Kann man ererbten Reichtum mit "Glück" hinreichend rechtfertigen? Ungefähr so geschah es vor der Aufklärung (Sie müssen bloß "Glück" durch "Gott" ersetzen). Seit der Aufklärung differenzieren wir allerdings zwischen Reichtum, der menschlich bedingt und daher an Verantwortung und Leistung gekoppelt ist, und der "Natur" (Schönheit, "loses Mundwerk" etc.). Nur letztere läßt sich seitdem mit dem bloßen Verweis auf "Glück" rechtfertigen. Ich denke nicht, dass wir uns einen ethischen Rückfall ins Mittelalter leisten können.
Vorausgeschickt: Ich freu' mich, wenn's andern gut geht! Und diesen Quatsch von der "Neidkultur" kann ich nicht mehr hören. Es ist was völlig anderes, etwas als ungerecht oder unangemessen zu beurteilen oder jemanden zu beneiden! Mit Reichtum meint Herr Druyen ja ganz offensichtlich nur finanziellen Besitz. Ich kenne da ganz andere Möglichkeiten. Wer sein Lebensglück nur auf sein Geld gründet, ist doch eigentlich eher ein armer Tropf. Das hat schon Molière so schön auf die Bühne gebracht: "Und ich - ich gehe zu meiner geliebten Kassette!"
Dieser Bericht macht auf mich einen stark vereinfachenden, unwissenschaftlichen Eindruck. Ich kenne z. B. eigentlich niemanden, der ernsthaft glaubt, die Fußballerbesoldungen von 5.000.000 EUR/Jahr seien verdient. Der Unterschied zwischen Fußballern und Unternehmen liegt jedoch auf der Hand: Viele halten die Erträge letzterer deswegen für überzogen, weil sie auf Ausbeutung der Arbeiter und Angestellten basiert, die im Falle von schlechten Zeiten, Sanierungsplänen oder geographischen Verlagerungen gerne zu tausenden vor die Tür gesetzt werden und in guten Zeiten kaum am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Das derzeitige Sozialsystem als große Errungenschaft zu bezeichnen ist ebenfalls, gelinde gesagt, bedenklich. Das Rentensystem bricht gerade zusammen, die Finanzierung der Krankenversicherung wird schwieriger, also wieso werden unbedacht solche Aussagen von einem sog. "Forscher" salopp in die Runde geworfen? Im Prinzip ist ja viel wahres dran an seinen Aussagen, aber es fehlen Begründungen, Analysen, Diversifizierungen. Zum Beispiel ist es doch selbstverständlich, wenn man Bezüge vergleicht, oder? Leistet z. B. ein Manager 300 x mehr pro Stunde als ein Arbeiter und warum? Warum bin ich die Hälfte von xy wert? Zutiefst menschlich
Herzlich apologetisch: "Wir gönnen jedem Fußballer seinen Reichtum, aber nicht Unternehmern, die mit einer guten Geschäftsidee ein Vermögen anhäufen". Falsch! Druyen benutzt das Beispiel doch gerade deshalb, weil wir ein Vermögen besonders in letzterem Fall für legitim halten (obwohl eine gute Geschäftsidee allein natürlich nur ein erster, keineswegs hinreichender Schritt auf dem Weg zum Reichtum ist und es sich daher auch bei dieser Rechtfertigung um eine Fiktion handelt). Aber: wieviele Reiche in Deutschland haben den mit (besser: unter Verwendung) einer guten Geschäftsidee o.ä. ein Vermögen angehäuft"? Eine kleine Minderheit. Als Soziologe sollte Druyen es besser wissen. Reichtum hängt in der Regel nicht von "guten Geschäftsideen" ab, sondern - gerade in Deutschland - vor allem vom Elternhaus. Alle anderen Faktoren treten demgegenüber in den Hintergrund. Dies aber läßt sich nun schwerlich rechtfertigen. Und genau deshalb beruht die Einstellung der Deutschen zum Reichtum im Kern eben nicht auf irrationalem Neid, wie Herr Druyen uns einreden will, sondern auf einem rationalen Gerechtigkeitssinn. Nicht Steuer- und Sozialabbau, sondern deutlich mehr Chancengleichheit ist somit das einzige Mittel gegen die "Neidkultur".
Das Mißtrauen gegen "Reich" ist und war doch in Deutschland Staatsziel Nr. 1 . Schließlich darf es bei einer "(noch dazu rassischen) Volksgemeinschaft" und bei einer "(proletarischen) Volksgenossenschaft" keine Gruppe geben,die sich (über ihr Vermögen) aus dieser Volkgemeinschaft herauslöst und dies sogar noch öffentlich und für alle sichtbar zur Schau stellt.Dieses Denken hat sich während des gesamten 20 Jahrhunderts in Deutschland tiefer verfestigt ,als man glauben möchte- maßgeblich verursacht natürlich auch durch die beiden Staats-/Gesellschaftsideologien,deren Grundfeste die "Volksgemeinschaft bzw Volksgenossenschaft" ja waren. Und gewisse Parteien schöpfen daraus ihre Existenz! Warum man allerdings jemanden, der sein Vermögen geerbt hat,dieses nun neiden sollte -wie Sie ,Herr Berger! -,erschließt sich mir gar nicht und ist ein weiterer Beweise für die typisch deutsche Neidkultur! Derjenige hatte/hat eben Glück,genauso wie jemand Glück hat,der von der Natur das Talent zum Spitzenfußballer geschenkt bekommt und damit Millionär und mehr wird,oder das Supermodel,das nur dies werden konnte,weil sie von der Natur entprechend beglückt wurde oder Harald Schmidt,dem die Natur eben ein loses Mundwerk geschenkt hat.
