Pro & Contra

Kommen Sie doch in mein Labor!

Spezial Der Hirnforscher Wolf Singer ist des Argumentierens müde. Wenn die Philosophen immer noch an die Freiheit des menschlichen Geistes glaubten, dann sollten sie doch in sein Labor kommen und sich im Selbstexperiment vom Gegenteil überzeugen lassen. Das schlägt er dem Philosophen Peter Janich vor, der davon jedoch nichts wissen will. Ein Briefwechsel.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. Juli 2008 12:00

Geld arbeitet nicht

Uwe Paulsen (Wohlmeinender)

@ Freundlieb: zur Klarstellung greife ich auf die Formulierung eines im anderen Kontext von mir empfohlenen Autors zurück. Hauke Fürstenwerth geht in seinem Buch "Geld arbeitet nicht" auch auf grundsätzliche Unterschiede zwischen Geistes- und Naturwissenschaften ein. Hierzu führt er aus: "In der Naturwissenschaft vermögen Theorien die Phänomene, auf die sie sich beziehen, nicht zu verändern: Die Erde dreht sich um die Sonne, auch wenn Menschen das Gegenteil behaupten, Elektronen existieren und verfügen über intrinsische Eigenschaften unabhängig davon, mit welcher Theorie, Welle oder Teilchen, Wissenschaftler diese beschreiben. Die Natur folgt ihrem Lauf unabhängig von den Theorien, die sich auf sie beziehen. ... Das gilt nicht für die Geistes- und Sozialwissenschaften. In diesen beeinflussen Theorien die Phänomene, auf die sie sich beziehen. Realitäten können beeinflusst werden durch Aussagen, die über sie gemacht werden. Eine Theorie muss nicht "wahr" sein, um das Verhalten von Menschen zu verändern. In den Geisteswissenschaften bildet das Denken selbst einen Teil des Gegenstandes, mit dem es sich beschäftigt. Die Naturwissenschaften haben es mit Phänomenen zu tun, die völlig unabhängig davon sind, was jemand über sie denkt."

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20. Juli 2008 10:22

Metaphysisches Geblubber

Peter Schwaderer (Einbauschrank)

Mir scheint, der Philosoph kann hier nur in seinem metaphysisch-semantischen Raum argumentieren. Im Volksmund nennt man das "spitzfindig". Seine Skepsis gegenüber der empirischen Methodologie ist etwas, was der Naturwissenschaftler Singer zurecht als "ermüdend" abtut. Diskutierte man über Mathematik, so wäre Janich zuzustimmen. Es geht aber um das Gehirn des Menschen, so daß die Naturwissenschaften mit ihrer Methodik greifen. Hier eine Art kartesischen Dualismus herbeizureden - Körper und Geist seien zu trennen - ist ein Rückfall um mehrere Jahrhunderte. An einem Versuch im Tomographen ist auch nichts ehrenrühriges, Herr Janich wird nicht seines wahrhaftig Seienden beraubt, wenn er in der Röhre sitzt. Es ist im schlimmsten Fall langweilige Zeitverschwendung.

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20. Juli 2008 08:54

Wenn schon, dann bitte konsequent - bis die Birne den Geist aufgibt...

Hartmut Krompner (gesundheitskrank)

Haha, dieser Herr Singer scheint ein komischer Kauz zu sein... Wenn er es wirklich ernst meinte, müsste er ja jeden Morgen erstmal auf seinen CT-Scan gucken, um sich zu vergewissern, ob er noch bei Bewusstsein ist. Wenn die Daten auf ein Vorhandensein von Geist oder Bewusstsein hinweisen, könnte er dann, je nachdem, wie sich die bunten Flächen auf dem Bildschirm bewegen, mit etwas Glück vielleicht sogar herausfinden, was er gerade denkt und fühlt. Und das dürfte er uns dann auch gerne mitteilen. Alles andere allerdings wäre - da ist er sicher mit mir einer Meinung - wissenschaftlich absolut wertlos, da nicht empirisch belegt.

