Fernsehen

Alte, wollt ihr ewig leben?

Leider wirkt „2030 - Aufstand der Alten“ über weite Strecken wie ein Science-Fiction-Guido-Knopp aus der Zukunft. Dabei ist die Geschichte des Thrillers, den das ZDF heute abend zeigt, keineswegs absurd: Im Jahre 2030 zwingt die demographische Situation die Staaten dazu, sich der Alten kostensparend zu entledigen. Eine Analyse von Frank Schirrmacher.

Lesermeinungen zum Beitrag

16. Januar 2007 10:37

"Alte, wollt ihr ewig leben?"

Bernhard Auer (Bernhard.Auer)

"... die demographische Situation im Jahre 2030 zwingt die Staaten dazu, sich der Alten kostensparend zu entledigen."

Genau diese Wahl bleibt Staaten, in denen nicht nur Arithmetik, sondern auch Ethik herrscht, verschlossen - jedenfalls wenn man Ihre Formulierung wörtlich versteht.
Aber vermutlich haben Sie sie genau zu diesem Zweck gewählt. Also gehen wir ruhig einmal darauf ein: Der Hinweis auf Sachzwänge ist keine stichhaltige Begründung für die Abschaffung verfassungsmäßiger Grundrechte.

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16. Januar 2007 09:55

Wenig gilt der Prophet im eigenen Land

B. Keim (bkeim)

Die Fakten, um die wir uns heute streiten, liegen auf dem Tisch.

1. Geburtenrückgang: es stehen weniger Menschen zur Verfügung die leisten.

2. Das Verhältnis Lebenszeit zu Lebensarbeitszeit verschärft die Entwicklung: die Menschen fangen später an zu arbeiten und hören früher auf. Hier kommt es allmählich zu einer Korrektur.

3. Höhere Lebenserwartung verschärft das Problem weiter. Mit Antritt der Pension ist die Überlebenserwartung heute doppelt so hoch wie noch vor 50 Jahren.

4. Zu geringes Wirtschaftswachstum: es macht die Defizite nur noch teilweise wett.

5. Staatsverschuldung: immer mehr geht in den Schuldendienst, d.h. in die Finanzierung von Ausgaben, die einer vergangenen Generation zugute kamen.

6. Schlechtes Bildungssystem: nicht nur, dass die Schüler heute schlechter ausgebildet sind, auch die Erwachsenen finden nur wenige Möglichkeiten ihre Beschäftigungsfähigkeit durch Fort- und Weiterbildung zu erhöhen. Gerade im tertiären Sektor hinkt Deutschland im internationalen Vergleich extrem hinten nach.

7. Schwindende Neigung zu Unternehmertum und Selbständigkeit. In wenigen Ländern sind die Hürden für den Selbständigen so hoch wie in Deutschland.

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16. Januar 2007 09:34

Danke Herr Schirrmacher. Denn seit jahrzehnten verdrängt

Udo Steffen (steffenu)

wird dieses Problem von geistigen Eintagsfliegen auf der politischen Bühne: Seit 1971 (!) gibt es in D ein Geburtendefizit und zeitgleich unterschritten die Investitionen (für Ersatz + Erweiterung) die Sozialausgaben. Beides bedeutet, Konsum auf Pump, wofür in Zukunft weniger konsumiert werden kann.
Für das Investitionsdefizit sind "Sozial"-Politiker verantwortlich, für das Geburtendefizit die umlagefinanzierte Rentenzwangsversicherung.
Hier wäre eine Lösung leichter zu finden als politisch durchzusetzen, wenn man berücksichtigt, dass die Einzahlungen an die BfA ausschließlich der eigenen Elterngeneration zugute kommt. Und nur Kinderaufzieher für die Rente der eigenen Generation zahlen. Folglich müsste die Beiträgshöhe zur Rentenversicherung an die Zahl der selbst aufgezogenen karakterlich gesunden Kinder gekoppelt sein. Im Ergebnis bedeutet das, wenn auch noch versicherungsmthematisch zu korrigieren (!), seine Verdoppelung der Beiträge, auch des Arbeitgeberanteils, für Kinderlose und Nullbetrag für Leute mit vier Kindern.
Dieser Vorschlag brächte, falls umgestzt, viel Bewegung auf den Heiratsmarkt. Stoff für einen neuen Fiction-Film.

