
Ich finde es immer wieder interessant, wenn Journalisten sich zu Moderaten in Talkshows berufen fühlen. Ich habe mir diese Talkshow nicht angesehen, weil ich es mittlerweile leid bin, mir irgendwelche Talkshows anzuschauen, in welchen nur Fragen auf Boulevardpresse Niveau gestellt werden. In diesen Shows wo es nur darum geht, den Talkgast für das klatschbesessene Publikum auf das Glatteis zu locken und vergessen wird, dass hier ein Mensch sitzt, und man alle Fragen mit einer gewissen Fairness und Anstand stellt. Leider wird in diesen Zeiten der Selbstvermarktung, vieler nach Erfolg süchtigen und Erfolg heischenden Menschen, der Mensch als Individuum nicht mehr erkannt und akzeptiert bzw. immer weiter in den Hintergrund gestellt oder versucht zu verarschen!! Zu diesem Übel lassen alle diese mittelmäßigen Shows einen gewissen intellekt und auch hinter-gründigen Witz vermissen, wie es nur Alfred Biolek konnte.

das ist denn doch ein wenig zu breit angelegt für einen Schnick-schnacker im TV. Wer dem Beckmann da noch Anspruch abverlangt, überfordert ihn erheblich, wenn das schmale Feld des Fußballs denn verlassen wird. Laßt ihn seinen Sportfans, da reicht es dann allemal.

Ich teile die Kritik des Artikels und der Kommentatoren nicht in allen Teilen. So fand ich die Frage, warum Herr Westerwelle glaubt, ein guter Außenminister sein zu können, durchaus angebracht. Wenn Beckmann dran geblieben wäre, hätten wir die Chance gehabt, eine Rechtfertigung zu hören, die überzeugend oder nicht überzeugend gewesen wäre. Westerwelle hätte an der Stelle z.B. auf persönliche Qualitäten verweisen können, die er mitbringt, und damit auch etwas von seinem Amtsverständnis verraten. Er hätte auch ausführen können, welches ausgereifte Konzept für Afghanistan, Irak oder Klimapolitik er hat. Auch die Aussage, dass man Qualitätsjournalismus mit der Lupe suchen muss, hat nicht wirklich Neuigkeitswert: Qualität ist immer rar und die Mittelmäßigkeit ist die Regel. Das gilt im Übrigen für Journalisten wie auch für Politiker. Richtig ist allerdings, dass wir in dieser Sendung wohl nicht viel politisch relevantes erfahren haben, weswegen ich das frühe Ausschalten auch nicht bereue.

Obwohl ich bemüht bin mich auch der FAZ zu entziehen (die bad news gehen mir auf den Sack und machen mich nur mürbe) ist es nach 4 Tagen Enthaltsamkeit wohltuend gewesen, diesen Artikel zu lesen. Die etwa ersten 10 min dieser Sendung habe ich gesehen und bevor mir das Abendessen hochkam war das Abschalten des Fernsehers die einzige Therapie dagegen. Herr Kaube, Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen. Dem muß ich nichts hinzfügen, außer Sie darin bestärken. Warum haben diese Konsorten Beckmann, Will, Illner, Kerner u. a. so viel Quote? Das Publikum muß in der Mehrheit so "drauf sein", wie es diese "Pseudo-Aufklärer" zelebrieren. Der Markt ist groß genug um diesen Schwachsinn anbieten zu können. Schwachsinn und Blödheit haben Hochkonjunktur. Aus diesem Grund wird sich nichts ändern in diesem Land und schon gar nicht hinsichtlich einer Kant´schen Aufklärung. Fernsehen ist heute einfach nur noch peinlich und beschämend.

Ihr Kommentar deckt sich voll mit meiner Meinung - guter Journalismus ist eher selten und muß sorgfältig gesucht werden. Die lautesten und auffälligsten Beiträge sind meist nicht die besten.
Leider wird Journalismus im Fernsehen zu sehr auf das Bildhafte beschränkt und Information bleibt rudimentär. Deswegen schaue ich seit Jahren keine Nachrichten im Fernsehen... Und es geht mir trotzdem gut :-)

Es mag vieles richtig sein, interessanter jedoch wäre zu ergründen, aus welchem Grunde die Herrschaften mitmachen. Nur Mediengeilheit?

Das eigentliche Problem des neuen Außenministers wurde nicht besonders thematisiert. Nämlich die Tatsache, daß es im 21. Jahrhundert ein Amt ohne besondere Kompetenz für die Außenpolitik ist. Der Außenminister des 21. Jahrhunderts ist nur ein Grüßonkel für die Medien. Alle wirklich kritischen und relevanten außenpolitischen Entscheidungen werden von den Regierungschefs direkt und in unmittelbarer Kommunikation getroffen. Längst macht das Kanzleramt die eigentliche Außenpolitik. Wenn es ein außenpolitisches Problem gibt (z.B. Georgienkrise), dann reist nicht der Außenminister an, so wie im 19. Jahrhundert, sondern Merkel greift zum Mobiltelefon und ruft den/die Regierungschefs direkt an. Westerwelle hat so gesehen den Job also gar nicht gewechselt, er ist ein relativ unbedeutender Politiker mit hohem Anteil an öffentlicher Darstellung geblieben. Die Entscheidungen fallen woanders....

