Karadzic-Festnahme

Kriegsverbrecher arbeitete als Arzt

Nach jahrelanger Flucht ist der wegen Kriegsverbrechen angeklagte ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gefasst worden. Er hatte unter falscher Identität in Belgrad gelebt. Karadzic werde schon bald an das UN-Tribunal überstellt, heißt es in Belgrad.

Lesermeinungen zum Beitrag

24. Juli 2008 14:25

Genau umgekehrt, Herr Vogel!

Gabor von Zoltan (Putinras)

Da kann ich Ihnen keineswegs beistimmen: Es sind nicht einfach die diktatorischen Regime, welche die Menschen vom Weiterkommen abhielten, sondern eben auch viele Menschen, die sich dem rationellen Weiterdenken verweigerten und deshalb immer wieder in die Diktaturfalle (mit möglichst einfachen Gut-Böse-Unterscheidung) liefen. Auch meine ich, dass sie Frau Maric Unrecht zufügen, wenn Sie sie ("Wie man den letzten Kommentaren entnehmen kann...") in denselben Topf schmeissen, wie Hr. Samardzic. Frau Maric weist auf ein paar Fakten hin und steht durchaus zu den Verbrechen der Ustascha. Herr Samardzic dagegen ist das beste Beispiel jener Mentalität, die immergleiche Mythen (die am Schluss doch nur auf ein einziges "Alle sind gegen uns!" hinauslaufen) zu Wahrheiten erklären, von denen sie dann selber überzeugt sind (er erwähnt "...kroatischen natzionalismus und rassismus..." während die Serben damals gerade die Autonomien der Magyaren und Kosovo-Albander abgeschafft hatten) und dafür auch gerne mal Ursache und Wirkung vertauschen: Der Hinweis auf islamische Fanatiker in Bosnien ist lächerlich, da diese ohne den serbischen Vernichtungskrieg gegen die bosnischen Muslime gar nie eine Chance gegen deren weltlichem Islambild gehabt hätten!

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24. Juli 2008 13:19

Denken mit der Wut im Bauch

Jürgen Vogel (pascht)

Wie man den letzten Kommentaren entnehemen kann, haben alle Beteiligten in dem Völkermorden auf dem Balkan nichts gelernt. Ihr Denken ist typisch balkanisch, mit viel Wut im Bauch und wenig Denken. Es wird Zeit durch die EU, in alle Länder des Balkans das zu tragen, was die Nationen Westeuropas aus dem zweiten Weltkrieg leidvoll lernen mussten, Freiheit un gegnseitiger Respekt kann nicht erkämpft werden, sondern muss im Zusammenleben erarbeitet werden, wozu aber die Völker das Balkans bis heute nicht die Chance hatten, wegen der diktatorischen Regime, die sich gleich nach dem zweiten WK dort installierten.

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23. Juli 2008 16:58

Geschichtsstunde für Sale S. II

sanja maric (s.maric)

Und wenn es Kreise gab, die die Ustascha Tradition aufleben lassen wollte, so wurde dies durch die Behörden in Kroatien unterbunden. In Serbien sympathisierten allerdings Gestalten wie Vuk Draskovic (später im neuen "demokratischen" Serbien Außenminister), der Sozialist Milosevic, Radovan Karadzic offen mit der Tschetnikbewegung. Der serbischen Minderheiten wurde in Kroatien auch nahegelegt den kroatischen Staat anzuerkennen, was viele partout nicht wollten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die meisten Serben wollten lieber ihren Staat auf kroatischem Gebiet, den sie dann auch durch die "balvan-revolucija" ausgerugfen haben. Ihr Einwand , dass in diesen Gebieten sowieso über 90% Serben gelebt haben ist fehl am Platz. Erstens sind diese Zahlen der antikroatischen Politik im 2. Jugoslawien zu verdanken, die die Auswanderung der Kroaten aus diesen Gebieten gefördert und die Ansiedlung durch Serben begünstigt hat. Zweitens, es geht nicht um die Besiedlung der gebiete, sondern um das Gebiet an sich. Ein Beispiel: Es können noch dreimal so viele Türken nach Berlin ziehen, Berlin bleibt eine Stadt auf deutschem Gebiet. In BiH bringen sie Aktion und Reaktion auch durcheinander.