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16. Januar 2007 09:31

@ H. Klier

Tim Stoll (Nomad07)

In der Tendenz ist H. Kliers Kommentar zuzustimmen. Obwohl ich mit ich mit diesen undifferenzierten 30%-Behauptungen vorsichtig wäre.

„junge Frauen <werden> im Arbeitsleben so dringend gebraucht”.
So, so. Ich denke uns fehlen Kinder, die Gesellschaft überaltert. Behaupten doch alle, oder?
Die lassen sich nicht industriell produzieren, auch nicht im von H. Klier herangezogenen öffentlichen Dienst.

Wie zieht man denn seit Jahrtausenden am besten Kinder groß?

Die primitivsten und archaichsten Gesellschaften hatten solche Probleme nicht. Aber in unserer hochmodernen Gesellschaft reden sich die Eliten die Köpfe über das Thema heiß. Bizarr.

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16. Januar 2007 09:23

Aufregung

Rolf Adam (rolfopa)

Anhand der Aufgeregtheit der Beiträge erkennt man schon, wie sehr das Thema die Gemüter bewegt. Der Artikel ist provozierend, aber doch trotzdem wahr. Wer sich etwas mit Demografie, privater Altersvorsorge und den moralischen Verwerfungen auf dem Altersvorsorgemarkt (Finanzdienstleistungen) beschäftigt, erkennt schnell, wie nahe wir schon heute am Scheideweg stehen. Diejenigen, die auf üppige Erbschaften und/oder ein erfolgreiches Berufsleben schauen können, sind im Vorteil. Aber die anderen, deren zukünftige Erbschaften von den Eltern schon heute konsumiert werden müssen, weil sonst nichts mehr geht - und die aufgrund von Familie usw. es nicht mehr schaffen, sich locker 1 oder 2 Mio. anzusparen, die haben schon heute schlechte Karten.
Es geht doch vielmehr um die Offenlegung eines seit 30 Jahren schwelenden Problems, dem Erkennen von zu hohen Kosten in einer Volkswirtschaft und einer Schieflage der Verteilungsmechanismen. Aufrütteln will man uns, nehmen wir es doch bitte - im eigenen Interesse - an und hören damit auf, auf bessere Zeiten zu hoffen. Der Staat wird es nicht mehr richten.

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16. Januar 2007 09:09

Nebenbei bemerkt.

St. Koch (Pensacola)

Torsten Klier schrieb:
".....glauben Sie wirklich das Sitzen auf den Stühlen im sogenannten „öffentlichen Dienst” hätte was mit Arbeit zu tun?".

Wenn irgendjemand herausgefunden hat was der, von Herrn Klier, dargebrachte frühkindliche Populismus mit dem Thema zu tun hat.....bitte Bescheid geben.

Danke.

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16. Januar 2007 08:55

Es ist besser den Film nicht zu sehen..

Michael Brüggemann (bruegge1952)

hier wird wieder einmal etwas ins Bewusstsein der Bevölkerung gedrängt was bisher bagatellisiert wurde, das ist richtig.
Aber wie es gemacht wird kann nur Quotenhascherei sein.
Warum müssen solche Themen immer so krass dargestellt
werden?
Solche Filme radikalisieren und es wäre dem Fernsehen besser angebracht sie nicht zu senden.
Haben wir nicht schon-selbst bei den öffentlich Rechtlichen - eine Welt zwischen Volksmusik und Krimi. Einlullen und aufputschen - dass ist hier gewollt.

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16. Januar 2007 08:25

Die zu vielen JUNGEN werden zu den zu vielen ALTEN

A. Malliki (a.malliki)


In dieser Erkenntnis wird jetzt für das ALTER prädiert, welches noch vor ein paar Jahren die absolute Angriffsfläche bot - weil es die ANDEREN waren.

In Zeiten der starken Jahrgänge gab es zu wenige Ausbildungsplätze und jeder Onkel war eine bessere Arbeitseintrittkarte als ein gutes Zeugnis.

Die demographische Entwicklung in Deutschland hat sich unterbewußt an die Wirtschaftsbedingungen angepasst. Wir haben nicht vergessen wie es war, als wir zu viele JUNGE waren. Und heute sind wir ZU VIEL ALTE.

Die Industrie rationalierste, der Familie wird es vorgeworfen - welch eine Ideotie!

Die Familie, so fordert die Politik, muß ständig und immer mehr Nachkommen erzeugen und mit geringeren Löhnen mehr hungrige Mäuler stopfen. Bildung wird zum Luxus der Eliten!

