ich käme nicht einmal im Traum darauf, die Hilferufe von Kindern, die in ihrer Entwicklung, in der Entfaltung ihrer Begabungen behindert werden, als gestörtes Sozialverhalten zu bezeichnen. Die keines Kindes, auch keines hochbegabten. Auch schlage ich nicht vor, die Kinder zu kasernieren, sondern ihnen vielmehr die Möglichkeit zu eröffnen – wenn notwendig oder von den Kindern gewünscht –, ihre Schulzeit in einem, für ihre Bedürfnisse geeigneten Internat zu verbringen. Für viele der betroffenen Kinder (die Angabe 15% stammt aus der Studie) wäre das mit Sicherheit segensreicher als fortdauernd den Schikanen in ihren dysfunktionalen Elternhäusern und/oder den Hänseleien und dem Unverständnis in der Schule ausgesetzt zu sein. Ich kenne solche Kinder und deren Lebenswege wünsche ich niemandem. Noch einmal: Diese Kinder sind hochbegabt (und das wird nun mal anhand des IQ bestimmt), wissen aber nicht, was das bedeutet, weil sie nie gelernt haben, ihre Fähigkeiten zu entfalten, sondern das Gegenteil.
Schön zu erfahren, daß Japan zu den Ländern gehört, die mit ihren Begabungen sorgfältig umgehen.
Sie nehmen an, 15% der Hochbegabten in ihrem Sozialverhalten gestört sind. (Diese Art Hochbegabung basiert wohl ausschließlich auf einem Intelligenztest. Viele Wissenschaftler lehnen einen solchen als alleiniges Kriterium strikt ab und betrachten zusätzlich z.B. soziale und emotionale Intelligenz.) Die 15% kann ich nicht nachvollziehen. Wenn dem so ist, wie viele der nicht Hochbegabten sind ebenfalls in Ihrem Sozialverhalten gestört? Diese Zahl liegt bestimmt nicht unter der von ihren genannte. Gestörtes Sozialverhalten ist keine Folge der Hochbegabung. Somit sind andere Therapieansätze erforderlich und nicht eine Kasernierung dieser Kinder. Bei Versagen der Eltern wäre eine Therapie dieser zuerst erforderlich.
Intelligenztest bei der Einschulung? In Japan finden an den Schulen jährliche Tests statt. Hier in Deutschland würde wohl sofort geklagt werden und das Gerichtsverfahren beim BverfG enden.
Eine Bekannte, die beides schon als Pädagogin (und auch als Mutter) praktiziert hat, sagte mir, dass es in der Erwachsenenbildung ein Ding der Unmöglichkeit wäre, derart wenig Motivation in die Vermittlung des Wissens einzubauen und derart wenig auf die Schüler/Unterrichteten einzugehen, wie das in der Schule praktisch allenthalben praktiziert wird. Ganz abgesehen davon sind in der Schule die Klassen deutlich größer und sehr oft viel zu inhomogen. In manchen Kommentaren hier, findet man, dass es wohl an den Eltern liegen muss, die ihr verhaltensauffälliges Kind - das aus der Reihe tanzt - für hochbegabt halten und es ihm auch dauernd verklickern. Dass permanente Unterforderung abstumpft und übrigens z.B. als eine der wirksamsten Mobbing-Techniken bekannt (Leymann)ist, wird geflissentlich außer Acht gelassen. Das Gehirn ist ein Organ, das auf Belohnungen in Form von Motivation und neuen Herausforderungen sehr dankbar reagiert. Wie oft geschieht genau das Gegenteil! Stattdessen wird auf Normerfüllung geachtet. Gute Pädagogen hingegen lassen es nicht zu, dass sich einzelne Schüler langweilen, sondern sehen es als ihre Aufgabe an, sie durch Zusatzaufgaben zu motivieren - ohne sie als Überflieger und Streber zu stigmatisieren.
Selbst in der Gruppe der HB, die die Marburger Studie untersucht, gab es Verweigerer. Und das unter Kindern, die in der 3. Klasse noch nicht so frustriert/resigniert waren, daß sie verweigerten.
