Sick blickt nicht hinauf, er schaut herab

Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her

Warum der Sprachkritiker Bastian Sick so unglaublich nervt: Er verbeißt sich in anderer Leute Fehler, Floskeln und falsche Fremdwörter, ist ein Pedant und Besserwisser. Aber anscheinend hat er das Problem, daß er es selber nicht besser kann. Von Claudius Seidl

Lesermeinungen zum Beitrag

13. November 2006 10:28

Ist Herr Sick wirklich so arrogant?

Manfred Schubert (flexibell)

Einige Menschen neigen dazu, die modernen Kommunikationstechniken zu verteufeln, weil sie den Niedergang unserer Sprachkultur begünstigen würden. Es lässt sich nicht leugnen, dass es in E-Mails und auf vielen Internetseiten von Rechtschreibungsfehlern und Interpunktionsmängeln nur so wimmelt. Und was gerade junge Menschen in die Tastatur ihrer Handys hacken, zeugt nicht selten von gravierenden Missverständnissen der deutschen Orthografieregeln.

Man kann diese Entwicklung aber auch anders bewerten: Internet, E-Mail und SMS ist es zu verdanken, dass sich heute mehr Menschen in schriftlicher Form äußern als jemals zuvor. Waren wir einst ein Volk weniger Dichter und Denker, die einer überwältigenden Mehrheit von des Lesens und Schreibens unkundigen Menschen gegenüberstanden, so sind wir heute ein Volk weniger Dichter und Denker, die sich gegen eine schreibwütige Mehrheit behaupten müssen. Unsere Schriftsprache steht folglich nicht vor dem Niedergang - sie war noch nie so populär wie heute! Und es ist wie immer, wenn viele Köche gleichzeitig mitmischen: Jeder hat eine andere Vorstellung von der richtigen Rezeptur.

Originaltext von Bastian Sick.
spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,411958,00.html

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07. November 2006 09:50

Schon die alten Römer ...

Matthias Rüttgen (MRuettgen)

... haben das Problem gekannt; große Rhetoriker machten sich darüber lustig, daß es eben einen Unterschied macht, ob man lateinisch oder grammatisch spreche ...

Schön und vielleicht neu an dem Artikel ist unzweifelhaft die soziologische Diagnose. Ich weiß nicht, ob sie zutrifft, aber es ist sehr plausibel, daß es sich um ein Mittelschichtenphänomen handelt, das aufblüht, wenn das Prekariat droht. Der Adel hat jedenfalls immer so gesprochen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und das ist bei moderner High Society ähnlich.

Die Gefahr, die allerdings von den Hyperpuristen ausgeht, ist indes gering; man sollte sie einfach machen lassen, und gut is'.

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07. November 2006 08:48

Die beste Kritik... ist verständliches Deutsch

Stephan Müller-Eicker (elisia)

... was bitte schön ist:

Pleonastische
prätentiös und
Manierismen? (im Artikel)

Die beste Kritik ... ist verständliches Deutsch.

Hilfe - bin ich jetzt ungebildet?

Will sich Hr. Seidl vielleicht eine Scheibe guten Deutsches bei W. Schneider oder S. Sick abschneiden?

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06. November 2006 11:03

Sprachgouvernante

René Grube (grube2003)

Bastian Sick würde, wenn es die Rechtschreibreformer nur so beschlossen hätten, auch an geraden Tagen "still sitzen" und an ungeraden "stillsitzen" schreiben.

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06. November 2006 08:32

Halblang

Günter Schlamp (Schlamp)

Diese Zeitung lässt Professoren und Oberstudienräte ganzseitig räsonnieren, ob man still sitzen oder stillsitzen schreiben soll und mokiert sich über Sicks Sprachglossen.

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06. November 2006 01:27

Daily Error

Jonas Hesselbrinck (Daily-Error.de)


Aber auch am heutigen Montag wieder auf der Titelseite der FAZ - im Artikel über die chinesischen Kredite für Afrika:

"Schon jetzt kommen ein Drittel der chinesischen Ölimporte von dort."


