..., je weiter man philosophisch von konkreten Punkten weg"zoomt", desto unverbindlicher kann man kommentieren.
Es ist - meiner Meinung nach - wieder einmal die goldene Mitte, die man frühzeitig - und viel früher - hätte deutlich machen und propagieren sollen:
Möglichst wenig Belastung für Nichtraucher, Rücksichtnahme auch in Restaurants und Kneipen predigen (an Frühstückstischen in Hotels wird das schon lange erfolgreich praktiziert => es wird dort nämlich dann wenig oder gar nicht geraucht),
natürlich das strikte Verbot in engen Büros, Flugzeugen u.ä.
Haben wir das nicht schon alles?
Was jetzt läuft, klingt mal wieder nach Hetzjagd. Weil der Staat das Rauchen aber nicht per se verbietet, um von den Steuereinnahmen zu profitieren, ekelt mich diese Verlogenheit an.
Hallo Herr Menzel,
dann bitte aber im gleichen Atemzug auch den Alkohol verdammen!
Wie viel ungenanntes Leid bringen alkoholisierte Autofahrer über Menschen, die bei Unfällen meistens auch noch das "Glück" haben, mehr oder weniger unverletzt aus ihren Autos zu steigen nachedem sie eine Spur der Verwüstung hinter sich hergezogen haben.
Wie viel Schaden - volkswirschaftlich und gesunheitlich - entsteht, weil die Jugend um "cool", "hip" oder "in" zu sein auf Alkohol in Form von Alcopops umsteigt. Ein Gesetz, daß den Konsum einschränken sollte, war so lückenhaft, daß es Alkopops jetzt sinnigerweise als Brausepulver gibt.
Ich bin sicher, daß der Genuß von Alkohol mehr Fehltage und damit höhere volkswirtschaftliche Kosten erzeugt, als der Genuß von Nikotin. Die Kosten, die für Entzug von Alkohol und Nikotin entstehen, dürften sich in etwa die Waage halten. Warum wird immer nur von den Kosten gesprochen, die Raucher erzeugen, nie von den Kosten, die Trinker mit sich bringen?
Alkohol ist als Suchtmittel weitaus schädlicher als Nikotin. Die Tatsache, daß die deutsche "Kultur" seit langer Zeit vom Alkohol geprägt ist, ändert nichts daran, daß Alkohol ein Nervengift mit ausreichendem Suchtpotential ist.
MfG
G. Salecker
Eine Sucht, an der allein in Deutschland jährlich Hunderttausende qualvoll sterben, als Kultur zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück. Das Rauchen philosophisch zu überhöhen ist genauso abwegig wie über die Ästhetik von Verkehrsunfällen zu schwadronieren.
Ein hervorragender Artikel, wirklich gut geschrieben. Aber zwischen den Zeilen ist zu lesen, daß Raucher im Grunde immer nur an die nächste Zigarette denken, sich jedenfalls immer darauf freuen, auf nichts sonst. Die Abhängigkeit vom Nikotin engt ihren geistigen Horizont ein, obwohl sie das Gefühl haben, er weite sich durch das Rauchen: eine typische Drogenerscheinung.
Wir Nichtraucher sind nicht nur die leidenden Passivraucher, sondern zahlen mit unseren Krankenkassenbeiträgen auch noch für die hohen Krankheitskosten der kranken Raucher und ihr jahrelanges Siechtum.
Der eigentliche Sinn des Rauchens besteht darin, das schnell eintretende Unlustgefühl zu beseitigen, das der sinkende Nikotinspiegel verursacht. Bei 25 Zigaretten am Tag stimmt der Nikotionspiegel gerade einmal etwa 4 Stunden, in der restlichen Zeit werden die Süchtigen unleidig.
Die Sucht durch Ästhetisieren zu verklären ist ein beliebter Trick, aber in diesem Artikel steigen nun Wortschwaden von einer besonders dicken Zigarre auf.
Zum letzten Absatz kann ich nur sagen: Es sind die Raucher, bei denen viel abwesend ist: Nämlich Kraft und Gesundheit, weil ihnen der Atem fehlt; Geld, weil die Sucht pro Jahr etwa €2.000 kostet; Zeit und Arbeitskraft, weil sie ständig an ihren Nikotinpegel denken müssen; Erotik, weil sie stinken.
Ein wunderbarer Beitrag, das Lesen ist ein größerer Genuß als das Rauchen einer Zigarette!
Was ließe sich da noch über die Kunst des Zigarre-Rauchens oder gar über die Lebensphilosophie von Pfeiferauchern schreiben...
Kompliment! - schreibt ein engagierter Nichtraucher.
Ich vermute, daß die Krankheitskosten aller Deutschen etwa um 60% gesenkt werden könnten, wenn Nikotin - in welcher Form auch immer - völlig identisch wie andere Suchtstoffe, staatlich bekämpft und unter Strafe gestellt würde.
Garnicht zu reden von dem Massenelend das sich in unzähligen Einzelbiographien durch den Nikotingebrauch vermeiden ließe.
Geradezu pervers ist die Steuereinnahme die auf Tabakprodukte erhoben wird und nun nicht einmal mehr dem Gesundheitssystem zufließt (bis auf einen geringen Rest). Der Volkswirtschaftliche Schaden, der durch vorzeitigen Tod und jahrelanges Siechtum und unglaublichen medizinischen Hightech-Aufwand entsteht ist hunderfach größer als das groteske staatliche Abkassieren Nikotin-Süchtiger abwirft.
