http://www.heise.de/newsticker/ und auch die übrigen Foren sind sehr stark frequentierte Foren, an denen sich die Problematik gut studieren läßt. Weil der Heise-Verlag sich anders als viele andere Verlage auch auf seinen Newsseiten ernsthaft und nachhaltig mit Themen wie Forenkultur und Onlinezensur beschäftigt und selber schon Gegenstand respektive Opfer der entsprechenden Rechtsprechung geworden ist, sind die Leser von heise online auch für diese Themen sensibilisiert. Heise versucht sich gegen Auflagen zu wehren, die einer Zensur in den Foren hinsichtlich kommerzieller oder politischer Interessen gleichkommen. Heise verfolgt deshalb eine sehr zurückhaltende Form des Eingriffs in die Foren, obwohl das Phänomen der Trolle ja gerade bei heise online sehr verbreitet ist. Der entscheidene Punkt ist, ob der Betreiber eines Forums routinemäßig im Sinne vorauseilenden Gehorsams Kommentare sperrt (dazu gehört auch der Einsatz von Filtern) oder ob er es gegebenfalls drauf ankommen lässt, verklagt zu werden. Heise gehört zu den Letzteren.
Wie wäre es denn mit einer zweidimensionale Bewertung "belanglos" <-> "lesenswert", "Ablehnung" <-> "Zustimmung"? Das würde die Gefahr reduzieren, dass Kommentare als "belanglos" bewertet werden, weil sie keine Zustimmung finden. Ich persönlich habe "belanglos" jedenfalls immer so verstanden, dass es nicht um meine Zustimmung sondern um meine Einschätzung geht, wie weit der Artikel einen guten Beitrag zur Debatte leistet und einen Standpunkt verständlich und schlüssig darstellt - unabhängig davon, ob ich die Meinung teile.
Manchmal fände ich auch interessant zu sehen, wie viele Bewertungen ein Kommentar bekommen hat. Es hat schon eine andere Qualität, wenn zwei Leser einen Kommentar "belanglos" einstufen oder das gleich 20 gemacht haben.
Insgesamt aber bin ich recht zufrieden - das muss auch einmal gesagt werden (siehe vorheriger Kommentar).
Ich halte das Kommentarmodul der faz für gut und noch weiter optimierbar.
1. Nicht anonyme Kommentare verbessern die Qualität der Einträge. 2. Das Zensieren steigert ebenfalls die Qualität der Einträge.
Warum lese ich die Kommentare? In der Hoffnung weitere neue, über den Artikel hinausgehende Informationen oder Blickwinkel zu erhalten.
Ein Diskussionsforum ist das Kommentarmodul der faz m. E. nicht. I. d. R. findet man fast nie Einträge, die sich auf vorherige Kommentare beziehen, sondern ausschließlich auf den Artikel.
Das Bewertungssystem erleichtet mir das Lesen der Kommentare besonders, wenn bereits 10 oder mehr Einträge vorhanden sind. Es reicht dann die zwei bis drei gut bewerteten zu lesen. Der Rest ist i. d. R. tatsächlich extrem belanglos.
Ich wünsche mir mehr geistreiche Kommentare. Vielleicht könnte man hier noch weiter aussortieren. Da das hier kein Diskussionsforum ist interessieren mich Kommentare, die sich auf reine Meinungsabgabe beschränken und nichts zum Thema beitragen, äußerst wenig.
Die Anzahl der Kommentare ist überschaubar und hat in der Mehrzahl Hand und Fuß. Ich persönlich finde die redaktionelle Kontrolle gut, sie entspricht ja auch dem üblichen Vorgehen in Zeitungen. Ich bin im Gegenteil sogar erstaunt darüber, wie gut das funktioniert, d.h., dass Kommentare immer noch recht zügig online erscheinen. Wer lieber unzensiert kommentieren möchte, kann das ja auf einer anderen Plattform machen (davon sind reichlich vorhanden) oder gleich ein Blog schreiben.
Vielleicht könnte man die Bewertungsfunktion noch etwas verbessern, indem klarer wird, was die beiden Pole bedeuten. Dazu könnte man z.B. ein Tooltip-Text per Mouse-Over einblenden, der den Begriff ein wenig erläutert.
An Tobias Rüger: m.E. stellen Sie Leserkommentare im Vergleich mit Zeitungsartikeln zu positiv dar: auch Leserkommentare sind ja weit entfernt von Objektivität und tragen eben nicht immer nur zur Wahrheitsfindung bei. Im Zweifel ist mein Vertrauen in eine seriöse Redaktion wie die der FAZ immer noch höher als in die Community, da letztere viel extremere Ausreißer produziert.
