Unesco-Welterbe

Dresden schlägt die „letzte Chance“ aus

Spezial Mit Unverständnis reagieren sächsische Politiker auf die Entscheidung der Unesco, das Dresdner Elbtal im kommenden Jahr von der Welterbe-Liste zu streichen, sollte die Waldschlösschenbrücke gebaut werden. Die Landesregierung und die neue Dresdner Oberbürgermeisterin lehnen einen Baustopp ab.

Lesermeinungen zum Beitrag

06. Juli 2008 13:37

Demokratie?

Torsten Klier (TorstenKlier)

Ist natürlich eine Frage der Definition. Wenn wir unter Demokratie verstehen, dass die Leute ihre Angelegenheiten selbst regeln, dann fehlt der „Volksabstimmung“ zum Thema das Merkmal der Demokratie. Zum einen, weil eine Minderheit (nämlich die Einwohner Dresdens) über das Geld der Mehrheit (nämlich des Landes und des Bundes) „demokratisch“ abgestimmt“ hat. Und die Abstimmung ist auch deshalb Humbug, weil nicht etwa zwischen mehreren Varianten ausgewählt werden, sondern nur die Frage „Wollt Ihr, dass diese Brücke gebaut wird“ mit JA/NEIN beantwortet werden konnte. Ich will hier keine unpassenden historischen Vergleiche anstellen, aber auch ohne Sportpalast ist leicht nachvollziehbar, dass auf die Frage „Wollt Ihr ...?“ wohl immer die gewünschte Antwort kommt. Sinnvoll wäre eine Auswahl gewesen. Z.B. eine Auswahl zwischen der Zwei-Brücken-Lösung (Kosten ca. 110.000€) auf der einen und der Waldschlösschenbrücke (Kosten ca. 160.000€) auf der anderen Seite. Aber so viel Demokratie wollen die Protagonisten nun auch wieder nicht - weshalb m.E. die Verwendung des Terminus "Demokratie" hier nicht angemessen ist.

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06. Juli 2008 09:57

Die Frage, O Fischer (ogfblb), ist leicht zu beantworten,

Torsten Klier (TorstenKlier)

nämlich durch die Praxis. Stellen Sie sich einfach nachmittags zur Rushour auf den Körnerplatz. Sie werden sehen, dass 60% der Verkehrs vom Blauen Wunder zur Grundstr. geht (von der Linksabbiegerspur zur Grundstrass wird der Rückstau erzeugt, der den Verkehr am Schillerplatz regelmäßig kollabieren lässt), 30% die Pillnitzer Landstr. und 10% die Schillerstr. Von diesen 10% (das bestätigt auch ein Blick auf den Stadtplan) wird höchstens (das ist schon sehr optimistisch) die Hälfte von der Waldschlösschenbrücke übernommen werden können. In diesem Fall ist Widerspruch zwecklos. Ich habe jahrelang die Staus auf Bautzner Landstr. und Blauem Wunder erlebt, erlitten. Und meine Frau erlebt das noch immer alltäglich.

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05. Juli 2008 20:06

Die Frage, O Fischer (ogfblb)

Torsten Klier (TorstenKlier)

ist zunächst, ob Sie die 2...5% Entlastung des Blauen Wunder für über- oder untertrieben halten. Und dann wäre noch die Frage, was Sie und vor allen warum nicht glauben.

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05. Juli 2008 12:17

Weiterer Volksentscheid?

Josef Bujtor (Mramorak)

Es gibt Leute, die glauben Abstimmungen verlangen zu müssen, bis die Entscheidung nach ihrem Willen ausgeht. Das sind Volksentscheidungen: Entweder entscheidet sich das dumme Volk, wie diese Leute wollen oder es gibt keine Ruhe. Sowas hat mit demokratischer Entscheidung nichts zu tun!

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04. Juli 2008 19:31

Wenn die Waldschlösschenbrücke wirklich so eine tolle Sache ist,

Torsten Klier (TorstenKlier)

warum haben es deren Protagonisten dann nötig, pausenlos (und damit meine ich wirklich pausenlos) die Tatsachen zu verdrehen, die Wahrheit zu unterdrücken, ja regelrecht zu lügen? Was erzählt denn die Orosz für ein Zeug von wegen „halbfertige Brücke abreißen“? Jedermann sieht auf dem Bild den aktuellen Stand. Ein paar Planierarbeiten und zwei Baugruben, das ist alles. Die müsste man nicht abreißen, sondern auffüllen. Kennen Sie den Unterschied, Frau Orosz? Und auch hier auf der Leserbriefseite die Falschmeldung von der angeblichen Entlastung des Blauen Wunders. Nichts falscher als das! Das Blaue Wunder wird um 2, höchstens 5% entlastet. Und dafür ein Bauwerk für 160.000.000€, die teuerste Brücke Deutschlands?! Die Alternativen (eine Brücke am Thomas-Münzer-Platz und eine in Laubegast) kosten etwas mehr als die Hälfte und hätten den doppelten Nutzen wie dieses Monstrum. Frau Orosz, wie sehen Sie das? Bitte sprechen Sie lauter, Frau Orosz, ich höre nichts!