Schon jetzt kommen ein Drittel?

Vielleicht kommt dann bald zwei von dort.

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05. November 2006 22:54

Her und hin

Francois Soulacmer (soulacmer)

Kritik an der Sprachkritik - bravo. Aber es ist schwer so korrekt zu schreiben, daß nicht wieder Sprachkritik angebracht ist. Das alte "hin und her", das schon Karl Kraus aufgegriffen hat, wird auch in diesem Text zum Problem. Seidel schreibt: Sick blickt nicht hinauf, er schaut herab. - Nein, er schaut HINab, weil er zu den Menschen unter ihm HINschaut. Die können sagen: Sick schaut auf uns herab. Aber der Perspektivwechsel in der Betrachtungsweise vom Betrachter hin zum Betrachteten findet in dem Satz nicht statt. Daher ist der WEchsel von "hin" und "her" leider ein nicht gelungener Feuilletonismus.
Der Bildungsbürger merkt sich den Unterschied mit Goethes "Faust" - Schluß 1. Teil: "Her zu mir" ruft Mephisto. Faust, müßte sagen: Hin zu ihm.
Oder mit der Überschrift des Artikels: Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her - sagt der Beobachter. Der Zwiebelfisch aber sagt sich: Ich stinke ihm - und zu ihm hin.

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05. November 2006 22:35

Mit dem Erfolg kommen die Neider

Katrin Müller (katrinm)

Lieber Herr Seidl,

haben Sie Bastian Sick schon einmal auf der Bühne gesehen? Nein! Ich lege Ihnen den Besuch der Tour aber dringend ans Herz...denn dann wüssten Sie aus erster Hand, dass Herr Sick grundsätzlich nicht im Ton der Herablassung spricht.
Ganz im Gegensatz zu Ihnen, mit Verlaub, denn Ihr Artikel stotzt nur so vor Arroganz und - wie viele Kommentatoren ja sehr richtig erkannt haben - vor Neid gegenüber dem "Schlussredakteur" Sick!
Wir können gerne über Bücher und Bühnenprogramme streiten, aber doch bitte auf der Sachebene.
Die Fundstücke, die Bastian Sick, zeigt, sind im übrigen nicht seine Fundstücke, sondern Fundstücke seiner Leser.
Und die Schau ist so amüsant, dass ich sie allen nur wärmstens empfehlen kann. Auch Sie, Herr Seidl, haben dazu noch Gelegenheit - in der Alten Oper in Frankfurt, vorausgesetzt, Sie wagen sich unter die "neuen Bürgerlichen"....

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05. November 2006 20:37

sick of Sick

Oliver Fuchs (oliverfuchs)

Warum - so stellt sich hier die Frage, ist dieser Herr eigentlich immer noch beim Spiegel, wenn er doch ein solch bewanderter Deutsch-Kenner ist?
Ich meine, wenn er es wirklich drauf hätte (darf man das eigentlich/uneigentlich sagen/schreiben), dann wäre er doch bei der F.A.Z.;oder?
"Wir kehren zu bloßem Deutsch zurück. Desto besser, sag' ich, desto bereicherter ist es, je mehr Sprach-Freiheiten, Wechselfälle, Abweichungen eben da sind; für uns, die wir aus der Regel der Regeln, aus dem Sprachgebrauche schöpfen, gibt es keine Unregelmäßigkeit, nur für den Ausländer, der erst unsern Sprachgebrauch, d. h. unsern Gesetzgeber dem seinigen unterwerfen und unsere Gesetze durch seine abteilen und erlernen muß. Denn gäb' es eine allgemeine Regel, so hätten alle Sprachen eine Grammatik." J.P.F. Richter

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05. November 2006 20:27

Berechtigte Kritik

Thomas Löw (tomloew)

Ich gestatte mir, Herrn Seidl zuzustimmen. B. Sick nervt tatsächlich und hauptsächlich in seiner Funktion als Sprachrohr all jener Spiesser, die ihre Kritik selbst zu äussern nicht wagen.

