Komplizierte Operationen, wie hier eine Bypass-OP in Frankfurt, werden meist an Uniklinken entwickelt - doch dafür könnte bald das Geld fehlen

Serie: Zustand kritisch (2)

Vom Untergang der Unikliniken

Ihre Pflicht ist Spitzenmedizin und ihre Aufgabe die Ausbildung von Ärzten. Doch die Hochschulkliniken scheitern am System der „Industrialisierung“. Die Zeche zahlen vor allem die Patienten, die Ärzte schwinden. Von Jürgen Peters

Lesermeinungen zum Beitrag

14. November 2009 21:40

Fehlende und falsche Orientierung

Axel Schäfer (civil)

In unserem Staat gibt es in vielen Bereichen einen Refomstau oder besser gesagt eine stagnierende Weiterentwicklung und Anpassung an jetzige und zukünftige Erfordernisse.
Das Wenige, dass getan wird, orientiert sich dann, weil alles dem Diktat der oberflächlichen Wirtschaftlichkeit unterworfen wird, an den Ideen der Manager aus der sog. freien Wirtschaft, die über Lobbyisten, Berater und Anwaltskanzleien mit den Parteien liiert sind. Typischer Hintergrund dieser Leute BWL und ein MBA aus USA oder GB. Da die ärmsten nun nichts anderes gelernt haben, versuchen sie die anglo-amerikanischen Maßstäbe auf Deutschland anzuwenden. Wobei eine ausgeklügelte Ministerialbürokratie hoch 17, unterstützt von einem denkbefreiten Beamtenapparat, sich sofort an die akribische Umsetzung macht.
Nun, was ist falsch daran ?
In Sachen Bildung, Gesundheits- und Sozialwesen sind die USA und GB die schlechtesten Vorbilder. Schon allein die Bezeichnungen Bachelor (Geselle) und Master (Meister) sagt alles, es geht hier um verschulte Schmalspurausbildung. Zum Gesundheits- und Sozialwesen braucht man ohnehin nichts zu sagen.
In Deutschland wird ein einmal eingeschlagene Richtung erst nach einer völligen Niederlage korrigiert.
......

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13. November 2009 07:58

Völlig unabhängig

Harry Hain (zx10)

welcher Aspekt in der Gesundheitsbranche beleuchtet wird. Ich habe den Eindruck, daß die negative Kritik auf wenige Teilnehmer in diesem Bereich zutrifft und die Problemlösungen aber genau die hart treffen, die sich "anständig" (Mehrheit) verhalten. Die Reformen die die "Bösen" treffen sollten winden sich geschickt heraus und profitieren sogar noch von dem Reformunsinn der letzten Jahrzehnte (z. B. medizinfremde Investoren). Der größte Profiteur ist mein "spezieller Freund Lauterbach". Ein Wolf im Schafspelz. Ich bin sicher, daß von diesen "Typen" noch viele andere unterwegs sind.
Noch viel schlimmer ist der wahre Kern des Problems. Die Reformen haben nie das Finanzierungsproblem gelöst, das immer als immanent genannt wurde. Grund: es gibt kein Finanzierungsproblem und es gibt doch eins. Erstes ist eine Mär, weil viel Leistung für relativ wenig Geld versprochen wird und auch falsch verteilt wird. Zweites ist ein Problem, das in den nächsten Jahren auf uns zukommt wie ein Tsunami. Bedingt durch die demographische Entwicklung ist das gesamte Gesundheitssystem in 10-20 Jahren allein schon dann unterfinanziert, wenn man die die Leistungen gleich hält und keine Inflation annimmt. Letzteres ist ein Wunschtraum.

