@Reichelt: Gestern war in der Frankfurter Neuen Presse zu lesen, dass die Stadt Frankfurt (a.M.) um ihre Steuereinnahmen schon für das Jahr 2008 besorgt sei – wegen der Bankenkrise!
Bevor das große Gejammer aber losging, haben die Banken noch einmal kräftig Dividende ausgeschüttet, damit die Banker fett besser über die Runden kommen. Und jetzt werden die Steuern abkassiert. So macht man Krise!
Mein Vorschlag: Die im Rahmen der Ermittlung gegen die Steuerhinterziehung (Liechtenstein und jetzt die Schweiz) eingezogenen Gelder und Strafgebühren (nach Abzug der Kosten wegen mir) für die Krisenverwaltung verwenden! – Oder sollten die nicht reichen?
...na prima: alle duerfen mal ein bisschen spielen, solange alles gut geht, gibt's viel geld, und wenn was anbrennt: auch nicht schlecht, dann kommt die feuerwehr. wie heißt das gefluegelte wort: gewinne privatisieren, verluste sozialisieren. insofern sagt das plakat von greser&lenz nur die halbe wahrheit, denn im veb deutsche bank haette der staat nicht nur im misserfolgs-, sondern auch im erfolgsfall mitzureden...
Daß der Markt funktioniert, sehen wir doch gerade beim Abbau der irrationalen Exzesse, die sich in den letzten Jahren aufgebaut haben. Und genau das ist ja der Selbstheilungsprozeß. Derjenige, der die Risiken richtig einschätzt, gewinnt. Derjenige, der Risiken nicht adäquat beurteilt oder gar die Spielregeln nicht kennt, zahlt. Das sollte jeder wissen, der sich in diese Arena begibt. Wer sich in wenig liquide Märkte wagt, sollte die Risiken hoher Spreads kennen, auch das gehört zur Risikoanalyse.
Hier ärgern sich nun einige Akteure, die genau sehen, wie gut der Markt gerade funktioniert. Aber da sie auf der falschen Seite stehen, wollen sie jetzt, daß das Spiel abgebrochen wird, damit sie nicht noch mehr verlieren. Sie hätten auch beim ersten Anzeichen der Krise aussteigen können, das wäre billiger geworden. Aber sie fühlten sich überlegen und wollten die Sache aussitzen. Aussitzen funktioniert häufig, aber wenn nicht, dann macht euch auf etwas gefaßt.
Was allerdings alles andere als ein Happy End ist für denjenigen, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Immerhin hat dieser Spieler lange genug von einer irrationalen Situation profitiert, sodaß Polster vorhanden sein sollten.
Ich bin seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Wenn ich meine Ziele nicht erreiche, wird das Delta zum Fixeinkommen ins nächste (oder auch übernächste) Jahr vorgetragen.
Wenn ein Banker Verluste einfährt, dann scheint er dennoch seine Boni zu erhalten. Mit welcher Berechtigung? Die Zockerei bei den Banken ist doch wohl nur möglich, weil hier Verantwortliche mit hohen Abfindungen und zusätzlichen Boni abgefunden werden. Also hausgemacht! Mit welchem Recht gegenüber der Allgemeinheit und auch dem Aktionär? Eine Bank mit Verlusten wie bei der IKB, BayLB, WestLB, UBS, .... sollte von sich aus alle Sonderzahlungen stoppen.
Doch aus Eigeninteresse oder wollen die Banken wirklich, daß der Staat auch hier eingreifen muß? Wir alle werden uns noch wundern, wenn Steinbrück demnächst feststellt, wie wenig Steuern die Banken für 2007 und auch für 2008 abführen werden. Vielleicht sollte er dann doch mal die Sonderzahlung genauer ansehen? Warum schweigt die Presse und auch die Politik hierzu?
Wolfgang Reichelt, Bruchköbel, 19.3.2008
"Bei der Überwachung und Lösung der eigenen Schwierigkeiten sind zunächst einmal die Banken selbst gefordert"
Weder der Staat, noch Notenbanken, noch Finanzaufsicht, noch Gesetze, noch Liquiditätsvorschriften dürfen den Banken als Stütze dienen, um sich von der Verantwortung für ihre Liquidität zu befreien.
Die seltsamen Verhältnisse, die heutzutage am Kapitalmarkt herrschen, könnten Konglomerate, die einen internen Kapitalmarkt haben, bevorzugen. Interessant ist doch, daß im asiatischen Raum die Konglomerate nie verschwunden sind. Interessant sind auch die bemerkenswerten Erfolge, die traditionelle Industrieunternehmen mit ihren Bankfilialen haben (z.B. GE).
