Gemeinsames Gedenken, unterschiedliche Erinnerungen: Brown, Sarkozy und Merkel am 9. November in Berlin

Gedenken an den Ersten Weltkrieg

Sinnstiftend für die französische Nation

Nie war ein Bundeskanzler bereit zu tun, was Angela Merkel heute macht: am Pariser Triumphbogen das Ende des Ersten Weltkriegs zu feiern. Sie erfüllt einen Wunsch von Nicolas Sarkozy. Von Michaela Wiegel, Paris

Lesermeinungen zum Beitrag

14. November 2009 19:30

Angela is the best!

pauline mohr (paulinemohr)

Schade, dass wir keine "Angela" in Österreich haben. Wir haben seit Jahren nur Amateure in der Regierung - und keinen Staatsmann - weit und breit. Bei uns wird "dahingewurschtelt", und in Kärnten wird der tote Rechtsaussen Haider beatifiziert, und hat schon ein eigenes Museum.
Ein Königreich für eine austriakische "Angela"!

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14. November 2009 07:54

Geschichtsklitterung 2

Hubert Paul Schilling (hubertpaulschilling)

Große Gesten brauchen ihre Zeit, Aufarbeitung der Vergangenheit und Aussöhnung sind anscheinend nur unter Demokratien möglich. Adenauer und de Gaulle in Reims (1962), Kohl und Mitterand in Douaumont (1984), Schröder (" Die Erinnerung Frankreichs an den 6. Juni 1944 ist eine andere als die Deutschlands. Und doch münden sie in einer gemeinsamen Überzeugung: Wir wollen Frieden.") im Jahre 2004 bei den Gedenkfeiern zum 6. Juni 1944 in der Normandie, Frau Merkel am 11. November 2009 unter dem Triumphbogen, die deutsche Nationalhymne und "Freude schöner Götterfunken", gesungen von einem Chor der französischen Armee: da wird niemand am Nasenring gezogen, das sind Gesten mit Symbolkraft für die Zunkunft.

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14. November 2009 07:53

Geschichtsklitterung 1

Hubert Paul Schilling (hubertpaulschilling)

Bei der Lektüre einiger Leserbriefe glaubt man sich in einem Anfängerseminar für Geschichtsklitterung und Frankophobie. Halten wir fest - und dies ist kein masochistischer Akt der Selbstgeißelung - daß die Kriege von 1871, 1914 und 1939 deutsche Angriffskriege waren. Die Ausrufung des Deutschen Reiches (1871) in Versailles und die Pariser Vorortverträge (1919) waren keine diplomatischen Meisterwerke. In der kurzen Zeit einer funktionierenden Weimarer Republik war es Stresemann und Briand möglich, Aussöhnung und Zusammenarbeit zu praktizieren. Die Rechten arbeiteten derweil - und dazu brauchten sie weder Inflation noch Weltwirtschaftskrise - an der Zerstörung dieser Demokratie und forderten Rache für Versailles. Erwähnt sei nebenbei, daß die Reparationszahlungen schon 1932, also noch vor der "Machtergreifung", eingestellt wurden. Und was dann kam, hat dazu geführt, daß nicht der 9. November, sondern der 3. Oktober deutscher Nationalfeiertag wurde.

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11. November 2009 20:01

@Ronald Gruenebaum (bruxman)

Michael Mitzsch (Mutzsch)

"Die letzten beiden Kriege haben wir zu Recht verloren und davon profitiert." Also, das kann m.E. nicht so stehen bleiben. Wieso zu Recht verloren? Und wie hat Deutschland von der Niederlage des 1. Weltkrieges provitiert - Gebietsabtretungen, Reparationen? Wie von der des Zweiten WKs - Teilung Deutschlands?
Niederlage heißt Niederlage nicht, weil man dadurch gewinnt!

