„Zweiklassenmedizin“

Lauterbachs Schrei

Die Gesundheit hat sich zum gesellschaftlichen Topthema entwickelt. In seinem Buch „Zweiklassenstaat“ rüttelt Karl Lauterbach die Mittelschicht auf. Sie soll endlich merken, dass sie die Melkkuh des medizinischen Systems ist.

Lesermeinungen zum Beitrag

28. Juni 2007 21:21

Schleichwerbung

Jonas Müller-Hübenthal (Dr_Dolittle)

Ich frage mich warum ausgerechnet die FAZ Herrn L. so großen Raum einräumt.
Ich empfehle die ebenfalls in dieser Zeitung erschienene Rezension von Herrn C. Gebauer.
Herr L. hat als Aufsichtsratmitglied der Rhön Kliniken AG die Möglichkeit darauf hinzuwirken, daß in seinem Einflußbereich die Zweiklassenmedizin abgeschafft wird. Mir ist keine derartige Einflußnahme bekannt geworden.

Herr L. hält die sogenannte doppelte Facharztschiene für gefährlich. Er möchte die niedergelassenen Fachärzte abschaffen und vertritt die Ansicht daß die Krankenhäuser (wohl insbesondere seines Trägers) deren Arbeit mitübernehmen sollten. Dieser unbewiesenen Behauptung halte ich entgegen, daß gerade die niedergelassenen Fachärzte die flächendeckende wohnortnahe Versorgung effizienter, kostengünstiger und für die Patienten komfortabler anbieten können, weil sie keine Verwaltung miternähren müssen.

Meine Erwartungen an die FAZ bezüglich einer kritischen Auseinandersetzung wurden weit untertroffen.
Mir fehlt z.B. der Hinweis, daß das Buch nur teilweise geschwärzt erscheinen durfte, weil der ordentliche Herr Prof. L. die einfachsten Grundsätze des Zitierens nicht beherrscht. Wenn man ihm nicht absichtliche Sinnentstellung unterstellen möchte.

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28. Juni 2007 20:52

Lauterbachs Schrei

Georg Herbert Dietz (ghdietz)

Seine Beweggründe mögen ehrenwert sein, aber Lauterbachs Hetze ist nur Gift für den sozialen Frieden. Fakt ist, dass ein Arzt nur dann ethisch verantwortlich handeln kann, wenn er sich diese Ethik auch leisten kann. Ansonsten ist er gezwungen, ohne Rücksicht auf das Patientenwohl "alles" zu unternehmen, was ihn wirtschaftlich über Wasser hält. Dies ist tragisch, aber wahr. Warum will Herr Lauterbach nun ausgerechnet die effizienten Privatversicherungen abschaffen und die Chancengleichheit mit schlechterer Qualität erzwingen (Private leben doch ca. 5-15 Jahre länger...)? Warum will er die ca. 20.000 Kassen mit ihren aufgeblähten Verwaltungskosten erhalten? Etwa damit noch weniger Leistungen von den Beiträgen finanziert werden und dafür mehr Wellnessangebote von den Kassen angeboten werden können? Warum bekämpft er stattdessen nicht die unsozialen Bemessungsgrenzen und setzt sich dafür ein, dass der Soli-Zuschlag für eine staatl. Grundversorgung für alle eingesetzt wird, anstatt Subventionen an den Osten zu zahlen, die nur wenigen nützen? So könnten alle Menschen in diesem Land in den Genuss einer deutlich verbesserten Gesundheitsversorgung kommen, wenn jeder darüberhinaus die Möglichkeit bekäme, privat zusatzversichert zu sein.

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28. Juni 2007 20:42

Immer die gleichen Märchen

Andreas Seidl (ASeidl)

Das Märchen von den parasitären Privatkassen: Wenn 15 % Privatpatienten in vielen Praxen einen Umsatzbeitrag von 50 % bringen verhält es sich umgekehrt.

