartiges Comeback mit neuem Album
Ich bin Ausländer und für den Einbürgerungstest!
10:59Weniger die Lehrer massregeln...
09:21Biolgielehrer: Nutzt das kulturelle EVOLUTION fördernde Spore-PC-Spiel!