Die Vergangenheit sollte uns gelehrt haben, dass die Versprechungen der Wirtschaft und auch der Politik noch nie eingehalten wurden.

Die Politik versäumte in den 80er einfach, die Wirtschaft mit ihren hohen Rationalisierungsraten angemessen in das Steuer- und Sozialnetz einzubauen.

Jetzt wird uns eingeredet,
WIR SIND SCHULD!

WIR WAREN IMMER SCHULD!

WIR waren zu viele JUNGE
und sind jetzt zu viele ALTE!

Die Gesundheitsreform muß es richtigen.

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16. Januar 2007 07:42

...aber auch dafür kann man Lösungen finden

Thomas Wenzel (Coloneltw)

Die die nur noch 10-20 jahre Zeit haben eine private Rente abzuschließen werden später sehr wenig Rente bekommen. Sie bekommen nur einen Pflichteil vom Staat und ihre Private lässt nicht viel zu. Hier muss auf Bildung und Vernunft gesetzt werden. Die jetzigen Jugendlichen werden dann ihren Eltern Privat helfen müssen. Ich bin selbst 24 und weiss und bereite mich vor meine Eltern zu unterstützen da es definitiv in 20 Jahren keine geregelte Rente mehr geben wird. Nebenbei sorge ich für mich selbst vor und möchte auch gern eine Familie gründen. Also brauche ich eine gute Bildung für gute Jobs mit so viel Einkommen,d ass ich alles finanzieren kann. Und das muss man den Kindern in der Schule begreiflich machen. In 20 Jahren wird es kein Hartz4 mehr geben (unbezahlbar). Wer sich nicht um sich selbst kümmert wird zu grunde gehen und verrecken (USA Live). Die soziale Unterstützung wird, wenn es sie noch geben sollte, nur begrenzt und nur für Arbeitswille geben. Wer denkt das Geld wächst in dem Land auf den Bäumen wird sein blaues Wunder erleben. Leute nutzt es als Chance und macht das Beste draus, verändern kann man es eh nicht. Die Zeit wird sich immer weiter drehen ob wir wollen oder nicht.....

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16. Januar 2007 07:36

Ich bin mir sicher

Thomas Wenzel (Coloneltw)

dass Deutschland in 20 Jahren ein ernsthaftes Problem hat und zwar aus mehreren Gründen. 1. Die Arbeitnehmer werden die Renten nicht mehr bezahlen können. 2. Viele Jugendliche sind der Meinung die Rente wird es immer geben und bereiten sich nicht vor. Das wird dazu führen, dass unser Sozialstaat zusammenbricht (zu viele Arme) oder wie in den USA erledigt wird. §1 jeder macht Seins heisst die Devise. Jeder ist für seine Gesundheit, seine Zukunft, seine Bildung und seine Rente selbst verantwortlich - das ist für die Junge Generation Belastung wie Chance! Die Politik muss hier und jetzt eingreifen!!! Man muss in den sauren Apfel beißen und ein neues Rentensystem entwickeln, ähnlich dem Privaten. Das heisst, der Staat muss jetzt die Rentner auszahlen und eine neue Rentenabgabe verlangen für die zukünftige Generation. Eine Grundrente, welche jeder für sich selbst spart - Sprich Anlagen in Fonds etc. Dann können wir in 20 Jahren die Probleme meistern und in 40 Jahren rühmen sie gemeistert zu haben. Denn dann würde das System dauerhaft funktionieren!!! Jeder spart pflichtgemäß eine Grundrente und freiwillig eine eigene - ohne Generationenvertrag. Die die jetzt 50 sind haben da ein Problem weil sie keine Zeit mehr haben zum Sparen.

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16. Januar 2007 06:29

Alte entsorgen ?

Franz Altmann (elviejo_136)

Alternde Gesellschaften degenerieren,
wenn die Alten keine sinnvolle Aufgabe
mehr im Leben haben und von den Jungen
als Last empfunden werden.

Beides ist nicht unabwendlich, aber in
Deutschland leider zu befürchten. Last
entsteht dadurch, dass die deutschen
Sozialsysteme als Schneeballsysteme
konzipiert sind, in denen jede Generation
über ihre Verhältnisse lebt unter dem
Vorwand, die wachsenden Schulden ja
auf die eigenen Kinder abzuwälzen.

