Leider komme ich erst jetzt dazu, Ihre Replik zu lesen. War leider zwischenzeitlich zu sehr mit Wertevernichtung beschäftigt. Kritik am deutschen InsolvenzR ist natürlich teilweise berechtigt und unter den deutschen Verwaltern tummelt sich nur allzuviel Mittelmaß. Allerdings sind auch diejenigen, die gern die Verwalterzunft als "berufsblind" bezeichnen und die Restrukturierungsmöglichkeiten anderer Rechtssysteme, z.B. das CVA, preisen, nur allzu oft eindimensional in ihrem Denken. Ob die kostspieligen Restrukturierungen jener (ursprünglich) deutschen Unternehmen, die z.B. das englische CVA durch Sitzverlegung dem deutschen Insolvenzverfahren vorgezogen haben, erfolgreich waren, wage ich zu bezweifeln. Auch lassen sich namhafte Beispiele der letzten Jahre finden, in denen die außergerichtlichen Restrukturierungsversuche kontraproduktiv waren und in denen den Unternehmen mit einer frühzeitigen Antragstellung besser gedient gewesen wäre. Dem steht eine erhebliche Zahl von Unternehmen gegenüber, die gesundet aus dem deutschen Insolvenzverfahren wieder hervorgegangen sind. Aus diesem Grund wende ich mich gegen das Bashing des deutschen InsolvenzR. Es ist besser als sein Ruf. Und was meinen letzten Kommentar angeht: Sportlich sehen!
Runtermachen anderer Kommentare nötigt erstmal wenig Respekt ab. Zur Sache selbst: Natürlich haben Sie recht mit den inhärenten Bewertungsproblemen der eingebrachten Forderungen (als Sacheinlage) beim Debt-Equity-Swap. Die bestmögliche Strategie, bei Fortführung desselben Rechtsträgers (im Gegensatz zur übertragenden Sanierung auf einen anderen Rechtsträger) eine Sanierungsfinanzierung in die formale Insolvenz zu verlagern, ist das Insolvenzplanverfahren. Diese Vorgehensweise ist dann sinnvoll, wenn über Bankverbindlichkeiten hinaus weitere Altlasten getilgt werden sollen. Ansonsten kann ich nur davor warnen, auch gerade im Interesse der betroffenen Automobilzulieferer selbst, die mit der Insolvenz einhergehende Wertevernichtung zu unterschätzen. Glauben Sie mir, dass einige unter uns sehr intensiv damit beschäftigt sind, die prä-Insolvenz-Phase, also jene von mir bereits angesprochene Frist von etwa 6 Monaten bis zu 3 Wochen vor Antragstellung, zum Erhalt von Werten und Fortführung der betroffenen Zulieferer bundesweit und im Interesse des Brückenbaus zwischen Schuldner, Banken und aller weiteren Beteiligten, egal, ob man nun in einer deutschen Boutique arbeitet (wie ich) oder in einer anglo-Großkanzlei tätig ist, zu optimieren.
Hallo, die von "Private-Equity"-Haien ausgeplünderten Zulieferer sollen nun mit Staatsgeldern reanimiert werden. Dies darf niemals geschehen. Freundliche Grüße
Problematisch ist die Riskowahrnehmung der Banken. Amerikanische Immobilienanleihen wurden aufgrund von A, AA u. AAA Bonitaetseinstufungen bedenkenlos gekauft. Deutsche Mittelstaendler mit jahrzehntelanger Geschichte gehen leer aus. Zahlen werden erwaehnt, in Meetings stellen sich die Fuehrungskraefte als faktenorientiert dar, in der Realitaet werden die Zahlen jedoch nur als Mittel im internen Machtkampf genutzt. Wie in der Politik handeln die Menschen in den Banken wenig an der Logik orientiert. Vandale
Na, da kennt sich aber einer bestens aus mit dem deutschen Insolvenzrecht. Debt-Equity-Swap? Ob sinnvoll oder nicht, in Deutschland aufgrund des rechtlichen Rahmens kaum möglich und in der Praxis so gut wie nie anzutreffen. Kooperation mit Gesellschafts- und Bankrechtlern? In guten Insolvenzpraxen an der Tagesordnung. Ob diese allerdings geeignet sind, die bösen Insolvenzrechtler "intelligent in ihrem Drang in Schach" zu halten, wage ich zu bezweifeln. Oft ist der - heute viel geschmähte - Verkauf von Unternehmen an Finanzinvestoren von ebendiesen Gesellschafts- und Bankrechtlern vorangetrieben worden. Und mal abgesehen davon, dass es sich unter dem deutschen Insolvenzrecht hervorragend und flexibel sanieren läßt, gebe ich zum Thema "Wertevernichtung" durch Insolvenz nur zu bedenken: Wer einmal einen von Corporate-Anwälten internationaler Sozietäten betriebenen außergerichtlichen Sanierungsversuch begleitet und die immensen Honorare gesehen hat, die hierbei für Anwälte und sonstige Berater anfallen, wird ein Insolvenzverfahren geradezu als Schnäppchen betrachten. Craig Mc Dermott