Ich bin selbst in einem Redaktionsteam Mitglied und nebenbei Chefredakteur eines eigenen Magazins. Ich kann die Erfahrungen, die Herr Niggemeier schildert, nur unterstreichen.
Löscht man als Moderator hämische oder beleidigende Kommentare, wird sofort nach Zensur gebrüllt. Oder so lange auf einer Formulierung herumgeritten, bis jegliche Diskussion abgewürgt ist. Meist hilft dann nur noch die Sperrung der Kommentare, damit nicht noch mehr Unsinn reingeschwemmt wird. Hinweise an die Leser, sie mögen sich doch bitte per Mail an die Redaktion wenden, werden zu 99% ignoriert - gibt man doch bei der eigenen Mailadresse teilweise private Daten preis, die einen dann identifizieren könnten. Anonym schimpft es sich halt so viel leichter.
Teilweise wird dabei dann aus Rechtschreibfehlern gleich auf mangelnde Recherche und/oder auf kein Verständnis der Materie, über die man eigentlich schreibt, geschlossen.
Als Redakteur wäre ich grundsätzlich dankbar für das Feedback durch Leserkommentare. Den Anteil der reinen Störer kann ich nicht abschätzen.
Bei FAZ.NET kommen allem Anschein nach auch die Kommentare durch, die nicht unbedingt der Redaktionslinie entsprechen (Müll wohl richtigerweise ausgenommen). Sie sind das eigentlich Interessante an diesem Forum, man kann sie in der Regel an ihrer Abwertung leicht erkennen. Das Bewertungsergebnis stellt eine gute Vorauswahl dessen dar, was sich zu lesen lohnt oder eher nicht ;-). Auch kennt man mit der Zeit seine Pappenheimer...
Leider ist die direkte Antwortmöglichkeit auf andere Leserkommentare nicht möglich (Zitat-Funktion). Die Gründe dafür sind nachvollziehbar, es geht aber an Lebendigkeit verloren. Und obwohl sich sicherlich kaum jemand in einer Online-Diskussion 'überzeugen' läßt, könnte manches Gegenargument zur eigenen Meinung doch bedenkenswert sein.
Warum das FAZ-Forum nicht nach Themen strukturiert ist, erschließt sich mir dagegen nicht. Ein weiterer Nachteil ist die ausschließliche Möglichkeit, Redaktionsbeiträge zu kommentieren, auch wenn sich zu fast jedem Anliegen ein 'passender' Artikel finden läßt.
So, jetzt wieder die Zyniker...
Wenn der Slogan der FAZ zutrifft, dann sollten zumindest hier im FAZ.NET Kommentare von höherer Qualität abgegeben werden als oftmals andernorts.
Aus meiner Sicht ist das auch so und ich fühle mich mitunter hier im kommunikativen Garten Eden.
Wer vergleichen möchte, sollte sich zum Beispiel mal in den Foren von XING umschauen - vor allem am Wochenende.
Die meisten "Randalierer" (eigentlich Spammer) treten in Gruppen zu bestimmten Themen auf. Sie sind in anderen online-Communities organisiert und sprechen sich in deren Foren ab nach dem Motto "hier und da schreibt jemand eine Meinung, die uns hier nicht paßt, geht dahin und bombardiert die". Plattformen von Zeitungen, Foren von Sendungen sind davon besonders betroffen, weil ein bestimmtes Renomée und größere Leserschaft haben als das eigene Heimforum. Das erst erklärt, weshalb die unterschiedlichsten Spammer zu bestimmten Themen massenhaft auftreten. Es ist eine konzertierte Aktion, die von anderen Stellen im Internet ausgeht, jedoch kein "privates" Posten von Einzelmeinungen. Mit dem Internet als hemmungslose Projektionsfläche hat dies weniger zu tun. Mittlerweile entwickeln diverse Hersteller, die das Problem erkannt haben, Semantik-Software, die es ermöglicht, quer durchs Netz und alle Nicknames, Spammer zu identifizieren. Insofern werden in Zukunft für Moderatoren die Möglichkeiten besser sein, konsequent zu sperren, auch bei Neuanmeldungsversuchen nach einer bereits erfolgten Sperrung. Das ist dann auch für diejennigen User ein Vorteil, die einfach nur sachlich und unorganisiert mit ihrer Einzelmeinung auftreten.
das Vorgehen der FAZ. Ich finde, die vorherige Überprüfung ist ein gutes Mittel, dass die Kommentare nicht ausufern. Ich empfinde es nicht als negative auf die Freischaltung zuwarten. Eigentlich beruhigt es den Verlauf. Ich muss ja nicht zu Allem und möglichst in Real Time meinen Senf dazu geben. Jeder hat seine Meinung, die ändert sich nur schwer. Eine gute Diskussion muss konstant moderiert werden, dass kann man von keinem Verlag verlangen.
