Im Gespräch: Vermögensforscher Thomas Druyen

„Reichtum ist uns suspekt"

Die Deutschen haben keinen gesunden Maßstab dafür, wer wie viel verdienen sollte, sagt Thomas Druyen von der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien. An der Neidkultur seien die Reichen aber nicht ganz unschuldig.

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Juli 2008 13:27

Druyen hat recht

Harry Hain (zx10)

Viele Leserkommentare bestätigen dies. :-) Einfach mehr Freiheiten (und damit Risiken) einfordern, Streben nach Chancengleichheit und keine Einkommensgleichheit fordern wird in Deutschland nu rvon einer Minderheit gewollt. Es muß sich doch lohnen viel zu Arbeiten. Mit etwas mehr Glück kommt manchmal noch etwas oben drauf. Warum auch nicht. Was ist daran ungerecht? WIr leben ja auch alle unterschiedlich lang und könne dies auch nur teilweise beeinflussen.

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09. Juli 2008 13:17

verquere Vorstellung vom "Verdienst"? Wohl kaum.

Stephen Soßna (Cronos988)

Herr Druyen ist der Meinung, die Deutschen hätten eine verquere Vorstellung von dem, was jemand verdienen sollte, was er mit Neid gleichsetzt. Zunächst einmal hat Neid nichts damit zu tun, dass man der Meinung ist jemand verdient zu viel. Neid bedeutet jemandem seinen Erfolg nicht zu gönnen. Das hat aber nichts damit zu tun das man ein bestimmtes Einkommen für zu hoch hält. Druyen führt kein einziges Beispiel an, in dem einem Unternehmen der Erfolg nicht gegönnt wird. Was missbilligt wird sind vor allem exorbitante Managergehälter, die gerade nichts mehr mit dem Erfolg zu tun haben. Fußballern gönnt man ihre (meiner Meinung nach ebenfalls deutlich zu hohen) Gehälter, weil man den Zusammenhang zwischen ihrem Erfolg und ihrer Bezahlung noch (teilweise) erkennen kann. Bei einem Vorstandsvorsitzenden der mehr als 100fache eines normalen Angestellten verdient kann man das nicht mehr. Mit Neid hat das nichts zu tun, sondern mit Ungerechtigkeit.

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09. Juli 2008 13:09

"Reichtum ist uns suspekt"

Gerd Lehmann (Gerd_L)

Vielleicht weil der meiste Reichtum durch suspekte Art und Weise zustande kam, z.B. durch Ausbeutung von Menschen !?

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09. Juli 2008 12:38

Wenn 3 Millionen reichen

Roland Schindler (Schindlers)

dann sollten die Manager im nächsten Jahr auf ihr Gehalt verzichten und ihre Spaßbereitschaft an der Arbeit überprüfen. 3 Millionen gut angelegt, sollten reichen um im Luxus leben zu können, ohne dass diese Anlage schrumpfen würde. Dies hat selbiger Forscher einstmals in der brandeins dargelegt. Ein Ackermann mit dem fünffacher Jahresgehalt kann dann noch einem Jahr durchaus auf Gehalt verzichten, weil er sich schon im Super-Luxus-Bereich aufhält. Sprich im 2. Arbeitsjahr sollte so ein Gehalt zu 100% versteuert werden. Damit könnte der Staat dann ein wenig die Schulden lindern.

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09. Juli 2008 12:12

@Herrn Huber: Vielen Dank !!!

Paul Rabe (heidelpaul)

Ein 'Vermögensforscher' der Direktor und Leiter der Abteilung Special Relations bei der LGT Deutschland war ??...ha,ha...prima Referenz für einen "objektiven Wissenschaftler". Ungefähr so als ob man einen "Gesundheitsforscher" von Phillip Morris fragt ob das Rauchen schädlich ist...:-))

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09. Juli 2008 12:04

neid? wut! 2

curd cramer (c.cramer)

wirtschaft: 1. allein die zugehörigkeit zu bestimmten kammern sichert den unterhalt. nichtangehörige von architekten-, anwalts- oder ärztekammern sind für ihren beruf vom zugang zu reichtum ausgeschlossen. da nichtmitglieder keine konkurrenz mehr bilden können, sind die gehälter der kammermitglieder gesichert und höher als erforderlich. die kosten trägt die gesellschaft. 2. ebenso die subvention nicht wirtschaftlicher industrien. windenergie ist das beste beispiel. wer würde windenergie verbrauchen, wenn sie zu den tatsächlich entstandenen kosten geliefert werden würde? also werden personen, die ohnehin schon sehr hohe zu versteuernde einkünfte haben, dadurch begünstigt, daß die gesellschaft verpflichtet wird, ihnen weitere einkünfte per steuerentlastung, stromkosten und stromgebühren zu verschaffen. 3. die steuergesetze werden mittlerweile von lobbyanwälten ausgearbeitet. in wessen sinne denn? 4. ohne staatliche fördermittel investiert schon garkeiner mehr. wer nicht gefördert wird, verlegt seinen betrieb ins ausland. auch das sind unsere steuern. wir zahlen nicht freiwillig für die 'großartigen' leistungen unserer reichen. nein, wir werden per gesetz dazu verpflichtet. sollen wir sie dafür noch bewundern? macht doch ein gesetz!

