
...sollte man kein Produktionschef werden. Die Aufzählung der vielen Einsparpotentiale und eine gleichzeitig auf Diversifizierung wg. der 'Wertanmutung' zu bauen, wird einen nicht weit bringen...wer noch 40.000 Euro für ein Auto übrig hat, der mag das unterstützen aber wer ist dieses Klientel? Und viel wichtiger ist das eigentlich noch zeitgemäß und zukunftsfähig sich alleine auf die 'Wertanmutung' und 'Premium' zu stützen? Energieeffizienz, sparsame Motoren, geringe Emissionen und keine fahrende Mulitmediaschnickschnack Fahrzeuge, die die erreichten Einsparungen immer wieder zunichte machen. Gefragt sind (und das nicht nur bei der jüngeren Generation) intelligente Mobilitätskonzepte und Autos, die nicht erst einen Erstwagen erfordern. Reine Stadt- und Single-Fahrzeuge haben keine Zukunft...

Und ein Lehrbeispiel dafür, wie man eine an sich geniale und wirklich fortschrittliche Idee vermurkst! Smart ist nicht "Verzicht", sondern ein Produkt, das das Potenzial zur Killerapplikation gehabt hätte. _Die_ Lösung für Großstädte mit Parkplatznot. _Das_ Angebot für Leute, die innovatives Design belohnen und nicht auf Statussymbolik angewiesen sind. Die traditionellen Kleinwagenhersteller hätten so alt aussehen können! Was zeichnete denn die sogenannten Kultautos der Vergangenheit (Ente, Käfer, ...) aus? Markantes Design + günstiger Preis + hoher Nutzwert + daher riesige Stückzahlen! Und hier: hoher Einstiegspreis, ewig lange Liste von Ausstattungsextras, spartanische Grundausstattung mit lobotomierendem "Schaltgetriebe" (das Gesamtkonzept war radikal genug, um einfach Automatik in Serie einzubauen!). Und dann diese Diversifizierungsexperten! Kaum sind die ersten paar Smarts verkauft, schon gibt es einen "forfour", einen "blade" und wie sie alle hießen. Wer braucht so etwas? Eigentlich niemand! Statt der ganzen kostentreibenden "Vielfalt", wäre es doch viel erfolgreicher gewesen, den Preisrahmen von 10-20.000,- auf, sagen wir: 7-17.000,- zu senken und _dennoch_ noch Geld zu verdienen, oder nicht?

Während die Mercedes-Herrschaften in der Presse kluge Bemerkungen verteilen, bietet die Produktpalette meist noch die Spritschlucker, die man vor 10 Jahren kaufte, als das Wort "Klimawandel" für verregnete Sommer stand. Die Zeit eines Mercedeschefs Werner, in der ein Mercedes meist intelligenter war als der Wettbewerb, ist lange vorbei. Die Produktplanung scheint das Erfolgsrezept von Herrn Zetsche und Chrysler zu praktizieren, wonach die Kunden nicht gerne mit Neuigkeiten belästigt werden und man beim Verkauf nicht über Benzinverbrauch reden will. An diesem Bild ändert sich auch nichts, wenn ein paar Zehntel sparende Euro4-Stinker als "Blueefficiency" verkauft werden oder ein einzelner Mildhybrid versucht, mit Umweltschutz zu werben.
Demjenigen, der nicht nur in den Alibi-Modellen, sondern auch in den A/B-Klassen oder in den Vierrad-Modellen vergeblich moderne Technik sucht, bleibt nur der Weg nach Japan oder zu BMW. Tschüss, war schön mit Ihren Säufern !
Und wann gehen Sie in den Ruhestand, Herr Zetsche ?

Je mehr ich von und über Daimler in den vergangenen Tagen und Wochen lese, um so klarer wird für mich, dass dort pure Verzweiflung regiert. Es gibt wohl kaum ein deutsches Wirtschaftsunternehmen dass frei nach dem Motto "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern" so viele strategische 180-Grad-Wenden vollzogen hat wie Daimler. Nach der Hochzeit im Himmel kam die Scheidung von Chrysler, der Smart für vier wurde eingeführt, abgeschafft und wird jetzt bald wieder eingeführt usw.
Mittlerweile dürfte es marktbreit Konsens sein, dass unter der Ägide Jürgen E. Schrempps bei Daimler Benz und später DaimlerChrysler in einem Umfang versagt wurde, für den sich in der Unternehmenswelt Nachkriegsdeutschlands keine Parallelen finden dürften. Egomanie statt Strategie, Selbstdarstellung statt Nachhaltigkeit, Personenkult statt Bescheidenheit: Das sind Begriffe, die die "Ära" Schrempp wohl charakterisieren. Dieses Verhalten hat nicht nur seinen Initiator den Job gekostet, sondern den Spirit des gesamten Unternehmens bis weit in die mittleren Hierarchieebenen nachhaltig gelähmt.
Wenn Daimler diesen sklerotischen Zustand überwinden will, wird man sich von den Resten der Ära Schrempp in Vorstand und Führung trennen und neu anfangen müssen.