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23. Juli 2008 16:47

Geschichtsstunde für Sale S.

sanja maric (s.maric)

Tut mir leid Ihnen widersprechen zu müssen, aber Sie bringen etwas gewaltig durcheinander, z.B. die Chronologie der Ereignisse, Akteure in der Geschichte und das würzen Sie noch mit dem alten serbischen Gejammer von den bösen Deutschen, die die Ustascha unterstützt haben und die letztendlich Jugoslawien zerstört haben (sollen) Den Zerfall Jugoslawiens haben nicht die Kroaten eingeleitet, sondern der Großserbe Milosevic höchstpersönlich. Angefangen hat es mit der Rede auf dem Kosovo und der Aufhebeung des Autonomiestatus des Kosovo und der Vojvodina. Spätestens da hätte jedem klar sein müssen, dass Jugoslawien nicht mehr überleben wird. Zu ihrem Ustascha Vorwurf: Diese Bewegung entstand vor dem 2. WK als Reaktion auf den großserbischen Nationalismus im ersten jugoslawischen Staat. Im 2. WK kollaborierte man mit den Deutschen zusammen und begang Verbrechen (da haben Sie ausnahmsweise völlig recht). Man stand aber in nichts den faschistischen Tschetniks (Serben) nach. Im kroatischen Verteidigungskrieg aus den 90ern waren aber keine Ustascha zu finden. Wie auch, wenn der damalige kroatische Präsident Tudjman, ein ehemaliger Partisanenkämpfer aus dem 2. WK war.

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23. Juli 2008 11:27

staat im staat

Sale Samardzic (kosmet)

@sanja geschichte ist hier sehr hilfreich und ein gutes stichwort. die kroaten möchten sich von jugoslawien abspalten, unterstützt durch die faschistischen und rassistischen ustasa, welche schon im 2. weltkrieg zusammen mit den nazis serben verfolgt und ins kz gesteckt haben. das ruft wiederum erinnerungen der serben aus der krajina und auf den gebieten bosniens und der hercegovina hervor. erschrocken durch diesen kroatischen nazionalismus und rassismus, versuchen sie sich durch eine autonomie zu schützen. in der damaligen krajina lebten in einigen gebieten über 90 prozent serben. heute hat serbien die meißten flüchtlinge in ganz europa, und diese stammen aus der krajina und vom kosovo. das ist die traurige kettenreaktion. in slowenien gab es keine befürchtungen, da diese eine andere mentalität haben und nicht so fanatisch waren wie die nationalistischen kroaten. das gleiche spielchen später in bosnien und hercegovina. muslimische fanatiker lassen sich durch die islamistischen staaten aufrüsten und erhalten ihre "gotteskrieger" aus den schurkenstaaten. heute hat bosnien prunkvolle minarette in jedem kleinsten kaff. alles durch gelder aus den arabischen und übrigen islamischen ländern. hungern aber aufgrund von arbeitslosigkeit.

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23. Juli 2008 11:02

Blödsinniges Geplänkel vs. echtes Reflektieren

Gabor von Zoltan (Putinras)

Anstatt sich immer wieder aufs Neue durch Mythen und Halbwahrheiten (die man dazu eigens konstuieren muss) als Opfer darzustellen und der Welt bis zum Gähnkrampf zu erklären, dass sie alle immer und immer nur unschuldige Opfer seien, wäre es wirklich an der Zeit, dass sich auch nationalistischste Serben einfach mal der Faktenlage stellen würden: Also auch mal ganz abgesehen vom gegenseitigen Schuldzuweisen! Und da fällt dann einfach - bald zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall Jugoslawiens - vor allem eins auf: Dass niemand, aber auch gar niemand (noch nicht einmal die traditionell am Stärksten mit den Serben verbundenen Montenegriner), Lust haben mit Serbien in einem Staatenbund zu verbleiben. Wäre es da vielleicht nicht langsam an der Zeit sich für ein funktionierendes Staatswesen, dass ALLEN Bürgern dieselbe Wertigkeit zukommen liesse, einzusetzen, anstatt sich immer neue Kopfgeburten auszudenken, die nur wieder und wieder von der eigenen Verantwortung ablenken?!

