Studie

Weltbank: Teure Lebensmittel durch Biotreibstoff

Die Produktion von Biotreibstoffen hat wesentlich stärker zum drastischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise beigetragen als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Weltbank. Demnach soll die Biospritherstellung 75 Prozent des Preisauftriebs seit dem Jahr 2002 ausgemacht haben.

Lesermeinungen zum Beitrag

07. Juli 2008 15:44

So einfach wie es scheint, ist es nicht

Katrin Päzolt (KatPot)

Biokraftstoffe verteuern Lebensmittel. Dieser Zusammenhang liegt jedoch nicht so klar auf der Hand. Die Preise für Lebensmittel haben zwar einen kräftigen Schub nach oben genommen, aber sie sind trotzdem noch weit von den historischen Höchstständen Mitte der 70er entfernt. Der Agrarsektor wurde ein schrumpfender Wirtschaftsbereich – übrigens einer der Hauptgründe, warum die Landwirtschaft in vielen Ländern brach liegt und die Nahrungssicherheit vieler Menschen gefährdet. Zur Biospritfrage: Nach Angaben der FAO wird 2030 etwa 2% der globalen Agrarflächen für Biosprit zur Verfügung stehen. Witterungsbedingte Ernteschwankungen besitzen einen Anteil von 5-10% Fläche. Allein anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass der Einfluss von Biokraftstoffen auf die Preisentwicklung nicht prioritär ist. Desweiteren sind die weltweiten Nachfragezuwächse an Agrarrohstoffen nur zu 22% auf Biokraftstoffe zurückzuführen. 62% der Nachfrage hingegen stammt aus dem Futtermittelsektor (Toepfer International). Die kontroversen Zahlen zeigen, dass die Diskussion um Biokraftstoffe nicht einfach ist. Wäre die Schuldfrage an steigenden Lebensmittelpreisen und dem globalen Hunger klar zu beantworten, dann gäbe es keinen Hunger mehr.

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06. Juli 2008 21:28

Verbissene Diskussion

Dieter Hoffmann (Ogottogott)

Man könnte glauben, es ginge um eine Konfession, wenn man die Kommentare hier liest. Daß Biotreibstoff die Lebensmittelpreise hochtreibt, ist doch klar - ob es um 75% ist, weiß nur die Weltbank und der liebe Gott. Eigentlich müßte man soweit kommen, aus der weitgehend nicht genutzten Biomasse (Halme, Holz usw.) Treibstoff herzustellen. Wir müssen alle erkennen, daß wir das Ende des Ölzeitalters vor Augen haben (vielleicht wird unsere Epoche mal in Geschichtsbüchern so genannt). Wir müssen schleunigst auf regenerative Energien umsteigen (z.B. mit Elektro- oder Wasserstoffautos). Man sollte prüfen, ob sich Strom oder Treibstoff mit Solartechnik erzeugen lassen (in Südeuropa oder Nordafrika). Jedenfalls: wir müssen den Ausstieg aus der ölgetriebenen Ökonomie vorbereiten. Das wäre mal eine Aufgabe für Politiker mit Vorstellungs- und Durchsetzungskraft. Was geschähe mit unserer Wirtschaft, wenn der Ölpreis auf 300 Dollar steigt?

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06. Juli 2008 14:39

@Else Bote

Michael Menzel (Galenos)

Ach wissen Sie, ich fühle mich mit meiner These, was die Weltbank befürchtet und daß ihre Studie wohl auf solider Grundlage steht, in guter Gesellschaft. Was ich gestern schrieb, wird heute von Frau Merkel als Aussage berichtet:"Bundeskanzlerin Merkel warnte, dass die Nahrungsmittelkrise „Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen“ könne." Sehen Sie, genau das war meine Annahme und bei Frau Merkel kann man davon ausgehen, daß sie genug regierungsamtliche Zuträger und Analysten hat, die ihr empfehlen was sie über die gegenwärtige Problematik ruhigen Gewissens aussagen könne und was nicht. Es bleibt Ihnen natürlich überlassen, an garnichts zu glauben, selbst wenn sie die komplette Studie in Händen halten würden. Aber mit so einer Haltung ist man am Ende mit der Diskussion und kann sich nur schmollend ins Bett legen und sagen: "Und sie lügen doch alle und ich habe recht".