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20. Juli 2008 06:58

Natuerlich ist das Gehirn "groesser" als der menschliche Geist!?

Enrico Zapato (porompom)

Mir ist nicht mehr klar, ob mir die Diskussion "zu hoch" ist, oder ob sie sich einfach von der Grundfrage entfernt hat (lt. Bildunterschrift sinngemaess: versteht man den Geist, wenn man das Gehirn versteht). Meiner Meinung nach muss jeglicher "Geist" natuerlich eine Folge neuronaler Prozesse sein, was denn sonst? Egal ob Letzteres nun formal bewiesen ist oder nicht: Mich wuerde eine Gegenthese interessieren, die - ohne unser physikaisches Weltbild ausser Kraft zu setzen - beschreibt wie neuronale Prozesse eine Folge des Geistes sein sollten (und wo/wie dieser dann a) sein soll und b) seine Steuerfunktion wahrnimmt).

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20. Juli 2008 05:36

Hoppla - Körper-Geist-Problem gelöst

Jan Dirks (Stechbart)

Ich hab manchmal das Gefühl, viele Hirnforscher haben sich irgendwie in ihrer Denkschleife verheddert. Die Prämisse lautet: Wo kein Gehirn, da kein Geist. Dass man genauso umgekehrt argumentieren könnte, wo kein Geist, da kein Gehirn, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Das Gehirn wird von vornherein a priori gesetzt und mit dieser Prämisse haben die schlauen Herrschaften das Körper-Geist-Problem bereits "gelöst", nur leider offenbar ohne es zu merken. Ach ja, so einfach ist das. Der Mechanismus des Gehirns und der einer Türklinke unterscheiden sich nur graduell, und wenn die Türklinke nur reichlich ausgetüftelt ist, wird irgendwann Geist emergieren, und der wird messbar sein, und empirisch beweisbar. Und solange da nichts zu messen wäre, wäre wissenschaftlich bewiesen, dass da noch kein Geist vorhanden ist. Bestünde also noch Verbesserungsbedarf an der Türklinke. Wohlverstanden, das Problem sind nicht die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Hirnforschung, sondern allein die abstrusen Schlüsse, die daraus gezogen werden und vor allem der alberne Anspruch, die Naturwissenschaft könne sogar das erklären, was im Rahmen ihrer Betrachtung gar nicht existieren KANN.

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20. Juli 2008 00:25

@Paulsen 2

Dieter Freundlieb (DFreundlieb)

Was epistemische und ethische Normen angeht, so ist Herr Paulsen mit mir einig, dass sie nicht aus Fakten abgeleitet werden können; weder aus naturwissenschaftlich noch aus geisteswissenschaftlich festgestellten. Wenn es aber um die (normative) Geltungsfrage selbst geht, sind wir verschiedener Meinung. Ich behaupte nämlich, dass man hier um das denkende Ich nicht herumkommt. Der Verweis auf soziale Interaktion hilft wenig. Die Qualität von Argumenten für oder gegen bestimmte Normen hängt nämlich nicht vom Faktum der Übereinstimmung unter sozialen Partnern ab (aus Fakten können keine Normen folgen!). Und die Geltung bzw. diskursive Begründung von Normen ist auch nicht eine Sache von Mehrheitsentscheidungen. Vielmehr geht es darum, ob die Begründung für jedes denkende Subjekt im Prinzip einsichtig ist. (In diesem Punkt hat selbst Habermas sein Diskurstheorie der Wahrheit vor einigen Jahren revidiert).