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22. Juli 2008 22:07

@ sale

sanja maric (s.maric)

Sie scheinen genügend serbische Literatur zur Geschichte gelesen zu haben. Vielleicht sollten Sie es auch mit objektiveren Quellen versuchen. Dann würden sie herausfinden, dass man Gotvina und Karadzic nicht auf die gleiche Stufe stellen kann. Kurzer Überblick über die Geschehnisse,Kroatien ist bestrebt sich unabhängig zu machen, weil man nicht mehr gewillt ist in einem gemeinsamen Staat mit den Serben zu leben. Darufhin rufen die Serben in Kroatien die Saokrajina aus, richten "ihren" Staat auf kroatischem Gebiet ein und vertreiben aus diesen Gebieten die letzten Nichtserben, zerstören ganze Städte wie Vukovar. Anstatt, dass die Staatengemeinschaft ernshaft eingreift, wird mit Milosevic und anderen serbischen Verbrechern verhandelt, jahrelang. Die Verhandlungen laufen ohne Erfolge ab, es geschieht noch BiH. Das Jahr 1995 kommt, in BiH haben die Serben Srebrenica schon angerichtet, das gleiche Schicksal droht auch Bihac zu erfassen. Den Amerikanern wird es zu bunt, man gibt den Kroaten grünes Licht ihr Gebiet zu befreien und zwingt die Kroaten und Bosniaken sich in BiH zusammenzuraufen und den Serben entgegenzutreten. Die Aktion läuft erfolgreich ab und das Fundament für den Frieden von Dayton wird gelegt.

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22. Juli 2008 20:32

Gotovina

Sale Samardzic (kosmet)

@Sanja Maric Höre ich da Freisprüche für Gotovina? Zu einem Kriegsverbrecher, der hunderttausende serbische Zivilisten aus der Krajina vertrieben hat? Sie müssen sich lieber die Frage stellen mit welchem Recht die kroatischen Behörden und Gericht serbisches Eigentum einfach konfiszieren und frei darüber verfügen und verkaufen?! Aber die Kroaten werden natürlich wie im zweiten Weltkrieg von Deutschland unterstützt. Mit Hilfe des BND wurde die Abspaltung vom damaligen Jugoslawien verstärkt und verwirklicht. Damit sich die Serbenfrage lösen kann, natürlich auch mit Waffen unterstützt. Aber wenn so etwas die Amerikaner oder Deutschen machen, dann ist es natürlich legal und Gerecht.

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22. Juli 2008 20:06

Wieso erst jetzt? IV

sanja maric (s.maric)

Und jetzt wird etwas längst Überfälliges als "historischer" Moment gefeiert. Wohlgemerkt nur eine teuer erkaufte Verhaftung, nicht die Verurteilung eines der größten Verbrecher, der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts in Europa. Wie viele Schläge ins Gesicht sollen die Opfer im ehemaligen Jugoslawien noch von der EU kassieren?

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22. Juli 2008 20:03

Wieso erst jetzt? III

sanja maric (s.maric)

Serbien (Agressor) wird gelobt, dass die Zusammenarbeit gut klappt. Wie man das verstehen soll, versteht der Normalsterbliche wahrscheinlich nicht. Jetzt hat man Karadzic endlich gefasst und schon veranstalten die EU Politiker ein Wettrennen, wer den Serben mehr Belohnung in Aussicht stellt. Vergessen wird dabei anscheinend, dass der andere Schlachter, Mladic, immer noch auf freiem Fuß ist. Und sich mit großer Sicherheit ebenfalls irgendwo in Serbien "versteckt". Von anderen Verbrechern, wie z.B. Hadzic, möchte ich jetzt gar nicht reden. Somit verpassen diese EU Politikern den Opfer weitere Stiche und rehabilitieren die Verbrecher. Erst halten sie wie verrückt an Jugoslawien fest. Dann schauen sie tatenlos zu, wie Vukovar, Dubrovnik zerstört werden. Obwohl "tatenlos" stimmt nicht ganz, man hatte schließlich ein Waffenembargo auf alle Kriegspartein eingeführt und damit den hochbewaffneten Serben in die Hände gespielt. Dann schauen niederländische UN Soldaten tatenlos zu, wie Srebrenica geschieht und werden vor Kurzem für ihre Aufgabe von der Königin geehrt. Dann konzentriert man sich darauf Generäle zu verhaften, die den Verteidigungskrieg geführt haben, statt sich um Beweise zu kümmern um Milosevic zu verurteilen.

