Noch gehöre ich zur "jungen Generation", die den alten Lindenberg nicht kannte. Doch angesichts seiner letzten Alben, war man nicht versucht die alten Schätze auszugraben. Der ausgefallene Sound ("schräge Töne") kombiniert mit viel zu glatt konstruierten Texten, konnten bei mir kein Bedürfnis nach mehr Lindenberg wecken.
Doch das neue Album ist kraftvoll, wirkt weitgehend authentisch und macht Lust auf mehr. Das ist der Udo Lindenberg, von dem unsere Eltern schwärmten und der jetzt auch die jungen Menschen mit seiner Musik erreicht.
"Weiter so Udo", möchte man ihm zurufen, "und lass die bescheuerte Brille weg, sie macht Dich alt und hässlich."
Vor 40 Jahren die Haare am liebsten bis zur Gesässfalte wachsen lassen, vor 30 Jahren mit eine der allerersten deutschen Punkbands gegründet und die Matte war ab, das Leben wurde immer durch besonders gute Musik noch ein klein wenig lebenswerter. Und was da alles kam, ging, blieb (und noch kommen wird); Beat, Rock, Heavy, Punk, Bombast, Experimental, House, Hardcore, Straight-edge, Grunge, Rap, Grid, etc, etc....Namen und Richtungen reichlich und dem persönlichem Geschmack nach manchmal mehr und manchmal weniger spannend. Soweit mein bescheidenes Urteil reicht, steht in jedem deutschen Plattenschrank mindestens 1 Werk des besagten Herrn Controletti. Dies ist eine Konstante, die man selten, sehr selten vorfindet. Da darf man schon mal danke sagen.
Wen haben wir denn in der mageren deutschen Rockszene? Nur Maffay und Lindenberg.
Marius Müller-Westernhagen ist an seiner Arroganz gescheitert, Herbert Grönemeyer im Wolkenkuckucksheim der unverständlichen Schwurbelei und der Friseurpresse gelandet. Rammstein findet primär in Amerika statt. Naidoo, wenn er denn je ein Rock'n'Roller war, ist lieb und streichfähig wie Frischkäse. Ich & Ich, Julimond und andere sind leicht konsumierbare, aber vergängliche Pop-Acts.
Wer Rock'n'Roll in deutscher Sprache mag, kommt an Maffay und Lindenberg nicht vorbei. Die beiden haben ihre Identität bewahrt, mit Ecken und Kanten, mit Ups und Downs, ohne dem Zeitgeist hinterherzuhecheln.
Das ist die Lage (ohne Klaus). Wer das fundiert anders sieht, möge sich melden.