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20. Juli 2008 00:18

@Paulsen 1

Dieter Freundlieb (DFreundlieb)

Zu Herrn Paulsens neuerlichen Einwänden möchte ich Folgendes sagen: Einige seiner Statements verstehe ich einfach nicht. Ob das an mir oder an seinen Formulierungen liegt, will ich hier offen lassen (was bedeutet z.B. der Satz: „Hierbei gehen Naturwissenschaftler pragmatisch vor, d. h. sie passen ihre Vorabübereinkünfte den damit erzielten Ergebnissen an, funktioniert deshalb, weil Naturvorgänge nicht falsch sein können, es also einen absolutes Bezug gibt, dem man sich annähern kann“)? Es ist m.E. aber definitiv unrichtig zu behaupten, dass Erkenntnis- bzw. Wissenschaftstheorien mit Axiomen und Definitionen beginnen. Axiome mag es in den formalen Wissenschaften geben. Und mit Definitionen kommt man schnell an ein Ende. Karl R. Poppers ablehnende Haltung zu Definitionen ist bekannt. Und in falsifikationistischen Wissenschaftstheorien kann es auch keine Axiome geben. (Fortsetzung in Teil 2)

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20. Juli 2008 00:08

Experimentelle Widerlegung einer Erkenntnistheorie?

Dieter Freundlieb (DFreundlieb)

@ Rabe. Von Herrn Rabe trennen mich so viele Annahmen und Auffassungen zu der Debatte zwischen Singer und Janich, dass ein fruchtbarer Austausch von Argumenten kaum möglich zu sein scheint. Deshalb nur eine Richtigstellung: Moderne Erkenntnistheorien haben mit Religion nichts zu tun. Darüber ist man sich in der Philosophie wohl einig. Erkenntnistheorien haben auch nichts mit experimenteller Widerlegung zu tun. Vielmehr ist es hier so, dass so etwas wie eine experimentelle Widerlegung von naturwissenschaftlichen Hypothesen (oder ganzer Theorien) nur sinnvoll denkbar ist, wenn es eine zugrunde liegende Erkenntnistheorie (Wissenschaftstheorie) gibt, die festlegt, wann man überhaupt von einer experimentellen Widerlegung einer Hypothese/Theorie reden kann. Eine experimentelle Widerlegung einer Erkenntnistheorie ist ein Widersinn. Naturwissenschaften, die in den Begründungsformen für ihre Ansprüche, uns etwas in der Welt zu erklären, nicht logisch von Wissenschaftstheorien (als speziellen Formen von Erkenntnistheorien) abhängen, gibt es nicht. Es macht also gar keinen Sinn, einer Erkenntnistheorie vorzuwerfen, dass sie nicht experimentell widerlegbar ist.

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19. Juli 2008 23:18

Originale lesen

Maurice Hauss (MauriceH)

Da hier schon eine Einladung an einen Buchkritiker erfolgt, der zweifellos weiter moralische Arroganz zelebrieren wird, wird es höchste Zeit darauf zu verweisen, daß Originalarbeiten von Prof. Singer frei von Jedermann jederzeit zu lesen sind. Dies wäre, wie der Verlauf der Kommentare hier zeigt, auch dringend nötig. Einfach googeln mit "Wolf Singer MPIH", dort "Essays".

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19. Juli 2008 23:10

@ Herrn Rabe

Ralf Finger (R.Finger)

Herr Rabe, Sie fragen Herrn Freundlieb: "Warum soll ein Mensch sein eigenes Denken und Wesen nicht zu 100% verstehen und naturwissenschaftlich erklären können?" Ihren Optimismus über die Erkenntnisfähigkeit des Menschen und über die Machbarkeit geistvoller Maschinen in Ehren. Ich selbst verstehe mich trotz eines meist passabel funktionierenden Geistes auch nicht annähernd. Ich weiß und verstehe nicht, warum ich bspw. hetero- und nicht homosexuell bin. Können Sie diese banale Frage für sich beantworten? Und wenn Sie feststellen "Aus diesem und jenem Grund", kann ich weiterfragen: Und warum? Und warum? Und warum? Sie kommen in einen infiniten Regreß, den Sie entweder willkürlich abbrechen oder in dem Sie sich argumentativ im Kreis drehen. Jede Erkenntnis ist per se begrenzt. Ihre Vorstellungen über die vollständige Machbarkeit ist als Glauben einzustufen - Sie mögen Gründe haben - aber keinesfalls als Wissen. Zukunft ist nicht wißbar. Ihre Argumente sind Spekulation. Übrigens impliziert das Machen nicht notwendig das Verstehen. Was ich nicht verstehe ist, warum Sie den Menschen als komplexe, prinzipiell vollständig beherrschbare Maschine, als Ding, als Objekt betrachten WOLLEN. Können Sie mir dies sagen, und was soll daraus folgen?

