Mit einer Neufassung des Buchvergleichs will Google seine Kritiker besänftigen

Bücher-Digitalisierung

Google krempelt Buchvergleich um

Google und die amerikanischen Verleger haben eine abgemilderte Version der umstrittenen Vereinbarung für die Bereitstellung von digitalisierten Büchern im Internet vorgelegt. Google will seine Digitalisierungspraxis jetzt auf Bücher beschränken, die in den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien oder Australien registriert sind. Von Roland Lindner, New York

Lesermeinungen zum Beitrag

15. November 2009 16:08

Der Heilige Gottseibeiuns...

Eckart Haerter (E.Haerter)

Wie schon bei den früheren Debatten über das Google-Projekt, begreifen viele Kommentatoren nicht, dass es den besonnenen Kräften in Europa nicht darum geht, die online Verfügbarkeit der Literatur zu verhindern. Die muss und wird sehr bald kommen. Der Prozess läuft doch längst. Es geht einzig und allein darum, dass Google sich eines Teiles der Literatur durch einen handstreichartigen Raubzug bemächtigen wollte. Nur das galt es zu verhindern. Es ist völlig richtig, dass das Eigentum anderer (hier der Autoren) nicht eiskalt vergesellschaftet werden darf, nur weil die Technik dies möglich macht. Hier in der FAZ fürchten doch die meisten den Sozialismus wie den "heiligen Gottseibeiuns". Nun soll die Literatur aber plötzlich allen gehören, ohne Rücksicht auf diejenigen, die sie produziert haben.

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15. November 2009 14:41

Urheberschutz für Goethe?

Stefan Löchner (ebstefan)

Meines Wissens nach, gilt der deutsche Urheberrechtsschutz bis maximal 70 Jahre nach Tod des Verfassers. Goethe und die gesamte klassische Literatur unterliegen nicht mehr dem Urheberrecht und können demnach frei verwendet werden (weswegen Ausgaben für Schüler auch sehr kostengünstig zu erweben sind). Die deutsche Literatur muss deshalb nicht im Keller verstauben!

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15. November 2009 13:49

Lebensunterhalt mit Büchern?

Marko Hrbat (Hrbat)

Ich zahle für ein durchschnittliches Sachbuch ca. 49 bis 99 EUR (teilweise natürlich mehr): Wie viel davon erhalten Sie als Autor prozentual? 5% oder 10%. Nun gut, der Verlag muss auch noch bezahlt werden.... Das problem ist: Die Verlage verlangen für online-Publikationen den selben Preis wie für die gedruckte Version. So wie irgendwann die Kopiestationen in mittelalterlichen Klöstern von Gutenberg´schen Druckmaschinen abgelöst wurden, was den Preis der Bücher massiv reduziert hat, so werden FAZ und andere Verlage entweder die Preise um 80- 90% für Online-Produktionen reduzieren oder eben nach dem Aussterben der Print-Leser ebenfalls nicht mehr existieren. Ähnlich ging es übrigens den Pferdezüchtern und Kutschenherstellern nach dem Siegeszug des Autos. Entweder man ändert sich oder man geht unter. Im Übrigen bin ich gerne bereit für ein Sachbuch ca.10-20% des Printpreises zu bezahlen, aber eben nicht mehr. Nur die wenigsten Autoren haben den Mut, sich den Lesern direkt auszusetzen. Man könnte ja - neben dem VP - auch einen Bonus erbitten, wenn die Leser besonders zufrieden sind. Den Kellner zahle ich doch ebenfalls ein höheres Trinkgeld...

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15. November 2009 11:26

Vielleicht auch einmal die Sichtweise von Autoren betrachten

Ulrich Thiele (uthi2)

Als Autor bin ich über die neue Regelung erleichtert. Aber uns Autoren wird das nur einen Aufschub geben, Google wird seine Strategie der zwangshaften Rechteübernahme mit anderen rechtlichen Mitteln in Deutschland über kurz oder lang durchsetzen.
Ein Autor, der einen Großteil seines Lebensunterhaltes damit bestreitet, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fachwissen in Buchform der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, wird das unter Google-Bedingungen nicht mehr machen können. Unser Wissen wird für die Gesellschaft dann verloren sein. Es ist für mich unfassbar, wie Menschen darauf bestehen können, kostenlos an unser Wissen heranzukommen! Mit welcher Motivation sollte ich dann noch schreiben, wenn meine Mühe mehr nicht honoriert wird? Warum soll das Gut "Wissen" nicht mehr honoriert werden, warum steht das Gut "Auto" nicht zur Debatte? Warum soll ein Werker beim Automobilhersteller ein Gehalt bekommen, wir Autoren aber nicht mehr? Jawoll, ich will in Zukunft ein Auto umsonst bekommen, dem Bäcker nichts mehr zahlen müssen.

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15. November 2009 09:53

Goethe Institute schließen

Eduard Heindl (eduardheindl)

Wenn Google (fast) keine deutschen Bücher mehr einscannen darf und der Jugend der Welt zur Verfügung stellen darf, dann können wir auch gleich die Goethe Institute und die internationalen Studiengänge schließen. Ein seht trauriges Ergebnis für die Weltkultur und das Weltwissen!

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14. November 2009 19:55

Literatur für die Welt oder für den Keller?

Lothar Woelfel (LWoelfel)

Während die Google Buchsuche englische Literatur der Welt zugänglich macht, verstaubt die deutsche in den Kellern der Bibliotheken. Und keiner außerhalb Deutschlands wird Projekt Gutenberg kennen.
Vor Jahren wurde eine "Europäische Suchmaschine EXALEAD" angekündigt und mit deutschen und französischen Steuerngeldern finanziert. Google macht Gewinne, hat Rang 1 der frequentiertesten Internetseiten. Exalead kostete Geld - nicht das Geld der Gründer - gegründet aus Neid, hat nur Rang 27428 (lt. Alexa).
Noch übler fällt der Vergleich "Europeana" mit Googles Buchsuche aus. Rang 101898(lt. Alexa) erreicht Europeana aktuell.
Während Google Geld einbringt, kostet das Prestige-Objekt Europeana europäischer Politiker nur Geld, Steuergeld:
2,5 Millionen Euro jährlich soll der Betrieb der Europeana kosten, 350 Millionen Euro sollen die Nationalbibliotheken für weitere Digitalisierungen aufbringen, 119 Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren in EU-Forschungsprogramme zur Online-Zugänglichkeit fließen. Hinzu kommen Implementierungskosten in mir nicht bekannter Höhe.

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