Von Catrin Lorch
11. Mai 2007 The Köln Show, das war im Frühjahr 1990 noch einmal großes Theater fürs Kunstpublikum: Selbstbewusst entlang einer Achse Köln/New York kuratiert, war ihre Ausstellungsfläche über die Galerien in ganz Köln verteilt. Wer die Künstlerliste von damals wiederliest, findet unter den Geladenen heutige Stars der Szene wie Zoe Leonard, Angela Bulloch, Jutta Koether, Gary Hume und Sam Samore. Auch Nicolaus Schafhausen ist heute ein bekannter Name - doch ist der ehemalige Künstler inzwischen ein renommierter Kurator und die Neuauflage Kölnshow2 sein Abschiedsgeschenk als scheidender Gründungsdirektor der European Kunsthalle, einer Institution ohne feste Anschrift, die inzwischen darin geübt ist, für ihre Veranstaltungen Orte immer wieder neu zu besetzen. Immerhin achtzehn Galerien fanden sich bereit, den 22 überwiegend jungen Künstlern aus dem Ausland Raum zu überlassen.
Monika Sprüth, die schon 1990 dabei war, hat, wie damals, der Ausstellung ihre Galerie nahezu komplett überlassen: Der tageslichthelle Saal ist partiell abgedunkelt, so dass sich zwischen Joao Onofres Video Untitled (Vulture in the Studio) von 2002 und der Malerei von Pere Llobera aus Spanien, sowie den Skulpturen von Simon Denny ein nahezu überlappendes Wechselspiel ergibt: Ein Geier hüpft über die wandbreite Projektion eines Büroraums, seine Flügel bringen Aktenberge zu Fall, mit dem Schnabel pickt er nach Schreibmaterial, die Füße krallen sich in Unterlagen.
Alltagsmaterialien in fragilem Gleichgewicht
Vor das Video des Portugiesen hat Simon Denny seine Skulpturen aufgebaut: Die aufgetürmten Alltagsmaterialien in fragilem Gleichgewicht, wie bei Sally - Tuesday (5000 Euro), dürfen auch umstürzen, wenn ein Bogen Pappe zu Bogen segelt oder die Spannung der einfachen Konstruktionen aus Holz und Papier nachlässt. Manche scheinen ohnehin nur für einen Moment im Raum zu balancieren; sockellos suchen sie ihren Halt an der Wand oder lehnen sich wie And Then Not (2500 Euro) an die schönen, weißlackierten Eisensäulen der Galerie.
Andernorts teilt sich die Kölnshow2 den Raum mit den hauseigenen Vernissagen und vielen Künstlern genügen ein paar Quadratmeter Wand - wie Andrew Shoultz der bei Linn Lühn das Büro mit Kampfszenen in Gold und Rot ausgemalt hat - oder ein Korridor, in dem Hannah Rickards Thunder aus den Jahren 2005/06 als Sound-Arbeit aufgeführt wird: Alle paar Minuten dröhnt Donnergrollen im Eingangsflur der Galerie Michael Janssen, die in einem ehemaligen Probesaal eines Orchesters residiert. Ein Zettel beschreibt die komplexe Entstehung dieses künstlichen Gewitters: Die Künstlerin hat die der Natur abgelauschten acht Sekunden Klang im Studio auf sieben Minuten ausgedehnt und hat für sechs Musiker eine Partitur geschrieben, die nach der Aufzeichnung wieder auf wenige Sekunden komprimiert wurde.
Gareth' Moores Merkwürdigkeiten
Weniger unsichtbar als gut versteckt sind die Arbeiten von Gareth Moore in der Galerie Daniel Buchholz. Der 1975 geborene Kanadier, fasziniert vom Antiquariat des Galeristen, hat in den Vitrinen und Bücherschränken Merkwürdigkeiten versteckt, alte Stiche eingeschwärzt und einer Büste einen Bart aus Moos verpasst.
Die Arbeiten von Marijn van Kreij sind in der auf Fotografie ausgerichteten Galerie von Sabine Schmidt nicht zu übersehen: Der Niederländer hat eine Wand in leuchtendem Gelb angestrichen und darauf eine unbetitelte vierzehnteilige Suite von Din-A-4-Blättern gehängt (3800 Euro). Zu diesem begehbaren Gedenkraum gehören auch gerahmte Blätter und ein Ready Made aus Bleistift und Radiergummi mit dem Titel A Thought the Size of a Pencil, A Brain the Size of an Eraser aus diesem Jahr für 600 Euro. Im Projektraum der Galerie Hammelehle und Ahrens, ein Stockwerk darüber, entspinnt sich mit dem Video Punk Eck von 2004 eine tagträumerische Geschichte aus dem Stadtverkehr: Der in Los Angeles ausgebildete Vietnamese Kwang-Ju Son verwandelt die Reverie eines Mannes auf dem Weg zum Blind-Date in irritierenden Slapstick im Kinoformat.
Das Flair der frühen Neunziger
Dagegen müssen die Besucher der Galerie Rehbein ein bisschen suchen, bis sie die Arbeiten von Tuan Andrew Nguyen stoßen: Film und Gemälde hängen in der Abstellkammer der Galerie. Das Lager ist denkbar geeignet, gleicht es doch in seiner Form einem perfekten Kubus.
Mit der Kölnshow2 ist die ins Frühjahr verlegt Art Cologne, die ihren neuen Termin noch im Kalender der Sammler etablieren muss, um eine Attraktion reicher, denn während der Vernissage kam in der Innenstadt wieder so etwas wie die Premieren-Stimmung der frühen Neunziger Jahre auf. Noch Tage später trifft man auf Sammler, die mit der metallic-lilafarbenen Broschüre in der Hand die Etappen erwandern: Nicolaus Schafhausen, der viele Jahre den Frankfurter Kunstverein leitete und Kurator des Deutschen Pavillons in Venedig ist, und sein Ko-Kurator Florian Waldvogel haben ein anerkannt sicheres Gespür für junge Kunst. Es wäre zu wünschen, daß sich die Kölner Galerien im kommenden Frühjahr wieder zu einer vergleichbaren, gemeinsamen Kraftanstrengung zusammenfinden würden.
(Bis 26. Mai.)
Bildmaterial: Galerie Linn Lühn, Galerie Monika Sprüth, Galerie Sabine Schmidt
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