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13. November 2009 05:59

Interessanter Beitrag

D. Müller (ERFREUT)

Ich würde es gerne so zusammenfassen wollen, und sagen, dass die Ärzte in Deutschland gnadenlos unterbezahlt werden und nicht antsprechend nach erbrachten Leistungen gezahlt werden (z.b. nach verbrachter Zeit mit Patienten, nach Zahl der ausgebildeten Studenten und meinetwegen Zahl der papers/impact factors). Das führt bei den Ärzten - früher oder später - zu einem Vermeidungsverhalten gegenüber (zuvielen) Patienten (in zu kurzer Zeit), dem Delegieren von Studentenausbildung zu jüngeren und unerfahrenen Kollegen und zu Motivationsschwund in der Forschung. Bei der Personalplanung führt ein billigerArzt dazu, an anderen Stellen Hilfs-Personal einzusparen, denn am Ende macht das ja schon der (meistenns junge) Arzt.
Sicher, Geld ist nicht alles - aber wer nischt zahlen will, kann auch nicht erwarten, auf Dauer etwas wirklich Gutes zu bekommen.
Auch im Fußball ist mir kein Spieler bekannt, der irgendwann mal aus moralischen oder ethischen Bedenken nicht zu Bayern München gewechselt ist, sobald ein Angebot vorlag.

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11. November 2009 21:54

@Johanna

Thomas Kanthak (Mayfair)

"Der Ärzteschwund hat nämlich noch andere Ursachen: [...] weit überhöhter Anteil von weiblichen Medizinstudenten"
Können Sie diesen Zusammenhang mal bitte erklären?
Sind weibliche Medizinstudenten keine zukünftigen Ärzte?
Selbstverständlich sind weibliche Medizinstudenten zukünftige Ärzte.
Aber man braucht eben auch andere Ärztinnen als halbtags tätige Anästhesistinnen, Internistinnen und Psychotherapeutinnen.

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11. November 2009 16:40

Auch auf der internationalen Ebene ein Desaster

Matthias Friedrich (mgfriedrich)

Ich kann dem Autor nur Recht geben. Der Spagat zwischen schlecht bezahlter klinischer Tätigkeit und Feierabendforschung wird noch mehr Gute Medizinforscher in das dankbare Ausland locken.
Deutschland riskiert damit einen weiteren Verlust innovativer Forscher, das Hauptkapital einer erfolgreichen akademischen Medizin.
In den meisten Ländern des angloamerikanischen Bereichs hat die finanzielle Ausstattung der Uni-Kliniken und vor allem der Forscher eine hohe Priorität. Forschen ist attraktiv und wird nicht mit der teils schmerzhaften finanziellen Enge für die Familie bestraft. Verträge kommen entweder mit der Möglichkeit, "fee for service" (d.h. medizinische Leistungen komplett abzurechnen), oder - noch besser - mit einem kompetitiven Gehalt und geschützter Zeit. Das erlaubt dem Forscher, den Kopf für eine erfolgreiche Forschung frei zu haben.
Wenn Deutschland noch länger die medizinische Forschung als persönliche Karrierebildung angehender Chefärzte und nicht als Kernbestandteil unserer Zukunft versteht, wird die deutsche Forschung in der Medizin an Bedeutung verlieren. Hoffentlich wird das erkannt und gehandelt. Geschäftsmodelle gäbe es genug.
Matthias Friedrich, Calgary, Kanada.

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11. November 2009 14:26

ich habe nun "hautnah" miterlebt, wie...

Klaus K. E. Wagner (KlaKoWa)

091111mi1423
Aber Hallo liebe Mit-Leut,
ich habe nun hautnah miterlebt, wie drei Menschen in diesem "Krankenhaus-Betrieb" vom Leben zum Tode gebracht worden sind.
Zuletzt traf es meinen Bruder, der wegen einer Zehamputation ins Klinikum Marburg eingeliefert wurde, sich dann eine Infektion einhandelte. Die dann als erforderlich erachtete Vorderfuß-Amputation hat er nicht überlebt.
Nun habe ich die Nase voll - so war mir mein Gott dabei behilflich ist.
Gruß
Klaus Konrad Elmshäuser Wagner
Dat KlaKoWa

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11. November 2009 14:23

Vom Untergang der Unikliniken

Werner Sossna (sossna2)

