
Die Beschreibung als unreife Persona kann ich nicht verstehen. MJ hat seine Figur in allem was er tat perfekt performed, das war die Märchenfigur. Texte und Videos, mit denen er sich aufs Sozialpolitische immer platt platziert hat, zeigen nie Schauplätze einer gesellschaftlichen Realität. Es spielt immer in der Kulisse. Er besass eine ihm eingeprügelte Disziplin, die damals dafür dasein sein sollte, aus dem Soul einen Superstar zu machen. Das bedeutete bei Motown, die Attribute der weissen Musik zu adaptieren, um kommerziell zu werden. Eben das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Ich will nicht sagen, Hip Hop kann sich dafür bedanken, durch die Motownbrücke erst entstanden zu sein, aber MJ konnte den Soul in den einstigen Glamour des Pop verwandeln. Die Auftritte waren immer perfekt choreografierte Tanztheater, wo die Einfachheit der Aussage galt. Schaut man sich die Tanzschritte an, merkt man bald, dass nach Billie Jean immer das gleiche getanzt wurde. MJ war ein multimedialer Peter Pan, und er war es total perfekt. Ein sensibler Neverlandfreak ist für Kinder eben auch sehr spannend, bis heute. Aber sowas ist nicht unreif, nur weil ein Mann mit seiner Adoleszenz nie klarkommt. Sowas ist die Perfektion genau dieser Figur.

Kaum ist Michael Jackson gestorben, scheuen sich die Medien nicht, ihn als einen bedauernswerten Freak hinzustellen. Spiegel Online geht am weitesten und veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel "Ein monströses Genie". Was rechtfertigt es, einen Menschen Monster zu nennen, zumal kurz nach dessen Tod?

Es ging nicht um ein "Sauerstoffzelt", sondern um die tragische Figur
Michael Jackson!
Ruhe er in Frieden mit all dem Pharmaka im Bauch...

Erschütternd, dass sich der Autor Diedrich Diederichsen offensichtlich auf Berichte aus der Yellow Press beruft, um sich eine Meinung über die Person Michael Jackson zu bilden, mit der er seine scheinbar klugen Thesen stützt. Offenbar hat D.D. für seine Recherchen noch nicht einmal das Interview verwendet, das 1993 Oprah Winfrey mit M.J. führte und das z.B. die Mär vom "Sauerstoffzelt" in ein Nichts auflöst.

zu realisieren was auf Ihn zukommt ... (50 Shows usw. nach 15 Jahren Pause aus dem Geschäft...), die Psyche schwächt sich die Versagensangst wird jeden Tag größer der Pharmatopf steht jederzeit griffbereit ... man langt zu ... die Angst schwächt sich ab die Zeit bis zum Auftritt wird immer kürzer der Körper signalisiert schwindende Kräfte ... Selbstzweifel kommen auf ... Veranstalter, Gläubiger und Erwartungshaltung der Familie zwingen Dich immer weiter in einen fatalen Zustand und so kommt was kommen musste der Griff zum "finalen Abstand" des Dilemmas... vielleicht auch nicht aber ich denke die Autopsie wird diese "These" untermauern!
Alle irdischen Qualen hast Du selbst abgelegt...

Tanz in ein anderes Selbst!
Bravo für diesen trefflichen weil ehrlichen Beitrag!
Jeder der auf der "Strasse derartiges Getänzel meint zwanghaft zur Schau stellen zu müssen", sollte sich diesen Beitrag zu Hause übers Bett festnageln und seine Persönlichkeit in einer ruhigen Stunde (oder Tagen) überdenken!

Das mit großem Abstand Beste was ich zum Thema und auch sonst seit längerem gelesen habe.
Gratulation.

Noch vor einigen Tagen lagen in einem großen Elektronikmarkt viele CD´s von Michael Jackson auf den Schnäppchen-Tischen. Es verging keine Nacht, und die CD´s waren allesamt wieder mit dem regulären Preis ausgezeichnet. Aber davon abgesehen muss man leider auch festhalten, dass der Rummel um Michael Jackson in den letzten Jahren jedes Niveau und jedes ethisch vertretbares Maß verloren hatte. Das dieser Künstler letztlich ein von seiner Umwelt aus Gründen der Gier in die Enge getriebener Irrer war, das mögen sich die Meisten nicht eingestehen. Jede Träne die jetzt öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wird ist daher ein Akt der Dummheit oder zumindest Heuchelei. Wenn Sophia Loren von ihrem "blutenden Herz" spricht - zeigt das exemplarisch die elende und dunkle moralische Infertilität der Medienindustrie.