Ich sage nicht, daß sich die Hochbegabtenförderung an den Verweigerern orientieren soll. Was ich mir wünschte wäre, daß sie überhaupt Hilfe erhalten. Dazu wäre es aber notwendig, Erzieher und Lehrer für diese Problemgruppe zu sensibilisieren, denn gerade hier gibt es große Wissensdefizite. Von den Eltern kann meist keine Hilfe erwartet werden, da diese ja meist die Ursache für die Probleme der Kinder sind. Gerade deshalb fände ich beispielsweise IQ- oder Begabungstest bei der Einschulung hilfreich und mehr Internate, in denen gefährdete hochbegabte Kinder – auch gegen den Willen ihrer Eltern – ihre Begabungen entfalten können. Das wären sinnvolle Investitionen, die auch der Gesellschaft nutzen bringen könnten.
Danke. Ihr Beitrag verdeutlicht in großer Klarheit das übliche Unverständnis und die gängigen Vorurteile, die den Weg in die Verweigerung bereiten. Der IQ der hochbegabten Verweigerer unterscheidet sich in keinster Weise von dem derjenigen, die ihre Disposition positiv nutzen können. Sie gehören – ohne wenn und aber – genauso zu den 2%, 1% oder 0,02% wie die Mehrheit, die nicht verweigert. Was sie unterscheidet ist, daß sie nie gelernt haben, ihre Fähigkeiten zu nutzen. Oft bemerken sie nur, daß sie anders sind als die Mehrheit, wissen aber nicht warum. All die Eigenschaften, die Sie (und die Marburger Studie) den HB zuschreiben, sind Manifestationen des IQ. Sie werden im Laufe der Sozialisation erlernt – oder eben nicht. Wenn Kinder von frühester Kindheit an wegen ihrer kognitiven Fähigkeiten diskriminiert werden, werden sie diese im schlimmsten Fall verlernen oder verbergen – eben verweigern. Ich kann Ihnen einige Beispiele nennen, aus denen deutlich wird, daß eine Prädisposition alleine nicht reicht. Sie braucht den Kontext, das soziale Umfeld, um sich entfalten zu können. Und mindestens 15% der Hochbegabten haben das eben nicht.
Die schon in einem Leserkommentar angesprochene Studie von Prof. Rost zeigt, daß die übergroße Mehrheit der Hochbegabten in ihrer Klasse beliebt und von den Lehrern akzeptiert ist. Hochbegabte zeichnen sich dadurch aus, daß sie ihre Gedanken logisch und nachvollziehbar darzulegen vermögen. Hochbegabte sind in der Lage sich rasch auf ein neues Umfeld einzustellen. Hochbegabte werden sehr wohl verstanden, Hochbegabte sind für ihr Umfeld nicht anstrengend. Hochbegabte Kinder, wie sie sie beschreiben, sind höchstwahrscheinlich nur sehr partiell kognitiv begabt, haben aber ansonsten erhebliche Defizite. Soll die Begabtenförderung sich an diesen Ausreißern ausrichten? Da wäre ein Psychologe und/oder ein Erziehungsberater wohl eher vonnöten.
als umgekehrt.
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Ich denke die Ausgrenzung sollte so weit wie möglich verhindert werden. Jeder findet begabtere und auch weniger begabte wenn er danach sucht. Auch die Schwerpunkte der Begabungen sind bei jedem unterschiedlich.
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Für jeden Einzelnen eine optimale Föderung zu finden halte ich für unrealistisch und unbezahlbar. Die Einheitsschule als anderes Extrem wird mit Sicherheit bei einigen die oben beschriebenen Symptome hervorrufen. Insbesondere wenn die von Hans Werner Danuser beschriebene Neidreflexe verstärkt werden, wird sich dies negativ auf die Leistungen auswirken.
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Hier ist Fingerspizengefühl gefragt sowohl von den Eltern als auch vom Fachpersonal in den Schulen. Und der Fokus sollte darauf liegen Kinder mit einer Perspektive in die Welt zu entlassen mit der sie Glücklich ihren persönlichen Weg finden können.