Politik ist in erster Linie Selbstdarstellung. Die Themen sind ohnehin lange in den Hintergrund gerückt, wenn sie jemals eine Bedeutung hatten. Nur so ist erklärbar, daß eine Mehrheit in diesem Land immer wieder die Parteien wählt, die das Gegenteil von dem tun, was die Mehrheit will. So gesehen ist Herr Westerwelle geradezu der Prototyp des angesagten Politikers. Immer lächelnd, immer gut angezogen, immer mit guten Manieren und immer nichtssagend. Auch Frau Merkel redet nur in vorformattierten Allgemeinplätzen. Und diese Nomenklatura bedarf natürlich entsprechender Journalisten, die sie in Szene setzen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist dies am einfachsten machbar, da ohnehin die wesentlichen Entscheider auf Parteitickets in ihre Posten kommen. Und im Privatfernsehen werden Nachrichten zumeist auf dem Niveau von Boulevardblättern präsentiert, Platz für Erklärungen ist da ohnehin nicht. Aber all dies ist nicht neu, schon Neil Postman hat dies vorausgesehen und erklärt in seinem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode". Er erklärt dort auch treffend, warum das Fernsehen als Medium zur Informationsvermittlung nicht taugt.

Eine Unverschämtheit waren Beckmanns Fragen zu Westerwelles sexueller Orientierung! Wen interessiert das , wie unser Außenminister liebt?! Hier wird journalistischer Voyeurismus+Ausgrenzung in ihrer schlimmsten Form betrieben, was zudem an Einfallslosigkeit nicht zu überbieten ist. Und wie Saudi Arabien auf einen Besuch eines deutschen Außenministers reagieren wird, das werden wir dann sehen, wenn er dort ankommt! Aber Beckmanns Fragen brauchen wir eigentlich nicht im Deutschen Fernsehen!

Sehr geehrter Herr Kaube,
Sie schreiben: "Solche Fragen entspringen auf beiden Seiten jener Gespräche einer eigentümlichen Berufsauffassung. Sie zielen nicht auf Information, sondern auf einen Selbstdarstellungstest."
Darf ich fragen, welche Berufsauffassung denn derjenige Ihrer FAZ-Kollegen vertritt, der in der gestrigen "Beckmann"-Ausgabe den Bundesaußenminister als "Welpe" verspottet hat? Und welchen Ethos die TAZ-Chefredakteurin pflegt, die Herrn Westerwelle seine "maskenhaften Grinsen" vorhält?
Welche Art der Information hätten Sie sich erwartet? Dass der Außenminister nach seiner ersten Amtswoche en detail die internationale Afghanistan-Strategie auf den Tisch legt? Mehr als die Ihrer Meinung nach fehlenden Inhalte zu bejammern ist Ihnen auf die Schnelle auch nicht eingefallen. Herr Beckmann hat ein umfassendes Portrait des Außenministers, den Wandel der Person und des Politikers Westerwelle gezeichnet - und in manchen Nachfragen bzgl. des Images nur den Stein aufgenommen, den die Printjournalisten geworfen haben. Und nur ein Beispiel zum politischen News-Wert: Die Position des Außenministers zur aktuellen Diskussion um Erika Steinbach war bemerkenswert offen - auch dank Herrn Beckmanns mehrmaligem Nachhakens.

Erstens: Ich finde, wir hatten schon schlechtere Außenminister. Zweitens: Mir ist Bundes-Guido's Dauergrinsen allemal lieber als so manche kotzbrockige und ewig mißmachende Journalistenfrage(rei) - und ich finde es absolut in Ordnung, wenn eine Antwort dann mal drastisch ausfällt: Damals, Rudi Völlers Ausraster gegen 'Weißbier-Waldi' Hartmann, wie recht Rudi Nationale doch hatte, oder Trapattoni's berühmte 'Habe fertig'-Verbal-Explosion, war doch total berechtigt. Andererseits muß ich aber auch sagen: Blassierte Hochnasige, die es einfach nicht besser verdient haben (mir fallen da die CDU-Namen Profalla und Peter Hintze ein) dürften m.E. ruhig öfter journalistisch hart angefaßt werden, nix dagegen. Soviel zum Sowohl-als-auch. Wenn jetzt noch jemand Leute wie Beckmann, Wontorra und ähnliche Unbegabte von unseren Bildschirmen entfernen würde, wäre alles gut...

