China und der Westen

Wie man einen Feind erzeugt

Seit der Tibet-Krise sehen sich viele Chinesen als Opfer von Ressentiments. Sie rufen zum Widerstandskampf gegen den hegemonialen Diskurs des Westens auf. Blogger beider Seiten bezichtigen einander der Gehirnwäsche; die Verständigung kollabiert. Von Mark Siemons, Peking

Lesermeinungen zum Beitrag

26. März 2008 20:03

Lost in Translation

Lars Zimmermann (larszzzz)

Allein in Peking. Hätte Herr Siemons den gleichen Artikel ohne chinesische Freunde, ohne die Perspektive Fernost geschrieben? Wahrscheinlich nicht. Ein grundsätzliches Problem, und nicht allein in unserem China-Diskurs. Wir glauben die Welt zu kennen, vertreten stets eine Meinung. Dabei, was wissen wir Deutschen außer diffusen Ängsten schon über China, diese älteste bestehende Kultur?

Und so möge für Journalisten wie für Blogger gelten: Verschiedene Meinungen hören, nachdenken, sodann schreiben. Mit Respekt.

Schön zu sehen, dass dies ab und an noch getan wird.

Meinen Respekt, Herr Siemons.

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26. März 2008 19:48

China und der Westen

Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Völlig richtig: Die Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit des Westens bis hin zum prodemokratischen Glauben ans "Ende der Geschichte" gelangt zu sein, ist schwer zu ertragen. Und auch in Deutschland werden von Staats wegen Menschenrechte verletzt und selbst Urteile des EU-Menschenrechtsgerichtshofes nicht umgesetzt. Auch hier ist nicht alles eitel, obwohl vieles gut ist.
Trotzdem brauchen sich die Chinesen nicht zu wundern. Im Grunde ist Tibet besetzt und tibetanische Kultur und Eigenständigkeit werden massiv und eben unrechtmäßig unterdrückt. Wenn jahrzehntelange Unterdrücker dann Gegengewalt erfahren, dann braucht man sich von chinesischer Seite zumindest nicht zu wundern, daß Entrüstung ausbleibt und auch die Wahrnehmung zunächst etwas verschoben sein kann. Daß auch die westlichen Medien Fehler machen und sowohl unbewußt wie bewußt manipulieren ist bekannt und unbestreitbar, allerdings keineswegs mit der Hegemonie wie die direkt staatliche Presse zum Beispiel in den Parteidiktaturen.
Allerdings tut sich ja auch nicht nur China mit der Anerkennung Tibets schwer und Sezessionen bekämpfen auch demokratische Staaten zu Unrecht immer wieder und grundsätzlich.

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26. März 2008 19:47

Wie Presse funktioniert

Thomas Seifert (Thomas_Seifert)

"Ich gebe zu, daß ich heute zum ersten Mal höre, wie brutal angeblich Tibeter gegen Chinesen vorgehen, und erkenne damit, wie abhängig ich von den Informationen aus der Presse bin."
Ach, es ist deprimierend. Denn Fakt ist, dass all diese Infos - auch - der deutschen Presse zu entnehmen waren. Allerdings musste man unsere Zeitungen so spitzfindig lesen wie früher die Prawda seligen Angedenkens.
Der Normalfall ging so: Großes Foto, auf dem behelmte Soldaten gegen Zivilisten stehen, dazu eine Überschrift "Blutige Unruhen in Tibet" o.ä. Alles klar: Wer da Blut vergoss - das konnten natürlich nur die schwerbewaffneten Chinesen gewesen sein.
Wer doch noch etwas genauer in den Text schauen wollte, musste erhebliche analytische Arbeit leisten. Was war nur interessierte Propaganda, was genau basierte auf Augenzeugenberichten? Und auch bei denen war akribische Lektüre unumgänglich: Ein aufschlussreicher taz-Bericht von Blume hebt an mit einer "verzweifelten jungen Frau", die die Regierung anklagt. Ach, die arme Tibeterin, denkt der Leser, und nur wenn er ein paar Sätze weiterliest, merkt er, dass hier eine Chinesin zitiert wird, die ihrer Regierung vorwirft, sie nicht ausreichend vor dem tibetischen Mob geschützt zu haben...

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26. März 2008 19:15

Universelle Werte

Barbara Köhler (Aspekt)

Von welchem der vielen "universellen" Werte spricht der Autor explizit? Unsere so definierten "Menschenrechte" im Sinne individueller Entfaltungsrechte mögen ein universeller Wert sein, universell (und natürlich) ist auch das Recht des Erhalts der überindividuellen, natürlichen oder sozialen Gattung in Form eines Staatsgebildes. Unser Ideal ist der Konsens zwischen Individualrechten und Gemeinschaftsrechten. Und um diesen Konsens zu entwickeln und eingermaßen stabil zu erhalten bedurfte es hier in Deutschland viele Jahrzehnte (siehe gestern "Joschka - eine Karriere").
Natürlich sind wir westlichen Menschen "hirngewaschen" - auch für uns gibt es nur die eigene, nichthinterfragbare Lebenswelt, in die wir hineingeboren wurden. Weshalb sonst diese hyperemotionalen Reaktionen? Auch Journalisten sind Menschen.

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26. März 2008 17:39

Tibet z. T. nur Auslöser einder diffusen Angst.

Till Diesing (Zabel24)


Es ist EINE Sache, die stalinistische Unterdrückung von kulturellen Traditionen und Denkweisen zu verurteilen, wie es hoffentlich immer wieder geschehen wird.

Es ist eine ANDERE, China zu verteufeln und Ängste vor China zu schüren, wie das seit langem geschieht (das selbe Phänomen gab es mit Japan vor 30-40 Jahren).

Natürlich hoffe ich daß einige Sportler die Olympischen Spiele zum Anlaß nehmen um gegen die Tibetpolitik geschickt und effektiv zu demonstrieren!!

Genauso hoffe ich aber daß diese tumb-krude Mischung aus Angst und (immernoch!) Überlegenheitsgefühl, die ich -leider auch in meinem privaten Umfeld- gegenüber Chinesen beobachten kann irgendwann mal aufhört.

Mir persönlich ist China als führende Weltmacht lieber als die USA...

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