Ackermann kommt mir vor wie ein Mann, der sagt: "Legt mich in Ketten, bei Mondlicht verliere ich die Kontrolle über mich und werde zum mordenden Werwolf."
Aber vielleicht ist eine stärkere Kontrolle wirklich notwendig, um größenwahnsinnige Investmentbanker davon abzuhalten, die globale Wirtschaft zu ruinieren.
Was Hr. Zumwinkel der Mindestlohn ist Herr Ackermann nun die Finanzspritze. Ich mache Managern keinen Vorwurf, wenn sie der Allgemeinheit Vorschläge unterbreiten, die im Interesse ihrer Unternehmen sind. Ich mache nur den Vertretern der Allgemeinheit Vorwürfe, wenn sie darauf eingehen. Denn das schöne am gnadenlosen Markt ist, dass jeder, der sich nicht solide verhält, irgendwann abgestraft wird. Ich bin gegen eine italienische Art der Risikominimierung. Kein Geld ohne Wertunterlegung. Die Notenbank kann gerne vorübergehend die Geldmenge erhöhen, um Überreaktionen trotz Wertunterlegung vorübergehend auszugleichen. Ansonsten würde ich es jedoch krachen lassen. Wir rennen sonst von einer Blase zur nächsten. Die Banken sollen mal schön die Dividenden Zinsen auf Guthaben heben, um an Geld zu kommen. Meine Oma wird sich freuen. Keine Bank leiht Geld ohne Sicherheiten und Ertragsaussicht. Warum sollte die Allgemeinheit ggü. Banken anders vorgehen. Es muß krachen und es muß wehtun.
Es lohnt sich mal wieder bei dem großem amerikanischem Nationalökonomen John Kenneth Galbraith nachzulesen. Er bemerkte 1992 in seinem Buch: Herrschaft der Bankrotteure: " In dieser Welt wird jeder Unsinn, den die Reichen erzählen, gern als Weisheit erhoben.... Es gibt keine kurzfristig eintretenden Ereignisse, die langfristigen Schaden anrichten. Die kontrollierte oder stützende Intervention des Staates ist notwendig. Aber nur wenn sie etwa den Banken oder bestimmten Unternehmenssparten zum Vorteil gereicht... oder der Landesverteidigung. Alle anderen Maßnahmen sind von Übel. Kurzfristige schlechte Erfahrungen, Warsingnale oder negative Prognosen, ganz gleich welche Argumente auch dafür sprechen mögen, werden grundsätzlich ignoriert."
Dabei denke ich natürlich auch an die Zeit vor dieser Kreditkrise.
gruss
georg
Die allermeisten Menschen leben sehr sehr gut von solchen evolutionären Marktereignissen. Jeder Teilmarkt wird im übrigen durch eine Produktinnovation komplett erschüttert.
Warum wir sowas in der Oec. nicht akzeptieren können? Weil das die vollständige Regulierung aller Marktteilnehmer zur Folge hätte. Nicht nur die bösen, bösen Banken. Auch Sie müssten dann plötzlich die Automarke wechseln, weil ein Autokonzern pleite zu gehen droht. Die vollständige Regulierung aller Marktteilnehmer funktioniert schon aus logistischen Gründen nicht, die Einhaltung kann nicht kontrolliert werden. Ganz zu schweigen: sowas ist der Tod jeder Innovation.
Ihre Ausführungen sind interessant. Im 1. Abs.schreiben Sie: Märkte bewegen sich nicht ausserhalb der Naturwissenschaften (die letztlich die Beschreibung u. Erklärung nat. Phänomene zur Aufgabe hat), im 2. Abs. schreiben Sie etwas vonm "künstlichen, von Menschen ersonnen Gebilde(n)". Was denn nun?
Der Regelkreis in Ihrem Baum entartet auch ab und an, Hitzsommer, besonders kalter Winter, Borkenkäfer: all das verursacht einen enormen Stress (Ausschlagen des Pendels in eine gewisse Richtung), was nicht unbedingt zur Folge hat, dass der Baum auch stirbt, lediglich mal schneller und mal langsamer wächst als der durchschnitt. Mal stirbt Teil des Baumes ab.