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05. November 2006 19:16

Unberechtigte Kritik

Patrick Asendorf (goodfella)

Ich bin erstaunt und zugleich empört über die scharfe Kritik, die Bastian Sick entgegen geworfen wird. Seine Kolumnen dienten der Selbsterhöhung? Dass ich nicht lache. Hat denn der Autor am Ende seines Artikels vergessen, was er am Anfang geschrieben hatte? Schlussredakteur war Sick. Und sein Beruf bringt es nun mal mit sich, der Besserwisser zu sein. Warum sollte er seine Korrekturen nicht in lustige Geschichten verwandeln? Ist es nicht viel einprägsamer, wenn einfache grammatikalische Regeln mit Beispielen aus dem Alltag anschaulich gemacht werden? Das ist es ja gerade, was die Geschichten so effektiv macht: Das Naheliegende, das Bekannte, das so Alltägliche. Würden alle Bespiele an Hans und Peter festgemacht, wer würde sich’s merken? Da muss eben ein Ochsenknecht oder auch ein Dönerbudenbesitzer her, damit’s auch morgen oder übermorgen noch im Kopf sitzt. Und überhaupt: Lernt man denn nicht viel lieber (und vielleicht auch schneller), wenn man dabei seinen Spaß hat?
Es ist überaus abwegig zu glauben, die Kolumnenleser freuten sich mehr darüber, sich die Dummheit anderer vor Augen zu führen als mit Witz und Intellekt Regeln der deutschen Sprache zu lernen.
P. Asendorf

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05. November 2006 17:26

Stefan Raab der Sprachkritik

Frank Artmano (artmano)

Die Erfolge von Stefan Raab beruhen zum großen Teil auf dem Prinzip, andere lächerlich zu machen. Anstand, Niveau und Rücksichtnahme wären dabei geschäftsschädigend.
Mit Bastian Sicks sprachkritischen Veröffentlichungen scheint es sich ähnlich zu verhalten, wenn der Verfasser des kritischen FAZ-Artikels recht hat. Ich kann es nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, weil ich die berühmten Büchlein nach einigem Blättern in der Buchhandlung schnell wieder weglegte. Zu oberlehrerhaft und zu abgedroschen kam mir der Inhalt vor.
Wer sich wenig oder gar nicht mit Sprachreflexion beschäftigt hat, mag sein Vergnügen daran finden, und es ist auch verständlich, dass der kritische Artikel viele Menschen ärgert. Schließlich stehen die Büchlein auf der Bestsellerliste, das heißt, dass viele Menschen dafür Geld bezahlt haben. Die freuen sich natürlich nicht, wenn man ihnen ihr Vergnügen nun madig macht.

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05. November 2006 15:43

Ausgezeichnet! (Schopenhauer,Nietzsche,Tucholsky,...)

R. W. (jaso)

Es freut mich, dass das wieder aufgekommene pseudobürgerliche Phänomen der falschen Sprachpäpste zurechtkritisiert wird. Wie man an den Kommentaren feststellt, nicht ohne Bedarf und Wirkung. Erst kürzlich durfte ich mir am Mittagstisch anhören, wie viel weiter wir wären, wenn wir doch nur mehr Goethe und Schiller läsen; da bezog sich jemand auf einen älteren Faz-Artikel, indem eine Schauspielerin das Gleiche forderte, um das Deitsche anzuheben, wie man sagt, und - wie kann es anders sein - Sick. Eine Lehrerin, wie sie sagte, sie müsse es ja wissen. Dass sie keinen echten Bezug zur Sprachgebrauch, sondern einer höfischen und vor allem, gemessen an den wissenschaftlichen Diskursen damaliger Zeit unangemessen, konnte sie weder verstehen, noch dass das Thema seit der Gründung des deutschen Sprachtempels immerzu aufflammt und von den ungeschickten Formalisten am imposantesten verteidigt wird. Überflüssig. Hübsch drum, was Sie sagen. Sehr, sehr schön der Bezug zu Thomas Mann. Um Sick und andere Sicks zu verstehen, hätte ich mir allerdings eine Auseinandersetzung mit Schopenhauer, Nietzsche und Tucholsky gewünscht. Diese wünschten sich ja gleichfalls an die Speerspitze des Deutschen und waren, wie Leibniz, allerdings eloquenter.