"dass man sich bei faz.net zum Kommentieren mit seinem Klarnamen anmelden muss: Bei einem Gegenüber mit Pseudonym fällt die Beleidigung leichter."
Der "Klarname" wird auch so streng überprüft.
Viele Grüße von "Dirk Donau" - haha. Jetzt werde ich wahrscheinlich gelöscht.
Wie gut sich doch hinter der Hecke zielen und schießen lässt wird erst durch die Anonymität im Internet deutlich, wie ein Vorredner schon angemerkt hatte. Ähnlich wie in Chats, wo pickelige Teens plötzlich den Macho machen, gilt das auch für "seriöse" politische Diskussionen, die im Grunde ja auch nur gleichbedeutend sind mit dem Herausschreien der eigenen Meinung.
Ernstzunehmende Diskussionen sind im Internet nur ganz selten (und nur bei harmlosen Themen) möglich, grundlegende Verhaltensnormen, die im Kontakt von Auge zu Auge gelten, werden hier schlicht ignoriert. Vielleicht muss man aber den bekannten Spruch auch ergänzen: Besoffene, Kinder und anonyme Foristen sprechen die Wahrheit. Bitter.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist auch Godwins Gesetz, demzufolge die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Online-Diskussion ein Nazi- oder Hitler-Vergleich fälltt, mit zunehmender Dauer gegen 1 konvergiert.
Zum Abschluss noch ein englisches, zweifellos politisch inkorrektes Statement, dass die ganze Argumentiererei im Netz auf den Punkt bringt: Arguing on the internet is like running in the Special Olympics. Even if you win, you're still retarded.
Wenn man wirklich was Wichtiges zu sagen hat, sollte man das besser offline tun.
Die Nutzerkommentierung ist sicherlich nicht ohne Tücken. Andererseits lernt man auf diese Weise mal "das Volk", zumindest aber seine Leser kennen. Es dürfte doch auch für die Journalisten interssant sein zu erspüren, wie die Leute ticken und wie die eigenen Arbeit ankommt. Im übrigen ist dieser Umgang mit "leichtfertigen Meinungen", der sie herausfordert, Alltag in der Politik und in vielen Unternehmen mit direktem Kundenbezug. Die wirkliche Herausforderung sehe ich in einer anderen Dimension. Wenn man Zeitungsartikel direkt kommentieren kann und es irgendwie schafft, letztendlich eine Mehrheitsmeinung festzustellen, ist dieser neue Weg der Zeitungen auch ein lohnender Weg für die Parteien. Es ist schon beachtlich, wieviele Menschen bereit sind, Beiträge zu politisch relevanten Themen zu schreiben. Aber sie tun es hier und in erheblich geringerem Maße bei den Parteien, wo es ja eigentlich hingehörte. Mglw. fehlt dort die inspirierende Vielfalt der Meinungen und der zündende Artikel, an dem man sich "reiben" kann. Es lohnt sich daher an dieser neuen Entwicklung zu arbeiten. Bleiben Sie dran!
Anonym lässt sich gut mit Steinen werfen.
Warum diese Erkenntnis der vergangenen Jahrzehnte den Webportalen verborgen blieb, wer will das schon erklären und beim Namen nennen.
Ich fühle mich durch diesen Artikel dabei ertappt, daß ich ein gewisses übersteigertes Mitteillungsbedürfnis habe und in der faz.net gerne viele "kleine Empörungsrülpser" hinterlasse. Da ich keinen Fernseher betreibe und mein PC ca. 10-15 Stunden am Tag online ist, beziehe ich meine aktuellen Informationen fast nur über die FTD, Handelsblatt- und Spiegel-Online und eben faz.net. Aber genauso, wie Herr Niggemeier durch die "Sinnlosigkeit" der Userkommentare genervt ist, so bin ich inzwischen von der Sinnlosigkeit vieler Online-Beiträge der Medien, gerade bei der faz.net und spiegel.online genervt. Warum soll ich mir gesellschaftspolitische Beiträge durchlesen, wenn ich als Konsequenz darauf ohnehin nur mit den Schultern zucken kann. Also Herr Niggemeier, schreiben Sie weiterhin ordentlich "sinnvolle" Beiträge, dafür werden Sie bezahlt, aber sein Sie mir nicht böse, wenn ich die faz.net jetzt genau wie den Rundfunk ignoriere.