Was anderes tut auch der Markt nicht: er kann schon von Menschen nicht "ersonnen" sein, weil ihm im Idealfall jede Form der Regulierung fehlt. Ersonnen hat etwas von künstlich. Wenn nur die inneren Kräfte (also nur Marktteilnehmer), und eben keine äusseren Kräfte, spielen, dann ist es hier ein ganz normaler Ausgleich. Würden Sie bei einem Kräftemessen im Sport auch von künstlich reden? Da sind vielleicht die Regeln künstlich und wirken regulierend, nicht jedoch der eigentliche Kampf.
@ Steve Lutzmann:
Der freie Markt an sich nicht, das ist schon klar. Allerdings liegt der Marktwirtschaft eine Wirtschaftstheorie zugrunde, die Sie an vielen Universitäten dieser Welt in dieser oder jener Ausprägung studieren können. Die auf ihrer Grundlage errichteten Lehrgebäude tragen deutliche Wesensmerkmale doktrinärer Ideologien, was allein schon an den teils erbitterten Auseinandersetzungen z. B. zwischen Keynesianern und Monetaristen abzulesen wäre.
Die Analogie von Leser Paul Rabe ist daher alles andere als abwegig. Erschreckend ist dagegen die ideologische Verblendung, mit der angesichts der Monstrositäten an den Finanzmärkten immer noch der Quatsch von der 'invisible hand' geglaubt wird. Wie es scheint, allerdings immer weniger und immer kleinlauter.
Ackermann ist diesmal zu Unrecht unter Beschuß. Er zeigt Vernunft.
... wenn der Staat dann die entsprechenden Aktien-Anteile an den Banken übernimmt.
Dann sind diese quasi verstaatlicht und Hr. Ackermann wird nach BAT 5 Besoldung in den öffentlichen Dienst eingruppiert.
Sich auf die Marktwirtschaft berufen, wenn die Zeiten gut sind, auf Kosten der Allgemeinheit Eingriffe in den Markt fordern, wenn es brenzlig wird - das kann es nicht sein.
Es ist nicht weniger als Ackermanns Pflicht, zur Abwendung von Schaden von seinem Unternehmen zu jedem legalen Mittel zu greifen. Sozioökonomische Stringenz gehört nicht zu seiner Aufgabenbeschreibung. Wenn er also einen Hebel findet, den Staat um ein paar Milliarden zu melken, sei ihm dies gegönnt. Er bekommt seine Millionen schließlich nicht für das Abspulen des Standardrepertoires.
Umgekehrt ist es Sache der Politik und der Bundesbank, ihre Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Beide haben sicherlich Interesse daran, einen Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern. Der tut nämlich niemandem gut - weder den Banken noch dem Staatssäckel noch den Wählern. Ebenso wenig dürfen Staat und Bundesbank aber den Bankern einen Persilschein erteilen, der ihnen garantiert, dass sie umfassender aufgefangen werden, je grandioser sie sich verzocken.
Also muss ein Mittelweg her, der den Märkten hilft, den Banken aber letztlich das Risiko für ihr Handeln belässt. Wie wäre es mit einem "Gerne bekommt Ihr Geld zur Rettung der Märkte, aber das wird richtig teuer."?
Wer gutes Geld schlechtem hinterher wirft, darf hohe Zinsen verlangen. Glauben die Banken, diese Zinsen nicht aufbringen zu können, ist ihr Rettungsmodell wohl auch nicht tauglich.
Corporation (n): An ingenious device for obtaining individual profit without assuming individual responsibility.
An der individuellen Verantwortlichkeit mangelt es. Boni für Vorstände und Aufsichtsräte bei guter Unternehmenslage stehen keine Mali bei schlechter Lage entgegen (könnte man parallel zur Mankohaftung des Arbeitnehmers gestalten, Arbeitsrechtler wissen, wovon ich rede). Investoren erhalten Dividenden, haben aber keine Nachschußpflichten. Letzteres ist im Prinzip unvermeidbar, ich habe jedenfalls keine gescheite Lösung.
Bei staatlichen Zuschüssen würde ich allerdings fordern, daß der Steuerzahler eine Gegenleistung erhält. Vorschlag: Abgesprochener massiver Kapitalschnitt der entsprechenden Bank, bei dem die BRD die neuen Aktien erwirbt; bisherige Aktionäre erhalten nach einem halben Konjunkturzyklus (3-5 Jahre) ein Ankaufsrecht.
Übrigens, was ich interessanter fände: Wann rollen endlich bei den Politikern in den "Aufsichts"räten der Landesbanken Köpfe? Ich bekäme recht gern meine >200 Euro Steuergelder zurück, die in IKB, WestLB etc. geflossen sind!