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05. November 2006 15:07

gebundenes Altpapier

Patrick Stoll (rastanc)

Seidels Polemik ist geistreich und kurzweilig. Ganz im Gegensatz zu Sicks Werk, dessen erstes Buch nach Lektüre der ersten fünf Kapitel in meiner blauen Tonne landete.

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05. November 2006 13:53

Neid-Beitrag

Hans-Ulrich Raulf (uliraulf)

Bei Bastian Sick habe ich von vorn bis hinten das gesamte Buch durchgelesen - bei diesem Beitrag, der vor Neid und hämischer Arroganz strotzt, habe ich nach zwei Absätzen aufgehört zu lesen. Sick hat seine Leser verdient, Autor Seidel mit Sicherheit nicht, sein Beitrag liegt längst im Altpapier.

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05. November 2006 13:52

Habt Mitleid mit den saarländischen Schülern...

Marc Neef (marcneef)

... denn dort ist dieses bestenfalls mittelmäßige und höchst langweilige Buch tatsächlich Pflichtlektüre im Deutsch-Leistungskurs. Ich will gar nicht fragen, welches lesenswerte Buch dafür aus dem Kanon genommen wurde.

Vielen Dank jedenfalls, Herr Seidl, dass sie Herrn Sick mal etwas den Wind aus den Segeln genommen haben, das war nämlich überfällig!

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05. November 2006 13:39

Die Nervendsten der Nervenden

Jan-Christopher Pien (jan_pien)

Für mich sind diejenigen Personen, die die vermeintlich Nervenden immer wieder kritisieren, die eigentlich Nervenden. Welchen Vorteil bringt es, immer wieder auf Personen, die etwas kritisieren, herabzusehen und sie als nervig zu bezeichnen? Was würde mir alles zu dem Thema Talkshows sowie "VerBILDlichung" der Zeitungen oder des Fernsehens einfallen, doch hat es keinen Zweck, denn was bringt es mir, unendlich lang auf so etwas herumzuhacken? Es wird immer genug Personen geben, die so etwas mögen, genauso wie es genug Personen gibt, die kein ordentliches Deutsch zu Papier bringen, geschweige denn sich einigermaßen korrekt ausdrücken. Und dafür bin ich Herrn Sick dankbar, dass er es auf den Punkt bringt und es einem deutlich macht, welche Fehler man selbst immer wieder begeht und eigentlich könnte vermeiden. Und zu guter Letzt: Was glauben Sie, Herr Seidl, welche Personengruppe Ihren Artikel liest? Ganz bestimmt auch nicht diejenigen, die Sie mit Ihrem Artikel verteidigen wollen, namentlich Dönerbudenbesitzer o. ä. Also lassen Sie sich in Ihrem Artikel auf das gleiche, angeblich so "schlechte" und "herabsetzende" Niveau herab, welches Sie an Herrn Sick so kritisieren.

