Pro und Contra

Sollen Politiker den Dalai Lama treffen?

Das geistige Oberhaupt der Tibeter ist zu seinem Besuch in Deutschland gelandet, und ranghohe Politiker wie etwa Außenminister Steinmeier zieren sich, ihm die Hand zu schütteln - Zeichen weitsichtiger Diplomatie oder Kniefall vor Peking? Zwei F.A.Z.-Redakteure laden zur Diskussion ein!

Lesermeinungen zum Beitrag

16. Mai 2008 02:37

Aufdringlich

Rolf-Peter Lacher (Ganbat)

Es ist ausgesprochen aufdringlich, wie sich dieser DL benimmt. Was verspricht er sich denn von Deutschland, von der Politik und von der deutschen Öffentlichkeit?Wir, weder die Politik, noch die Öffentlichkeit, können China nicht beeindrucken, da wir gar nicht in der Lage sind, überhaupt Außenpolitik zu betreiben. Wir haben noch nicht einmal die Mittel, um Liechtenstein oder Litauen dazu zu bewegen, unsere Interessen zu berücksichtigen. China, das die Zukunft auf seiner Seite sieht, empfindet es erst recht als anmaßend, dass Tibet ein Gegenstand deutscher Außenpolitik ist. Diese Deutschen, die sich selbst der Islamisierung ausgeliefert haben und dabei gar keine Scham empfinden, erklären den tibetischen Buddhismus zu ihrer Herzensangelegenheit, - so denkt man dort. Man kann nicht verstehen, dass deutsche Politiker auf die Strategie des DL hereinfallen, der sich offenkundig bemüht, Streit zu säen und den Konflikt zwischen der deutschen Regierung und China zu vertiefen. Natürlich verfolgen die Tibeter eine illusionäre Doppelstrategie: in Tibet selbst greifen sie zur Gewalt, während der DL sich geradezu pazifistisch gibt. Ich nehme ihm diese Haltung nicht ab. Er bedient sich des Drucks der Demonstrationen.

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16. Mai 2008 01:41

Heuchlerei

Bernd Schwanenmeister (paulista)

Mit Arschkriecherei, Heuchlerei und mit unaufrichtigem Handeln verdient sich niemand Respekt. Auch nicht dem gegenüber, bei dem die Arschkriecherei betrieben wird. Dies ist im Privaten ebenso wie im Job der Fall. Warum sollte es in der Politik anders sein. Deshalb bin ich absolut überzeugt davon, dass China (obwohl es das natürlich nie zugeben würde), vor Politikern, die den Dalai Lama treffen und damit in Einklang mit Ihren Überzeugungen handeln, viel mehr Respekt haben wie vor einem wie Steinmeier. Und Respekt ist die Grundlage für erfolgreiche Diplomatie.

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16. Mai 2008 00:28

Soll die chinesische Regierung unsere Freiheit angreifen dürfen?

eberhard munk (ebherhard.munk)

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft mit dem Recht auf freie Meinungsäusserung. Solange unser Rechtsstaat es nicht verbietet, hat jeder hat das Recht und die Freiheit zu entscheiden wen er empfangen will und wen nicht. Es ist unerträglich wenn zugelassen würde, dass China hier die Grundmauern unserer Gesellschaft angreift.

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16. Mai 2008 00:23

Dalai Lama treffen

Rudolf Ott (MeineMeinungExklusiv)

Sollen Politiker den Dalai Lama treffen? - Eindeutig: ja! Frau Merkel hat dies in vorbildhafter Weise getan!

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15. Mai 2008 23:33

Deutsche Außenpolitik und nicht chinesische!

Marco Zeino (Zeini)

Deutsche Außenpolitik wird von Deutschen gemacht und nicht von Chinesen. Wo sollen wir denn hinkommen, wenn wir uns konkludent von einem Unrechtsstaat vorschreiben ließen, wen deutsche Politiker zu empfangen hätten und wen nicht. Sicherlich ist Realpolitik ein gutes Gegenargument. Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China sind ja (leider) sehr dicht. Aber dass heißt noch lange nicht, dass ein Primat der Wirtschaft vor der Politik zu gelten hat. Deutschland tut gut daran außenpolitisches Profil zu zeigen, indem man sich nicht einschüchtern lässt. Vor allem nicht von diesem China. Soweit kommts noch! Keinenfalls darf gelten, "Chinesisches Geld bringt deutsche Kritik zum Schweigen".... Was würden denn die Chinesen sagen, wenn Frau Merkel dem Chinesenführer verbieten würde sich mit Kim Jong Ill zu treffen?