Und dieser wird beschleunigt durch die Einstellung von „Ordinarien“ wie Peters. Diese befinden sich nicht nur in der Hochschulmedizin in Schlüsselpositionen. Ihr Einfluss ist damit auch auf das gesamte Gesundheitssystem immens. Fatal ist, dass sie die veränderten gesellschaftlichen Randbedingungen "einfach" ignorieren. Sie „bewegen“ sich nicht. Ihr nicht organisationskonformes Handeln engt die finanziellen Spielräume in Lehre, Forschung und Krankenversorgung noch weiter ein. Kennzeichnend dafür ist unter anderem, dass Peters sich als „Freiberufler“ versteht. Dagegen ist er wohlbestallter Beamter auf Lebenszeit, der vermutlich zudem über ein beachtliches, risikoloses Privatliquidationseinkommen im Status-Quo verfügt. Zudem vertritt er als berufständischer Spitzenfunktionär „seine“ (Partial-)Interessen. Also?

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10. November 2009 14:46

die wahren Schuldigen pt3

Athanasius Pernath (a.pernath)

Ich selber habe als Arzt mittlerweile viele Jahre sowohl in Unikliniken wie auch in kommunalen Krankenhäusern gearbeitet. Nach meiner Erfahrung ist eine gute Patientenversorgung oftmals mit Kollegen außerhalb der Universitätsmedizin unkomplizierter und dabei besser zu realisieren. Wenn die Universitätskliniken bestehen wollen, dann schaffen sie das sicher nicht, indem sie zur Professorenherrlichkeit vergangener Jahre zurückkehren, sondern im Gegenteil, indem sie die Chefärzte zwingen, qualitätsgesichert, interdisziplinär und wirtschaftlich zu arbeiten. Und indem sie dem übrigen ärztlichen Personal mehr Perspektiven bieten als die geringe Chance, irgendwann einmal selber Professor zu werden, z. B. Sicherheit des Arbeitsplatzes und angemessene Vergütung, auch für die Mehrarbeit in der Forschung.
Herr Prof. Peters sollte sich auch einmal fragen, ob der letztens ja ganz in seiner Nähe sich ereignete Fall des der Bestechlichkeit und Erpressung von Patienten angeklagten Prof. Broelsch sich unter einem kollegialeren System mit besserem Controlling und struktuierterer Patientenversorgung sich genauso hätte ereignen können.

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10. November 2009 14:30

die wahren Schuldigen pt 2

Athanasius Pernath (a.pernath)

Bis zur Besetzung einer Professur/Chefarztstelle kann es, selbst wenn die Emeritierung des Vorgängers schon lange absehbar ist, schon mal viele Monate dauern, weil sich die Professorenschaft nicht einig wird. Welches Wirtschafsunternehmen würde soetwas machen? Und dann wird schon mal nicht der beste gewählt, sondern vielleicht auch jemand, der den anderen möglichst wenig Schwierigkeiten bereitet, etwa durch zu viel Engagement.
Warum soll man als engagierter junger Arzt auf der Karriereleiter sich auf Gedeih und Verderb einem Ordinarius ausliefern: liegt das Interesse mehr in der Klinik kann man auch in einem städtische Krankenhaus gut arbeiten. Will man lieber forschen,
Auch die angeblich inadäquate Vergütung infolge der DRGs haben sich die Unikliniken selber zuzuschreiben. Denn was taten sie, als sich die Einführung abzeichnete und sich andere Krankenhäuser darauf einzustellen begannen? Nichts! Großkotzig meinten sie, sich mit solch Kinkerlitzchen nicht befassen zu müssen, und bekamen dann dafür die Quittung: Da sie es für überflüssig hielten, ihre Arbeit vernünftig zu dokumentieren, blieben sie den Beweis für die Behauptung der besonderen Schwere der Fälle und Komplexität der Therapie schuldig.