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05. November 2006 13:32

unterhalt und unterhaltung unterscheiden sich deutlich

l schroeder (suuperschroedi)

Der „Verein deutsche Sprache“, ein Zusammenschluß von Reinheitsfanatikern, warb auf einer der letzten Buchmessen für „den Erhalt der deutschen Sprache“ - und die Leute am Stand, danach befragt, ob ihnen der Unterschied zwischen Erhalt und Erhaltung (welcher ja fast so groß sei wie der zwischen Unterhalt und Unterhaltung) wirklich nicht bekannt sei, schienen von solcher Pingeligkeit schwer genervt zu sein.
Er|halt, der; -[e]s (Papierdt.):
1. Empfang, Entgegennahme: [jmdm.] den E. einer Ware, Lieferung, Sendung bestätigen; nach E. Ihres Schreibens.
2. Erhaltung von etw., was in seiner Existenz bedroht ist: der E. der Buchhändlerschule.

Er|hal|tung, die; -:
1. das Erhalten (2); Sicherung des weiteren Bestehens: die E. eines Gebäudes, des Status quo, des Friedens; eine Kur dient der E. der Arbeitskraft; in der Physik gilt der Satz von der E. (vom unveränderten Fortbestehen) der Energie.
2. Ernährung, Versorgung: sein Lohn ist zu gering zur E. der großen Familie.
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl.



liegt doch nahe beieinander :erhalt und erhaltung

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05. November 2006 13:25

unverständlich und falsch

l schroeder (suuperschroedi)

diesen satz verstehe ich nicht, herr seidl:
"Überhaupt machen ja unsere modernen Fremdwortfeinde, die Künder reinrassiger deutscher Sätze immer den Eindruck, daß es ihnen, außer an Toleranz und Neugier, vor allem an Belesenheit mangle - auch bei Thomas Mann, um mal wieder den vermeintlichen Schutzheiligen alter wie neuer Bürgerlichkeit zu zitieren, gehen sehr schöne deutsche Sätze sehr gerne „shopping“, und wenn sich Theodor Fontanes Prosa auf „die Rekognoszierungsfahrt“ macht, ist auch mal eine „alea iacta“."
dann, sie entrüsten sich moralisch über herrn sick und wiederkäuen dann die beispiele "dönerbude", "fußballer häßler" und geben die erwähnten doch genauso dem spott anheim. nur eben mit der attitüde des ethisch handelnden kritikers. auf mich wirkt das unehrlich, kenne aber diesen rethorischen mummenschanz von alt68ern.
es drängt sich der verdacht auf, dass ein redakteur dem schlussredakteur den erfolg neidet.
zwiebelfisch? les' ich gerne.

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05. November 2006 12:55

Kritiker des Kritikers

Robert Klemme (rklemme)

Auch der Kritiker des Kritikers ist nicht vor der Gefahr gefeit, sich über den Kritisierten zu erheben...

Richtig ist allerdings, dass zu viel Norm der Sprache nicht gut tut - und letztendlich auch nicht funktioniert. Sick beweist ja gerade selbst mit seinen Kolumnen, wie bereichernd (und erheiternd) der kreative Gebrauch der deutschen Sprache ist.

Trotz aller berechtigten Kritik bleibt bei mir ein leichtes Unbehagen, dass möglicherweise etwas anderes dahinter steckt als die reine Liebe zu unserer Sprache - vielleicht Neid, vielleicht auch der Ärger darüber, dass der Spiegel in Gefilden wildert, die die FAZ als die ureigensten versteht...

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05. November 2006 12:31

Nur kein Neid!

Hans-Joachim Grobe (Grobe13)

Was hier eher nervt, ist die kleinliche Nörgelei von Claudius Seidl. Der Erfolg von Bastian Sick zeigt, daß er in eine Marktlücke gestoßen ist und bei vielen Mitbürgern das Interesse an der deutschen Sprache belebt, und das in amüsanter Weise. Mir geht z.B. der Apostroph-Mißbrauch ("Susi's Lädchen") regelmäßig auf den Wecker. Bastian Sick macht uns viele unbedachte Fehler bewußt. Dafür sollten wir ihm dankbar sein.