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15. Mai 2008 22:53

Gesicht 2. Teil

Owe Jessen (owe.jessen)

Wenn man unter dem Konzept Gesicht-wahren/Gesicht-nehmen das ganze analysiert, erkennt man, daß Merkel durch ihr Symbol "Empfang des Dalai Lama", das ja keine vitalen Interessen Chinas berührt, aber als Beleidigung aufgefaßt werden muß, das Ziel verfolgt, Respekt aufzubauen. Im chinesischen Kontext war das unerhöhrt, und muß natürlich durch Mißachtung bestraft werden. Würde Merkel jetzt den Kotau machen, würde sie ihr Gesicht verlieren, also ihr eigentliches Ziel konterkarieren. Dafür kann sie an späterer Stelle, nach Normalisierung der Beziehung, mit mehr Gesicht in die Verhandlung gehen, also auch mehr erreichen. Schröder und leider auch Steinmeier scheinen dies leider nicht zu verstehen, und der Respekt, der ihnen beiden in China jetzt noch entgegengebracht wird, dürfte dementsprechend sein.

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15. Mai 2008 22:52

Gesicht, 1. Teil

Owe Jessen (owe.jessen)

Warum ich der Meinung bin, dass deutsche Politiker den Dalai Lama treffen sollten (oder auch jeden beliebigen Taiwan-Politiker), habe ich an anderer Stelle schon mal so geschrieben: Ein wesentlicher Unterschied zwischen Europäern und Chinesen liegt in der Kommunikation. Dabei lassen sich für das Chinesische folgende Eigenarten feststellen: Chinesen achten weniger auf den wörtlichen Sinn als auf die Gesamtbedeutung und das, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Umfangreiche Äußerungen der Dankbarkeit und Entschuldigungen sind als Ausdruck der Höflichkeit zu verstehen. Chinesen drücken sich weniger direkt aus, häufig, um beiden Gesprächspartnern das Gesicht zu wahren. Bescheidenheit wird als Zeichen von Stärke und Integrität gesehen. Deswegen ist das „Gesicht wahren“, aber auch des „Gesicht nehmen“ von großer Bedeutung im zwischenmenschlichen Leben. Eine Umschreibung hierfür ist der Respekt und die Anerkennung, die einer Person aufgrund ihres sozialen Wertes, ihrer Beziehungen und ihrem Status gebühren. Wichtig ist, daß Ausländer grundsätzlich wenig Gesicht haben, daß sie also ihren Status gegenüber Chinesen aufbauen müssen, um ernst genommen zu werden.

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15. Mai 2008 21:51

Wirkung - Freiheit

Georg Klever (grk)

Ich kann es verstehen, wenn Menschen den Dalai Lama persönlich treffen möchten, weil es ihnen was bedeutet mit einem friedvollen Menschen zu sprechen der Gewalt als politisches Mittel verachtet. Der von Langmut geleitet wird und die Gewissheit hat, dass er seinem Land damit helfen kann und sich letztendlich gegen die chinesischen Machthaber durchsetzen wird. Von einem solchen Menschen zu lernen kann ich sehr gut nachvollziehen. Für ein solches Treffen braucht es jedoch keine Kamera. Ich kann auch verstehen, wenn das öffentliche sich-die-Hand-schütteln aus Rücksicht auf Partner in China nicht passiert. Warum soll ich jemanden offensichtlich verärgern mit dem ich zusammenarbeiten möchte oder sogar muss? Ich muss mir der Wirkung bewusst sein und entscheiden was mir wichtiger ist. Kurzfristig den Held zu mimen oder für ein langfristiges Ziel die Öffentlichkeit nicht in alles reinblicken lassen.

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15. Mai 2008 21:02

Nur so!

Hans C. Kienzler (Trivalent)

Bin weder für den Helden spielen, aber grundsätzlich gegen diese wiederliche Kriecherei, Speichelleckerei und Verrat an unseren Idealen von Freiheit und Recht!!! Einfach mal den Spieß umkehren! Würde die chinesische Regierung ihre Ideale verraten??? Eben!!! Wenn Selbige etwas von uns wollen, kommen sie so, oder so! Außerdem sind wir aufrecht gehend auch für die Herren in Peking besser berechenbar, basta. Das alles schließt eine offene, faire und freundliche Politik unsererseits ein.

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15. Mai 2008 19:31

Merkel hat bewußt ....

bernd ullrich (demokrat2)

... den Dalai Lama im Bundeskanzleramt empfangen. Chinas Protest interessierte sie nicht. Sie wollte provozieren. Die deutschen Handelspartner Chinas waren nicht erfreut. Sie mussten viel Wiedergutmachungsarbeit leisten, um den von Merkel ohne Not angerichteten Schaden zu begrenzen. Da gab es viel Schelte und Kritik an der Kanzlerin. Sie habe die Interessen aller Deutscher zu vertreten und nicht nur ihre eigenen (Image). Die deutsche Wirtschaft brauche harmonische Beziehungen mit Peking. Auf dieser Basis liesse sich auf Dauer mehr für die Menschen in China erreichen, als immer wieder mit dem Finger auf China zu zeigen.

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15. Mai 2008 18:59

Warum soll man den Frieden nicht willkommen heissen?