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10. November 2009 14:07

die wahren Ursachen der Misere sind Ordinarienherrlichkeit und Ineffizienz pt. 1

Athanasius Pernath (a.pernath)

Leider muß ich Herrn Peters widersprechen. Es ist nämlich genau im Gegenteil so, daß das gegenwärtige System mit der fehlenden Kontrolle der Ordinarien/Chefärzte zum guten Teil für die Misere verantwortlich ist. Die klinische Versorgung, Organisationsstruktur und auch Investitionen der Unikliniken sind hochgradig ineffizient, keiner vernünftigen Kontrolle unterworfen und oftmals noch nicht einmal gut. Anstatt daß es Standards gibt, nach denen sich alle richten, und anstatt kollegial erarbeiteter Therapiestandards verbringen die Ordinarien oft viel Zeit, sich gegenseitig zu bekämpfen und entscheiden viel zu oft noch ohne interdisziplinäre Abstimmung.
Da ist es die Regel, daß jede Klinik ihre eigene Chemo-Ambulanz betreibt, anstatt die Behandlung dieser Patienten zu zentralisieren. Das macht die Sache 1. teurer und 2., da jeder vor sich hin frickelt und die Personalfluktuation hoch ist, noch nicht einmal unbedingt qualitativ besser.
Die Personalfluktuation ist deshalb so hoch, weil mehr noch als an anderen Kliniken befristete Verträge die Regel sind, und wenn ein Uni-Chefarzt geht wird prophylaktisch schon mal ein guter Teil der Assistenten und Oberärzte entlassen, da ja der Nachfolger seine eigenen Mitarbeiter mitbringen könnte

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10. November 2009 13:14

50 Mrd Euro für Krankenhäuser p.a. (alleine aus den gesetzlichen Krankenkassen)

Steffen Rupp (steffenrupp)

sind halt zu wenig. Dafür steht Spitzenmedizin und Spitzenmediziner natürlich nicht zur Verfügung. Spitzenbanker kriegt man ja auch nicht unter ein paar Mio. pro Jahr.
Einfach den Krankenkassenbeitragssatz verdoppeln. Das wäre nichts Neues, seit 1950 wurden er bereits verdreifacht. Warum nicht Hinz und Kunz z.B. künftig 30% des Bruttolohns für "Spitzen- Gesundheit" zahlen lassen. Zwangsweise. Dann bleibt auch für Pharmafirmen und niedergelassene Ärzte mehr finanzieller Spielraum und der Gesundheitssektor ein "Wachstumsmarkt"- mit vielen Metastasen.

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10. November 2009 11:48

Immer so tun, als hätte man es nicht gewusst

Thomas Theisen (bigtom61)

Die Fakten: in keinem Land, in dem DRGs eingeführt wurden, sind die fundamentalen Probleme solidarischer Systeme wie Rentenversicherungen oder öffentl. Kranken-kassen gelöst worden. In allen Fällen (z.B. USA, Australien) wurden Kosten vom Krankenhaus in den niedergelassenen Bereich verlagert und die "blutige" Entlassung zum Muss. Es scheint, das DRGs kein Mittel sind gegen Umkehr der Alterspyramide und einen nach jeder Wirtschaftskrise größer werdenden Pool gering qualifizierter Arbeitsloser, die sich dann selbst durch moderne Sklaverei (working poor, 1-€-Jobs) nicht mehr maskieren lassen.
Dazu kommen noch Änderungen der Ausbildungsordnung, die mit Einführung des AIP 1999 zur massiven Umwandlung von Assistenzarztstellen (=Facharztausbilungdstellen) führten.
Ein Blick ins deutsche Ärzteblatt, das alle 14 Tage zwischen 90 und 160! Seiten Stellenanzeigen ausweist, zeigt, wo die Misere liegt. Nicht ohne Grund verlassen 50% aller Studenten Deutschland sofort, nachdem sie hier ihr Medizinstudium beendet haben. Es liegt sicherlich weder an der guten wirtschaftlichen Perspektive noch an den attraktiven Arbeitsbedingungen. Den dadurch entstehenden volkswirtschaftlichen Schaden will ich hier gar nicht diskutieren...