Wenn Claudius Seidl den "Verein Deutsche Sprache", dessen Ehrenmmitglied Bastian Sick ist, als "Reinheitsfanatiker" bezeichnet, beweist er, daß er sich bisher kaum über den Verein informiert hat. Die Mehrheit der Mitglieder besteht nicht aus Sprachpuristen, sondern aus Menschen, die ihre Muttersprache lieben und sich gegen die verbreitete Anglomanie wenden. Muß denn ein "Abendessen bei Kerzenschein" unbedingt "Candlelight Dinner" heißen und kann man den "Welcome Drink" nicht "Begrüßungstrunk" nennen? Nur zwei Beispiele.

Ich hoffen jedenfalls, daß Bastian Sick noch möglichst lange "nervt".

Dr. Hans-Joachim Grobe
63867 Johannesberg

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05. November 2006 12:29

weiter so?

Friedrich Golbeck (sueton)

Was ist die Konsequenz aus Herrn Seidels Artikel? Weiter so mit Denglisch und Kauderwelsch? Wohl nicht. Bastian Sick sei dank machen sich wenigstens einige Leser seines Buches jetzt mehr Gedanken darum was sie sagen.

Die Bücher von Sick seien auch Ihrem Redakteuer Dyrk Scherff anempfohlen, sonst wäre eine Überschrift wie:" Eine Zahnkorone bitte - aber umsonst" nicht vorgekommen.

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05. November 2006 11:37

Zu kritisieren ist immer einfacher,

Jürgen Schnurr (JuergenSchnurr)

als es selbst besser zu machen.

Die Fachwörter in den Fachsprachen erleichtern die Diskusion, weil sich hinter einem einzigen Begriff oftmals eine kompkexe Definition verbirgt. Dass die Fachwörter heute viel mehr Fremdwörter sind hängt damit zusammen dass sich englisch als Wissenschaftssprache durchgesetzt hat.

Wenn Fachleute ihre Fachsprache auf nicht Fachleute loslassen, dann sind sie zu faul, den nicht fachkundigen den Sachverhalt verständlich darzulegen.

In Deutschland herrscht die Haltung vor, wenn ich Dir etwas erkläre und Du es nicht verstehst, dann ist es Deine Schuld. Es kann nicht daran liegen, dass ich es Dir schlecht oder für Dich unverständlich erklärt habe.

Aus dieser Tradition heraus, wirken Leute ganz schlau, die mit Fremd- und Fachwörtern um sich schmeißen. Eine gezielt Nachfrage, was diese Bezeichnung eigentlich bedeutet, ist ein uraltes Rezept, um viele dieser schlauen Leute zu entzaubern.

Viel mehr als die meisten Fremdworte nervt mich das unsägliche "unter Beweis stellen" wo das einfache Verb "beweisen" richtig, verständlicher und kürzer ist. Oder falsche Übersetzungen, wenn aus dem englischen "offizer" ein Offizier wird.

Damit sind wir beim eigentlichen Problem, Schlamperei und Faulheit.

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05. November 2006 11:06

Zwiebelfisch

Dieter Grützner (digrue)

Guten Tag Herr Seidel,
Sie schreiben einen Betrag bei dem ich beim Lesen nur nicken konnte. Auch dass Sie auf die gekonnte Sprachkritik eines Wolf Schneiders hinweisen, der, so viel ich in Erinnerung habe, nur Texte von Schreibprofis kritisierte, spricht für Ihre Stellungnahme. Eine Erwähnung seines letzten Buches mit vielen guten Sprachverbesserungstipps - sehr anschaulich geschrieben - fände ich zusätzlich gut.
Schreiben Sie weiter so lesenswerte Beiträge!
Viele Grüße
D. Grützner

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05. November 2006 10:55

Seidls Objektivität

Carl Weekbrod (weicc001)

Nicht nur im Süden werden viele Fehler in der gesprochenen Sprache gemacht. Auch im Norden kommt dies vor. Allerdings kann man solche Fehler nicht stets mit dem lokalen Dialekt verteidigen, so wertvoll dessen Pflege mE auch ist. Insbesondere von Abiturienten darf man mehr erwarten, wenn sie sich hochdeutsch ausdrücken sollen/wollen.