Man sollte im Gegenteil, den protrahierten Suizid durch Nikotingebrauch unter massive Strafe stellen. Warum einen Unterschied machen zwischen Kokain-, Heroin- und anderen Morphinderivaten-Gebrauch und Nikotin.
Natürlich hat jeder die Freiheit sich zu töten. Aber dann soll er vorher für seine bewußt eingegangene Entscheidung für den hochwahrscheinlichen vorzeitigen Tod bezahlen. Alte Menschen ordnen ihre Dinge auch so, daß ihr Begräbnis und das Grab am Ende bezahlt ist.
Man nimmt Herrn Seidl ab, dass die Beschaeftigung mit der eigenen Sucht und Selbstzerstoerung zu einer tiefen Beschaeftigung mit dem Ich fuehren kann. Allerdings ist anzumerken, dass diese Beschaeftigung und die mythisch ueberhoehten Assoziationen die die Kultur des Rauchens zweifelsohne hervorgebracht hat, vor allem dazu dienen, dem zweifelnden Selbst gegenueber das eigene Handeln zu legitimieren. Das reflexartige Anstecken der naechsten Kippe macht dem Selbstbild naemlich schwer zu schaffen, denn wer gesteht schon gerne ein, keine guten Gruende fuer das eigene Handeln zu haben? Raucher klammern sich daher an den Strohhalm der Selbstsuggestion und Wegrationalisierung der negativen (sozialen, koerperlichen, finanziellen) Folgen ihres Handelns. Diese Reaktion ist charakteristisch fuer jedes Suchtverhalten.
Moralisch problematisch wird es aber, weil eine Kultur immer der Projektion von Lebensentwuerfen dient. Und somit werden vom sehnsuchtsvollen Mythos des Rauchens gerade Jugendliche in den Kreislauf der Selbstzerstoerung und der Leere der Sucht gezogen. Zigaretten gehoeren daher nicht trotz, sondern gerade wegen der sie umgebenden kulturellen Aura aus dem oeffentlichen Leben verbannt!
Unangebracht. Die Zigarette ist ein widerwärtig stinkendes Objekt, dem man keine Träne hinterherweinen sollte.
Rauchen ist keine Kultur, kein Genuß, nur Sucht und Krankheit.
Soll mir kein gelbfingriger Raucher weißmachen, er genieße noch was er da tut. Lügt Euch nicht selber was in die Taschen!
J. T.
Jede blöde Tätigkeit lässt sich in schönen Wörter beschreiben. Nehmen Sie mal z. B. Kokaine (Lieder wurden darüber geschrieben!) oder Kommunismus. Jedoch ich, als Nichtraucher, weiß überhaupt nichts von Philosophie oder Kunst, ich möchte nur, ich, einfacher Mensch, von inteligente und gebildete Rauchern nicht vergiftet sein.
Es erstaunt mich, wie sehr die FAZ in den letzten Wochen in Artikeln, Cartoons und Kommentaren versucht, gegen einen besseren Nichtraucherschutz anzuschreiben.
Keiner hat etwas dagegen, wenn die rauchenden Mitmenschen ihrer Sucht zuhause im stillen Kämmerlein frönen. Da wo jedoch andere unter dieser Sucht leiden, sollten jedoch schleunigst gesetzliche Regelungen her. Freiwillige Regelungen helfen nicht weiter, wie die vergangenen Jahrzehnte gezeigt haben.
Ich jedenfalls freue mich auf den ersten Abend, an dem ich in eine Restaurant meiner Wahl gehen kann, ohne spätestens nach der Vorspeise vom Nachbartisch her eingeräuchert zu werden.
Klaus Layer
Ich als bekennender Kiffer werde dann -wenn es keinen Tabak mehr gibt -das Grass in meiner Wasserpfeife pur Rauchen.
Und nochwas -ich grinse nie wenn ich Kiffe-ich entspanne.
Der Autor mag Rauchen und Raucher nicht, das war es.
Herr Seidl versucht den Bogen zwischen Raucher und Nichraucher zu schlagen. Sein Bogen ist aber nicht korrekt konstruiert, aus meiner Sicht ist er unansehnlich und schwierig nachzuvollziehen. Zugegeben, als überzeugter Nichtraucher, bin ich sehr angetan davon, dass man der"Kultur" des Rauchens ein Ende bereitet. Ich selber mag den Begriff Kultur nicht anwenden auf Tätigkeiten, die nur einen Zweck haben - sich zu berauschen. Nein ich lehne diese Form von Identität einer Kultur ab.
Das Problem des Rauchens besteht in der inheräten Nebenwirkung auch unbeteiligte Personen gesundheitlich zu schädigen. Im Gegensatz dazu wirken Alkohol und die meisten Drogen begrenzt auf den Konsumenten, damit bleibt es in seiner Verantwortung. Für mich bedeutet aber jede gerauchte Zigarette, jede Zigarre einen entscheidenden von mir nicht gewollten Einfluss auf meine Gesundheit.
Ich sehe jedenfalls nicht länger ein, dass Rauchen zur Kultur gehört, gar eine ist und damit toliert wird.