Die Lebenskurve des späten Grass kreuzt nun gegenläufig die Linien seiner Jugend > denn auch diese gehört wesentlich zu seiner Biographie > in Wahrheit ist es sein ureigenstes Problem, mit dem er endlich fertig werden wollte > er hatte ja offensichtlich immer geahnt, dass dieses Geständnis sein Gesamtwerk in der öffentlichen Wahrnehmung negativ beeinflussen würde > ich kann ihm sein Schweigen gut nachfühlen > wenn auch nicht entschuldigen.
Grass legt Rechenschaft ab über sein gesamtes Leben > am späten Abend des Daseins ein Akt der inneren Befreiung > selbst wenn man weiss, dass Geständnisse immer einen Hauch gewollter Selbstinszenierung in sich tragen > wer wüsste das nicht?
Die Wellen der Geschichte schlagen nun am Ufer der Grass'schen Gegenwart an > die Realität übertrifft wieder einmal die kühnste Fantasie.
Das eigentlich befremdliche an dieser Geschichte ist nicht, dass ein 17 jähriger in schwierigen Zeiten eine Dummheit begeht sondern dass ein reifer, politisch kämpferischer Linke über Jahrzehnte nicht den Mut hatte diese zu offenbaren.
Warum auch nicht?
Was ist besser: wenn es zu meinen Lebzeiten herauskommt, oder - durch einen dummen Zufall - nach meinem Tode? Er hat sich für die Lebzeiten entschieden. Da kann man wenigstens noch eingreifen mit der Macht der Worte, falls nötig. Fall allzu freche anfingen, ein heute schon lebendes Denkmal zu beschädigen.
Das ganze ist dennoch lächerlich. Was um Himmels Willen ist das für eine verwerfliche Tat, mit 17 (SIEBZEHN) Mitglied in der Waffen-SS zu sein? Zur damaligen Zeit? Angesichts des übrigen Lebenslaufes als Erwachsener.
Dieses Geständnis trägt narzisstische Züge.
Frank Bach
Mit diesem Geständnis erschuf Grass sein größtes Lebenswerk! Hochachtung vor der Geduld dieses Mannes.
Sein spätes Geständnis läßt alle erst einmal vor der Tatsache verstummen, dass alleine das Wort "SS" zu einer Klassifizierung des Menschen führt.
Mit seiner "schändlichen Vergangenheit" brüskierte er die höhnische Öffentlichkeit, die jetzt wie einer Herde hysterischer Hühner vor den Konsequenzen der eigenen Vorurteile erschrickt und kein Versteck der Erde kann ihre Scham verbergen- Da bleibt nur das hilflose Geschrei nach dem "immer schon gewußt haben" und er Zensur.
Volltreffer, Herr GRASS! Eine wunderbare Inszenierung!
Wir haben alle unsere "Leichen" im Keller. Sicher ist es verwunderlich, dass er es so spaet zugibt. Aber immerhin aus freien Stuecken, nicht weil es bereits Geruechte gab. Und dass er damals an Hitler glaubte war eh bekannt. Er aber hat aus der Erfahrung des Krieges gelernt, das muss man ihm hoch anrechnen. Und Nobelpreise wurden schon an ganz andere vergeben, ich darf nur an den ehemaligen Terroristen und spaeteren Staatspraesidenten Arafat erinnern.
Ja, er hätte es früher sagen sollen. Hätte das Auswirkungen auf seinen Nobel-Preis gehabt? Ich weiß es nicht - und es ist auch müßig. Und überhaupt: so wichtig ist Grass nun auch wieder nicht. Die Zeit, als die Intellektuellen wesentlichen Einfluß auf die öffentliche Meinung hatten, sind sowieso vorbei. Grass' Geschichte ist eine Nischendiskussion.
Denn jetzt erklärt sich sein unsinniges linkes Ideologiegebäude.
Er mußte als Denunziant und Demagoge am lautesten schreien, umso die Stimmen seiner Vergangenheit überschreien zu können.
Das ist menschlich
Das jahrezehntelange sich selbst als moralische Instanz Inszenieren und das gleichzeitige Verschweigen der eigenen Schande macht diesen "Fall" so unappetitlich. Mit diesem feigen Hintergehen der Öffentlichkeit ist der Mann erledigt, für mich ganz bestimmt. Ich werde alle meine Grass Bücher -- verkaufen, ausser der Blechtommel, dem einzigen von Rang -- kein neues mehr lesen oder gar kaufen.
Volker Kulessa, Eningen u.A.
das ist ja meistens so, die Menschen, die selbst einen Fehler beganngen sind, wissen am bestens, was falsch und richtig ist.
Meistens sind die Kriegsveteranen, der gegen krieg sind.
und vergessen wir nicht, dass auch arafat, peres und rubin auch frieden nobelpreis erhalten haben, und dabei waren lebenslange krieger.
ich finde es nur schade, dass er so spät es zu gibt, aber bevor man ihm etwas vorhält, dann sollen die Menschen vorher ihre eigene Fehler auch zugeben.
ich verziechte lieber auf besserwisserische Gehabe manche schleimer und Opportunisten und zu allem Ja- und Amen-Sager.
Wer will denn ernsthaft in Abrede, dass es bei Kenntnis dieser SS-Vergangenheit zur Preis-Verleihung nicht gekommen wäre. Niemals. Das Verschweigen ist absolut unverzeihlich. Grass sollte seine Auszeichnung, die ihm in Kenntnis der Wahrheit niemals verliehen worden wäre, zurückgeben. Wer verschweigt, was er offenbaren muss, ist ein Betrüger. Und eine Auszeichnung, die sich jemand wie Grass durch Betrug ergaunert hat, belastet uns alle. Gegen alle Verharmlosungsversuche: mit 17/18 Jahren war er ebensowenig ein Kind gewesen, wie weiland Werner Höfer, der aus seiner Vergangenheit eine solche Bürde nicht einmal verschweigen musste. Aber gehen musste er. Richtig so. Und was damals richtig war, sollte hier nicht falsch sein, wenn man sich überhaupt noch ernst nehmen will. Seine SS-Vergangenheit nennt Grass für sich eine Schande. Für uns alle ist das Verschweigen unverzeihlich. Und allen denjenigen, die heute daran mitwirken, ein solches Verhalten eines mit dem Nobelpreis ausgezeichneten deutschen SS-Mannes, sollte für immer die Tinte ausgehen und die Feder aus der Hand fallen.
Herr Gossens, Sie sollten da mal ganz ruhig sein. Sie haben wie Günter Grass ebenfalls das "ss" in Ihrem Familiennamen, und zwar anders als bei Grass sogar mitten drin.
Zwei Generationen lang hat uns dieser linke Moralapostel das Leben versäuert mit verlogener Links- Grün-Ideologie.
Es wird schon seit 1944 genügend Leute gegeben haben , die von seiner Waffen-SS wußten, denn er wird ja kein 1-Mann -Heer gewesen sein. Auch hier in der weiten Öffentlichkeit Verlogenheit bis zum Abwinken.
Daß Grass jetzt damit herausrückt, ist aus meiner Sicht reine Publicity für sein neues Buch-Geschäft.
Wer jetzt noch Grass kauft oder liest tut mir leid.
Hubert Gossens