Deutschland sollte den Ägyptern Nofretete zurückgeben.
Es handelte sich hier um ein zu wichtiges Symbol der Welt- aber auch der ägyptischen Nationalkultur.
Es wäre vernünftig und sinnvoll, die kleine Plastik zurückzugeben.
Und die Sixtinische Madonna geht zurück nach Italien! Auch Norman Fosters Reichstagskuppel hat nichts in Berlin zu suchen. Ab nach England, wo sie hingehört! Und im Gegenzug muß natürlich auch die deutsche Abteilung im Louvre heim ins Reich geholt werden. Wo kommen wir den sonst hin, bei all diesem Durcheinander!
Über die Definition einer Kolonie läßt sich trefflich streiten,
aber eingeschränkte Souveränität und langjährige Stationierung
fremder Truppen gehören wohl ebenso dazu wie die
Kontrolle der Goldreserven.
So mancher seit 1945 vermißte deutsche Kulturschatz ist in den letzten Jahrzehnten auf den US-Markt gelangt und wurde mit deutschen Steuergeldern teuer von seinem US-Besitzer zurückgekauft...
Dann habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Alles was ich sagen wollte, ist dass ich die Argumentation des Artikels, der sich einfach auf die buchstabengetreue Legalität zu der Zeit berufen hat, erschreckend fand. Ich wollte gar nicht groß über das "ägyptische Volk" reden, habe mich nur auf einen anderen Kommentar berufen.
Die Kolonialisierung der halben Welt ist inzwischen allgemein als Verbrechen anerkannt. Wie ein anderer Kommentator auch angemerkt hat, ist dies sehr ähnlich zu der russischen Beutekunst im zweiten Weltkrieg: die Beschlagnahmung von Kunstwerken im besetzten Deutschland war (wahrscheinlich, bin kein Experte) nach russischem Militärrecht auch zulässig. Trotzdem ist und bleibt es ein Verbrechen und die Bilder sollten zurückgegeben werden. Das gleiche muss dann aber auch für Kulturgüter wie die Nofretete gelten (so schade es auch für Berlin wäre).
Ob ein Besatzungsregime mal zugestimmt hat oder nicht, kann vielleicht als juristische, ganz bestimmt aber nicht als moralische Rechtfertigung dienen!
Ägypten hat sich jahrhundertelang nicht nur nicht für seine Geschichte und Kulturschätze interessiert, sondern diese auch systematisch vernichtet. Erinnert sei nur daran, dass nach der arabischen Erorberung die Badehäuser in Kairo mit den unersetzlichen Handschriften der vorgefundenen Bibliotheken beheizt und die Monumentalbauten als Steinbrüche für Paläste und Moscheen missbraucht wurden.
Alles was heute an Kunstschätzen in den Museen der Welt ausgestellt ist, wurde von europäischen und amerikanischen Ausgräbern ans Tageslicht gebracht. Ineressanterweise fordert Ägypten immer die "Sahneteilchen" unter den Millionen Artefakten, ist aber selbst nicht in der Lage, die in seinem Besitz befindlichen Objekte agemessen zu präsentieren. Allein in den Katakomben des Nationalmuseums in Kairo lagern Schätze im Verborgenen, die in Europa erste Attraktionen wären. Allein deshalb gehört die Nofretete nach Deutschland!
Tatbeständen sich von dem unqualifizierten Geschrei eines Schauspielers, der sich als Wissenschaftler aufspielt, aufschrecken, provozieren, beeindrucken lassen (leider Herr Bartetzko eingeschlossen, denn ist der Lärm dieses autokratischen Selbstdarstellers einen Artikel wert?) und dann Urteile fällen, die rein "aus dem Bauch heraus" getroffen sind. Mit solchen "Bauchentscheidungen" sind dann auch schon oft genug durch Lynchjustiz genügend Leute zu Tode geprügelt oder aufgehängt worden, ohne die Chance auf einen fairen Prozeß zu bekommen. Haarsträubend, wie viele Leser, die sich wohl überwiegend auch noch selbst als zivilisiert bezeichnen würden, hier ihrem "gefühlten" Recht freien Lauf lassen. Die Rechtslage im Falle der Nofrete ist eindeutig, im Gegensatz zu einigen anderen berühmten antiken Kunstgegenständen.
Es soll aber auch z.B. nicht unerwähnt bleiben, was denn mit Kunstwerken geschehen kann, die nicht das Glück haben, von Fachleuten bei Zeiten gerettet zu werden. Als die Nag Hammadi Bücher 1945 in Ägypten gefunden wurden, machte der Finder erst einmal mit einem dieser unschätzbar wertvollen 2000 Jahre alten Büchern ein Feuerchen, um sich einen Tee zu kochen! Nicht auszudenken, was mit Nofretete passiert wäre.