Sehr geehrter Herr Kostka,
Sie beschreiben einen sehr wichtigen Aspekt des Problems, dem ich noch zwei weitere Punkte zufügen möchte: 1. Leider herrscht in der Bevölkerung – auch bei sehr, sehr vielen Lehrern – immer noch die Überzeugung vor, daß nur ‚Überflieger’ hochbegabt sein können. Die anderen sind angepaßt oder gelten als Störenfriede, im Extremfall als schwererziehbare, die man mit Ritalin ruhig stellt und/oder loswerden möchte. 2. Je höher der IQ, desto anstrengender sind die Kinder für ihr Umfeld. Gehen die Bezugspersonen wohlwollend und fördernd damit um, wird das Kind auch kaum Probleme haben. Glücklicherweise trifft das für die meisten zu. Kinder, die dieses Glück nicht haben, die aufgrund ihrer Hochbegabung, d.h. ihres Andersseins, schon sehr früh diskriminiert werden, wissen oft gar nicht um ihre Begabungen. Das sind diejenigen, die vielen Lehrern deren Grenzen aufzeigen; diejenigen, bei denen deutlich wird, daß auch ein überdurchschnittlich intelligenter Mensch (was die meisten Gymnasiallehrer sind) die Denkweise eines Hoch- und Höchstbegabten nicht vollständig begreifen kann. Genauso wenig wie jemand mit einem IQ von 70 das Denken derjenigen, die einen IQ von 90 haben, vollständig nachvollziehen kann.
Tut mit leid. Die Denkweise eines Menschen mit einem IQ jenseits von 130 wird von einem niedrigeren IQ nicht verstanden werden. Da hilft es nichts wenn Lehrer viel auswendig gelernt haben oder das sie Älter sind.
Genau so wenig wie ein normaler Autofahrer Michael Schuhmacher auf der Rennstrecke überholen kann wird ein hoher IQ von einem schwächeren verstanden werden.
Dummerweise haben die meisten Menschen nicht die innere Größe den Intelligenteren zu akzeptieren.
Die meisten Menschen werden sogar versuchen den hohen IQ aus Neid zu stutzen.
Das ist das Problem in den Schulen.
Schade eigentlich!
kann man bei vielen Kindern sagen, die den Test ihrer kognitiven Fähigkeiten mit einem IQ >130 abschließen. Klar und unbestritten ist, daß Kinder aus bildungsnahen Schichten eher gut in einem Intelligenztest abschneiden. So aber auch Kinder aus asozialem Niveau, die von bildungsnahen Eltern adoptiert wurden. Die erzielten weit höhere IQs als ihre Eltern oder Geschwister und lagen fast gleich auf mit den leiblichen Kindern der Adoptiveltern. Ein weiteres Beispiel für den Einfluß der Förderung durch das Elternhaus sieht man in Fernost. Die Kinder erzielen im Schnitt einen höheren IQ als europäische Kinder, da dort die Eltern, auch aus bildungsfernen Schichten, von der Bedeutung der frühen Förderung der Kinder überzeugt sind und alles daran setzen, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Aber kognitive Fähigkeiten ist nur eine Sache, wenn es um schulische und beruflische Leistungen geht. Wichtig ist vorallem das Sozialverhalten. Das war früher in Mehrkinderfamilien kein Problem, heute bei den Einkindfamilien zeigt sich das aber zunehmend. Die Anzahl der Hochbegabten, gemessen mit IQ, hat sich nicht geändert, die beträgt per Definition immer 2% der Bevölkerung – allerdings die Anzahl der im Sozialverhalten Auffälligen.
müssen deutsche Kinder gebremst werden. Warum soll es den begabten Kindern anders ergehen?
Es lebe die Gleichmacherei!
Glück auf!
Keine Frage, Hochbegabte gibt es und man sollte sie entsprechend ihrer Fähigkeiten fördern - auch wenn dies bedeutet, dass sie nicht in Regelschulen beschult werden.
Viel häufiger als Hochbegabte (die übrigens oft das Angebot von besonderer Förderung selbstbewußt ausschlagen und mit exzellenten Leistungen entspannt Richtung Abitur segeln) gibt es diejenigen Schüler, deren Eltern aus den Minderleistungen ihrer Sprösslinge messerscharf den Schluss ziehen, dass ihr Ei etwas Besonderes aber Verkanntes sein muss und mit lächerlichen Attesten meist über partielle (!) Hochbegabungen bei den Lehrern aufschlagen und Notenschutz beantragen.
Diese Kinder sind das bedauerliche Produkt von hysterisierten Eltern, die jeden Pups ihres Kleinstkindes als Ausdruck einer besonderen Kreatvität feiern und die armen Würmer mit massiver Frühförderung in die Leistungsverweigerung aus Überforderung treiben. So buchstabiert sich Hochbegabung heutzutage leider allzu oft.
