Kunstmesse

Ein erster Blick erkennt viel gute neue Kunst

Von Swantje Karich

Minimale Übersicht: Dieser Hochstand von Stephan Mörsch ist nur 80 cm hoch. Der kleine Ausguck liegt bei 5000 Euro.

Minimale Übersicht: Dieser Hochstand von Stephan Mörsch ist nur 80 cm hoch. Der kleine Ausguck liegt bei 5000 Euro.

29. September 2007 Zum zwölften Mal öffnet heute Berlins Messe für Gegenwartskunst, das Art Forum, die Tore und hat sich wieder einen neuen Slogan entwerfen lassen – diesmal von Gerwald Rockenschaub und Alexander Rendi: „About Beauty“ in Magentafarben. Unter dieser Prämisse zeigen 136 internationale Galerien, was neu und aktuell auf den Markt strömt.

Beim ersten Gang über die Messe fällt auf, dass die Experimentierwut mit Architektur-Installationen und monumentalen Skulpturen abgeklungen ist – Ausnahmen: Den Stand der Berliner Galerie von Anselm Dreher nimmt die Holz-Architektur „IFA“ von Folke Köbberling und Martin Kaltwasser ein (40.000 Euro), und Sies + Höke aus Düsseldorf haben ihre Koje in eine schwarze Gruselkammer verwandelt; spektakulär ist Lori Hersberger bei Thaddaeus Ropac (70.000 Euro).

Schönheit und Frau

Bedrückende Porträts: Dieser quadratische Block von Musterungsfotos liegt bei 17.000.

Bedrückende Porträts: Dieser quadratische Block von Musterungsfotos liegt bei 17.000.

Wenn im Messe-Slogan „Schönheit“ gewollt wird, sind dann Frauen in der Kunst gemeint? Diese Konsequenz ziehen einige; Christian Nagel zum Beispiel überlässt Josephine Pryde, Martha Rosler und Andrea Fraser seinen Stand. Vier Miniatur-Hochstände des jungen Hamburgers Stephan Mörsch stehen bei Sfeir-Semler (5000 Euro) vor Fotografien von Akram Zaatari „Bevor they got their military training“ (17.000 Euro) und Arbeiten von Walid Raad.

Einige schmerzliche Absagen hat die Messeleitung zu verkraften: Leo König aus New York ist nicht wiedergekommen, auch Peres Projects aus Los Angeles und Max Wigram aus London blieben weg und die Berliner Galerien Neu und Klosterfelde, Schmela aus Düsseldorf und Mark Müller aus Zürich. Dafür kommen von den 32 Neuzugängen allein acht Galerien aus New York und Los Angeles, fünf aus Frankreich. Und neben dem Art Forum werben an diesem Wochenende noch drei Parallelmessen um Sammler und Kuratoren: die Berliner Liste im ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck, die Preview Berlin in einem stillgelegten Hangar in Tempelhof und der Kunstsalon in einer Zentralwerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe in Wedding. Gleichzeitig eröffnen sämtliche Berliner Galerien: eine Stadt in Kunst. – Unsere Abbildung zeigt eine unbetitelte, acht Meter breite Arbeit von Kaspar Bonnén, den Christina Wilson auf dem Art Forum vertritt.

Bis 3. Oktober, in der Messe Berlin, Hallen 18 bis 20. Täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet, am 3. Oktober von 12 bis 18 Uhr. Eintritt 15 Euro. Katalog 15 Euro.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Galerie Martin Mertens, Galerie Sfeir-Semler, Galerie Thaddaeus Ropac, Galerie Zink

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