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22. Juli 2008 19:50

Wieso erst jetzt? II

sanja maric (s.maric)

Das glaubt niemand, der zwei und zwei zusammen zählen kann. Wieso er erst jetzt gefasst worden ist, wird noch die Zukunft zeigen, aber dahinter steckt sicher ein gut durchdachter Plan der serbischen Führung. Vielleicht Gelder zu kassieren um der maroden Wirtschaft zu helfen, vielleicht um zu verhindern, dass ads Kosovo zu einem richtigen Staat wird. Auch ist es sehr komisch, dass er gerade dann gefasst wird, wenn der Prozess gegen den kroatischen General Gotovina im vollen Gange ist und die Verteidigung gerade dabei ist zu dokumentieren, was eigentlich jedem normalen Menschen bekannt sein sollte, außer den Anklägern in Den Haag, wer in dem Krieg zwischen Serbien und Kroatien das Opfer war und wer der Täter. Soll vielleicht Druck auf die Richter ausgeübt werden, trotz entlastender Zeugen, Gotovina zu verurteilen um Opfer und Täter gleichzustellen? Auch sollte man auf die Reaktionen aus Den haag gespannt sein, Kroatien ist vorgeworfen worden, Gotovina versteckt zu halten. Es kam dann heraus, dass er sich überall aufgehalten hat, nur nicht in Kroatien. Karadzic hat sich aber die ganze Zeit in Belgrad aufgehalten. Trotzdem wird Kroatien(Opfer) angeprangert, weil die Zusammenarbeit angeblich nicht klappt.

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22. Juli 2008 19:39

Wieso erst jetzt?

sanja maric (s.maric)

Karadzic ist gefasst, nachdem man ihn über ein Jahrzehnt "gesucht" hat. Kann man sich, als Mensch mit ausgeprägtem Rechtsbewusstsein, darüber freuen? Nein. Denn, er ist erst einmal nur gefasst, aber immer noch in Serbien. Die Auslieferung nach Den Haag werden sich die Serben fürstlich bezahlen lassen, auch durch unsere Steuergelder. Wenn er ausgeliefert wird, ist das auch nur die halbe Miete. Denn, wenn man die Arbeit des Tribunals verfolgt, ist nicht viel dabei herausgekommen, außer fürstliche Gehälter für Juristen, die sehr darum bemüht sind, die Grenzen zwischen Opfern und Tätern zu verwischen. So ist es nicht verwunderlich, dass man es nicht geschafft hat, Milosevic zu verurteilen, obwohl man genügend Zeit dafür gehabt hätte, dass die drei Hauptschlächter von Vukovar für fast 300 Menschenleben und die Zerstörung einer ganzen Stadt zusammen 25 Jahre bekommen haben, bei einem Freispruch; dass man erst kürzlich dem Mann, der Angriffe auf die zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt von von Dubrovnik, befohlen hat, die ohnehin geringe Haftstrafe noch weiter reduziert hat. Und auch die Geschichte um Karadzic stinkt zum Himmel. Da lebt der meistgesuchteste Kriegsverbrecher jahrelang mitten Belgrad und keiner will es bemerkt haben.

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22. Juli 2008 18:14

zu werner stettner

Sale Samardzic (kosmet)

kompliment und anerkennung. ein sehr reeller und unabhängiger kommentar, frei ab von der herrschenden mediennmaschinerie und meinungsmache. ein terroristenführer einer albanischen seperatistenbewegung (ramush haradinaj) und ein weiterer bosnischer kriegsverbrecher (naser oric) werden einfach begnadigt oder freigesprochen. und somit werden ihre taten legalisiert und vergessen. das sollte man nicht aus den augen verlieren!

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22. Juli 2008 17:07

Der eine mutm. Kriegsverbrecher arbeitet als Arzt, ein anderer als Präsident

Andreas Mooshammer (andimoosi)

Die Verhaftung des Serben ist richtig, wenn auch mutmassliche Kriegsverbrecher, welche dem westlichen Wertesystem angehören, wie G. W. Bush z. B. inhaftiert würden. Bei beiden ist die Verantwortung für Massenmord und Kriegsverbrechen offensichtlich. Onsonsten wäre es nur Siegerjustitz.

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22. Juli 2008 16:03

@von Steuben

Alexander Berg (AlexanderBerg)

Ihre gerade angeführten Beispiele hinken großteils, denn es war von Kriegsverbrechen in Europa die Rede.

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