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10. November 2009 11:06

Treffsichere Analyse - der politische Impetus für Veränderungen fehlt jedoch

Martina Mogl (mtmogl)

Herzlichen Dank an den Autor für die treffende Analyse der für uns alltäglichen Situation an der Uniklinik: Patienten und Angehörige erwarten Höchstleistungsmedizin, Studenten erwarten Lehre, Assistenten Weiterbildung, dies alles völlig gerechtfertigt. Nebenbei wird der Erfolg der Uniklinik an Forschungsleistung berechnet, die größtenteils nicht im normalen Alltag einkalkuliert wird, die Behandlung wird öffentlichkeitswirksam sog. Qualitätsrankings unterworfen, mehr und mehr Zeit wird auf Dokumentation, Zertifizierung etc. verwendet. Und die Wirtschaftlichkeit soll möglichst alles steuern. Dass hier der Nachwuchs ausbleibt und die Patienten letzten Endes nicht gewinnen können, ist logische Konsequenz. Derzeit wird v.a. an nicht-medizinischer Leistung rationalisiert (Patiententransport, Reinigungspersonal, Küche), aber die medizinische Rationierung ist sehr nah und wird offen diskutiert. Dies scheint den gesundheitspolitisch Verantwortlichen nicht klar zu sein. Eher werden landes- und haushaltspolitische Absprachen berücksichtigt. Bis die Politiker selbst einmal Hochleistungsmedizin benötigen! Eine traurige Entwicklung, die derzeit politisch nicht einmal in Frage gestellt wird, geschweige denn konstruktive Entwicklung initiiert.

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10. November 2009 06:25

Keine Frage der Evaluation.

Ronald Glas (soondecember)

Das Grundproblem ist ja nicht die Evaluation. Eine Universität und insbesondere eine Universitätsklinik hat einen öffentlichen Auftrag. Ein solcher Auftrag kann nur wahrgenommen werden, wenn die Gesellschaft ihn honoriert. Die einzige Lösung ist daher dass die Politik dies bewusst wahrnimmt und diesen gesellschaftlichen Auftrag - der ja mit Kosten verbunden ist - auch honoriert. Mit SAP und doppelter Buchführung kommt man aus dieser Krise nicht heraus, da kann man so brutal wie möglich Druck machen, nur die Wahrnehmung des Problems an sich, die ungedeckten Kosten eines elemtaren Universitätsauftrages, nur die Wahrnehmung dieser Probleme und ein finanzieller Beitrag des Bundeslandes für die Aufgaben einer Uniklinik lösen das Problem.
Noch eine Anmerkung zur Umstellung der UNIs auf SAP und doppelte Buchführung, man muss ganz klar sagen SAP und doppelte Buchführung sind kein Automatismus zur Professionalisierung und zur besseren Mittelverwendung, es ist möglich auch mit SAP den alten Murks weiterzumachen. Um professioneller zu werden, bedarf es einer sytematischen Managementschulung (Professoren u. leit. Doktoren), dazu müssen die im SAP-Sytem nicht erfassbaren nichtmonetären Aufträge einer UNI wahrgenommen werden.

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09. November 2009 22:49

Die Kontrolle der Kontrolleure

Michael Bunkrad (Augendoc)

Nach 12 Jahren Uniklink und Forschung stellte sich mir die Frage warum die Unikliniken ständig unterfinanziert sind. Die Antwort ist relativ simpel: die Verwaltungskosten!
Die Klinikverwaltung frißt etwa 80% der Personalkosten, 15% stehen am Krankenbett, der Rest sind Blutboten, Labore etc.
Zu Virchows Zeiten hatte jeder Klinikdirektor sein Budget und konnte damit forschen, einstellen und wirtschaften wie er es für richtig hielt. Da man meinte die Klinkdirektoren "entmachten" zu müssen, übertrug man fast sämtliche Entscheidungen einer abteilungsfernen Klinikverwaltung. Konsequenz:
Heute unterhält sich ein Klinikdirektor mit der Verwaltung fast nur noch über den Rechtsanwalt.
Forschung ist mangels Fördermitteln fast unmöglich, unser Forschungetat betrug 1990 500.000 DM pro Jahr, nicht einmal genug um die Fachliteratur zu kaufen!
Es ist genug Geld da! Man muß nur den Klinikdirektoren das Geld zurückgeben!
Das würde allerdings bedeuten, das man einen großen Haufen nutzloser Verwaltungsangestellter entlassen müßte. Und da traut sich keiner heran, weil die Arbeitsgerichte jeden entlassenen Angestellten sofort wieder einstellen. Die sind heute quasi verbeamtet!
Nun verstehen Sie auch, warum Bettenstreichungen zu nichts führen...