Sehr geehrter Herr Linden,
natürlich sprechen wir über eine sehr kleine Gruppe: Etwa 2 Prozent der Bevölkerung haben einen IQ von 130, die Zahl der Verweigerer liegt noch niedriger. Und gerade weil es so wenige sind, dürfte es doch nicht schwer sein, ihnen zu helfen. Das geschieht aber nur selten. Ich erinnere mich noch gut an die zwei Fälle aus meiner eigenen Schulzeit, die in der Unterstufe zu Totalverweigerern wurden und das Gymnasium verlassen mußten. Aus jüngerer Zeit sind mir sieben solcher Fälle – fünf Jungen und zwei Mädchen – bekannt. Bezeichnend für alle ist, daß sie sich – wie sie richtig vermuten – ältere Kinder suchen. Aber: Welche älteren Kinder treffen solche Kinder, deren Eltern sich nicht um sie kümmern, die in der Schule gehänselt werden und wegen der Unruhe, die sie verbreiten, bei den Lehrern nicht gerade beliebt sind? Kinder, die mit ihrem Verhalten nach Hilfe rufen, diese aber nicht erhalten? Die anderen Außenseiter, die sie in ihrer Verweigerungshaltung bestätigen. Wenn nun gerade das Elternhaus das Problem ist, hilft es diesen Kindern überhaupt nicht, sie auf ihre Eltern zu verweisen. Wären diese gewillt oder in der Lage, ihrer Verantwortung nachzukommen, wären die Kinder keine Verweigerer.
aber das ist nur eine Minderheit. Das Problem an den Gymnasien sind nicht die Hochbegabten, sondern die vielen Halb- und Unbegabten, die auf Grund der lascheren Eingangskriterien seit Jahren an die Gymnasien strömen. Und deren Eltern halten ihre Kinder für hochbegabt! Diese Gruppe von Schülern drückt gerade in den letzten Jahren das Niveau an den Schulen so, dass sich die Gut- und Hochbegabten tatsächlich im Unterricht langweilen, weil ihre Mitschüler auch nach der zehnten Erklärung ein Problem nicht verstehen. Ich habe gerade eine 6. Klasse mit noch nicht einmal 20 Schülern in einer Fremdsprache zu unterrichten; da ich mich auf Grund der niedrigen Schülerzahl intensiv mit jedem einzelnen Schüler beschäftigen kann, kann man schnell die Talente erkennen. Ein intelligenter Schüler, der sich für einseitig mathematisch begabt hielt (D und E mittelmäßige Noten) und sich noch dazu durch die minderbegabten Mitschüler bzw. deren Lerntempo langweilte, habe ich zum Spezialisten erklärt und konnte ihn schnell davon überzeugen, dass gerade er die besten Voraussetzungen für die Fremdsprache mitbringt: Kombinatorik und systematisches Denken. Er hat sich überzeugen lassen und steht nach einem knappen halben Jahr auf Note 1.
Michael Bothe
Das Problem an einer binnendifferenzierten Unterrichtsgestaltung besteht m. E. gerade in den Neidreflexen, die sich hier ja auch in einigen Leserkommentaren artikulieren. Die Intelligenzforschung stimmt weitgehend darin überein, daß sich an der kognitiven Disposition, die ein IQ-Test mißt, im Laufe des Lebens wenig ändert. Wenn nun also innerhalb einer relativ kleinen Gruppe von Schülern einem geringen Teil derselben systematisch eine Sonderbehandlung zuteil wird (und zwar eben: immer den Gleichen!), dann hat das gewisse gar nicht geringfügige psychologische Effekte - bei allen Beteiligten. Die einen fühlen sich insgeheim permanent gedemütigt, die anderen schämen sich zur Hälfte, zur anderen werden sie in bestimmten narzißtischen Größenfantasien bestärkt, die sie möglicherweise hegen. Das ist unangenehm für alle. Hinzu kommt, daß dieser Zustand über Zeiträume hinweg aufrechterhalten würde, die für die gesamte Psychogenese von teils entscheidender Bedeutung sind (- hier werden Handlungsgewohnheiten entwickelt und fixiert, die das Leben bestimmen), und für deren einigermaßen gesunden Verlauf der geschilderte Neidkonflikt eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt.