Pro und Contra

Sollen Politiker den Dalai Lama treffen?

Das geistige Oberhaupt der Tibeter ist zu seinem Besuch in Deutschland gelandet, und ranghohe Politiker wie etwa Außenminister Steinmeier zieren sich, ihm die Hand zu schütteln - Zeichen weitsichtiger Diplomatie oder Kniefall vor Peking? Zwei F.A.Z.-Redakteure laden zur Diskussion ein!

Lesermeinungen zum Beitrag

15. Mai 2008 17:20

Hunger, Massenarmut und Mönchs-Diktatur

Wolf Doleys (Karneades)

Der tibetische Lamaismus kann schlechthin als Symbol für Esoterik, Massenarmut und Massenanalphabetismus stehen. Die als "Menschenrechtsforderungen" deklarierten Parteinahmen für den Dalai Lama und seine Mönchsclique könnten sich als naiv erweisen: Der Gottkönig steht für Wirtschaftsverachtung, Analphabetismus, Armut und Hunger. Rotchina steht nur für Diktatur. FREIHEIT ist immer die Freiheit des Individuums, die gibt es im diamantenen tibetischen Buddhismus nicht. Die Parole 'Free Tibet' ist daher reine Propaganda; sie meint: mehr Herrschaft für die Mönche. Um Gottes Willen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 17:17

JA, denn wir dürfen nicht unter dem Chinesischen Imperialismus einknicken!

C Hantzsche (hantzsche)

Der Westen verteidigt Menschenrechte nur dann, wenn wirtschaftliche Interessen nicht behindert werden. DAbei wäre es ein Einfaches, Druck auf China auszuüben. Der Westen hat China groß gemacht und China ist immer noch von uns abhängig. Würde der Westen vereint ein Einfuhrverbot für chinesische Waren einführen, wäre Chinas Wirtschaft innerhalb weniger Monate am Boden. Der Westen sollte IMMER für seine Ideale aufstehen, wenn sie irgendwo in der Welt bedrpht werden, unabhängig von wirtschaftlichen Konsequenzen! Es ist blauäugig zu glauben, dass man in China ohne Druck Veränderungen erwirken kann, das lehrt uins die Geschichte. Der Westen sollte hierbei aber nicht nur an die tibetische Minderheit denken, die China rücksichtslos unterdrückt sondern auch an BEvölkerungsteile z.B. in Taiwan, die unabhängig werden wollen. Verteidigen wir die Menschenrechte, unsere Ideale und die Demokratie auf der ganzen Welt! Die Chinesen denken um ein Vielfaches imperialistischer, als die Amerikaner, die wir hier in Deutschland immer dafür kritisieren. Sie denken immer noch, dass sie selbst wissen was am Besten für Minderheiten im eigenen LAnd ist, dies ist eine Erfahrung, die ich in einem 7-monatigen Internats-Aufenthalt in England gemacht hab

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 17:02

Souveränität

Christoph Domernicht (Radomer)

Ob ein Treffen mit dem Dalai Lama sinnvoll ist, kann mit Fug und Recht bestritten werden. Er bewegt nichts, vertritt niemanden, sondern gilt lediglich als eine moralische Instanz. Daher hat ein Treffen mit ihm immer eine Außenwirkung, die sicherlich auch gewollt bzw. kalkuliert ist. Auf diese gezielte Außenwirkung hat China reagiert, nicht auf das folgenlose Geplauder der Frau Merkel mit ihm. Gleichwohl sollte ein souveräner Staat von vorne herein deutlich machen, dass er sich seine Gäste selbst auswählt und nicht von einem anderen Staat vorschreiben lässt, wen er empfängt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:50

So nicht

Dominic Nellessen (d.nellessen)

Es steht außer Frage, dass hinsichtlich des chinesischen Umgangs mit den Menschenrechten, der chinesischen Innenpolitik, die Tibetfrage und weiteren Aspekte ziemlich viel Handlungsbedarf besteht. Aber es grenzt an Lächerlichkeit, wenn sich z.b. deutsche MinisterInnen auf Länderebene demonstrativ mit dem Dalai Lama vor die Kamera stellen, sich hunderte Male ablichten lassen, kurz einen Tee oder zwei trinken und dann zum nächsten Termin düsen. Vor allem wenn diese Treffen "politische Gespräche" beinhalten, die sich in keinster Weise mit dem Ressort des/der jeweiligen MinisterIn decken. Diese Treffen können und sollen weiterhin stattfinden, aber der Medienrummel ist völlig unnötig. Es kann gerne über China gesprochen werden, auch mit dem Dalai Lama - hier sollte man sich aber nicht den Anschein geben, hinter dem Rücken der Chinesen mit dem religiösen Oberhaupt eines von ihnen besetzten Gebietes verhandeln, sondern eine allparteiliche Diskussion erzwingen. Doch da sieht man dann doch nicht die eigene Verantwortung...ziemlich erbärmliches Gebaren.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:37

Nein, zumindest nicht solange der Dalai Lama falsch gesehen wird.

Hisako Garanda (Hisako)

Das geht schon mit der Bezeichnung "Geistiges Oberhaupt der Tibeter" los. Die Tibeter sind ein Volk und wer etwas von Religionsfreiheit hält, kann nicht behaupten irgendein Volk hat ein geistiges Oberhaupt - selbst wenn einzelne Tibeter dies sagen. Der Dalai Lama kann so wenig geistiges Oberhaupt der Tibeter sein wie der Pabst geistiges Oberhaupt der Deutschen. Geistige Oberhäupter können nur geistigen Gemeinschaften vorstehen. Zweitens der Anspruch der weltlichen Vertretung der Tibeter durch sein Amt als Staatsoberhaupt in der tibetischen Exilregierung. Dadurch hat der DL stets eine politische Dimension und ein offizieller Empfang kommt in der Diplomatie einer Anerkennung der Exilregierung gleich. Diese ist kaum anerkannt und auch bei gutem Willen nicht demokratisch legitimiert, da sie seit 50 Jahren von ihrem Volk getrennt und nur durch wenige Exiltibeter gewählt ist. Das mag unfreiwillig so sein, ist aber ein Fakt. Es hilft der Masse der Tibeter wenig diese Leute zu hofieren und provoziert nur schlimme Reaktionen des Regimes. Bei allem Antichinaismus sollten Politiker primär auf interne Veränderungen Chinas hinarbeiten, die allen Einwohner helfen - Tibetern inklusive - statt aus einem Weißer-Ritter-komplex den DL zu helfen

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:20

Soll man sich vorschreiben lassen...

Dimitri Kunkin (dimatros)

Kann es sich ein demokratisches selbstbewusstes Land von einer Diktatur vorschreiben lassen, wen es empfangen darf und wen nicht? Ein Land, welches allein durch Niederiglöhne und das Vorhandensein von Atomwaffen zur iher Weltmachtstellung gekommen ist? Ein Land, welches die Menschenrechte (ich rede nicht nur von Tibet) mit Füßen tritt.. Einen Menschen, der den unbewaffneten Widerstand in der Art und Weise verkörpert, wie der Dalai Lama nicht zu empfangen ist ein Zugeständnis eigener Schwäche und fehlender internationaler Durchsetzungskraft. Es wäre ein Zugeständnis an China's Politik, die sich dadurch zurecht gestärkt fühlen würde. Allein der Ausblick auf mehr Einfluß im asiatischen Raum rechtfertigt nicht diese hochbrisanten Zugeständnisse an China's Politik. Die Geschichte lehrt uns, dass China ihren Einfluss mit keinem Land teilen will und wird. Wer es trotzdem glaubt, ist ein Illusionist. Die Geschichtskenntnisse lehrten uns jedoch realistisch zu sein.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:14

Nicht einknicken!

Thomas Steinert (Tom_Steinert)

Herr Sturm hat Recht! Die SPD ist ja schon dadurch unangenehm aufgefallen, daß sie das Waffenembargo gegen China aufheben wollte. In der Europawahl 2004 präsentierten sich die Sozialdemokraten feist als "Friedensmacht" - aber das gilt nur, solange keine wirtschaftlichen Interessen betroffen sind.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:13

Das darf doch nicht wahr sein

Karl Wilhelm (kawi)

Allein die Fragestellung ist schon fragwürdig. Warum sollen sich denn unsere Politiker einem chinesischen Verschnupftsein unterwerfen. Der Dalai Lama war immer ein willkommener Gast bei deutschen Politikern, das sollte auch so bleiben. Karl Wilhelm

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:10

Hochstilisierte Treffen

Dietmar Duckstein (dduckstein)

Wulf Schmieses Meinung kann ich nur bekräftigen. Der Dalai Lama sollte als Religionsoberhaupt und nicht als Politiker behandelt werden. Jeder deutsche Politiker, der ihn heute demonstrativ und mit Begleitmusik der Medien empfängt, setzt mit seinem Gespräch einen gegen China gerichteten politischen Akzent. Es spricht überhaupt nichts gegen Gespräche von hochrangigen deutschen Politikern mit einem Friedensnobelpreisträger und Religionsführer - im Gegenteil, die Haltung des Dalai Lama zu weltanschaulichen und religiösen Fragen ist beispielhaft. Derartige Treffen sollten jedoch nicht im politischen Raum stattfinden, sondern - wie bei seinen zahlreichen früheren Deutschland-Besuchen - in religiösen Zirkeln, in Universitäten und auf Veranstaltungen wie Buchmessen und Fernsehgesprächen. Das ist kein Kuschen vor den Chinesen, derartige Auftritte müssen auch nicht heimlich erfolgen, aber sie sollten aus der Tagespolitik herausgehalten werden. Das wertet die religiöse Autorität des Dalai Lama auf und bewahrt ihn davor, sich zwischen den politischen Fronten aufzureiben.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
15. Mai 2008 16:10

China ist anders - verstehen wir das?

Stefan Meichsner (stefan.meichsner)

Sollen Politiker den Dalai Lama treffen? Die frage lässt sich schlichtweg nicht mit ja oder nein beantworten. Es spricht vieles dafür, aber sicherlich auch vieles dagegen. Was die wesentlichen Punkt der Diskussion betrifft, das Verhältnis Deutschlands zu China, muss man eines verstehen: China ist anders - sprachlich, kulturell, wirtschaftlich, politisch. Wo die EU oder andere westliche Staaten den Kontakt zu bestimmten afrikansichen Staaten abbrechen, wird China aktiv. Wo wir uns mit politischen Debatten auf der Stelle bewegen, handelt China. Deutschland ist in China äußerst angesehen. Aber wenn wir versuchen, Diskussionen mit dem "westlichen Blick" zu führen, handeln wir früher oder später ungeschickt. Man muss versuchen, die chinesische Tibetpolitik aus chinesischer Sicht zu betrachten. Ein Verlust Tibets würde dem Ansehen schaden. Chinesisch ausgedrückt: die Regierung würde ihr Gesicht verlieren. Keine ausländische Regierung fordert offen dazu auf, das Tibet unabhängig werden müsse. Das ist ein Zeichen des Respekts gegenüber China und muss als solches reichen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
46 - 55 von 55 Lesermeinungen
Zum AnfangZurück 1 | 2 | 3 | 4
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche