
Der erste Artikel zum Thema Enke auf der FAZ-Seite, den man kommentieren kann. Schade. Denn ich finde es unglaublich, dass auch hier dieses zufällige, individuelle Ereignis tagelang die ersten Titelränge belegt. Und das nur, weil Herr Enke Fussballer war. Ich bin sicher, dass es wichtig ist, in guten Medien über Depressionen zu referieren. Und schwierig ist es sicherlich noch dazu. Aber der Anlass dieser Themenfindung ist doch sehr seltsam. Schon fast seltsam, dass man zu Christian Zieges Zeiten nicht mehr über Akne gelesen hat.

...gibt es doch und zwar ziemlich häufig. Es sind weder "die Gesellschaft" schuld (das ist dämliches Geschwafel) noch irgendwelche von Analytikern zu suchende psychischen Defekte, sondern eine Störung des Hirnstoffwechsels, die gottseidank häufig gut in den Griff zu bekommen ist... - wenn der Betroffene einen Arzt aufsucht und nicht in die Hände derer gerät, die die ihm einreden, es liege daran, daß er mit seinem Leben oder der Welt nicht zurechtkomme oder er sei ein kaputter Mensch, der nur in vielen teuren Psychotherapiesitzungen zu reparieren sei. Das ist genau das, was diese Menschen stigmatisiert.

Die Depression als endogene Stoffwechselkrankheit - mag im Einzelfall sein. Es gibt mit Sicherheit weitere endogene wie genetische Prädispositionen. Der Hauptfaktor für die Zunahme der Depressiven in der Gesellschaft ist dieser ins hypertrophische gesteigerte Leistungs- und Erfolgszwang, dem sich die Individuen aufgrund der herrschenden Doktrin ausgesetzt sehen, und an dem selbst die Besten scheitern können, wenn es mal blöd läuft.

Der Artikel meidet den wichtigsten Punkt, weshalb man Depressionen verschweigt: sie können für die weitere Karriere tödlich sein. Ein Drittel aller Berufsunfähigkeiten geht auf psychische Störungen zurück. Zurückliegenden Psychotherapien oder psychiatrische Behandlungen sind ein guter Indikator für mögliche Rückfälle. Es gibt Leute, die vor der Einstellung wegen Offenlegung ihrer psychiatrischen Vorgeschichte nicht beschäftigt werden. Erst wenn sichergestellt ist, dass man ein Recht darauf hat, die eigene Depression zu verschweigen, wird sie zu einer Krankheit, die "man haben darf".

der von mir hautnah beobachtete "Fall" war ohne Resultat 3 Jahre beim Psychiater (medizinische Psychotherapie) und der Mensch dahinter ist vom Grundtyp "Analytiker" ... geholfen hat dann der sinnstiftende Coach, der erst einmal (!) die Seele wieder zum Klingen gebracht hat (ich bin Laie, deshalb auch laienhafte Bilder...) Und die positiv gestimmte Seele konnte nun distanziert (!) auf die Vergangenheit blicken und damit abschließen. Das ist der Schlüssel, wie ich es nunmal hatnah beobachtet habe - bei einem guten Freund, der sein Umfeld nicht verloren hat - wie es so vielen Depressiven geht.

Aus eigener Anschauung kann ich hier berichten - nicht aus grauer Theorie. Sicher ist nicht das "Sonnetanken" der Schlüssel zur Besserung - sondern das proaktive, in die Zukunft gerichtete Coaching. Analyse ist - wie der Begriff schon aussagt - in die Vergangenheit gerichtet. Nur - der Kranke muss in Zukunft wieder eine positive Einstellung bekommen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Es ist ungemein schwer, aus negativer Vergangenheit (Schicksalsschläge, Kränkungen in der Kindheit etc.) positive Gedanken entwickeln mit deren Hilfe dann diese psychischen Schocks wirklich verarbeitet werden können. Die Ehefrau von Herrn Enke drüpckte es ja aus - sie hoffte, die Liebe würde helfen. Genau der richtige Ansatz, denn Liebe schaut nicht zurück... Zurückschauen - und das lehrt schon die Bibel (Frau Lot!!) - macht uns Erstarren. Und aus dem Erstarren resultiert dann die Ausweglosigkeit - keine Perspektive mehr, mithin vertiefte Depression. Also ein Teufelskreis. Ich bin kein Arzt, schon gar kein Psychoanalytiker und auch kein Coach. Ich habe nur gesehen, wie ein (guter) Coach wunderbar geholfen hat - und am Geld hat es nicht gehangen, gute Coaches sind gemeinhin Idealisten.