Gut beobachtet, gut analysiert. Nur manche Leser wollen diese Art von Jounalismus im "Modus Fremdverdummung" noch übertreffen, und setzen neue Maßstäbe für sprachliche Fähigkeiten und setzen Westerwelle mit Heil und Profalla auf eine Stufe. Was soll überhaupt diese Überbetonung des Wie-Gesagten? Genau darum geht es doch. Auf den Inhalt kommt es an, wobei Ausdruckfähigkeit natürlich etwas Schönes ist, sonst würden wir gute Literaten nicht verehren und in Zeiten der Mediengesellschaft ist sie für Erfolg entscheidend. Das Beispiel Obama zeigt, dass es auch anders geht. So hat schon seit Jahrzehnten kein Politiker Menschen ansprechen können, über Kulturkreise hinweg, wie seine Rede in Kairo gezeigt hat.
Der Inhalt muss dabei nicht auf der Strecke bleiben. Aber man sollte diese Ausnahemerscheinung nicht zum Maßstab machen. Der Journalismus ist häufig so ärgerlich, weil er einem als Zuseher/Zuhörer Ungenießbares zumutet. In dem Maße wie dieser Schlüsselloch-Journalismus zunimmt, wird das öffentlich-rechtliche Fernsehen schlechter. Von den Privaten ganz zu schweigen. Die Politiker haben Schwierigkeiten damit, den Jounalisten klar paroli zu bieten. Warum eigentlich? Sie würden davon klar profitieren.

es ist ja leider ein Missverständnis, dass es z.B. in der Politik eigentlich um Inhalte gehe. Und deshalb geht es natürlich auch im politischen Journalismus nicht um Inhalte, sondern um gruppendynamische Spiele aller Art. --- Frau Roth, Frau Nahles, Herr Lafontaine, Herr Söder: keine Ahnung, ob die sich selber erfolgreich einbilden, es ginge ihnen um die Sache. Als Beobachter kann man sich jedenfalls nicht des Eindrucks erwehren, dass es diesen Leuten um ungenierte Selbstdarstellung geht, um die ständige Bestätigung ihrer eigenen Bedeutung und Großartigkeit. --- Und vor diesem Hintergrund ist es am Ende wirklich nur noch interessant, wer in diesem Showgeschäft das beste pokerface aufsetzt oder die beste homestory bietet. --- PS: Diesen Beitrag bitte mal nicht normativ nehmen, nur deskriptiv, gell ;-)

Bleiben folgende Fragen offen:
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Warum lassen sich die öffentlichen Personen auf solche Auftritte ein?
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Warum werden diese Ausstrahlungen durch hohe Zuschauerzahlen belohnt?
Wer selbst hohl ist, der denkt, er könne durch einfache Medienpräsenz seine Chancen, seinen Job zu behalten oder einen zu ergattern, wahren. Dann muss er auch in solche Veranstaltungen. - Der oberflächliche Betrachter gewöhnt sich an den Anblick der Person und vergisst die Inhalte.
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Der Ausübende der Medienmacht kann durch Provokationen Schlagzeilen erzeugen und Einschaltquoten generieren. - So profitieren beiden Seiten.
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Inhaltsschwere Interviews finden in den späten Abendstunden in Exotenprogrammen des Ö-R Fernsehens statt. Da ist die Chance dann gering, dass Normalsterbliche sich informieren können. Und ebenso müssen intellektuell Unterschichtige nicht mit Denkprozessen konfrontiert werden. - So schließt sich der Kreis: Verdummung für das Volk, Posten und Geld für die Schlauberger.

Klasse Artikel über Sportmoderatoren, verkappe Musiker und Möchtegerne-Journalisten mit gespieltem Einfühlungsvermögen und Profilierungssucht. Übrigens Herr Beckmann: man setzt sich nicht mit seinem A... llerwertesten auf einen Tisch an dem seine Gäste Platz nehmen und Speisen oder Getränke zu sich nehmen. Auch nicht für ein maskenhaftes Grinsefoto. Da merkt man wieder, Popularität hat nichts mit Kinderstube zu tun.

Stellt sich natürlich die Frage, was passieren würde, wenn ein Journalist in Interviews Politiker in der Sache hart rannehmen würde, so wie das einige durchaus getan haben, zB Friedrich Küppertsbusch. Da die rhetorischen und argumentativen Fähigkeiten von Leuten wie Profalla, Westerwelle oder Heil arg limitiert sind, würden die sich solchen Interviews erst gar nicht mehr aussetzen.
Es ist doch wohl erheblich angenehmer für einen Politiker, auf die Frage zu antworten, wie er sich gerade fühle, als er erklären zu müssen, wieso er in einem Land, das de facto pleite ist, die Steuern senken will. Fernsehjournalisten dürfen keine harten Sachfragen mehr stellen, weil die Politiker sie nicht mehr beantworten können, und die rächen sich dadurch, dass sie bei den persönlichen Angelegenheiten der Politiker besonders penetrant nachfragen.
Für einen interessierten Fernsehzuschauer ist das natürlich ein Horror. Man kriegt nur noch Textbausteine zu hören, weiß aber im Gegenzug alles über die Blagen von Frau von der Leyen.