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09. Juli 2008 12:03

Teile und Herrsche

Matthias Fiedler (msalcapone)

Also diese angeblich schlechte Charaktereigenschaft der Deutschen ist doch genauso politisch wie medienwirksam. Wer bitte streikt denn in Europa als letztes - die Deutschen. Da brennen in Frankreich schon längst die Vorstädte und in Spanien und Italien liegt der Müll meterhoch auf den Strassen, da ist in Deutschland noch immer nix zu hören. Genau das bemängeln doch die Gewerkschaften an uns Deutschen. Aber gut... dieser "Armutsbericht" ist doch viel mehr ein Instrument um endlich mal wieder eine Gesellschaft spalten zu können. Endlich kann der eine anhand der Zahlen sagen er ist reich und der andere kann stolz und fest behaupten, er wäre bedürftig. Sinn und Zweck ist dabei auch die politische Machtregel: Teile & Herrsche. Ein vereintes Volk lässt sich nicht auf schlechte Deals ein! Was wird also passieren. Da wir ja nun endlich wissen, wer die "reichen" Sozialverbrecher in DE sind (Brutto >3418 Euro) haben wir die ehnicht wählende Gruppe ausgegrenzt, die in wenigen Monaten das Ziel neuer Sozialdiskussionen sein wird. Reich sind sie deswegen noch lange nicht.

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09. Juli 2008 11:48

Neid vs. Ungerechtigkeit oder die "Neidkultur" als PR lüge

eberhard munk (ebherhard.munk)

Man darf Sozialneid nicht mit einem gesunden und rationalen Empfinden für unethischem Verhalten verwechseln. Wenn jemand ein beliebig hohes einkommen aufgrund von ehrlicher Arbeit und entsprechender Verantwortung erziehlt und ihm dies misgönnt wird ist das Neid, den ich auch ablehnen würde. Wenn jedoch jemand ein Leistungsfreies einkommen Zugestanden bekommt, oder ein Einkommen, dass nicht siener Leistung entspricht, also sich offensichtlich auf Kosten anderer Bereichert, dann halte ich dies kategroisch für unethisch. Eine Kritik an einer in diesem Sinne eklatanten Ungerechtigeit als einen Ausdruck von Neidkulur zu bezeichnen ist nicht nur falsch sondern impliziert auch die völlige Ignoranz gegenüber akzeptierten ethischen Prinzipien westlicher Kulturen. Eine solche Interpretation der Diskussion um Einkommen ist das Paradigma für Ignoranz und Egomanie der Einkommenselite. Wenn man mit dem Slogan "Fordern und Fördern" den Anspruch der Gesellschaft auf mehr Gegenleistung von Transferleistungen Abhänigen legitimiert, dann solte dieser Anspruch genauso auf die Einkommensellite anwendbar sein. Ex nihil ist noch kein Reicher zu seinem Reichtum gekommen, sie sind dazu immer auf die Leistung der Gesellschaft angewiesen.

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09. Juli 2008 11:44

Kopf kürzer

Konstantin Richter (kiloromeo)

@Markus Teuber (arathorn) Ich weiß gar nicht, warum der Begriff der "Neidkultur" eigentlich immer mit Deutschland und den Deutschen in Zusammenhang gebracht wird. Immerhin waren es die Franzosen, die ihre reiche "Oberschicht" mit der Guillotine einen Kopf kürzer gemacht haben. Und die Bolschewisten waren diesbezüglicher auch nicht viel zimperlicher. Und mir ist eine solidarische Volksgemeinschaft oder -genossenschaft allemal lieber, als eine Gesellschaft, in der die Reichen nicht nur immer reicher, sondern durch ihren Reichtum auch immer mächtiger werden.

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09. Juli 2008 11:43

Neid ?

