Na, da hat sich die Frau Lattka aber hübsch vor den Karren der Behörde apannen lassen. Wenn es um das Waffenrecht geht, ein Thema, von dem die wenigsten Politiker und Journalisten Ahnung haben, dann schaltet bei den Medien ganz offensichtlich das kollektive kritische Bewußtsein auf Sparflamme. Ein Erster Kreisbeigeordneter macht eine Milchmädchenrechnung auf und möchte nicht über Dunkelziffern "spekulieren" (genau das tut er aber). "Die Novellierung des Waffengesetzes läßt seit Jahren auf sich warten". Häh? Das WaffG ist 2003 novelliert worden, und anfang dieses Jahres erneut. Auf welchem Eis welcher 160 Seiten starke Artikel schlummert, das weiß wohl auch nur ein Hielscher. Das Gesetz sei voller Tücken und verursache einen hohen bürokratischen Aufwand? Ein Blitzmerker! Wie so oft: wenig Sachverstand, aber dafür von viel Emotionen geprägt bewegt. Und dann der arme Jurist Mondre. Der Mann war ursprünglich Experte für Umweltschutz und auch als solcher eingestellt worden. Wiewenig er vom Waffengesetz weiß - und von anderen juristischen Grundbegriffen wie etwa dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz - , zeigen manche seiner "Amtshandlungen". Aber immer weiter so, die FAZ hat ja noch einen Rest an gutem journalistischen Ruf zu verlieren.
Ist das nicht faszinierend, wie in einem Land mit dem vermutlich schärfsten Waffengesetz der Welt immer wieder versucht wird, mit weiteren Verschärfungen des legalen Waffenbesitzes der bewaffneten Kriminalität Herr zu werden? Es klingt für mich wie die Forderung nach verschärften Führerscheinprüfungen um dem Fahrern ohne Führerschein den Gar aus zu machen. Totale Zusammenhanglosigkeit. Die bewaffnete Kriminalität basiert auf ILLEGALEM Waffenbesitz (selbstverständlich mit Ausnahmen, die %ual aber zu vernachlässigen sind)! Und die Makarov mit Munition aus sowjetischen Armeebeständen ist schon in Kleinstädten auf dem Schulhof für 500 Euro zu haben. (Zweiflern sei gesagt, dass die Waffe einem 15 Jährigen Schüler zur ANSICHT mitgegeben wurde 'Is' escht - schwöre!'!) Hier basiert der Schusswaffenbesitz auf einer ganz anderen Basis! Einer Basis, die vom Waffengesetz überhaupt nicht erfasst wird. In mir wird der Eindruck erweckt, dass die weitere Verschärfungen des Waffenrechts eine Angst der herrschenden Politkaste vor einer LEGAL bewaffneten Bevölkerung widerspiegelt. Die Konzentration auf den legalen Waffenbesitz bindet nur Kapazitäten bei der Verhinderung illegaler Waffen, mit denen Schießereien in D schon an der Tagesordnung sind !
So, so: "Es wäre eine klare Gesetzgebung vonnöten, fordert Hielscher. Doch die Novellierung des Waffengesetzes lässt seit Jahren auf sich warten. Ein 160 Seiten starker Entwurf liegt auf Eis." Wenn das so wäre, dann ist im Main-Taunus-Kreis sicher auch Helmut Kohl noch Kanzler. Das Waffengesetz wurde gerade zum 1. April 2008 in weiten Teilen verschärft, davor wurde 2003 eine bereits im Bundestag vorliegende komplette Neufassung angesichts des schrecklichen Attentats von Erfurt noch einmal in Teilbereichen strenger gefaßt. Was vielleicht angesichts der zitierten 160 Seiten gemeint ist: die Verwaltungsvorschriften zum Gesetz, sozusagen die Gebrauchsanweisung für die Amtsstuben. Die kamen schon zum 2003er Gesetz mit vier Jahren(!) Verspätung, und auch zur 2008-Fassung sind sie noch lange nicht in Sicht. Sie nützen ohnehin wenig, weil die Verwaltungsvorschriften im Unterschied zum Gesetz und zur Waffengesetz-Verordnung, die ebenfalls Gesetzeskraft hat, nicht verbindlich sind. Wollen wir hoffen, daß Herr Hielscher den Unterschied kennt und nur falsch zitiert wurde...
Der Artikel bedient mal wieder das alte Klischee, es gäbe zu viele Waffen in der Bevölkerung. 24.800 Waffen sind im MTK regfistriert, deswegen hat nicht jeder zehnte eine Waffe daheim oder läuft mit ihr rum. Schön zumindest der Hinweis, dass Schützen und Jäger diese ordnungsgemäß verwahren. Wenn die Behörde hier Zweifel hat, kann sie nach bestehendem Gesetz Überprüfungen vornehmen. Davor sind auch Erben nicht geschützt. Mit Änderung des Waffengesetzes im April 2008 hat sich deren Situation zudem verschlechtert. Eine Waffe erhält nur, wer ein Bedürfnis nachweist. Dass die Behörde bei dem - selbsternannten - Personenschützer Zweifel hatte, eine andere nicht, kann nicht verhindert werden. Eine Verwaltungsvorschrift für das Waffengesetz ist im Gesetzgebungsverfahren 2006 verabschiedet, aber vom BMI noch nicht in Kraft gesetzt worden. Wen hindert es, sich daran als sachgerechten Abwägungsmaßstab zu orientieren. Mit dem Hinweis auf den Rabbi-Mörder zu suggerieren, Waffenbesitzer sind gewalttäig, ist unterste journalitische Schublade. Es entspricht in der Allgemeinheit weder der Tatsache, noch dem Anspruch dieser Zeitung. Wo bleibt die Forderung des Autors nach der Einziehung aller (Küchen-)Messer.
224.000 / 24.800 = 9,03... Also hätte nach dieser [Milchmädchen]-Rechnung jeder neunte im Main Taunus Kreis eine Waffe. Geht man aber davon aus, dass der durschnittliche Waffenbesitzer ein Sammler, Jäger oder Sportschütze ist, dann ist davon auszugehen, dass jeder Waffenbesitzer im Schnitt sagen wir mal 5 Waffen besitzt, das heißt es gibt genug Waffen im MTK um jeden Neunten (!) mit einer Waffe auszurüsten, jedoch ist es wahrscheinlicher dass es sich eher so verhält: 224.000 / (24.800/5) = 45,16 Ergo das ungefähr jeder 45igste eine [registrierte] Waffe besitzt. Registrierte Waffen sind soweit auch nicht das Problem, sondern die unregistrierten .... Schwacher Artikel liebe FAZ Redaktion ... Das artet ein bisschen Arg in Meinungsmache aus. PS: Ich bin kein Waffenfan und habe auch kein Verständnis für den Besitz von nicht-Sportwaffen. Ich bin aber ein Fan von gut recherchierten Artikeln, nicht vom Bildzeitungsniveau. Gruß P
Die Zahl der mit legalen Schußwaffen begangenen Straftaten ist in Deutschland vernachlässigbar klein. Insofern ist die in dem Artikel aufgebaute Panikmache unbegründet.
Schäuble will ja einer Koalitionsvereinbarung folgend ein zentrales Melderegister einführen. Da sollte dann auch der Waffenbesitz rein, genauso wie Führerschein, Autozulassung etc., damit alles nicht mehr über zig Behörden verstreut ist. Wir brauchen endlich klare und einfache Regelungen. Außerdem sehe ich keinen Grund, warum Privatleute Waffen besitzen sollten. Ich würde das radikal einschränken.