Die Kinder werden diese geerbten
Schulden aber weder bezahlen wollen
noch können und sich zunehmend
verweigern. Dass wir als Gesellschaft
Menschen mit Ende 50 in den goldenen
Ruhestand schicken, mit der Begründung,
ihre Kinder würden das bezahlen, ist
dumm und verlogen. Sie werden es
nicht bezahlen sondern auswandern.

Das zweite Problemfeld ist Bildung.
Der Mensch ist nicht dafür geschaffen,
jahrzehntelang untätig zwischen Bierkasten
und Fernseher dahinzuvegetieren, mit der
Fernglasobservierung potentieller Falsch-
parker als einzigem Tageshöhepunkt.

Gebildete Senioren kosten weniger
und können länger für sich selbst
sorgen. Der deutsche Staat hat sich
als unfähig erwiesen, von der Wiege
bis zur Bahre das Leben der Bürger
zu organisieren.

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16. Januar 2007 02:28

Bezüglich der Kommentare

Kai-Christian Kempe (doublekai)

Ohne den Film gesehen zu haben kommt aus den Beiträgen von Herrn Klier, Herrn Nübel und Herrn Schliefkowitz eine einfache Antwort zu der omnipräsenten Debatte aus einer Ecke hervor. Abwarten und Tee trinken. Eine komplette Restrukturierung von Ämtern, dem Sozialwesen, dem Arbeitsmarkt sogar - warum nicht? Bis 2030 ist noch etwas Zeit.

Herr Ralf Orth, vielleicht sollten Sie sich abgewöhnen in jeder Zeitung einen politischen Stereotyp zu sehen.

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16. Januar 2007 02:28

Bezüglich der Kommentare

Kai-Christian Kempe (doublekai)

Ohne den Film gesehen zu haben kommt aus den Beiträgen von Herrn Klier, Herrn Nübel und Herrn Schliefkowitz eine einfache Antwort zu der omnipräsenten Debatte aus einer Ecke hervor. Abwarten und Tee trinken. Eine komplette Restrukturierung von Ämtern, dem Sozialwesen, dem Arbeitsmarkt sogar - warum nicht? Bis 2030 ist noch etwas Zeit.

Herr Ralf Orth, vielleicht sollten Sie sich abgewöhnen in jeder Zeitung einen politischen Stereotyp zu sehen.

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16. Januar 2007 01:39

@Perter Schönau, du scheinst was gegen das Alter zu haben

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

dein Zitat:
"Das Alter jedoch ist reaktiv und nicht antizipativ."

Nun, reaktiv ist hoffentlich der Mensch jeden Alters, nicht nur der Alte und dieser durch seine vielleicht schon geschwächten Sinnesorgane eher etwas geringer als der jüngere und antizipativ kann eigentlich nur der sein, der schon etwas Erfahrung hat, eher der Alte :-).
Die subjektive Lebenszufriedenheit nimmt nach psychologischen Untersuchungen trotz gewisser gesundheitlicher Verschlechterung zu, kein Wunder, besonders, wenn man im Leben etwas geleistet hat und nun vielleicht die Früchte davon etwas ernten kann.
Die Kreativität nimmt dabei keineswegs ab! Das zeigt ein kurzer Blick in die Kulturleistungen, in die Geschichte. Künstler schaffen oft im Alter erst die Vollendung ihrer Meisterschaft. Und von wegen revolutionär. Revolution ist nüchtern gesehen, oft der Aufstand der Armen gegen die Reichen, es gibt ein anständiges Blutbad, danach ist alles schlimmer als vorher (französische Revol., russische Oktoberrevol.) Der alte konservative Bismark hat ohne Revolution die ersten Sozialgesetze (Versicherungen) der Welt eingeführt :-)
Also Alter hat schon was, man sollte es etwas mehr respektieren, Herr Schönau!!!

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16. Januar 2007 01:15

die Jugend ist das Problem, nicht die Alten

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

Alte hat es immer schon gegeben, wie der Tod auch, das ist nichts besonderes, es wird auch nicht mehr Alte geben als früher, es wird auch nicht mehr Pflegefälle geben als früher, allenfalls Pflegefälle in höherem Alter, weniger in Familien, mehr in teuren Heimen.
Das Problem sind die Jungen, es sind weniger als früher, sie haben einen höheren Lebensstandart, sind schlechter erzogen, arbeiten weniger und benötigen noch die Unterstützung ihrer Eltern, auch wenn diese schon in Pension sind.

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