Wie wird man eigentlich "Vermögensforscher" ? Welche wissenschaftliche Qualifikation ist dafür notwendig ? Welche wissenschaftlichen Methoden werden da angewandt ? Da ich in den Interview nur banale Allgemeinplätze lese drängt sich mir der Verdacht auf, daß man sich einfach selbst dazu erklärt. Ungefähr so wie auch jeder von sich behaupten darf ein 'Geistheiler', oder 'Wirtschaftsexperte' zu sein. Insbesondere geht aus dem Interview überhaupt nicht hervor welche Kriterien denn angelegt wurden um Einstellungen eines Volkes als "gesund" oder eben "ungesund" zu qualifizieren. Wann ist eine Einstellung 'gesund' ? Welche Volkswirtschaftlichen Kennzahlen wurden berücksichtigt ? Lebenserwartung ? durchschnittlich gefühlte Zufriedenheit ? Geburtenrate ? Zustand der Umwelt ? Durchschnittlicher Konsum ? Medizinische Durchschnittsversorgung ? Zustand der Zähne ? Durchschnittlicher Ausbildungsstand ? Wie misst der Herr Druyen also 'ungesunde' Einstellungen ???
Ihre Ausarbeitungen sollten Sie mal an die SPD + noch besser an die LINKE weitergeben!!! Die Diskussion Neid Arm/Reich und fairer Verdienst wird doch von deren Seite derzeit massiv geschürt. Warum sich nicht einfach mal mit jemanden freuen und es ihm gönnen, wenn er beruflich und somit finanziell erfolgreich ist. Arm + Reich wird es immer geben, daran wird auch aller Neid nix ändern. Nur wenn man allen "Reichen" immer nur mit Neid+Missgunst begegnet, wird sich deren Verständnis und Bereitschaft zum teilen bestimmt nicht bessern. Es steht sicher jedem Bundesbürger frei, seinen eigenen Reichtum zu erwirtschaften. Nur erreiche ich das nie, wenn ich mich darauf verlasse, dass ich irgendwann im Lotto gewinne. Ich muß schon selbst was dafür tun!
Huhu, ich bin Softwareentwickler und bin einer von denen welche die 2300,-€ Netto - die angesprochenen 4000,-€ Brutto - verdient/bekommt. Ich würde sehr gerne weniger bekommen, dafür aber auch weniger arbeiten wollen. Gerne würde ich einen Tag in der Woche frei haben wollen. Im Gegenzug wäre ich mit 1700,-€ Netto einverstanden. Wenn ich mal in die Verlegenheit komme, ausnahmesweise zur Mittagszeit durch die Strassen zu laufen, frage ich mich ob ich denn der einzig Blöde bin, der noch Vollzeit arbeiten geht. Die Bürgersteige und Geschäfte sind voll. Vor der Eisdiele bildete sich eine lange Schlange. Da frage ich mich ernsthaft wer denn wirklich reicher ist; der der reich an Zeit oder reich an Geld ist? Ich denke die Mischung machts. Ja, es ist richtig das man im modernen Berufsleben mit hoher Qualifikation viel Geld verdienen kann, aber man wird ausgelutscht wie eine Zitrone. Reguläre Arbeitszeiten von 42h/Woche sind keine Seltenheit. Leider gibt es hier nur Schwarz und Weiß.
...immer wieder sind die Interviews von Sr. Druyen auffällig - weil auf den Punkt gebracht. Gerne würden wir uns über mehr solcher lebendigen, klugen Hintergrundthemen-Interviews freuen. Danke. MFG Siegfried Blau, Palma d. Mallorca
Vielleicht geht's ja nur mir so, aber ich habe nichts gegen einen Arzt, der nach langen Jahren Studium, harter Arbeit im Krankenhaus und großem Vermögensrisiko seine Privatpraxis aufgebaut hat und damit dann seine Dreiviertelmio im Jahr macht. Ich habe allerdings durchaus gewisse Ressentiments gegen denjenigen, der ohne eigene Tätigkeit ein Vermögen erbt, das ihm eine halbe Mio im Jahr einbringt. Diese Differenzierung nimmt Herr Druyen nicht vor. Daran zerplatzt nämlich m.E. auch sein Argument des sozialen Engagements. Wenn jemand sein Vermögen nicht verdient hat, und es spendet, ist das m.E. ein ethisches Nullsummenspiel - er verdient Schulterzucken statt Anerkennung. Wenn aber jemand öffentlich spendet, will er Anerkennung; diese "soziale Währung" erhielte er, ohne dafür etwas geleistet zu haben. Und das ärgert denjenigen, der unangenehme Arbeitszeiten hat, schon etwas. Und bevor Sie mich als Linken beschimpfen: Meine Abneigung gegen unverdientes Geld richtet sich genauso gegen faule Langzeitarbeitslose und anatolische Importbräute.
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