So etwas wie eine "endogene Depression" feinsäuberlich geschieden und zurückgeführt auf organische Anomalien gibt es nicht. Wie gesagt: Die Psyche - gesund oder anfällig für Depresionen - ist sinnstrukturiert. Selbst wenn ein genetische Neigung zur Depression besteht, hat die Psyche des depressiven Menschen interpretierend und deutend die Sozialisation durchlaufen und besteht nur als solche. Diese Sinnstrukturiertheit bestimmt, als wie traumatisch Ereignisse, die akute Schübe auslösen, erfahren werden. Diese Sinnstruktur kann nur interpretierend und analysierend, d.h. am besten in der Psychoanalyse verändert werden. Antidepressiva helfen und sind natürlich äußerst sinnvoll, aber sie lassen diese Sinnstruktur unverändert. Auch unter Antidepressiva muss eine Umdeutung möglicher Ereignisse im Leben eines Betroffenen erfolgen (was dort einfacher möglich ist, weil die intellektuellen Kapazitäten voll zur Verfügung stehen), sodass diese nicht mehr traumatisierend wirken, damit eine wirkliche Verbesserung eintritt.

Das ist im allgemeinen ziemlicher Unfug: Die Psyche, die anfällig ist für Depressionen oder andere Probleme, ist sinnstrukturiert, d.h. ist interpretierend entstanden. Störungen können deshalb auch nur interpretierend, umdeutend, analysierend aufgelöst werden - oder sie werden durch einmal kräftig Sonnetanken an einem schönen Ort zugekleistert. Und das der Psychoanalyse eine 'negative Volksmeinung' entgegen steht, spricht nun wirklich nicht gegen sie - ganz im Gegenteil.

Hiezulande (oder bei uns in der Gegend) darf man auf einen Termin bei einem Psychiater über 8 Monate warten. Getreu dem Motto: Wenn es der Patient denn solange übersteht, ist es ihm dann vielleicht auch ernst genug (sich mit seinem Leben auseinanderzusetzen). Aus meiner Sicht verständlich, wenn unter diesen "Vorbedingungen" erst gar kein Versuch einer Terminabspreche anstrengt wird.

Die endlosen Elegien über "mögliche Gründe" sowie die ganze Psychoquatscher-Branche ist bei Depressionen ein Teil des Problems. Eine endogene Depression läßt sich genausowenig wegfaseln und -psychotherapieren wie ein Diabetes. Stattdessen gibt es wenige Maßnahmen (wie Schlafentzug für eine Nacht) und wirksame Medikamente, die oft innerhalb von Tagen sehr gut wirken. Dazu muß der Betroffene aber eine Krankheitsansicht haben, und daran hapert es oft, vor allem wenn Öffentlichkeit und "Therapeuten" ihm einreden, durch Verbesserung äußerer Umstände und Bequatschen würde alles wieder gut. Ich habe einen Fall bei einem bekannten mit jahrelangen Depressionen und "Behandlung" durch Psychotherapie erlebt, der nach meinem Hinweis auf gute medikamentöse Therapien mit der Aussage von seiner Psychologin zurückkam, sie wolle das nicht, denn dann könne sie nicht unterscheiden, ob eine Besserung durch ihr Wirken oder durch die Medikamente käme. Eine sachliche Darstellung der Krankheit und ihrer wirksamen _ärztlichen_ Behandlungsmöglichkeiten in den Medien würde den Betroffenen viel mehr helfen als das Verbreiten des Betroffenheitsgeschwafels esoterischer Spezialexperten.

... und warum dürfen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, diese Krankheit nicht haben? Weil die Presse sich in solchen Fällen das Maul über den Betroffenden zereisst. Nicht zuletzt sind das die Gründe für das, was mit Robert Enke passiert ist.