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06. Juli 2008 10:08

@Michael Menzel

Else Bote (frostundsonne)

Bevor man so emotionale Statements abliefert und so gar beleidigend wird, sollte man nachdenken... WO ist denn jetzt die v e r ö f f e n t l i c h t e Weltbankstudie einzusehen? Ist wirklich veröffentlicht? Was ist der Inhalt? Ich würde gerne einmal einen Blick darauf werfen, um beurteilen zu können, WIE fundiert die Inhalte sind... Enthält sie wirklich die Aussagen, welche hier so populistisch "diskutiert" werden? Wie sind diese Aussagen überhaupt hergeleitet? Schaut man die vor ein paar Tagen häufig angeführte Oxfam-Studie an, die übrigens auch solche öffentlichkeitswirksamen Aussagen enthält, die NICHT fundiert hergeleitet und begründet werden, so hege ich doch arge Zweifel an der Existenz solcher "Fakten". Ich glaube nichts - weder in die eine noch in die andere Richtung - bevor ich fundiert begründete Thesen GESEHEN habe! Sicherlich hat das Biosprit-Handling auch negative Effekte, aber garantiert nicht in der Auswirkung wie sie hier dargestellt wird. Mir klingt das doch sehr nach populistisch aufgemotztem, wirtschaftspolitisch unbegründetem Nonsens. WO SIND DIE FAKTEN? Nur durch objektive und strukturierte Analyse der Situation kann man Lösungen suchen und finden! Nicht durch solch unqualifiziertes "Blabla", wie Ihres...

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05. Juli 2008 21:43

Der Fanatismus der Ökodioten

Michael Menzel (Galenos)

kommt die Menschen teuer zu stehen. Nicht nur daß wir den Mißbrauch von wertvollem Acker als Verbraucher voll subventionieren sondern daß in der Welt ungezählte Menschen deshalb verhungern. Daß wir auch mit 7% Zwangsbeimischung unseren Sprit künstlich verteuern und zuletzt "das Leben" unserer Motoren verkürzen wäre das allergeringste Übel. Aber da sieht man mal wieder was dabei rauskommt, wenn nicht zu Ende gedachte naive Vorstellungen der Öko-Spinner von den Regierungen ertrotzt werden. Übrigens besteht kein begründeter Zweifel an der Weltbank-Studie. Es gibt kein Motiv, daß in diesem Fall die Weltbank zur Parteilichkeit veranlassen würde. Nur vielleicht die, daß so viele Menschen verhungern, daß es zu Aufständen und Störungen der Gesellschaftsstrukturen in diversen Ländern kommen könnte, welche normale Geschäfte unmöglich machen.

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05. Juli 2008 11:58

Schädlich für Umwelt und Entwicklungshilfe

J Segnitz (jheart)

Die Entwicklung der Bioethanolkraftstoffe zeigt eindruckvoll, wie hehre Ziele zum gegenteiligen Ergebnis führen können. Die Befürworter dieser Energieform, wollten eine umweltfreundliche, nachhaltige Energieform fördern, um CO2 schädliche fossile Brennstoffe zu sparen. Das Ergebnis ist eine katastrophale Umweltbilanz und eine Preissteigerung bei Lebensmitteln, die insbesondere die ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern existenziell trifft. Während es die meisten Umweltvertreter wenigstens eingesehen und sogar überwiegend bereut haben, sind nun andere politische und wirtschaftliche Interessen am Werke.

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05. Juli 2008 10:56

Biokraftstoffe der 2. Generation werden das lösen z.B Algen

Paul Rabe (heidelpaul)

Die Biokraftstoffe der 2. Generation verwenden die gesamte Pflanze und stehen nicht mehr in direkter Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. z.B. wäre es möglich Meeressalgen zu Biosprit zu verarbeiten, dabei würde keine landwirtschaftlich nutzbare Fläche verbraucht. Das dies zu nennenswerten Erträgen führen kann sieht man grade in China bei den Vorbereitungen zu den olympischen Spielen. Dort hat man innerhalb kurzer Zeit schon über 170.000 Tonnen Algen aus dem Meer geholt, weil diese die Segelwettbewerbe gefährden.

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05. Juli 2008 09:29

Biosprit

Gerd Lehmann (Gerd_L)

... und wenn man mal wieder lesen kann, wie schön es doch sei, dass so viel in regenerative Energien investiert werde, dazu zählt auch der Biosprit. Und dann noch diese Anzeigen der Banken, man solle doch sein Geld in grüne Energie anlegen mit dieser Wahnsinns Rendite ... Es ist eben so ... Die Reichen leben von den Armen - heute nicht anders als zu Zeiten von „Onkel Toms Hütte“ oder den „Früchten des Zorns“!

