
Unter diese Headline habe ich mir mehr versprochen.
Ihr Artikel suggeriert, dass nur noch Derjenige "zukunftsfähiger Mensch" ist, der sich problemlos im Internet bewegen wird. Also so gesehen soll der "Web-Mensch 3.0" (meine Definition) der ideale Mensch der Zukunft.
Die Spaltung der Gesellschaft vollzieht sich meines Erachtens aber vor allem in dem Unterschied, dass der Web-Mensch noch auf den "Sozial-Mensch 1.0" trifft, der nach wie vor noch Sozialkontakte braucht, sich z.B. in Amazon über Bücher erkundigt aber das Einkaufserlebnis Buchhandlung nicht scheut und damit lokale Arbeitsplätze sichert. Während der Sozial-Mensch 1.0 weitere Artgenossen seiner "Versionsnummer" braucht, um einfach "altmodische" Gemeinschaft zu pflegen, sucht der Web-Mensch 3.0 auf einer Seite "Freunde24.com" (weiß nicht, ob es diese Seite tatsächlich gibt) den letzten noch möglichen Ersatz für unerwünschte, uncoole menschliche Kontakte.
Der Sozial-Mensch 1.0 kennt in meiner Welt das Internet durchaus mit allen Möglichkeiten und Vorteilen - aber vor allem seine Grenzen.
Hier vollzieht sich die Spaltung.
Wer definiert hier eigentlich die Zukunft wie sie sein sollte?
Volker Wüst
Ransbach-Baumbach
volker.wuest@reisebuero-wuest.de

Unsinn. Internet schafft eine neue Gesellschaft. Das wird so sein. Aber man sollte darüber nachdenken...
Stehen zwei am Rand eines unendlich tiefen Abgrunds. "Hast du dir das wirklich überlegt?" "Naja, nicht wirklich. Aber der Wind hier nervt einfach. Beim Absprung passiert ja noch nicht wirklich was - später sehen wir weiter!"
Guten Flug. Mitmachen kann jeder.
Aus Kostengründen wird schon heute die digitale Totalexistenz eines Menschen angestrebt (Finanzen, Gesundheit, Freizeit etc). Heute noch Aufwand, wird die Totalauswertung/überwachung allfälliges Abfallprodukt sein.
Zur Nutzerfreude wird zunehmend visualisiert. Aber Sprache formt das Denken, nicht umgekehrt.
Sozialität wird zum digitalen Avatar, den Namen des realen Nachbarn kennt man nicht.
Normal war immer die Ansicht der Mehrheit des Durchschnitts. Digital wird die Mehrheit zum beliebigen Mengengerüst.
Die Kompetenz der Funktionalität ersetzt soziale Kompetenz. Das Individuum geht verloren, denn es existiert nur im sozialen Gefüge.
...
Mußten sich ehedem Medien am Empfänger orientieren, um Bestand zu haben, sind heute Medien so wirkungsmächtig, daß, genau umgekehrt, sich jeder an möglicher medialer Wirkung orientieren muß.
Dies sollten wir wirklich fördern!

Die Klugen werden klüger,
die Dummen dümmer.
Jeder nach seiner Façon,
niemand wird zu seinem Glück gezwungen.

Monoman,
ich gebe Ihnen völlig Recht!- Die meisten Nutzer dieses Mediums halten es für eine "offene Spielwiese",auf der man machen kann was man will. Das Gegenteil ist der Fall. Nichts ist einsehbarer als dieses Medium. Dass die Kripo nicht hinterherkommt liegt doch nur daran, dass das Internet unglaublich umfangreich geworden ist.- Irgendwann werden auch dumme Menschen zu der Erkenntnis kommen, dass es nicht sinnvoll ist, Anschriften, Kontonummern und Liehabereien ins Internet zu stellen! -Und dann ist "Schluss mit Lustig"- , dann fängt "der Ernst des Lebens an"!