Das Märchen von der Versorgung durch die kassenärztliche Vereinigung: letztendlich werden nur Praxen existieren können wo ausreichend Umsatz erwirtschaftet wird
. Die Budgetpolitik ist kontraproduktiv. Man sollte, wie die Kirche aus Priestermangel Pfarrverbände gründet, auf dem Land über Praxisverbände nachdenken. Ein Arzt für mehrere Orte.

Das Märchen von der modernsten Medizin für alle: oft ist sie gar nicht nötig, wird aber von den Patienten als "Anspruch" erwartet und ihnen von der Politik eingeredet.

Das Märchen von der Kostensenkung: solange die Kartelle aus kassenärztl. Vereinigung, Apothekerverbänden und Pharmaindustrie nicht zerschlagen werden, werden die Kosten weiter steigen.

Solange die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht und die Leistungen in notwendige, wünschenswerte, hilfreiche und nutzlose einteilt, und entsprechend die Patienten finanziell beteiligt, wird das Gesundheitssystem ein Faß ohne Boden bleiben.

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28. Juni 2007 19:50

übler Demagoge

Wolfgang Albrecht (woffu11)

Man muss sich fragen, was diesen Mediziner, der übrigens nie einen Patienten behandelt hat, dazu treibt in einer Tour gegen seine Kollegen und gegen die private Krankenversicherung zu hetzen.
Er fordert eine Staatsmedizin nach DDR Vorbild, die bekanntlich schon dort nicht funktioniert hat und in England zu immensen Wartezeiten bei OPs führt.
Er bietet keine ernstzunehmenden Vorschläge zur wirklichen Verbesserung der Lage der Krankenversicherung.
Die Probleme sind die Überalterung der Bevölkerung, die nicht gesund immer älter wird, sondern deren letzte Lebensjahre gleichzeitig die teuersten für die Krankenversicherung sind.
Weiter sorgt die Arbeitslosigkeit und der Lohnrückgang für sinkende Einnahmen der Kassen.
Eine dank diverser Gesundheitsreformen massiv überbordende Bürokratie kostet immense Summen an Euro.
Ärztehopping und Vollkaskomentalität durch das Kassenkärtchen tun Ihr übriges.
Medizinischer Fortschritt kostet Geld, und dieses will unsere Gesellschaft nicht bezahlen, sondern für gleichbleibende Beiträge bessere Leistungen, das kann nur zu Lasten der Ärzte kurze Zeit gut gehen.
Demagogen alla Lauterbach helfen keinesfalls weiter. Die teure kommende elektronische Totalüberwachung mittel e-card auch nich

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28. Juni 2007 19:49

Lauterbachs Schrei

Alexander Reiter (retier)

es wäre interessant, wenn Herr Lauterbach offenlegen würde wie er versichert ist, wahrscheinlich mit dem Vorzug , nur 30% der Normalprämie zu zahlen, da der Rest von der Staatskasse als Beizahlung geleistet wird.
Alexander Reiter

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28. Juni 2007 19:29

Der Volkstribun

Hans H Niller (Niller)

Die von Herrn Lauterbach "auf den Weg gebrachten Gesundheitsreformen" haben vor allem den Gesundheitskonzernen genützt, bei deren einem er im Aufsichtsrat sitzt. Derartige Politik ist eher bananenstaatstypisch.

Ärzte sind mehrheitlich (noch) Mittelschicht.

Ein deutscher Arzt.

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28. Juni 2007 19:19

@Fr.Hamberger

SHPEND JUSUFI (IsmailKadare1)

Klar erscheint konservativen solcher Kritik als Populismus, aber irgendetwas kann nicht in unserem System stimmen, denn es sind nicht nur Linke, die das System kritisieren und immerhin ist Lauterbach ein Akademiker, der übrigens in Harvard studiert hat, und ohne weiteres hat er dieses Buch nicht geschrieben. Lauterbachs Kritik ist sehr wohl berechtigt. Der einzige Fehler bei Lauterbach ist, dass er keine Ideen hat um das Gesundheitssystem zu reformieren.