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09. November 2009 22:06

@Lena

Johanna Geisel (Jea.nne)

Folgendes verstehe ich nicht:
"Der Ärzteschwund hat nämlich noch andere Ursachen: [...] weit überhöhter Anteil von weiblichen Medizinstudenten"
Können Sie diesen Zusammenhang mal bitte erklären? Sind weibliche Medizinstudenten keine zukünftigen Ärzte?

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09. November 2009 21:42

Nerviges Selbstmitleid...

Lena Gerstenburg (Gerstenburg)

Wenn man eine Analyse der Uni-Kliniken betreibt und dabei glaubwürdig bleiben will, dann sollte man alle Aspekte beleuchten und den eigenen Berufstand bei der Kritik nicht aussparen.
Der Ärzteschwund hat nämlich noch andere Ursachen:
- Gehalts- und Machtstrukturen innerhalb der Uni-Ärzteschaft
-weit überhöhter Anteil von weiblichen Medizinstudenten
Auch wäre es ganz nett gewesen mal aufzuzeigen, warum so gespart werden muss.

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09. November 2009 20:53

Rationierung ist Fakt und ethische Notwendigkeit

Michael Meier (never1)

Nicht jeder Mensch kann alle Segnungen einer High-tech-Medizin bekommen, wenn die Kosten des Gesundheitswesens überschaubar bleiben sollen. Die Uni-Kliniken mit bis vor kurzem gottähnlichen Klinikdirektoren nebst sehr hierarchischen Strukturen haben viele Entwicklungen verschlafen, z.B. Personal- und Kostenmanagement, Benchmarking, Marktorientierung usw. Natürlich muss Lehre und Forschung honoriert werden und findet in den DRGs meines Wissens keine ABbildung. Auch begreift die Öffentlichkeit erst langsam, daß gute Qualifikationen als Forscher, Manager, Arzt oder Hochschullehrer meist nur singulär vorkommen.

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09. November 2009 17:14

Multiorganversagen

Tobias Gauss (gausst)

Sehr geehrter Herr Kollege,
vielen Dank für Ihre äusserst zutreffende Analyse. Ich arbeite als Anästhesist in einer Pariser Uni-Klinik als Facharzt und hatte Deutschland, als sich die beschriebene Entwikcklung abzeichnete 2004 verlassen.
Ironischerweise wird das vielgelobte französische System einer Radikalkur unterzogen, das Gesetz trägt den Namen "HPST, Hopitaux, Patients, Sante, Territoires" und mit gleichen oder ähnlichen Mittel, die sie treffend beschreiben wird die nationale heilige Kuh, das Hopital Publique und damit wahrscheinlich die Universitätsmedizin zunehmend geschlachtet oder bis zur Unkenntlichkeit abgemagert.
Die Fragen sind überall gleich, welche Form von Medizin brauchen wir, wollen wir und können wir bezahlen. Solange unsere modernen Gesellschaften sich diese Fragen nicht stellen, wird die Rationierung weitergehen. Die andere Frage bleibt, wie wir uns als Ärzte in dieser Debatte und diesem Verteilungskampft positionieren und unsere gesundheitspolitische Verantwortung begreifen.

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09. November 2009 16:45

Danke..

thilo gerhards (tico8219)

für diesen reflektierten Artikel. Ich würde ja gerne das Gegenteil behaupten, aber leider kann ich das nicht. Als Student im "Praktischen Jahr" bekommen wir den Ärztemangel und die konsequente Vernachlässigung der Lehre und Forschung ebenso mit. Meine Ausbildung während dieses Jahres war ein Trauerspiel. Es fehlte nicht nur die Zeit, sondern leider auch die Motivation und die Anreize zur Lehre, ebenso wie bei der medizinischen Forschung. Da ich aber selber gerne in der Lehre arbeite, diese in Deutschland anscheinend als Hobby angesehen wird, steht für mich nach einigen Auslandserfahrungen außer Zweifel, dass ich mich bei der bald anstehenden Jobsuche deshalb auch prioritär im Ausland umschauen werde.

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