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11. November 2009 19:37

"Liebe zu Frankreich"

Rolf-Peter Lacher (Ganbat)

Man muss nicht durch Frankreich radeln, um immer wieder festzustellen, dass Franzosen uns freundlich begegnen. Das erfährt man bei den Partnerschaftstreffen zwischen französischen und deutschen Städten immer wieder. Aber bei solchen Gelegenheiten erfährt man auch wohlwollendes Mitleid: Ach, ihr Deutschen, ihr armen Deutschen sterbt ja aus, wie schade. In der französischen Presse wird durchaus festgestellt und zwar mit Genugtuung, dass Deutschland in wenigen Jahrzehnten weniger Einwohner haben wird als Frankreich. In diesen Zusammenhang gehört ein solcher Vorgang wie Merkels Teilnahme an der Feier in Paris. Und nebenbei bemerkt: von "Liebe zu Frankreich" oder auch zu Deutschland zu sprechen, ist doch reiner Kitsch. Man liebt, wie Heinemann sagte, seine Frau und seine Familie und sonst nichts. Herr Pohl, es reicht zu sagen, dass Sie Freunde in Frankreich haben oder dass es Ihnen dort gefällt. Natürlich, wir Nicht-Politiker verstehen uns mit den "normalen" Menschen,ob es Franzosen oder Eskimos sind. Ich bin aber davon überzeugt, dass das Bewußtsein der französischen politischen Klasse unverändert gegen Deutschland gerichtet ist.

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11. November 2009 16:09

Grenzen

Jörg Pflieger (BuergeJoerg)

Es gibt Grenzen der Beliebigkeit und es gibt Grenzen der Selbstachtung.
(von Stolz o.ä. braucht man bei uns Deutschen gar nicht mehr reden).
Frau Merkel hat mit Ihrer Teilnahme an diesen Feierlichkeiten wieder einmal eine Grenze überschritten. Für die europäische Integration werfen sich unsere politischen Eliten allerdings vor jedem in den Staub, so daß ich mich nicht wirklich wundere.
Jedes Volk, jede Nation hat die Politiker die es verdient.

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11. November 2009 15:48

@pohl

Carl Eric Vethal (malta22)

Danke für diesen sachlich richtigen und wertvollen Kommentar. Sie sprechen mir aus dem Herzen.

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11. November 2009 15:22

Die einzig 'sinnstiftende' Maßnahme (um bei diesem Sprachgebrauch zu ...

Klaus P. Lücke (microplan2002)

... bleiben), die Frankreichs Staatspräsident Sarkiozy vornehmen könnte, wäre die, auf Siegesfeiern (auch etwa diejenige zum 8. Mai 1945 und nicht nur diese jetzt im Zusammenhang mit dem Ende des Ersten WEltkriegs) zu verzichten. Aber so weit ist der 'Verbündete' und 'EU-Partner' Frankreich offenkundig noch nicht !? (genauso wenig wie z.B. etwa Russland ...). Was Frau Merkel da macht ist nichts anders als die Fortsetzung der von Willy Brandt ein Warschau eingeleiteten 'Außenpolitik by Kniefall'. (zu der Genschers Scheckbuchdiplomatie wie die Faust aufs Auge passte). Auf derartige Perversionen sollte ein Staat wie Deutschland allmählich verzichten können, wenn es wirklich stimmen sollte, dass inzwischen angeblich Normalität im Verhältnis zwischen den Völkern eingetreten sei ... Aber vermutlich ist auch das nur eine Propagandalüge.

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11. November 2009 14:48

Merkelsche Dialektik

Daniel Leiprecht (Daniel_Leiprecht)

Der 11. November 1918 markierte bislang nach Übereinkunft der Historiker den Tag, an dem der Krieg mit Mitteln der Politik seine Fortsetzung fand. Wie die in jungen Jahren in Dialektik geschulte Kanzlerin diesen Tag in ein "Fest des Friedens" umzudeuten vermag, entzieht sich meinem Verständnis.

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11. November 2009 14:07

Bedenkliches Geschichtsverständnis ...

Jens-Christian Pohl (punxsatawnyphil)

Nun frage ich mich, ob man, wie ich, einige tausend Kilometer durch Frankreich geradelt sein muss, um manche Dinge anders zu sehen. Denn macht man es, so wird man in jedem kleinen Dorf ein von Granaten umstandenes Denkmal für die aus dem Dorfe stammenden gefallenen 'Poilus' dieser "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts finden. Vielleicht könnte es helfen, um sich in die Bedeutung dieses Krieges für die breite französische Bevölkerung, ein wenig einzufühlen. Und man kann und sollte auch mit unseren Nachbarn sprechen - täte man es, so würde man erkennen, dass sie weder "Erbfeinde" sind, noch wohl je waren.
Nicht jeder muss meine Liebe zu Frankreich teilen, gewiss nicht. Aber den Franzosen zu diesem 11. November, Triumphgeheul und niedere Absichten zu unterstellen und nicht Gedenken an die Schrecken der Vergangenheit in einem Europa des 21. Jahrhunderts, zeugt wirklich von einer armseligen Geisteshaltung sonder Gleichen. Wer an der Geste dieser Einladung von Sarkozy an Merkel meint, Nationalismus und Revanchismus auszumachen, muss sich fragen lassen, ob er nicht sein eigenes Geschichtsbild andern unterstellt.
Schade, dass die FAZ immer noch solche Leser hat.

