Hurrikan

Polizeichef von New Orleans tritt zurück

27. September 2005 Der Polizeichef von New Orleans, Eddie Compass, ist vier Wochen nach dem Wirbelsturm „Katrina“ zurückgetreten. In jüngster Zeit war vermehrt Kritik an der Polizei wegen ihrer Reaktion auf den Hurrikan laut geworden. Weder Compass noch Bürgermeister Ray Nagin wollten am Dienstag aber sagen, ob der Polizeichef zum Rücktritt gedrängt worden sei. Er habe die Polizei durch eine ihrer schwersten Zeiten geführt, jetzt sei es aber an der Zeit, andere Wege zu gehen.

Compass hatte zuvor erklärt, 249 Polizisten könnten vor ein Sondertribunal gestellt werden, weil sie während des Hurrikans „Katrina“ und kurz danach ihre Einsatzstellen ohne Erlaubnis verlassen hätten. Auch die Polizeigewerkschaft sprach sich dafür aus, daß diejenigen, „die aus Feigheit desertiert“ seien, ihren Job verlieren sollten. Man müsse die Anschuldigungen sowie die Zuständigkeiten jedoch genau überprüfen.

Schwere Vorwürfe gegen Lokalpolitiker

Unterdessen hat der zurückgetretene Chef der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema, Michael Brown, schwere Vorwürfe gegen die Politiker vor Ort erhoben. Sie hätten nach den Verwüstungen durch den verheerenden Hurrikan „Katrina“ das Krisenmanagement entscheidend behindert.

Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, und der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, hätten ihre Maßnahmen nicht miteinander koordiniert, sagte Brown in einer Anhörung vor Kongreßabgeordneten in Washington. Leider sei es ihm nicht gelungen, sie von der Notwendigkeit zur Zusammenarbeit zu überzeugen.

Rücktritt nach harscher Kritik

Wegen wachsender Kritik an den zögerlichen Rettungseinsätzen nach den Überschwemmungen vor vier Wochen hatte Heimatschutzminister Michael Chertoff Brown die Zuständigkeit für das Katastrophengebiet entzogen, woraufhin dieser von der Fema-Spitze zurücktrat. Dennoch verteidigte Brown vor dem Kongreß seine eigene Rolle. Er habe schon mehr als 150 nationale Katastrophen überwacht und wisse, wie man damit umgehen müsse. Sein Fehler im Fall von „Katrina“ sei jedoch gewesen, nicht rechtzeitig zu erkennen, daß Blanco und Nagin aufgrund persönlicher Differenzen handlungsunfähig gewesen seien.

Suche nach „Rita“-Opfern geht weiter

Nach dem Durchzug von Hurrikan „Rita“ im Süden der Vereinigten Staaten haben Rettungskräfte ihre Suche nach möglichen Opfern und Überlebenden fortgesetzt. Die Armee überflog die überschwemmten Gebiete in den Bundesstaaten Louisiana und Texas mit Armeehubschraubern, die Küstenwache war mit Booten im Einsatz. Zahlreiche Freiwillige halfen bei der Suche mit. Die Zahl der Todesopfer stieg mittlerweile auf mindestens neun. Im gesamten Katastrophengebiet werden weiterhin viele Menschen vermißt.

Durch den Rückgang der Fluten wurde das Ausmaß der Schäden allmählich sichtbar: Weggewehte Dächer, fortgespülte Autos und Häuser, die durch umgestürzte Strommasten oder Kurzschlüsse in Brand geraten waren. In Louisiana waren weiter eine Million Menschen ohne Stromversorgung. Staatliche Hilfskräfte berichteten, daß weite Teile der Region am Golf von Mexiko ein Bild der Verwüstung boten.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, AFP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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