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19. Juli 2008 22:50

there is no seamless web of cause and effect! II

Uwe Paulsen (Wohlmeinender)

Fortsetzung: deshalb kann es keinen kausalen bottom up approach vom Elementarteilchen zum ICH geben. Stattdessen müssen wir puzzlen. Hofstadter hat aufgezeigt, dass wir beim puzzlen auf mächtige Rückkopplungsschleifen (er nennt sie "seltsame Schleifen") stoßen. Diese sind essentiell für das Verständnis, deshalb noch einmal die Bitte, lesen Sie nach bei Hofstadter. Er hat in "Gödel, Escher, Bach" und in "Ich bin eine seltsame Schleife" weiterhin skizziert, dass das ICH/Geist/Seele Phänomen nichts ist, was quasi per göttlicher Schöpfung spontan ab einer gewissen Evolutionsstufe erscheint, sondern graduell in der Evolution vom Einzeller zum Menschen aufgebaut worden ist, in allen Lebewesen also vorhanden ist, bei einigen in zu vernachlässigender Menge, in ausgewachsenen gesunden Menschen voll ausgeprägt. Und ja, es ist prinzipiell möglich, Systeme zu bauen (nennen wir Sie Computer), welche das Phänomen ICH/Geist/Seele aufweisen, dem steht prinzipiell nichts entgegen. Haben wir die Anordnungsprinzipien unseres Puzzles einmal verstanden, können wir diese Prinzipien anwenden und optimieren. Nur eines funktioniert nicht: das Puzzle mit den Prinzipien der Kausalkette Newton'scher Mechanik lösen zu wollen.

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19. Juli 2008 22:34

there is no seamless web of cause and effect! I

Uwe Paulsen (Wohlmeinender)

@ Rabe: nun verwechseln Sie wieder Methode mit Ergebnis - ein Dilemma, welches auch die Diskussion zwischen Janich und Singer belastet :-( .... Also, das Phänomen ICH/Geist/Seele wird durch physikalische Prinzipien codiert, sei es durch Topographie (wie in einer CD), Elektrizität (flash speicher), Magnetismus (magnetische Festplatte), Nucleinbasen (DNA), Interferenzen oder sonst welchen Eigenschaften, die zum Teil noch unbekannt sein können, welche alle den Naturgesetzen gehorchen. Nur können Sie nicht aus diesen Naturgesetzen den dann noch notwendigen Code herleiten - there is no seamless web of cause and effect! Die Seefahrer haben gelernt, ihren Kurs aus dem Stand der Sterne abzuleiten trotzdem haben die physikalischen Vorgänge in den Sternen mit der Anwendung dieser Sterne zur Kursbestimmung nichts zu tun - no seamless web of cause and effect. Das naturwissenschaftliche Erkennen von ICH/Geist/Seele ist ein Puzzle Spiel, jedes Puzzleteil unterliegt den Naturgesetzen, aber die Puzzleteile werden nicht auseinander abgeleitet. Genauso wenig wie der in Computern eingesetzte binäre Code aus den physikalischen Eigenschaften von Polycarbonat (Stoff aus dem die CDs sind) oder Silizium (Festplatten) abgeleitet werden kann.