Auch von Redakteuren der FAZ darf man mehr erwarten als dem Kritisierten Arroganz vorzuwerfen, um ihn dann selbstmehrmals als "Schlußredakteur" zu deklassieren/denunzieren.

Herr Seidl schlägt vor, durch Verwendung einer "schöneren" Sprache die Qualität hochzuhalten. Aber wer bestimmt, was schön ist? Nur weil ich den niederdeutschen Ausdruck "Poggenstohl" schön finde, bringt es trotzdem nichts gegenüber einem Süddeutschen diesen oder dessen Übersetzung Froschstuhl zu verwenden, woher soll er wissen, daß es sich um einen Pilz handelt?

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05. November 2006 09:22

Erfolgsneid ?

Karsten Pieper (KaPi)

Könnte es sein, dass der Autor dieses Artikels Herrn Sick schlicht den Erfolg neidet ?
Ich finde es jedenfalls höchst lobenswert, wenn breite Volksschichten für Sprache sensibilisiert werden, und würde es sehr begrüßen, wenn der von Ihnen so bemitleidete Dönerbudenbetreiber einfach einen sprachlich mehr Versierten zu Rate zöge, bevor er seine Speisekarte auf die Kunden lässt. Es muss nicht jeder alles selbst und gleichermaßen können und ich ziehe ein gutes Essen einer sprachlich ausgefeilten Speisekarte im Zweifel vor, aber so wie das Beauftragen eines Steuerberaters für viele Menschen selbstverständlich ist, wäre es doch eine gute Sache, wenn mehr im öffentlichen Leben Stehende einen Sprachberater beanspruchen würden, sich und uns also eine Endkontrolle und Feinkorrektur à la Sick gönnen würden.
Mit Bedauern für die misslungene und fehladressierte Polemik
K. Pieper

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05. November 2006 08:49

Mittelgut beobachtet

Hajo Stork (Lyriost)

Es heißt von jeher von jeher – und nicht "seit jeher". Aber ansonsten mittelgut beobachtet.

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05. November 2006 07:24

Der Fisch stinkt nicht unbedingt vom Kopf her.

Daniel Kleiner (Kleinermann1)

Das wage ich zu behaupten.Man moege untersuchen,ob der abgetrennte Kopf oder der uebrige Koerperteil des Fisches eher zu stinken beginnt.
(Der Spruch wird es ueberleben).
Ob ein Katzenwurf weit ist;wer hat es schon gemessen?
(Nennt man diese "Taetigkeit",dieses Ereignis bei der Katze
so?)
Ein Bestsellerautor duerfte sich schon oben befinden.
Wer oben ist,kann nur noch nach unten gucken,es sei den gen Himmel(vielleicht zum lieben oder zornigen Gott).
Was bleibt also Bastian Sick uebrig?
Ein Journalist fragte einen Finanzminister,wie hoch das Haushaltsloch sei.Der Minister antwortete:ein Loch sei nie hoch,sondern nur weit.
Dabei kann ein Loch nur tief sein.Es hat zwar auch eine Dimension der Breite,aber die nennt man Groesse.
Ein Loch hat eine Grosse und eine Tiefe.Selbst,wenn man es in die Decke bohrt kann man nur fragen:wie tief darf das Loch sein?Es kann sich in einer Hoehe befinden,trotzdem hat es keine Hoehe,sondern nur eine Tiefe.
Politiker haben ein weites Feld zu beackernDabei koennen
ihre Gedanken tiefe Furchen hinterlassen,auch wenn diese selbst seicht sind.
Es ist abzuwarten,welche Breite-und Tiefenwirkung werden Sicks Schriften erzielen.