Also ich bin dankbar, daß die Zustände hier nicht so sind! Wozu sollen bitteschön Vorschulkinder oder Grundschüler Excel bzw. Powerpoint bedienen können? Wenn diese Kinder 10 Jahre später die Schule verlassen, gibt es unter Umständen diese Software gar nicht mehr! Desweiteren bin ich wie einige Vorredner der Ansicht, daß Kinder erstmal lernen sollten Informationen überhaupt zu verarbeiten und vor Allem kritisch zu hinterfragen! Wir hatten damals an der Schule ganz allgemein das Fach Informatik (das war in den 80ern!), dort hat man gelernt wie ein Computer funktioniert und zwar so allgemein, daß die Grundlagen auch heute noch brauchbar sind. Hingegen kann ich mit meinen Textverarbeitungskenntnissen von damals heute nichts mehr anfangen. Ich habe nichts gegen einen sinnvoll geführten Informatikunterricht, jedoch warne ich vor einem Schnellschuß, nur weil wir Deutschen angeblich soweit hinter den Anderen her sind (was ich übrigens für ziemlichen Humbug halte!)

... dass die deutsche Telekom noch nicht einmal in Berlin Mitte in der Lage ist flächendeckend eine DSL Anbindung zu gewährleisten.

"Und spätestens in 15 Jahren ist das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer eins in Deutschland." Das mag man gut oder auch schlecht finden, aber inwiefern ist die Subventionierung eines Unterhaltungsmediums eine öffentliche Angelegenheit? Und genau das ist es. was hier ziemlich unverblümt gefordert wird.

Festge: "Solange es nicht das interaktive Fernsehen gibt-wovor uns Gott bewahren sollte, was uns -aber sicher demnächst ins Haus steht..."
Ist das Netz denn nicht schon dieses interaktive Fernsehen? Bei TV und Radio war der Empfänger tatsächlich nur Konsument, im Netz ist er aber nun auch selbst zum Sender geworden, und das im Maßstab eines Massenmediums! Nennen wir dies interaktives TV oder wie auch immer, hier hat soeben ein Quantensprung stattgefunden, vergleichbar der Erfindung des Rades etc. Und die noch frischen Paradigmenwechsler nutzen ihre Sendefähigkeit nun recht munter naiv und eben nicht kompetent! Allein die arglose Freigebigkeit, mit der Nutzer Adressdaten, Besäufnisfotos etc. ins Netz werfen, gibt dem Ruf nach Medienkompetenz durchaus recht, vor allem was Kinder betrifft (von via Spyware leergeräumten Konten etc. ganz zu schweigen). Ob man dazu nun ein neues Schulfach braucht, bezweifle ich, das passt ganz sicher in den Deutsch-, oder noch besser in den Englischunterricht ("surfen", "Web", ...). Aber die Spaltung, nicht nur zwischen Nutzern und ausgeschlossenen, sondern gerade zwischen reifen und arglos naiven Nutzern ist Realität und muss bekämpft werden! Lernt die Warnschilder auf der Datenautobahn zu lesen!

Es faellt schwer, die Notwendigkeit eines Schulfaches “Medienkompetenz” zu erkennen, welches sich ausschliesslich mit dem Gebrauch des Internets beschaeftigt, grundsaetzlich sei aber festgehalten, dass die mangelnde Computerausbildung deutsche Kinder im Vergleich zu anderen Nationen benachteiligt. Meine beiden Kinder wurden hier in den USA schon in der (oeffentlichen) Vorschule mit dem Computer vertraut gemacht (mindestens 6 pro Klassenzimmer), nach der zweiten Klasse wurde erwartet, dass sie das Zehn-Finger System beherrschten, Excel und Word sind selbstverstaendlich, Praesentationen, auch in der Grundschule, wurden von den Schuelern in PowerPoint gemacht und Broschueren fuer diverse Faecher per Publisher erstellt. Recherche ueber das Internet ist selbstverstaendlich, insbesondere die oeffentliche Buecherhalle bietet hierfuer kostenlos ein ausgezeichnetes System an. Eltern koennen die aktuellen Schulnoten der Kinder ueber das Internet verfolgen, High School Kids reichen ihre fertigen Englisch Arbeiten ueber das Internet ein. Am Arbeitsmarkt ist verloren, wer keine Computerkenntnisse hat- wenn er ueberhaupt ohne Internet (frei zugaenglich ueber jede Buecherhalle) einen Job findet. Die Zeiten haben sich geaendert.