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19. Juli 2008 21:07

Geistes- versus Naturwissenschaften II

Uwe Paulsen (Wohlmeinender)

Fortsetzung: Sie konstatieren: "Es geht dabei ganz entscheidend auch um normativ-erkenntnistheoretische Fragen, die die Naturwissenschaft per definitionem nicht beantworten kann." Richtig, aus Beobachtungen der Natur und daraus abgeleiteten Naturgesetzen lassen sich keine normativen Kategorien für Menschen ableiten. Gleiches gilt aber auch für die Geisteswissenschaften. Normative Regeln sind nicht Ergebnisse von nachdenken sondern Ergebnis sozialer Interaktion von Individuen, werden schlicht ausgehandelt oder im Falle religiös begründeter Normen einfach postuliert. Das denkende Ich ist in der Tat nicht mehr als ein Ding in der Welt, wie kompliziert auch immer, aus dem sich keinerlei Normen – weder epistemische noch ethische – ableiten lassen. Und weil dieses so ist, kann man das Phänomen ICH/Geist/Seele erforschen und ergründen ohne dabei durch prinzipielle Einwände behindert zu sein. Diese Freiheit hat das denkende ICH und sollte sie nutzen.

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19. Juli 2008 21:00

@Herrn Paulsen nein, ich denke 'Geist' ist ableitbar

Paul Rabe (heidelpaul)

Da sind wir uns keineswegs einig. Ich bin, ganz im Gegenteil, der festen Auffassung, daß Phänomene wie 'Geist' oder 'Ich' nicht nur vollständig aus der Physik ableitbar sondern auch künstlich erzeugbar und damit vollständig verstehbar sein werden. Auch ein Affe hat ein 'Ich', wieso also nicht auch ein Computer ? Diesen (zukünftigen) Computer werden wir VOLLSTÄNDIG verstehen, jedes Bit. Wir werden genau wissen wie dieser 'Geist' reagiert wenn wir Parameter ändern. Bei einem Menschen kann man Opiate zufügen um Glücksgefühle zu erzeugen, oder ihn als Kind mit Musik berieseln um ihn zu einem Musiker zu formen, bei einem Rechner (der ähnlich wie ein Mensch denkt und 'fühlt') würden Parameter eingestellt, aber im Prinzip würde das nichts ändern. Man hat ein informationsverarbeitendes Objekt das bei einem bestimmten Input mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Output erzeugt. Das Gehirn mag schwieriger in der Vermessung sein, als ein Rechner dessen Parameter vollständig zugängig sind, aber das ist letztendlich nur ein technisches und kein grundsätzliches Problem. Auch beim Gehirn haben wir heute schon 'Schalter' deren Funktion wir gut kennen.

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19. Juli 2008 20:56

Geistes- versus Naturwissenschaften I

Uwe Paulsen (Wohlmeinender)

@ Freundlieb: Der Satz "Naturwissenschaft setzt Erkenntnistheorie bzw. Wissenschaftstheorie voraus – nicht umgekehrt." erklärt nichts. - Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie bauen genau so wie die Naturwissenschaften auf - um mit Janich zu formulieren - proto-Wissenschaften auf, sind also gezwungen, zunächst einmal Axiome und Definitionen zu erstellen. Hierbei gehen Naturwissenschaftler pragmatisch vor, d. h. sie passen ihre Vorabübereinkünfte den damit erzielten Ergebnissen an, funktioniert deshalb, weil Naturvorgänge nicht falsch sein können, es also einen absolutes Bezug gibt, dem man sich annähern kann. Die Geisteswissenschaftler haben diesen absoluten Bezugspunkt nicht, ihr Denken ist immer Teil des von Ihnen durchdachten, ist also Teil dessen, worüber sie nachdenken. Aus diesem Dilemma versucht man sich mit Streben nach "Wahrheit" zu entziehen, funktioniert aber nicht, und so sucht dann auch ein Kant verzweifelt nach der "Wahrheit in mir selbst". Unangenehme Konsequenz dieses Egotrips ist dann die auch von Ihnen formulierte Behauptung "das denkende Ich" wäre ein notwendiger absoluter Bezugspunkt für ethische Normen oder gar einem akzeptablen Freiheitsbegriff.

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