Herr Kronenberger hat völlig Recht mit seinem Kommentar. Und die "Kreditklemme" gibt es auch nicht erst seit der "Finanzkrise" . Als es die noch nicht gab, haben Medien und Wirtschaft die Richtlinien nach "Basel I usw." für die Erschwernisse bei der Kreditvergabe verantwortlich gemacht. Als Politiker bereits vor rund 10 Jahren nach einem Spritpreis von 5,00 DM riefen, hat das offenbar keiner glauben wollen, am wenigsten die Autoindustrie. Als im letzten Sommer selbige Preise die Marke 1,60 € überschritten, war das für viele Autofahrer wohl doch ein Moment, aufzumerken und Neukäufe möglichst aufzuschieben, bis ökonomischere Automodelle verfügbar sind. Auch das ist also kein Ausfluss der "Finanzkrise"
Es ist nicht nur ein Problem der Finanzierung. Schaut man sich die Verhältnisse vor Ort an, wird eine strukturelle Misere offensichtlich. Viele Automobilzulieferer sind nichts anderes als ausgegliederte Werkbänke eben dieser Automobilhersteller. Das Abhängigkeitsverhältnis (z.T. gegenseitig) ist extrem. Die zur Produktion benötigten Werkzeuge (spezielle Maschinenteile) gehören häufig nicht den Zulieferern, sondern den Auftraggebern. Die Risiken der Materialbeschaffung und der Bereitstellung und Vorhaltung von Personal werden zu 100% dem Zulieferer aufgeladen. Dieser ist im Grunde nicht mehr als ein Lohnfertiger, übertrieben gesagt vergleichbar mit den "selbstständigen" Schlachtkolonnen der Zerlege- und Schlachtbetriebe der Fleischwirtschaft. Die Margen sind extrem niedrig und auf optimale Auslastungen kalkuliert. Der Wertschöpfungsprozess und damit die Möglichkeit, fixe und variable Kosten in ein wirtschaftlich vertretbares Verhältnis zu bringen, ist extrem eingeschränkt. Die Risiken sinkender Aufträge schlagen unmittelbar auf das Ergebnis durch. Zulieferer wie Bosch und Hella mit eigenen Entwicklungen und Produktlinien sind unabhängiger. Für alle anderen gilt, die Automobilhersteller stehen mit in der Verantwortung.
Die aktuelle Kreditklemme beruht nicht nur auf der "Finanzkrise", sondern auch auf der durch die Politik und ihre Banken-Schelte inaugurierten Angst des Kreditgewerbes vor Risikoentscheidungen - und jeder Kredit für ein Unternehmen in Not, dessen Umsatz und Ertrag eingebrochen, die Liquidität verschwunden ist, ist eine Risikoentscheidung. Wer soll sie treffen, wenn demnächst die Keule der Sofin-Kommisare über jedem Schreibtisch schwebt - und der Untreue-Vorwurf des Staatsanwalts ? Öffentlich wird die KfW (und ihre Manager) vorgeführt und ihre Manager angeklagt, weil sie mit Lehman Bros. buisness as usual praktizierten - wie soll denn da ein mittlerer Bankmanager einem insolvenzbedrohten Mittelständler Kreditlinien prolongieren oder gar fresh money in die Hand geben ? Es zeigt sich hier besonders deutlich, wie das Staatshandeln, das Gegenteil dessen bewirkt, was "die Politik" verspricht: Hilfe wird nur lauthals verkündet, statt effektiv geleistet - und anstatt Vertrauen zu schaffen, wird Mißtrauen und Angst nur noch weiter geschürt.
Einige versuchen deshalb massiv das Rechtsgebiet der Sanierungsfinanzierung unter Fortführung desselben Rechtsträgers in der Zeitspanne von ca 6 Monaten bis ca 3 Wochen vor Insolvenzantrag neu "zu erfinden" - bisher ist im Kauderwelsch zwischen englisch-amerikanischen Modebegriffen wie "Debt-Equity-Swap" sowie deutschtümelnden Termini wie der "übertragenden Sanierung" auf einen anderen Rechtsträger innerhalb der Insolvenz unter dem Begriff "Sanierung" alles durcheinander gewürfelt worden. Insolvenzkanzleien tendieren, jedes und jeden in die formale Insolvenz zu verschieben und immer nur die Werthaltigkeit des Insolvenzprozesses und des seit 1999 darin angelegten Rehabilitierungsgedankens hervorzuheben, dabei aber die Dimension der Wertevernichtung völlig zu vernachlässigen, weil sie eben berufsblind sind. Deshalb müssen sie mit Gesellschafts- und Bankrechtlern kooperieren und intelligent in diesem Drang in Schach gehalten werden. Gerade die Private Equity Branche mit den meisten ihrer jüngeren Beteiligungen steht vor einer beispiellosen Zäsur, um nicht zu sagen Katastrophe, in der diese Gedanken hundert-, wenn nicht tausendfach, unmittelbar umgesetzt werden müssen. Die Co-Bank hat uns ein schockierendes Ausrufezeichen gesetzt.