Ich will meinen letzten Beitrag präzisieren:
Solange es nicht das interaktive Fernsehen gibt-wovor uns Gott bewahren sollte, was uns -aber sicher demnächst ins Haus steht im Sinne des britischen Films " 350 Fahrenheid" (oder umgekehrt) können wir davon ausgehen, dass die Konsumenten von Radio und TV eben nur das sind--KONSUMENTEN! -Die Provider des Internet wollen das sicher auch erreichen.-
Denn die wissen auch, dass der Aufruf eines Begriffs in einer Suchmaschine wie Google einen gewissen Bildungshorizont voraussetzt. Wer nichts weiss kann auch nichts fragen! Was würden Sie denn anstelle von Google tun? Ich jedenfalls würde -aus wirtschaftlichen Gründen-den ganzen Laden VERBLÖDEN!- Ich halte es für völlig unwirtschaftllich, den Laden für eine mehr oder weniger gebildete Minderheit in dieser Form aufrechtzuerhalten.

erinnert mich an die Grundschulzeit meiner Söhne (inzwischen 7 Jahre her).
Damals war die Direktorin tödlich beleidigt, als ich darauf hinwies, dass Lesen, Schreiben und Rechnen deutlich wichtiger seien als Kompetenz am Computer.
Im Internet herumzuklicken, um dann sinnentleert mit der "copy" und "paste"-Funktion Texte, Grafiken oder Bilder aneinander zu reihen, ohne ihren Inhalt zu reflektieren, ist größtmöglicher Nonsens.
Ganz schlimm wird es dann, wenn Internetinformationen per se als zutreffend klassifiziert werden...

Allerdings sollte der Staat seine unegalen Griffel schön heraushalten - sonst gibt´s was drauf. Im Übrigen wird das Internet letztlich das bleiben, was schon Telefon, TV und Fahrzeuge bis zu den Mondfähren waren bzw. sind: recht nützlich, oft nervig und auf die Dauer langweilig, weil der Mensch sich halt nicht ersetzen läßt - auch wenn es zu oft annehmen könnte.

Die Nachkriegsgeneration kann sich noch an das Jahrzehnt vor dem ersten Fernsehprogramm und 35 Jahre vor dem Internet erinnern. Das einzig erschwingliche, weltweit operierende Medium war der Rundfunk. Man brauchte aber das entsprechende Equipment mit einer guten Antenne und war auf die tageszeitlich bedingte Schichtung der Ionsphäre angewiesen. Das Telefon und seine Bedienung wurde damals sogar noch in den Schulen vorgestellt, weil es den meisten Kindern unbekannt war. Nur eine kleine Bevölkerungsschicht konnte darüber verfügen und für die damalige Zeit sündhaft teure Gespräche führen. Es war vollständig unter der Kontrolle des Staates, und es gab keine Gesetze gegen Abhören. Die Behörden hatten alle Möglichkeiten, die Preise zu bestimmen, ähnlich wie heute noch die GEZ. Der Anschluß eines Modems war bis Mitte der 80er verboten, nur abhörfähige Geräte der Post waren zugelassen. Für die Staatsverwaltung bedeutete der Zwang zur teilweisen Aufgabe des Netzmonopols damals eine herbe Einbuße an Macht und Geld. Die Beamten in der Telekom als Nachfolger weinen immer noch den alten Zeiten nach. Heute geht es darum, diese Macht wieder zurückzuerobern, koste es die Steuerzahler, was immer es wolle.

Das Haben oder Nicht-Haben eines Internet-Anschlusses spaltet die Gesellschaft sicher nicht mehr als die vergleichbare Situation bezüglich Radio und Fernsehen. Das waren auch nie "Bildungseinrichtungen" sondern "mediale Unterhalter", das Fernsehen noch dazu inzwischen auf denkbar niedrigstem Niveau.-
Es gibt freilich einen Unterschied:
Um sich des Internets sinnvoll bedienen zu können bedarf es eines gewissen Bildungsstands-nicht aus dem Internet, aus Radio und Fernsehen erworben, sondern durch harte Ausbildung anderwärts.-
Ich kann das beurteilen.Ich bin ein sog.Altakademiker im 73.Lebensjahr!- Einem Ungebildeten nutzt das Internet genausowenig wie Radio und Fernsehen. Die Provider haben das längst erkannt, weshalb sie Fernsehen im Internet anbieten.-
Die Spaltung der Gesellschaft findet statt zwischen Gebildeten und Ungebildeten wie schon immer! Das Internet macht das nur klar!