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04. Juli 2008 19:03

Gut sieht sie aus, im Originalentwurf...

Hans H Niller (Niller)

...die Dresdner Elbtalbrücke

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04. Juli 2008 16:22

Unverständnis

Michael Weiss (Kynologe)

Selten habe ich die Kommentare zu einem Artikel so verfolgt, wie zu diesem - und mein Unverständnis wächst mit jedem neuen Kommentar. Ich lese von Städten, die wachsen sollen, von irgendwelchen irrelevanten Tierchen, die da leben, von einem Volksentscheid etc. Es geht hier nicht um ein Dixi Klo, daß irgendjemand in der Pampa aufstellen will. Es geht um einen schwerwiegenden Eingriff in ein Ökosystem, von dem noch keiner genau sagen kann, was er für Auswirkungen haben wird. Ich frage mich, woher viele Leser hier die Arroganz nehmen, die menschliche Bequemlichkeit über die Belange der Natur zu stellen? Wer sind diese Menschen, die meinen, sie könnten es sich herausnehmen, den Lebensraum von Tieren nach Belieben zu zerstören? Lernen Menschen denn nichts dazu? Was sollen wir einmal unseren Kindern erzählen, wenn die letzte Wiese zubetoniert wurde? Sollen wir in Zukunft auf sterilen Plastikspielplätzen mit ihnen spielen? Es geht hier nicht nur um einen Titel irgendeiner Organisation. Es geht darum, die Natur vor der Arroganz des Menschen zu schützen. Und wenn es dazu der UNERSCO bedarf, dann hat sie vollste Unterstützung verdient. Der Kompromiß zwischen Bequemlichkeit und Naturschutz wäre der Tunnel, aber Politiker und Vernunft ...

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04. Juli 2008 15:32

Arm

gisbert heimes (gisbert4)

Aus der Jetzt- und Betroffenheitsperspektive mag es viele gute Gründe für den Brückenbau geben. Es kommt letztlich auch nicht darauf an, ob die UNESCO einen Titel aberkennt. Die Armut besteht in der Unfähigkeit der ökonomistischen Gesellschaft - die sich auch in den meisten Leserkommentaren ausdrückt - den Begriff des Kulturerbes zu leben, ja überhaupt wahrzunehmen. Das gilt für Brückenbefürworter gleichermaßen wie manche Gegner, deren Argumentation sich in eventuell verlorenen Touristenscharen erschöpft.

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04. Juli 2008 14:29

Fußgänger?

Hans Prugger jun. (LA70)

@ Manfred Koch Aber Herr Koch, Fußgänger können wie bisher über die Elbe (Fähre, die die laufen haben eh meistens eine Monatskarte für den ÖPNV)) oder beim Bau eines Tunnels mit dem Bus fahren... Es wird keinen geben, der diesen langen Weg über die Elbe läuft, weil er da zur Arbeit muss. Machen Sie sich mal die Müheund messen die Strecke aus, die ein Fußgänger zurücklegen muss, ehe er ein relevantes Ziel findet. 1,5 bis 2km! Das werden höchstens Fußgänger des Freizeitvergnügens sein. Und die können auch wie bisher an der Elbe entlang, in den Sonnenaufgang oder -untergang laufen. Sport frei!

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04. Juli 2008 14:24

@Hinderer

John Doe (Der_kleine_Amrumer)

Was heisst hier denn stur? und in bester Sozialismus Tradition? Falls Sie es nicht mitbekommen haben, weil sie immer nur das Neue Deutschland lesen, es gab einen Volksentscheid für den Bau der Brücke !!! Man kann die Entscheidung/Brückenbau gut oder schlecht finden, aber die demoktratische Entscheidung ist wohl eindeutig !!!! Und wenn sie den "günstigen" Tunnel fordern, mal abgesehen, vom Bürgerwillen eine Brücke zu bauen!! Wer soll den den zahlen? wieviel geben sie denn freiwillig dazu? wie wäre es mal mit 10% vom Jahreseinkommen ?` Also nur zu und die erste Tunnelspende überwiesen !!!

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04. Juli 2008 14:10

Man kann ja nun wirklich...