Antonio Moldes (TORERO74)

Der Dalai Lama ist seit langem als respektierter Vertreter des Friedens. Es wäre nicht richtig ihn nicht zu empfangen. Ihn nicht zu empfangen hiesse den Frieden nicht Will- kommen heissen. Selbst wenn China etwas dagegen hat, so sollte Deutschland ihn dennoch empfangen. Schliesslich ist der Dalai Lama kein Kriegsprovokateur, sondern Vertreter des Friedens und das sollte egal welches Land er besucht respektiert und geschätzt werden.

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15. Mai 2008 18:55

Das Wort "Realpolitik" kann ich langsam nicht mehr hören

Thomas Franz Lehmann (Ex.Occidente.Lux)

Wenn "Realpolitik" beständig - und nicht nur in akuten Notlagen - dazu führt, dass man das eigentlich Richtige und Gute zurückstellt zugunsten eines stärkeren Konfliktpartners (China im Vergleich zu Tibet), dann richtet man damit gleich zweifachen Schaden an: Zum einen durch die unterlassene Hilfeleistung, zum anderen aber auch bei sich selbst! Durch Selbstverleugnung verliert man auch Selbstachtung. Selbst aus einer rein materialistischen Anschauung heraus sollte klar sein, dass ein Verlust an Werten, Gerechtigkeits- und Gemeinsinn, langfristig nachteilig ist. Das Verhältnis zwischen Deutschland und China sollte man ausserdem nicht isoliert betrachten, den die stilisierte Empörung - bei jedem Empfang des Dalai Lama - hat ja auch Methode gegenüber vielen anderen Ländern. Etwas mehr Mut, Standhaftigkeit und Geschlossenheit bitte! Die USA lassen sich von chinesischem Geschrei nicht beeindrucken, da wurde dem Dalai Lama vor kurzem mit der Goldmedaille des Kongresses die höchste Auszeichnung zuteil. Hier hingegen bildet man sich eine Abhängigkeit von China ein, die es so gar nicht gibt. Eher umgekehrt, denn die Chinesen sind auf uns als Absatzmarkt dringend angewiesen (und wir Deutschen haben sogar eine negative Handelsbilanz).

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15. Mai 2008 18:46

Mißbrauch eines Geistigen Oberhauptes durch die Politiker

Klauspeter Weissenberger (Weissenberger)

Ob China oder Rußland oder die USA - was sollen diese Verknüpfungen mit dem Geistigen Oberhaupt des Tibetischen Buddhismus ? - Nur gewisse Politiker machen uns Allen in der Welt das Leben schwer, weil sie meist 'kaltschneuzig' ihrem Job frönen und ihr vielleicht noch vorhandenes 'geistiges' Leben verneinen. Der Dalai Lama wie die letzten Päpste konnten der Welt oft aufzeigen, daß ein vorbildliches geistiges Vorleben viele Brücken schlägt, auch mit einigen der erzkonservativsten Kommunisten der letzten Jahrzehnte. - Warum unsere, besonders deutschen ,Politiker nicht diese Trennungslinie ziehen können, liegt doch u.a. auch an deren eigenen Charakteren. Nur in wessen Diensten sie dann so 'kleinlaut' handeln, vergessen sie - es sind doch deren Völker und Wähler!

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15. Mai 2008 17:52

Dalai Lama Publicrelation Manager

Dieter A.B. Raab (dabraab)

Welche Presse, welche Redakteure und Reporter berichten denn einmal über die Verfolgungen, Drangsale von katholischen Christen in China? Hat man je schon mal von einer Gewalt des Aufstandes von katholischen Chrsiten gehört? Der katholische Christ erleidet eher still das Martyrium anstatt Revolutionen anzuzetteln. Dieter A.B. Raab

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15. Mai 2008 17:49

Deutsche Außenpolitik

Peter Graf (Peter_Graf)

Ich denke man muss bei der Frage danach, ob der DL in Deutschland empfangen werden soll, ein Kosten-Nutzen Analyse durchführen. Wem hilft dieses Treffen? Wie kann es den Dialog von China und DL voranbringen? Momentan muss man sicherlich konstatieren das die Kosten für die dt. Außenpolitik ganz klar überwiegen. Erstens, der DL ist mittlerweile seit zwanzig Jahren mit seinem Tross in der Weltgeschichte unterwegs, wird von zahlreichen Filmstars und Politikern unterstützt. Daher bedarf es sicherlich nicht noch eines "symbolischen Treffens" um das Anliegen des DL zu verbreiten. Jeder weiß was er will und wofür er steht. Zweitens, wenn überhaupt mal eine Lösung für die Tibet-Frage gefunden werden soll, so wird dies nur über den Dialog gehen, vll. sogar unter Einbeziehung der UN oder anderer Vermittler. Wenn man jedoch ständig den DL hofiert und dadurch den Chinesen in die Suppe spuckt tendiert die Chance für einen bedeutungsvollen Dialog gen null. Fazit, eine von realitätsfernem Idealismus und Effekthascherei geleitete dt. Außenpolitik der Marke W-Zeul ist dazu angelegt, den Karren nur noch weiter in den Dreck zu fahren. Sie hilft weder dem Anliegen Tibets, verschlechtert die dt. Beziehungen zu China und erschwert ein Integration Chinas

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