Endlich fordert mal wieder jemand die Einführung eines neuen Schulfachs. Ernährungsunterricht, Medienkunde, ... -- immer wenn (scheinbar) ein Mangel erkannt wird, richten wir ein neues Schulfach ein.
Da trifft es sich gut, daß wir im achtjährigen Gymnasium ohnehin kaum wissen, was wir mit unserer Zeit anfangen sollen.

...um in der Sache mal Gene Spafford zu zitieren (recht bekannter IT Sicherheits-Spezi): "Data is not necessarily information. Information does not necessarily lead to knowledge. And knowledge is not always sufficient to discover truth and breed wisdom."

Bitte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen: schon heute zeigt sich, dass viele Kinder und Jugendliche Google bedienen können, um an die gewünschten Informationen zu gelangen, dann aber mit den Informationen nichts anfangen können. Für ein Referat reicht es halt nicht, die passende Seite aus dem Netz auszudrucken, sondern man muss den Inhalt auch gelesen und verstanden haben. Da hapert es aber bei vielen.

Es gibt ja so einige heiße Luftblasen in unserem Land, insbesondere wenn es um das Thema Bildung geht. Die beiden Megablasen sind dabei sicherlich "Medienkompetenz" und "lebenslanges Lernen" Von beidem wird nunmehr mindestens seit 10 Jahren geredet und es tut sich so gut wie gar nichts - Ausnahmen bestätigen die Regel und sind zumeist auf das Engagement Einzelner zurück zu führen. Das ist vermutlich deswegen so, weil man hierzulande vor den inhaltlich-qualitativen Diskussionen im pädagogischen Bereich zurückschreckt und statt dessen lieber deftig-ideologisch über Schultypen streitet.

Es ist natürlich ein wenig grotesk, Medienkompetenz gleichzusetzen mit der Fähigkeit, mit dem Internet umzugehen - um im günstigen Fall Wikipedia-Artikel auszuschlachten und Fahrpläne zu lesen. Die Nicht-Kompetenten sind am Ende noch in großer Zahl fähig, mit hoher Konzentration ein ganzes Buch zu lesen, eine unter medienbegabten Studierenden nicht allzu verbreitete Kompetenz.

war es 2004 im pfälzischen Hinterland noch für manchen altbackenen Schulleiter oder Lehrer an der Hauptschule ein Vergehen Sechstklässer recherchieren zu lassen, verlangt die Realschule plus in derselben Gegend bereits umfangreiche und schwere Recherchen in der 5. Klasse, die nur mit Elternbeteiligung erledigt werden können!

Die Spaltung unserer Gesellschaft zeigt sich schon in der Gesetzgebung. Politiker, die das Internet weder verstehen noch benutzen, schaffen Gesetze, die diese Inkompetenz geradezu greifbar machen. Die Kommunikationsunternehmen wiederum sind bestrebt, die dezentrale und im Kern nichtkommerzielle Struktur des Internets durch ein Geschäftmodell ihrer eigenen Prägung zu ersetzen. Wirtschaftsverbände betreiben Monopolisieren und Kontrolle über Informationen gegen die große Mehrheit der Nutzer. Die Gesellschaft wird eher in drei Gruppen zerfallen - die Verweigerer, die das Internet nicht nutzen, die Angepaßten, die sich auf den Pfaden bewegen, die Politik und Wirtschaft ihnen vorgeben und den Untergrund, der sich intellektuell und technisch immer weiter von der Masse absetzen wird und damit früher oder später zum Feindbild von Unternehmen und Kontrollorganen wird. Dabei ist das Internet im Kern ein basisdemokratisches System, daß sich Zensur und Kontrolle entzieht und damit dem Grundrecht auf Freiheit und Information entspricht. Aber das widerspricht den Interessen der Lobbyisten und Funktionäre, daher die Rufe nach Regulierung von allen Seiten.