Ulrich Hinderer (tiger_78)

... einen Tunnel bauen. Der sieht nicht so brachial aus wie so ein Betonklotz, der langsam vor sich hin korrodiert. . Aber immerhin steht das Vorgehen der Dresdener Stadtoberen in bester Tradition: Stur wie die Betonköpfe eben sind. Ob unter der Federführung der beiden sogenannten Sozialismen oder unter derjenigen dieser Republik: Stur wie die Panzer. Um Belange der Lebenserleicherung geht es schon lange nicht mehr. Sonst hätte man schon lange angefangen einen Tunnel zu graben. . Vielmehr geht es darum, falsche Stärke zu zeigen. . Dass man sich damit einen stinkenden Haufen in's eigenen Nest setzt negiert man einfach mal; daran sind denn auch "die Anderen" schuld. Und so ein Betonklotz im Tal ist einfach wunderschön. Außerdem kann der örtliche Bauunternehmer, mit dem man am Stammtisch sitzt, den bauen. Den Tunnel nicht. Also macht man mit Nackenkrampf weiter und sich einiges kaputt. Den Krampf nennt man "erhobenen Kopf". Und freut sich dermaßen, dass ein Vergleich mit infantilem Verhalten eine riesengroße Beleidigung wäre. Für die Kinder.

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04. Juli 2008 14:02

Besser eine Unesco-Reform fordern als die Stadtentwicklung zu blockieren

Manfred Koch (MKochBS)

Die Unesco-Forderungen, das Elbtal auf einer langen Strecke nicht überqueren, sondern (evetuell) nur unterqueren zu können, sind weltfremd. Eine moderne Brücke passt durchaus in eine Stadtlandschaft mit vielen alten Gebäuden. Der alternativ geforderte Tunnel ist teurer Schwachsinn. Und wo sollen die Fußgänger dennn die Elbe dort überqueren? Es sollte nicht immer den teils sturen, verstaubten Unesco-Erpessungen gefolgt werden, sondern eine Reform dieser Institution gefordert werden. Und wenn die Brücke dann einige Jahre den Stadtverkehr erheblich entlastet haben wird, werden sich auch die dann teilweise neuen Unesco-Augen daran gewöhnt haben.

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04. Juli 2008 14:01

Hallo Michael Heiss alias veryhot88

Andreas Koerner (follow22)

Sehr heiß muss es wohl auch Ihren "ehemals sächsischen Kollegen" gewesen sein, als diese meinten, der Tourismus wäre die einzige Chance für den Osten, incl. Sachsen. In der Wirtschaftskraft der deutschen Städte 2007 kamen die vier Top-Aufsteiger gegenüber dem gleichen Test vor zwei Jahren alle aus Ostdeutschland. Das Rennen unter den Metropolen in den neuen Ländern macht Dresden, das sich von Platz 34 auf Platz 14 verbesserte. Übrigens: weltweit von den lebenswertesten Städten ist Berlin (im Osten) auf Platz 16, Leipzig (im Osten) auf Platz 68. Wie soll Europa zusammenwachsen, wenn wir nicht mal die innere Einheit Deutschlands vollziehen können, wie Sie und Ihre sächsischen ehemals Kollegen eindrucksvoll zeigen. Ich darf Sie zitieren: "Seid Ihr Ossis eigentlich immer unfährig?" Na, zumindestens der Rechtschreibung zugetan.

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04. Juli 2008 13:46

...

Andreas Breuer (IUSTINUS)

Wäre die Brücke architektonisch von Bedeutung könnte ich mich dafür begeistern, und die Entscheidung wäre eine zwischen Moderne und Barock. Aber ein solches Bauwerk mit der Anmutung einer Autobahnbrücke an dieser prominenten Lage ist jämmerlich, mindestens genauso wie die Neubauten am Neumarkt die Barockarchitektur imitieren (zu denen bereits Herr Bartzko in dieser Zeitung Stellung nahm). Was das Gejammer um den Titel anbelangt: Für uns gelten die gleichen Bedingungen wie für andere Länder der Unesco und der Katalog stellt genaue und jetzt von einer Ungerechtigkeit oder gar einem Austritt zu sprechen ist ziemlich albern.

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04. Juli 2008 13:34

Ein weiterer Volksentscheid ...

Occam Razor (Occams_Razor)

... waere wohl angebracht. Schliesslich hatten die Buerger ja bei der Abstimmung nicht gewusst, dass ihr Titel in Gefahr ist und soweit ich weiss hatten sie nicht die alternative Wahl Bruecke - Tunnel, sondern nur Bruecke Ja/Nein. Wer weiss wie sie mit dem heutigen Wissen Welterbe Ja/Nein entscheiden wuerden. Weiterhin muss man bedenken, wie sich ein solches Verhalten auswirken kann ... man kann die UNESCO kritisieren oder nicht ... das aendert aber nichts daran, dass es ein schlechtes Licht auf Deutschland wirft. Schon in Koeln wollten wir Deutschen ja Wolkenkratzer neben den Dom stellen ... Der Wert Immaterielle Gueter ist nunmal schwer abzuwiegen

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