Nofretete war die Gemahlin des Pharaos Echnaton. Die Büste wurde von ägyptischen Künstlern hergestellt und stellt ein Meisterwerk altägyptischer Kunst dar. Die Person Nofretete ist damit unzertrennbar mit der ägyptischen Geschichte und Kultur verbunden.
Dass sie Anfang des 20.Jahrhunderts von deutschen Archäologen gefunden und seitdem gepflegt und bewundert wurde, ist den Deutschen sicherlich hoch anzurechnen. Doch will man ehrlich sein, muss man zugeben, dass Nofretete den Deutschen eigentlich gar nichts bedeutet. Sie ist nicht Teil ihrer Kultur.
Wieso werden in Berlin nicht Meisterwerke aus germanischer Zeit ausgestellt.
Nofretete gehört an den Ort ihres Ursprungs nach Ägypten.
Zahi Hawass ist sicherlich ein Opportunist. Ihm geht es nicht um das Kunstwerk, um das Symbol Nofretete, sondern um die Touristenattraktion.
Nicht wegen Zahi Hawass gehört die Nofretete nach Ägypten, sondern wegen des ägyptischen Volkes, welches durch koloniale Bevormundung der Briten und Franzosen, der sie nie zugestimmt hatte, eines ihrer Meisterwerke beraubt wurde.
Übrigens: Wenn die Nofretete so schwer zu transportieren ist, wie hat sie dann die Reise aus Ägypten nach Berlin überstanden???
@ Herrn Ruebner
Es ist schon richtig, dass Kunst und Kultur die Identitaet eines Volkes mitbegruenden, allerdings ist es im Falle Aegyptens hoechst fragwuerdig, ob die islamische Mehrheit Aegyptens ueberhaupt einen kulturellen Bezug zur Pharaonenzeit hat.
Erst als das islamische Agypten merkte, dass Pyramiden, Grabkammern und Tempelanlagen gewinnbringend zu vermarkten sind, versuchte man den Raub aus den Grabkammern, die Zerstoerung und den Umbau der alten Tempelanlagen in Moscheen und die Zerstoerung der Pyramiden einzugrenzen.
Tatsaechlich sieht sich die muslimische Mehrheit aegyptens nicht als direkte Nachfolger der Pharaonen. Dies sei die – wohl unterdrueckte – koptische Minderheit.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Bueste der Nofretete heute in der Lagerhalle des voellig ueberfuellten agyptischen Museums Kairo vor sich hinstaubte, waere sie nicht nach Berlin gelangt und da durch starke Promotion zu einem weltberuehmten Kunstwerk erhoben.
mit gleichem Recht könnte man behaupten, Nofretete gehöre der Türkei als Nachfolgerin des osmanischen Reiches, dessen Provinz Ägypten Jahrhundertelang war. Oder nach deren Ende den Briten, die Ägypten überhaupt erst wieder nationale Eigenständigkeit ermöglicht haben. Und wer bitte soll das "ägyptische Volk" in dieser Diskontinuität sein?
Wie auch immer: man kann die Sache auch aus rechtlicher Sicht nur aus den jeweiligen Umständen heraus bewerten, alles andere wäre Willkür, und danach hat die ägyptische Antikenverwaltung der Ausfuhr zugestimmt. Fertig.
Das weiß natürlich auch Hawass, der vermutlich auch nicht im Ernst daran glaubt, die Büste wirklich zu erhalten. Aber er wäre eben nicht Hawass, wenn er deswegen nicht alle paar Jahre einen neuen Streit vom Zaun brechen würde.
Oder für die Dauerleihe Gebühren an Israel zahlen.
Nofretete ist das berührendste Kunstwerk, vor dem ich jemals stand.
Rechtmäßig gehört sie nach Ägypten. Man stelle sich vor, die Amerikaner hätten aus Deutschland eine Kolonie gemacht und mit Erlaubnis der Franzosen Goethes und Schillers Überbleibsel in die USA geschafft, gerne mit dem Argument: Die Deutschen kümmern sich nicht drum. Das Gezeter um die Rückgabe würde keine Ende nehmen! Aber den Ägyptern kann man ja Desinteresse an ihrer Kunst vorwerfen, gell? Die Debatte ist verlogen. Raubrittertum nenne ich das. Bei Kunstwerken ist klar: Der Kultur, in der sie entstanden, gehören sie auch. Da hilft auch alles Geld nicht. Und: Nofretete sei nicht transportierbar? Nach Deutschland konnte sie immerhin bewegt werden, und da war sie nicht viel jünger.