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04. November 2006 23:50

Woher kommt diese negative Meinung?

Gerd Bungartz (gerdbungartz)

Ich habe Bastian Sick nie live gesehen, weiss also nicht wie sehr er auf andere hinabschaut!? Die Beitraege im Spiegel online finde ich vielmehr interessant als arrogant. Da ich selbst kein Sprachwissenschaftler und auch kein Sprachgenie bin, ist es fuer mich unterhaltsam oder manchmal gar lehrreich ueber seine Beispiele nachzudenken.
Ich wundere mich wieso Die FAZ das so negativ sieht! Wollte sie das selbst besser, dann aber fuer die Oberschicht machen.

Gerd.

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04. November 2006 22:22

Deutscher Treibsand

Peter Schönau (PeterSchoenau)

Zwar ist die Kritik des Kritikers (der Verfasser des Artikels)am Kritiker (Bastian Sick) durchaus legitim, trotzdem ist diese Kritik im Kern natürlich berechtigt.

Im Zusammenhang mit dem Gebrauch englischer Worte und von Anglizismen ist der Hinweis auf die genannten zwei Beispiele interessant:
1. Lobby > Foyer
2. Lounge > Salon
Beide Empfehlungen sind dem Französischen entlehnt und gehen auf eine Epoche zurück, in der das Englische dem Französischen noch nicht den Rang abgelaufen hatte. Doch auch schon damals gab es Vorgänger von Bastian Sick, die z.B. die Idee hatten, den Begriff "Explosionsmotor" durch "Zerknalltreibling" zu ersetzen.
Dieser Einwurf soll nur belegen, daß in der Sprache sowohl puristischer Eifer als auch zuviel Laissezfaire von Übel sind.

Was nicht angesprochen wurde, ist die Tatsache, daß die meisten Deutschen mit den Interpunktionsregeln auf Kriegsfuß stehen.
Ich habe über 100 Internetportale bedeutender Unternehmen des deutschen Sprachraums (von A wie "ABB" bis Z wie "Zürcher Kantonalbank") untersucht und bin dabei auf erhebliche stilistische, orthographische und grammatikalische Mängel gestoßen, vor allem jedoch auf Verstöße gegen die Interpunktionsregeln.

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04. November 2006 20:58

Ausgeburten des Unpolitischen

jörg sutter (jsutter)

Bastian Sick, Harald Schmidt, Günter Jauch, Frank Schirrmacher - die Abwesenheit des Politischen führt zu Kompensationsventilen. Da die deutschen Medien keine politischen Autoren zulassen - es sei denn, sie sind in der Türkei oder Peru politisch - bleibt nur das gepflegte Feuilleton, wo ein "Generationenkonflikt" den Höhepunkt politischer Auseinandersetzung darstellt.
Ulf Porscharts Autotests in der "Weltwoche" und sogar der senil gewordene Axel Hacke (SZ) und Alexander von Schönburg erscheinen darin bereits als gewagte Hinwendung zur Realität.
Herrn Sick und Kollegen ist nicht vorzuwerfen, daß sie nerven, solange die Medien wieder Politik zulassen.

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04. November 2006 19:49

Stinkende Fische

Alexander Fick (t.h.e.r.s.i.t.e.s)

Glückwunsch, Herr Seidl!

Welch treffende Beschreibung jenes einfallslosen Haufens selbstgefälliger Besserwisser.
Schlimm genug, was sich macher selbsternannte Sprachaufseher an Urteilen erlaubt; aber Sicks arrogante Spöttelei ist unerträglich. Und seine Texte lesen sich wie besonders langweilige Fahrten durch eine staubige Phrasengeisterbahn.

Wer sich in gutem Deutsch üben will, lese Schopenhauer - dabei wird er wohl auch ausreichend gegen allzu dummes Geschreibsel geimpft.

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