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05. Juli 2008 02:07

Da muss doch wohl per Galskugel ein Sündenbock zu finden sein...

Else Bote (frostundsonne)

Da arbeitet doch wohl kaum jemand mit der tatsächlichen Quelle dieser Behauptungen, denn die Einschränkungen reichen von "noch völlig geheim, aber durchgesickert" bis "teilweise veröffentlicht". WO ist die Studie der Weltbank zu lesen und was genau beinhaltet sie? WIE genau wird der wirtschaftliche Effekt der Biosprit-Herstellung hergeleitet? WO bleiben die Fakten? Die Behauptung, dass ausschließlich der vermehrte Anbau von Mais für den Anstieg der Weltmarktpreise für Lebensmittel verantwortlich sei, ist doch so wissenschaftlich fundiert und objektiv wie ein Teller Buchstabensuppe... mit Chance könnte man unterstellen, dass dieser unter Umständen einem Buch gleicht... Die Herausnahme von landwirtschaftlicher Nutzfläche aus der Lebensmittelproduktion ist doch insbesondere in Deutschland ein alter Hut: Stichwort Subventionsbrache. Sind in den letzten Jahren anteilig Ackerflächen, für welche zuvor noch EU-Subventionen für das Brachlegen gezahlt wurden, in die Gewinnung von regenerierbaren Energien einbezogen worden, dann haben diese auch zuvor keinen d i r e k t e n Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise gehabt... Was soll da eigentlich vertuscht werden? Mein Fazit: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!

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05. Juli 2008 00:03

@Mr. Leighty

Eilert Loevborg (Loevborg)

Abgesehen davon, dass wir Europäer den unter fragwürdigen Umständen in Afrika gefangenen Fisch mit Genuss beim Lieblingsitaliener verspeisen, finde ich ihr Bild schon zynisch einem hungernden eine Angel schenken zu wollen, und schon finde er genug zum Leben, da er ja nun fischen kann. Grundnahrungsmittel wie Weizen und Mais bauen sich einfach in Europa und Nordamerika hervorragend an, da wir in unseren Breiten nicht unter Wassermangel leiden und eine hervorragende landwirtschaftliche Infrastruktur besitzen, die man einfach nicht so mal erschaffen oder verschenken kann. Nichts gegen agrikulturelle Hilfen (im Bild: Angelruten), die ihre Berechtigung haben. Aber ohne die nördliche Hemisphäre können wir diese Milliarden auf der Erde nicht versorgen, da viele andere Böden (im Bild: Seen), einfach den Ertrag nicht hergeben können. So verschenkt man Angelruten für abgefischte Seen, danke für die Hilfe. Mein Kompromissvorschlag ist, wir unterstützen lokale Landwirtschaften und schenken jedem Bauer in den betroffenden Ländern anteilig zu seinem Ertrag Nahrungsmittel hinzu, anstatt diese in unserem Tank verpuffen zu lassen.

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04. Juli 2008 23:13

Unmögliche Milchmädchenrechnung

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Dass Biosprit für 75% der Lebensmittelteuerung verantwortlich sein soll, glaubt wohl der Autor selbst nicht, denn es ist ja mathematisch völlig unmöglich. Der Anteil von Biosprit am Weltmarkt ist immer noch derart winzig, dass er kaum ins Gewicht fällt.

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04. Juli 2008 18:17

Blame Biofuels? Not so fast

Bruce Leighty (bruceleighty)

Biofuels have been getting slammed for one reason or another ever since they have become important on the margin of the supply of oil. Take away biofuels and the cost of oil would really go up. Now biofuels are blamed for inflating the cost of food. In Europe the price of food is going up, and biofuels are involved, but not as simplistic as is being presented in the media. In Europe where food had been subsidized and excesses were dumped on Africa at artificially low prices, the advent of biofuels has given Europe an outlet for excess production allowing farmers to plant freely without the fear of overproduction, allowing the EU to reduce subsidies. Higher prices at the store are offset by lower taxes. The rich pay more and the poor pay more, but the poor can be helped in other ways. As for the poor Africans is it not better to send them subsidized fertilizers instead of food so that they can grow their own? Doesn’t this increase the total supply of food, giving the poor farmers a livelihood where before they were unemployed? Remember the old adage: ‘Give me a fish and you feed me for a day. Teach me to fish and you feed me for a lifetime.’ Bruce Leighty Wiesbaden, Germany

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