Andreas Noreikat (derherold)

Abgesehen davon, daß ich den Artikel interessant finde, wird mE zuwenig darauf eingangen, wo ein Unterschied zwischen D. und anderen Ländern in dieser Frage liegen könnte. Ich glaube, daß wir in durch-sozialdemokratisierten Zeiten einer Mittelschichtsgesellschaft leben, wo "jeder" selbst bei größtem Eigenutz seinen Edelmut zumindest öffentlich kundtut - daher auch das "Verstecken". Besonders auffällig ist das in Ostdeutschland. Dort wurde über "die da oben" kaum kritisch berichtet; die feierten sich (insbesondere nach ´89) als privilegienlose "Durchschnittsgenossen". Das hat Auswirkungen: Ich habe als Wessi häufig erlebt, daß selbst Bäcker, nicht "besser-" aber gutverdienende Angestellte oder Ingenieure "ihr finanzielles Licht unter den Scheffel" stellten, um nicht in der Nachbarschaft oder bei Verwandten anzuecken. So war mE der sog. "Jammerossi" auch eine Schutzfunktion vor dem Neid einer Gesellschaft, die gerne heuchelt. Und Heucheln tun wir alle: Ich nehme an, daß unter den Eltern, die ihr(e) Kind(er) auf eine Privatschule schicken, die polit. Befürworter von Gesamt- und Ganztagsschulen besonders zahlreich sind. ;-)

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09. Juli 2008 11:41

neid? wut! 1

curd cramer (c.cramer)

der unterschied besteht wahrscheinlich darin, daß reichtum immer weniger auf leistung basiert als vielmehr auf der zugehörigkeit zu bestimmten gruppen. bildung: intelligente kinder mit 'doofen' eltern können von vornherein nichts werden, weil das bildungssystem zynischerweise so eingerichtet ist, daß ein großteil der wissensvermittlung und schulnachbereitung in die verantwortung der eltern fällt, weil die schule diesen teil ihrer unterrichtungspflicht ganz einfach als 'hausaufgabe' an das elternhaus delegiert. intelligente eltern können selbst bei den hausaufgaben helfen, weniger intelligente eltern mit geld können nachhilfe finanzieren. aber was machen weniger intelligente eltern ohne geld? kinder mit weniger intelligenten eltern haben deshalb schon allein infolge des schlechteren schulabschlusses einen erschwerten zugang zu reichtum. gipfelpunkt der abgrenzung sind dann privatschulen und privatuniversitäten. bildungseinrichtungen haben nicht nur die aufgabe der wissensvermittlung, sondern sie sozialisieren. wer nicht passend sozialisiert ist, fällt auf und wird abgewiesen. folglich haben nicht entsprechend sozialisierte schul- und universitätsabgänger einen erschwerten zugang zu bestimmten - meist höherdotierten - positionen.

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09. Juli 2008 11:29

Wer arbeitet, soll reich sein dürfen, wer entlassen wird, soll versorgt werden

Konstantin Schneider (bundesboy)

Es wäre ja nicht so in Deutschland, wenn die Tür zum Reichtum immer noch vielen offen stünde. Die Mentalität, dass wer arbeitet auch reich sein darf, wäre durch Umfragen sicher genauso nachweisbar, wie der angebliche Neid. Da Arbeit in Deutschland aber immer schlechter bezahlt wird, man durch Arbeit kaum noch reich werden kann, sollte wenigstens damit aufgehört werden, dass man sich um die Versorgung derer drückt, durch deren Entlassung man selbst reich geworden ist.

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09. Juli 2008 11:29

@Herrn Teuber Glück ! sie haben recht, aber...

Paul Rabe (heidelpaul)

Sie haben natürlich recht, daß sowohl die Erbschaft von Geld als auch die Erbschaft der richtigen Gene (+Erziehung) welche einem eine Karriere als Supermodel, Profisportler oder Manager ermöglichen nur auf 'Glück' beruhen. Die sehr wichtige und demokratisch zu klärende Frage aber ist inwieeit ein Gemeinwesen ein Ausgleich des individuellen Glücks anstrebt. Akzeptieren wir, daß mancher 'Glück' hatte und mancher nicht, oder bilden wir vielmehr eine 'Tippgemeinschaft' bei der das 'Glück', aber auch das 'Unglück' geteilt wird ? Dafür gibt es keine wissenschafliche Antwort, nur eine welche aus unbeweisbaren ethischen Ansichten resultiert.

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09. Juli 2008 11:28

Neid

Bernhard Schatz (Bschatz)

Ich glaube nicht, dass Deutsche neidiger sind als andere - aber sie haben ein wirklich großes Gerechtigkeitsempfinden!

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09. Juli 2008 11:20

Immer wieder, immer wieder, immer wieder

gisbert heimes (gisbert4)

Also gut, diskutieren wir über Reichtum. Druyen greift zu kurz: reich ist, wer von den Zinseszinsen leben kann (die Zinsen werden zum Inflationsausgleich gebraucht). Oder, laut André Kostolany, wenn er sich aussuchen kann, wen er auf der Straße grüßt :-). Doch solcher Reichtum ist immer unverdient. Weil mit eigener Hand- und Kopfarbeit nicht zu erlangen. Es sei denn, man rechnet die Kopfarbeit, die einer leistet, um Wertschöpfungsbeiträge anderer auf das eigene Konto zu lenken, selbst als Wertschöpfung :-). Jaja, das klingt alles spaßig.

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