
Wie kommen Sie darauf, dass man nicht in die polytechnische Oberschule gehen durfte? Welche Schule hätte ein Kind denn dann besuchen sollen? Es gab die zehnklassige Allgemeinbildende polytechnische Oberschule und die EOS. Jedes Kind ging in die erstere, egal, welche politische Einstellung Eltern oder Verwandte hatten. Vielleicht meinen Sie ja die EOS, vergleichbar mit Gymnasium. Da gingen allerdings auch die Kinder unseres Pfarrers hin.

Es wird besonders in Kommentaren immer wieder herausgehoben, wie schlecht das wirtschaftliche System der DDR war, dass z.B. so viele Berufe subventioniert wurden. Wenn ich aber vergleiche, zwischen der subventionierten Vollbeschäftigung in der DDR und dem heutigen Deutschland, wo Unmengen von Geld für die Versorgung von Arbeitslosen, von Leuten die nicht arbeiten dürfen oder nicht arbeiten wollen, ausgegeben wird, was ist da dennn für ein Unterschied? Es ist doch auch nur eine Subventionierung. Die Leute mit Arbeit versorgen die ohne Arbeit. Damals war es so, dass die Leute mit der gewinnbringenden Arbeit die mit der "rote Zahlen Arbeit" versorgt haben. Naja, ist nicht ganz aufgegeangen, geht aber auch heute nicht ganz auf. Was glauben Sie, wer ein besseres Gefühl hat? Derjenige, der weiß, dass er auf Kosten der anderen lebt, der merkt, dass er nicht gebraucht wird, der nicht weiß, wie seine Zukunft aussieht oder derjenige, der Arbeit hat, der Kollegen hat, gesellschaftlich akzeptiert ist und sieht, dass er etwas Produktives macht? Gut, die schlechten Seiten der Diktatur und der Ünberwachung kann man nicht wegdiskutieren, aber so ein Vergleich ist bei diesem Thema doch auch mal interessant.

Ich finde die Kommentare von Theodor Wedel und Michael Friedrich bringen es auf den Punkt. Beide könnten konträrer nicht sein und dennoch sind sie meiner Meinung nach, jeder für sich stehend, 100% zutreffend. Ich versuche auch mit älteren Menschen aus dem Osten, die meinen, früher sei doch alles besser gewesen, zu diskuttieren, weil ich für diese Haltung kein Verständnis habe. Ich versuche Ihnen ständig zu erklären, dass die Wirtschaftspolitik der DDR früher oder später (eher früher) zwangsläufig in den Untergang geführt hätte und versuche sie für die Freiheit, die man jetzt hat zu begeistern. Aber es ist zwecklos. Sie können und wollen es nicht begreifen. Vielleicht muss man einfach versuchen diese Menschen ein wenig zu verstehen. Was nicht bedeutet, dass man ihre Ansichten auch nur im geringsten teilt. Ein solcher Artikel und auch einige kluge Kommentare können dabei helfen.

.. bekanntes psychologisches Phänomen, dass manch entlassener Strafgefangener, wenn er denn nur lange genug gesessen hat, nach der Rückkehr in die Freiheit eine gewisse verklärende Sehnsucht nach der gewohnten Umgebung mit den schönen, festen Abläufen und Regeln empfindet. Kann ich zwar nur schwer nachvollziehen, aber sei´s drum... Insgesamt muss ich aber sagen, dass mir die zunehmend in Mode kommende, penetrante DDR-Nostalgie (welch ein Euphemismus!) langsam aber sicher auf die Nerven geht. Wir reden hier schließlich von einer knallharten Diktatur, die man nur unter höchster Lebensgefahr (oder per Kungelei der Politik, natürlich gegen West-Devisen) verlassen konnte. Wer heute etwa das ach so tolle Schulsystem der DDR verklärt, der verleugnet - bei aller möglicherweise berechtigten Kritik am Schulsystem unserer heutigen Republik - schlicht die Tatsache, dass schon der Besuch der polytechnischen Oberschule nicht nur von eigenem politischen "Wohlverhalten" abhing, sondern auch von dem der Verwandten. Einen Pfarrer in der Familie zu haben genügte häufig schon zur Beendigung der Schulkarriere. Wer derartiges schönredet outet sich in meinen Augen entweder als kompletter Ignorant oder aber als Demagoge der übelsten Sorte!

Ein toller Beitrag! So klar, treffend und vor allem wertfrei wird selten über Ostbiografien berichtet. Statt dem Mann seine Haltung vorzuwerfen, werden ihm schlicht "seine Gründe" zugestanden. Das macht das Ganze schon zu einem großen Text. Danke dafür!

Von Gottfried Benn - bescheiden geworden nach seinen Erfahrungen mit der anderen deutschen Diktatur - gibt es einen schönen Vers zum Glück, das aus der Arbeit resultiert.

So, wie manche Politiker heute in Deutschland die Wirtschaftsprobleme angehen, hilft es natürlich keinem Menschen zu verstehen, dass in der DDR das System (wirtschaftlich, kulturell und politisch) zwangsläufig im Bankrott enden musste. Und dann war mitgefangen, mitgehangen.... immer noch schlechter, als die sogen. Unsicherheit heute, die jedoch jedem Menschen die Freiheit der Initiative lässt.

Herr Breuer hat aus seiner Warte vollkommen Recht. Man darf ja bitte schön nicht erwarten, dass ein Otto Normalverbraucher großartige Gedanken über die gesamtwirtschaftliche Situation macht und dann nach einer eingehenden Analyse zu dem Schluss kommt: "Ah ja, mein Arbeitsplatz trägt sich wirtschaftlich nicht. Bitte entlassen Sie mich damit ich keine Bürde mehr für die Gesamtsystem bin." Das - so kommt es mir vor - wird den Ostlern allzu oft in die Schuhe geschoben und ist einfach nur Käse, denn man stelle sich mal vor man würde Gleiches mit einem Opelaner in Bochum machen. Sagen wir ihm einfach: "Hey Junge, getz überlech doch mal! Die Karren, die du baust, will keiner kaufen, also geht deine Bude den Bach runter. So einfach ist es!" Beschwichtigend könnte man hinzufügen, dass er, der einfache Opelaner, zwar nix dafür könne, dass es so schlimm aussieht, aber das Ergebnis ist das gleiche - die Bude ist ineffizient, kann also auf dem immer wieder soviel beschworenen Markt, der ja alles richtet, nicht bestehen. Herrn Breuer ist es nicht anzulasten, dass er so denkt. Seltsam find ich, dass es soviele Leute gibt, die es nicht nachvollziehen können, dass er so denkt.

In der DDR war schon einiges einfacher. Man musste sich nicht um die Zukunft sorgen, weil es keinen Fortschritt oder gesellschaftlichen Wandel gab. Man musste sich nicht um Politik kümmern, gab ja nur die eine. Man musste nicht eigenständig denken, weil das war nicht erwünscht. Man musste sich nicht um den eigenen Wohlstand sorgen, man hatte ja kaum etwas. Man musste andere nicht beneiden, weil die hatten meist auch nicht mehr. Man musste das eigene Leben nicht planen, sondern die Funktionäre taten das. Man musste nicht die Last tragen, ein Individuum sein, denn es waren schließlich alle Menschen gleich.
Ein eingesperrtes Tier vergisst irgendwann seine Freiheit und beginnt sie zu fürchten. Mit Ostdeutschland war es nicht anders.