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11. November 2009 13:37

Es war überfällig

Anne Bühler (anneberlin)

dass ein deutscher Staatsoberhaupt beim Arc de Triomphe am 11.11. dabei ist.
An diesem Tag geht es doch nicht ums "Feiern" sondern ums "Erinnern". Also sich an die 1. Katastrophe der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert erinnern, und den Schluss ziehen "Nie wieder Krieg". Dass ein deutscher und ein französischer Staatsoberhaupt dies zusammentun, ist eigentlich das logischste der Welt, auch wenn es - erstaunlich nach nahezu 100 Jahren! - bei manchen allergische Reaktionen hervorruft.
Der 1. Weltkrieg hat außerdem, proportional betrachtet, mehr Opfer bei den französischen als bei den deutschen Soldaten gefordert, im Gegensatz zum 2. Weltkrieg wo, aufgrund der sehr schnellen militärischen Niederlage bei den Franzosen, relativ wenige französische Soldaten umgekommen sind. Daher auch ist dieser Tag in Frankreich besonders wichtig.
Merkel und Sarkozy haben heute ein Tabu gebrochen, es war Zeit!

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11. November 2009 13:24

Verpaßte Gelegenheit oder vom Triumph zweier Dominosteine

Hans-Jörg Eitel (schnippchen)

"Sie haben eine gute Gelegenheit verpaßt, sich zurückzuhalten," ist man geneigt, den Vorgänger-Präsidenten an die Adresse von Merkel und Sarkozy gerichtet, zu paraphrasieren: Wollen "die Franzosen" diese Art von Sinnstiftung tatsächlich? Nun gut: Was alle wollen sind Feiertage, die abzuschaffen, tatsächlich schwierig sein dürfte. Chiracs dezenter Ansatz zur Umwidmung des 9. November mit einer Statue von Churchill ist Ausdruck dieser Not und eine Verlegenheitslösung eigener Art. "La France victorieuse" sitzt in Sichtweite des Triumphbogens und darf sich verwundert die Augen reiben. Léon-Ernest Drivier hat sie gemacht, genauso wie das "Monument aux Morts" (Denkmal der Toten) von 1936 in Straßburg. An der Peripherie ist die Erinnerung freilich komplizierter und gebrochen: Man sieht zwei Söhne, eine Mutter. Nicht ohne Pathos, aber dennoch eine Absage an das Vertraute und den Glorienschein. Zu den Initiatoren zählte H. Lévy, ein Notabel, der die Dinge schon damals weiter getrieben hat, als "unsere Politiker " wohl jemals werden denken können.

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11. November 2009 12:55

Deutsch-französische Freundschaft?

Friedrich Zenteisch (EinHyperboreer)

Daß Frau Merkel mit Herrn Sarkozy am Pariser Triumphbogen das Ende eines Krieges, das jahrelange Knechtschaft der Deutschen und letztendlich einen furchtbaren 2. Weltkrieg zur Folge hatte, feiert, paßt genauso wie ihre unaufhörlichen Beteuerungen der immerwährenden Schuld und Verantwortung der Deutschen auf Grund ihrer überaus dunklen Vergangenheit zu ihrer - nicht am Wohle des deutschen Volkes, sondern einzig und allein an ihrem eigenen Wohl orientierten - Politik. Leider wird der ihr im Ausland bisweilen zuteil werdende Applaus von den Deutschen auch noch als Zeichen ihrer Staatskunst und Durchsetzungsfähigkeit gesehen.
Daß einige Leser von einer - in meinen Augen illusorischen - deutsch-französischen Freundschaft und der damit einhergehenden Unumgänglichkeit der Teilnahme an den Feierlichkeiten reden, zeugt von ungeheurer Naivität. Wir sind den Franzosen so gleichgültig wie nur was, völlig zurecht denken sie nur an ihr eigenes Wohl. Genau das, nämlich das Wohl der eigenen Nation (von Volk will ich hier gar nicht sprechen) sollte sich unsere politische Klasse endlich einmal aufs Panier schreiben (ich gebe zu, daß auch dies äußerst illusorisch ist).