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28. Juni 2007 18:45

Lauterbachs bodenloser Unsinn

Jutta Hamberger (Myshkin)

Herr Lauterbach hat ein Buch über das Dt. Gesundheitssystem verfaßt, daß von ideologischen Verbiegungen nur so strotzt. Das Buch ist alles, bloß nicht objektiv. Das Buch bietet vieles, bloß keine Denkanstöße.

Was es aber in überreichem Maße hat, ist Gesprächsstoff für Stammtische. Da kann man dann mal wieder so richtig neidisch über alles und jeden herziehen. Schade. Von einem sogenannten Experten hätte man schon ein bißchen mehr erwarten dürfen, nicht diesen intellektuellen Dünnschiß. An vielen kritischen Stellen fehlen die Argumente und Analysen, dafür gibt es Meinung satt.

Aber vielleicht versteht sich Lauterbach ja nach wie vor als Sprachrohr einer Partei? Dann sind seine Ergüsse schon nachvollziehbarer. Mich ärgert jetzt schon, daß der Herr Lauterbach sicher durch alle Talkshows tingeln wird mit seinem Opus... Dafür reicht das Erregungspotential sicher.

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28. Juni 2007 18:32

Lauterbach

Heinrich Becker (becker-herne)

Ihr Beitrag scheint mir eine glänzende Reklame für Herrn Lauterbachs Buch.

Zur Sache: Als Partner einer großen Radiologischen Praxis kann ich nur sagen: jeder (auch Herr Lauterbach), der einen Untersuchungstermin braucht, bekommt auch einen, egal um welche Untersuchung es sich handelt. Selbstverständlich muß an der Anmeldung nach dem Versichertenstatus gefragt werden, schon aus administrativen Gründen. Aber ein Auswahlkriterium ist das nicht!! Und ich überblicke inzwischen 30 Jahre in der Niederlassung...

Aber: was ist das für ein Gesundheitssystem, in dem es nachgewiesenermaßen zunehmend Praxen gibt, die alleine von den Einnahmen aus Kassenpatienten nicht existieren können, die also ohne einen nennenswerten Anteil an Privatpatienten nicht überlebensfähig sind?? Das hat die Politik aus den "Halbgöttern in Weiß" im Laufe von 20 bis 25 Jahren gemacht!! Auch ein gewisser Herr Lauterbach war nicht unwesentlich daran beteiligt! Für dieses existentielle Problem hat er aber noch keine brauchbare Lösung angeboten.

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28. Juni 2007 18:21

Lauterbach-Geschwätz

Jürgen Winter (rijukan)

Soso, die privaten Krankenkassen sind also schuld. Klar, Herr Lauterbach. Schaffen wir sie ab, und alles wird besser. Wirklich?

Tatsache ist: die Privatversicherten in die gesetztliche Zwangsversicherung ein zubeziehen, würde allenfalls kurzfristig Erleichterung verschaffen. Danach hätten wir schlechte Staatsmedizin eben für 100% der Bevölkerung - und wer es sich leisten kann, schließt halt eine private Zusatzversicherung ab.

Die grundlegenden Probleme spricht Herr Lauterbach nicht an: vorweg die fortdauernde Vergreisung, unter den Jüngeren der wachsende Anteil sozial schwacher (weil ungebildeter!) Versorgungsbedürftiger. Dazu die Vollkaskomentalität: warum müssen die Leute nicht, wie bei der privaten Kasse, ERST bezahlen und bekomen dann eine Erstattung?

Und zuguterletzt: die "Reichen" leben nicht wegen der besseren medizinischen Versorgung länger, sondern weil sie meist gebildeter sind und sich vernünftiger verhalten. DIe Raucherquote etwa steht im umgekehrten Verhältnis zum Bildungsniveau - obwohl Rauchen unbestreitbar eine sehr teure Angelegenheit ist.

Es erstaunt mich, daß die FAZ diese Lauterbach´sche Revolutionsrhetorik nicht kritischer kommentiert.

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