
Immer häufiger muss man in der FAZ neuerdings fesch und flott klingenwollende Artikel im Stile einer Lifestylekolumne lesen. Hier etwa: "erstaunt mit seinem Fassungsvermögen und ist selbst kaum zu fassen", "wer schreibt der bleibt", "der lieber die Initative als recht behält", "Wenn es Enzensberger nicht gäbe, man müsste ihn sich erfinden - was denn, in Ermangelung eindeutiger Verhältnisse, unter der Hand auch oft geschehen ist". Wir haben wieder viel dazu gelernt, Danke!

hab vieles von ihm uebersetzt, verlegt, sehr viel gelernt, schaetze besonders seine
Essays ueber Nelly Sachs und Bartolomo de las Casas, ich glaub er ist nicht ganz so schluepfrig wie es einem manchal vorkommt.

„der nur redet (de rebus quae geruntur), / und der kaum etwas ausrichtet“. Enzensberger spielt gerne und gut mit Worten, die den Anschein erwecken, als wäre ihm selbst, deren volle Bedeutung nicht klar. Im Leser die Vorstellung eines gewissermaßen naiven Spiels – nicht gespielte Naivität - im Umgang mit Sprache evozieren, das macht die Kunst. Und doch als ich das vernahm, fiel mir ein, was ich dieser Tage gelesen habe: „...sodass Photonen mit einer sehr hohen Energie ein wenig langsamer vorankommen als solche mit geringerer Energie.“ (Noch immer kein Schaum:
http://www.faz.net/s/Rub163D8A6908014952B0FB3DB178F372D4/Doc~E4615352E44304A82A0935BCAD8767F1B~ATpl~Ecommon~Scontent.htm). Ich weiß, die Quantenmechanik zu zitieren, ist modern, wo Vergleiche mit ihr doch fast immer hinken. Bedenkt man aber, dass Energie auch ein ähnlich „flüchtiges Element“ ist – im Verhältnis zu den Dingen -, wie Worte, so bietet sich eine Analogie an.
Viel reden, gleich wie gut, richtet im Verhältnis dazu kaum etwas aus. Alle Völker wissen das. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!“, meint der Volksmund, oder gar mit Hölderlin, dass „der wahre Dichter schweige“. Die Frage ist nur: wie dichtet man schweigend?

und ein Leserkommentar in der FAZ, der sich mit seinem Foto beschäftigt.
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Na gut. Vielleicht, weil HME eine Ausgeburt der Beliebigkeit ist; des Systems, auf dem solche Existenzen wie er wie Sumpfblüten schwimmen. Schön anzuschauen sind sie allemal.

Das Foto ist ja unbeschreiblich grauenhaft, als wäre Enzensberger völlig debil.
Und das zu seinem Geburtstag! Das Foto konterkarriert in jedweder Weise nicht nur seine Leistung, sondern auch diesen Geburtstagsartikel. Absurd!
Hartmut Becker