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11. November 2009 12:15

Jack Lang soll deutsch-französischer Minister werden

Ralf Kowollik (InterNETkobold)

Während Merkel in Paris weilt, scheinen hinter den Kulissen die Planungen für die Schaffung eines "deutsch-französischen Ministers" bereits auf Hochtouren zu laufen. So war gestern in den Abendnachrichten des Senders "arte" zu hören, ein Kandidat für dieses Amt sei sogar schon gefunden worden. Es handele sich hierbei um den ehemaligen französischen Kulturminister Jack Lang. Dieser sei bereits in Berlin gewesen, um dort seine Deutschkenntnisse aufzufrischen. Einzelheiten würden im Januar gemeinsam von Merkel und Sarkozy verkündet werden, so "arte".

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11. November 2009 12:02

Kein Geschichtsbewußtsein

Rolf-Peter Lacher (Ganbat)

Diese Frau muß nicht überlegen, wie sie ihren Kindern erklärt, was sie tut; deswegen geht ihr das Gefühl ab, dass man manche Dinge einfach nicht tut, weil es einem der Anstand verbietet. Sie läßt sich von Sarkozy am Nasenring der Freundschaft vorführen, der damit sagen kann: die Deutschen sind derart demoralisiert, dass sie ihre eigene Niederlage feiern, die Amputation ihres Landes, den Triumph der Rache, der zum Nationalsozialismus geführt hat, und sie sind derart verdreht, dass sie gar nichts dabei finden, dass sie auf unabsehbare Zeit Jahr für Jahr Frankreich 7 Mrd. € zahlen, halt nich über ein Reparationskonto, sondern über Brüssel.
Diese Person zerstört den Rest unserer Selbstachtung.

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11. November 2009 11:36

Ärgerlich

Ronald Gruenebaum (bruxman)

Den deutsch-nationalen Kommentatoren hier sei gesagt, dass der 11. November 1918 den Waffenstillstand markiert, also das Ende des Gemetzels. Der Tag war gut für alle (und sollte eigentlich ein gesamt-europäischer Feiertag sein).
Hier geht es nicht um den Versailler Vertrag, der nun wirklich nicht zu einem nachhaltigen Frieden in Europa beigetragen hat. Niemand in Frankreich oder Belgien interpretiert den 11/11 als Würdigung dessen, was danach kam.
Es ist schon erschreckend, dass einige Herren (es sind immer nur Männer) die deutschen militärischen Niederlagen nicht verwinden können. Die letzten beiden Kriege haben wir zu Recht verloren und davon profitiert. Der 11/11 markiert eben auch das Ende der Herrschaft unserer geistig minderbemittelten Aristokratie.

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11. November 2009 11:26

Merkels eigentlicher Grund .......

bernd ullrich (demokrat2)

..... ist weder das Für oder das Wider des Anlasses, sondern Merkel. Das macht sie gern, weil das eigentlich kein großes Wagnis ist. Vor allem: Sie ist die Erste. Mag man denken wie man will, Merkel steht in der Öffentlichkeit, bleibt als "Europäerin" im Gespräch. Merkel legt den Grundstein für eine europäische Karriere nach der Kanzlerin.

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11. November 2009 11:23

Freundschaft erfordert Selbstachtung

Henning Lorenz (Mitgedacht)

Die Ablehnung der Anwesenheit von Frau Merkel bei diesem Ereignis als geschmacklos steht nicht in Widerspruch zu einer Befürwortung einer freundschaftlichen Beziehung zu Frankreich.
Freundschaft erfordert aber Respekt des anderen und Selbstachtung. Das ist wie mit dem nicht so beliebten Kind, daß sich durch Geschenke beliebt zu machen versucht. Jeder nimmt sie, aber die Abneigung ist hinterher umso größer.
Wenn Sarko an einer "aufrichtigen" Freundschaft interessiert ist, hätte er sicherlich verstanden, wenn Mutti ihm gesagt hätte, also mein Lieber, danke für die Einladung, aber gerade dieser Tag ist nun auch heute kein Grund zum feiern, lass uns unsere Beziehung durch Begehen eines anderen Ereignis pflegen. Oder, ich komme, aber dann feierst Du mit mir die Reichsgründung

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11. November 2009 11:03

Kino zum Anlass

Peter Shaw (Bob_Andrews)

Die Filme "Das Leben und nichts anderes" von Bertrand Tavernier und "Wege zum Ruhm" von Stanley Kubrick geben einen subjektiven aber dennoch interessanten Eindruck über die Vorgänge in der französischen Armee und Gesellschaft während und nach des ersten Weltkrieges.