Man muss zunächst eine Substanz finden, die bei einem gesunden Menschen eine Depression hervorruft (z.B. Natrium muriaticum, Sepia officinalis). Dieses Mittel wird dann in einem aufwendigen Herstellungsverfahren, durch schrittweises Verdünnen mit anschliessendem manuellem Verschütteln, wie man sagt, potenziert. Je nachdem wieviele Schritte man macht, bekommt man ein höher wirksames Medikament. Zur Behandlung nimmt man zuerst ein niedrig potenziertes Mittel. Stellt sich eine Verbesserung ein, geht man zu dem Medikament der höheren Potenz über.

"Zahlreiche Arbeiten weisen nach, dass vor allem junge Männer, die besonders viel Sport treiben, merklich seltener depressive Symptome aufweisen als körperlich weniger rege Gleichaltrige"
Wenn das eine einfache Korrelation ist, stellt sich die Frage, was zuerst da war: Die Henne oder das Ei. Depressive treiben weniger Sport, weil sie depressiv sind. So ganz simpel ist der Zusammenhang nicht.

Seit 2003 war er also in Behandlung. 6 lange Jahre in den Händen eines Analytikers? Eines professionellen "Wühlers im Vergangenen"? Das große Problem der deutschen Psychoanalyse seit der Ikone Freud liegt doch darin, dass Alternativen zur Analyse nicht wirklich zugelassen werden. Und wenn diese praktiziert werden - zumeist von Praktikern aka Coach - werden diese Methoden als "unwissenschaftlich" verpönt. Das Blöde ist nur - die anderen Methoden z.B. nach Bandler und Grinder als "Väter" oder basierend auf "Gestaltherapie" nach Fritz Perls (Schüler von Freud, hatte sich weiterentwickelt und gestritten) sind häufig in kürzerer Zeit erfolgreicher. Und sie sind eben nicht mit dem Makel der (in Deutschland) aus der dunklen Zeit übernommenen negativen Volksmeinung bekleckert. Da kann man sich im Urlaub helfen lassen - 3 Wochen intensives Coaching an einem schönen Ort reichen als Basis meist schon aus, um wieder die schönen Seiten des Lebens zu sehen - auch nach harten Schlägen.
Neben dem harten Alltag in seiner Branche ist Herrn Enke also vielleicht auch die "Schulmedizin" zum Verhängnis geworden. Er nutzte seine letzte Freiheit. Dies ist nicht zu verdammen sondern zu bewundern, handelte er doch bewußt und planvoll autonom.

Für mich zeigt das, dass Psychologie und Psychotherapie immer noch in den Kinderschuhen stecken, jedenfalls, was die therapeutischen Möglichkeiten und Erfolge betrifft. Eine Anerkennung als (objektive) Wissenschaft scheint mir zu hinterfragen. Wenn jemand wie Herr Enke seit Jahren in therapeutischer Behandlung ist (er kann sich ganz bestimmt einen "guten" Therapeuten leisten), und er sich jetzt das Leben nimmt, dann ist das doch ein deutlicher Hinweis, dass die therapeutische Methodik bezüglich ihres objektiven Erfolgs fragwürdig ist.

Kann es sein, dass dieser Artikel von der Astrologin von 9 live geschrieben wurde?
Was kann man aus dem Fall Enke lernen. Keiner bemerkt was, wenn der Kranke es nicht will. Der Kranke kann sich seiner Krankheit bewußt sein, gleichzeitig aber den Wunsch haben die Krankheit nicht zu bekämpfen, sondern im Gegenteil das Problem mit seinem Tod zu lösen. Die Familie, Freunde und sogar Psychologen können nichts gegen Depressionen tun, bestenfalls durch Betreuung und Zwang (u.a. Medikamente) irrationales Verhalten verhindern.
Auch Ärzte können eine Depression nicht immer korrekt diagnostizieren. Genauso viele Fälle, die nicht erkannt werden, werden irrtümlich als Depression diagnostiziert. Leider besteht auch wieder ein eigennütziges Interesse daran jedes Unglücksgefühl als Depression zu bezeichnen. Dies ist in meinen Augen der Hauptgrund für eine breite Ablehnung in der Bevölkerung und verhindert für die tatsächlich Erkrankten eine Anerkennung als unschuldig Betroffene.