1. Vor Abtransport der Beutekunst gab es ein internationales Gesetz, das Beutekunst grundsätzlich verbot. 2. Welches Gesetz sollte für die Rückführung der Nofretete gelten? 3. Die abgetragene Verkleidung etwa der Cheops-Pyramide können Sie offenen Auges überall in Kairo sehen. Aber auch der römischen Tempel in den dortigen Kirchen. Zu 1.: Haben Sie einmal gesehen/ gelesen, wie es um den konservatorischen Zustand des Großteils der Beutekunst in den russischen Depots bestellt ist? An dem von Ihnen sicher geschätzten Pergamonaltar wird noch heute restauriert. Zu 2.: Nach europäischer Gesetzgebung müsste ein Gericht den "Antikenräubern" und Rechtsnachfolgern bei der Verschmierung "arglistige Täuschung" behufs krimineller Umgehung des Ausfuhrverbots nachweisen. Auch ägyptischen Arbeitern als Beihelfern? Zu 3.: Wenn Sie mal im Ägytischen Nationalmuseum in Kairo waren, dann konnten Sie sich überzeugen, wie es bisher
um die von Herrn Dr.Hawass berufene "ägyptische Identität" bestellt war? Wie es auf dem Giza-Plateau und selbst in den Pyramidengängen aussieht/ aussah? Wie sähe das "rohe Ei" Nofretete in Kürze aus? Eine letzte Frage: Wer bezahlt die Raten für die Millionenversicherung? Herr Hawass? Jorge Loma
Lieber Vorredner Hannibal Barca,
zu der Zeit interessierte sich niemand, aber auch niemand für die alten Schätze Agyptens. Genausowenig wie sich die Taliban für die Buddhas interessierten, die sie dann auch zerstörten. Das Interesse wurde nur durch den Westen geweckt, und dass man damit Geld verdienen konnte. Das zeigen doch die regelmässigen Grabraubungen.
Insofern gibt es da nix zu deuteln: Niemand interessierte sich, es sei denn man bekam Geld dafür, dann wurde alles verhökert. Wenn natürlich ein Gegenstand wunderbar restauriert im Westen steht und viel Geld einbringt, ist das Interesse riesig.
Nicht nur Agypten, auch Griechenland und andere Staaten fordern immer mal wieder die Altertümer zurück, die damals von den europäischen Ausgräbern mitgenommen wurden. Dies zu einer Zeit, als die Einheimischen weder Ahnung noch Interesse an diesen Dingen hatten. Nun kann man sicher argumentieren, daß Kulturgüter nach dem Völkerrecht nicht geraubt werden dürfen. Andererseits haben europäische Archäologen damals viele Schätze vor dem Untergang gerettet, oft war es ein Wettlauf mit Grabräubern. Und so schlimm scheint es auch für die betroffenen Ländern nicht zu sein, sie erlauben auch heute noch unseren Archäologen, mit unserem Geld deren Kulturgüter auszugraben, um sie dann in deren Museen auszustellen.
Daß viele Schätze in europäischen Museen stehen, hat den Vorteil, daß sie einer viel größeren Zahl von Besuchern zugänglich sind, die sonst kaum die Möglichkeit hätten, Ägypten oder andere Länder zu besuchen - nicht nur, weil die Lage in einigen dieser Länder eine Reise zu einem lebensgefährlichen Abenteuer machen würde.
Ich hoffe, daß die deutschen Museen da genauso handeln werden wie die britischen und französischen - und die Schätze behalten.
Wo sind wir denn, Herr Hawass? Auf dem Bazar? Sie wissen doch, dass die Büste untransportierbar ist. Wo waren Sie denn, als die Skulptur aus dem Alten ins Neue Museum mit extremer Vorsicht transportiert werden musste? Oder: als sie von West- nach Ost-Berlin verbracht wurde? Was sind Sie: Wissenschaftler? oder glauben Sie den Konservatoren - immerhin Ihren Kollegen - nicht? Wie soll man denn dann Ihnen glauben? Zudem: Was ist Ihr Rechtsverständnis? Worauf gründen Sie Ihre Aussage, dass die Büste "absichtlich", also vorsätzlich von Borchart, Simon und vielleicht sogar ägyptischen Arbeitern verschmiert wurde, um über ihren Wert hinwegzutäuschen? Weisen Sie ein Gesetz über ein Ausfuhrverbot ägyptischer Altertümer vor! Weisen Sie nach, dass Ihre Behörden "arglistig getäuscht" wurden! Bitte wiederum um Tat-Zeugen!
Was für einen Handel treiben Sie? "Divide et impera"? London und Berlin und dann St.Petersburg und Turin und Leipzig und ... Jorge Loma
Meine Meinung: Es ist schon reichlich frivol, von "ägyptischer Identität" als Synonym für Sensationsmache und sprudelnde Fotocopyrightgebühren zu sprechen und in den Wind zu schlagen, was in über 200 Jahren für die ägyptische Archäologie von hier aus getan wurde!