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11. November 2009 10:55

Ich finde es gut...

Thomas Berger (tberger)

...daß man bereit ist, alte Feindschaften zugunsten neuer Freundschaften aufzugeben. Sicherlich werden sich, wie bereits einmal vorgeschlagen, auch in Zukunft gemeinsame Veranstaltungen abhalten lassen. Z.B. könnten die Jahrestage von Sedan und Waterloo, in denen die französische Aggression abgewehrt werden konnte, gemeinsam begangen werden.
Auch wäre eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des sog. Pfälzischen Erbfolgekrieg, in denen das Frankreich des Sonnenkönigs in der Pfalz raubte, mordete, brandschatzte und vergewaltigte, denkbar - denn soweit ich weiß, gab es hierfür leider noch keine offizielle Entschuldigung, noch eine Distanzierung von Ludwig XIV....

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11. November 2009 10:32

Warum soll ein Kriegsgedenken so anstoessig sein, Herr Lorenz ? Nun es ...

Peter Slater (Wales-Rhondda)

... ist sicherlich nicht einfach, obwohl wir wissen, das der Kapitualtionsvertrag im Zugwaggon schon ein schandlicher Zug Frankreichs war und davon her, auch ein Grossteil dazu fuhrte, dass Adolf Hitler die Macht gewinnen musste ... Jedoch waren es Sozialdemokraten, die die damalige Reichwehr in den Rucken fiel (siehe Dolchstosslegende) ... Nicht ein feindlicher Soldat uberquerte die deutsche Reichsgrenze, deswegen hatte der Krieg weiter gehen mussen ... Nun ist es so, das die Menschen und Politiker durchaus die Konsequenzen des 2. Weltkriegs verstanden haben und es war sicherlich nicht einfach, ein Bundeskanzler unter dem Triumphbogen zu bekommen und dem Kriegs zu gedenken ... jedoch, nachdem es keine Zeitzeugen auf beiden Seiten mehr gibt, ist es richtig, das die Bundeskanzlerin den Wunsch der franzosischen Nation erfullte, denn Frankreich haette ja auch die "Vereinigung" der beiden deutschen Staaten blockieren konnen, jedoch wurde gesehen, das beide Nationen nach vorne gehen mussen ... Ich kann also ihren Vorstoss nicht verstehen und mit "gestriger Politik" kommen beide Nationen nicht weiter. Also, ich finde nichts anstoessiges. Ich muss gestehen, ich wurde vielleicht mich auch druecken wollen, aber manchmal muss man nachgeben.

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11. November 2009 10:24

Nationalistische Relikte

Karsten Bänder (Kasmo)

Schon Immanuel Kant wußte, daß ein Frieden niemals den Samen eines neuen Krieges in sich tragen darf. Das Diktat von Versailles, dessen Ausgestaltung maßgeblich von französischen Racheinteresseen getrieben wurde, ist ein dunkler Moment europäischer Geschichte und war eine der Ursachen für den Aufstieg Adolf Hitlers. Aus welchem Grund Frau Merkel hierfür auch noch applaudiert, ist mir rätselhaft. Vielleicht, um Herrn Sarkozy zu fragen, ob es ihn stört, wenn wir am 18. Januar der Reichsgründung in Versailles gedenken, schließlich ist auch das für uns Deutsche sinnstiftend, weil es zum ersten Mal die nationale Einheit unseres Landes bedeutete.
Das Ende des ersten Weltkrieges ist für kein Land in Europa ein Grund zum Feiern, vielmehr sollte es ein Ansporn sein, seinen eigenen Beitrag zu einem dauerhaften und sicheren Frieden zu leisten. Dazu gehört auch das Überwinden nationaler Reflexhandlungen. Die Zeiten, in denen große Siege für eine Nation sinnstiftend und überlebenswichtig waren, sollten eigentlich vorbei sein.

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11. November 2009 09:47

Wuerdevoll

Harald Wenig (wenigfr)

Es ist ein grossartiges Ereignis, dass die Bundeskanzlerin heute in Paris weilt. Es zeigt, dass trotz aller nationalistischen Hetze (siehe "unglaublich"), die Deutsch-Franzoesische- Freundschaft lebt und gelebt wird. Schon lange ist der 11. November kein Sieges-, sondern ein Friedenstag in Frankreich. Und da ist es eine phantastische Geste Deutschlands mit Frankreich gemeinsam in Wuerde diesen Tag zu begehen. Herzlichen Dank an Sarkozy fuer die Einladung und an die Bundeskanzlerin, dass sie keine "Terminschwierigkeiten hat. Und ein "Pfui" an all die, die noch immer mit nationalistischem Mist herumschmeissen....

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11. November 2009 09:41

Die Bundeskanzlerin tut das Richtige, Herr Lorenz!

Frank Bach (Spindel)

Mit unseren Nachbarn freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, ist nicht nur äußerst sinnvoll und notwendig, sondern verdient unsere ganze Sympathie und vorbehaltlose Unterstützung. Europa wird sich im 21. Jahrhundert mächtig anstrengen müssen, um im Spiel der globalen Kräfte nicht gänzlich unterzugehen. Vor diesem Hintergrund über ein "Versailler Diktat" zu jammern, empfinde ich als kleinkariert, provinziell, rückwärtsgewandt, spießig - mit einem Wort: abstoßend. Und sollten Sie unter Ressentiments gegen die große Kulturnation Frankreich leiden, dann empfehle ich Ihnen, sich einfach mit ihr geistig auseinanderzusetzen.

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11. November 2009 09:32

Würdelos, Instinktlos

Klaus Steffen (krs)

Es grenzt nicht nur an, es spiegelt sich die anerzogene Würdelosigkeit einer Nation, - vertreten durch die Bundeskanzlerin - welches solches möglich macht: Feiern, was vorläufiger Endpunkt der angestrebten Zerstörung Deutschlands war, und zugleich Ursache und Beginn der finalen Zerstörung europäischer Kultur und Werte. Physik ersetzt eben nicht die Kenntnis historischer Zusammenhänge. Und die wäre für jeden Politiker (und für alle Deutschen) in Deutschland von elementarer Wichtigkeit. Kurz: Es wirkt wie eine Verhöhnung dieses Landes und wurde früher einmal (noch vor 40 Jahren) als Hoch- und Landesverrat beurteilt. Ist der Ruf erst ruiniert, spielt sich's völlig ungeniert.

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11. November 2009 09:27

@ Henning Lorenz

Roman Puff (romanpuff)

Dass Versailles kein Meisterstück langfristiger Friedenssicherung war, ist unter Historikern jeder ideologischen Couleur unbestritten. Unabhängig von der politischen Ausrichtung ist mir aber auch kein/e Historiker/in bekannt, die eine ernsthafte Alternative zu dem, was 1919 passiert ist ins Spiel gebracht hätte: Versailles mag zwar nicht den Postulaten entsprochen haben, die während des Krieges als ideologische Munition produziert wurden. Aber das war 1. im umgekehrten Fall nicht anders, wie z.B. die deutschen Bedingungen gegenüber Russland in Brest-Litowsk oder der Umgang der Mittelmächte mit Polen belegen. Und immerhin waren 2. Forderungen wie Reparationen und Gebietsabtretungen sowie die Schaffung des Cordon Sanitaire durchaus legitim, wenn man sich auch nach der Erfahrung des 2. Weltkrieges gluecklichere Loesungen haette vorstellen koennen.
Aber wie auch immer: Das Wichtigste, was man sich nicht als Historiker/in, sondern als politischer Mensch der Gegenwart zu Versailles denken sollte ist, dass es bald 100 Jahre her ist und die Vergangenheit irgendwann auch einmal vorbei ist. Wenn man das nicht tut, wird man von ihren Gespenstern und Alpträumen immer wieder eingeholt. Daher: Bravo an Frau Merkel und bon voyage!

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11. November 2009 08:38

unglaublich

Henning Lorenz (Mitgedacht)

Das ein deutscher Regierungschef nun das Diktat von Versailles, das von Rachsucht und dem Wunsch den deutschen Nachbarn auf Ewig bluten zu lassen, getrieben war, mitfeiert, macht mich sprachlos.
Unter ideologisch nicht beeinflußten Historikern ist weitgehend unstrittig, daß Versailles Ausgangspunkt für das Chaos in Deutschland, den Sieg Hitlers und den nächsten Krieg war.
Selbst Herr Schröder hatte noch soviel Anstand, sich hier nicht vereinnahmen zu lassen. Frau Merkel scheint weder innenpolitisch, noch außenpolitisch irgendeine innere Agenda zu haben. Das Ihr im Ausland dafür zugejubelt wird, sollte eher zu denken geben.

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