Der deutschtürkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Mitglied der deutschen Islamkonferenz, beklagte vor rund zwei Jahren in einem Interview, daß in der Türkei schon seit den 70er Jahren nationalistische und religiös-fundamentalistische Kräfte auf dem Vormarsch seien. Recep Tayyip Erdogan wurde vor einigen Jahren wegen Volksverhetzung verurteilt. Sein Lehrmeister Necmettin Erbakan hat u.a. die fundamentalistische Milli Görüs-Bewegung inspiriert, welcher der deutsche Verfassungsschutz ein geschlossenes islamistisches Weltbild mit deutlichen antisemitischen Tendenzen bescheinigt. Vor diesem Hintergrund ist es schlicht verantwortungslos, die Zweifel an der demokratischen Grundhaltung der Erdogan-Partei AKP als Komplott einiger weniger machtbesessener Generäle darzustellen. Freilich, die kemalistische Staatselite der Türkei ist im europäischen Sinne ebensowenig als demokratisch zu bezeichnen; doch ihre Grundhaltung ist zumindest säkular. In Anbetracht der genannten Hintergründe muß man zweifeln, ob die türkische Demokratie innerlich gefestigt ist; der Kemalismus bleibt im Vergleich mit dem Islamismus noch immer die bessere Alternative. Die türkische Armee, Bannerträger des Kemalismus, darf ihre Wächterrolle noch nicht aufgeben.
hier stellen sich einige wahrlich hinter die dunklen machenschaften von machtgierigen generälen... dies ist nichts anderes als mord u. todschlag zu legitimieren und das unter dem deckmantel der demokratie! meine damen u. herren es geht mehr gefahr aus auf eine demokratie durch menschen mit solch einem gedankengut... dann ist wohl alles legitim das bestehende system(antidemokratisch u. keinesfalls laizistisch!) am leben zu halten? da kennen wir einige menschen in der vergangenheit u. gegenwart die ihr bestehendes system mit gewalt aufrecht erhalten wollten! schämen sie sich!
die Mehrheit der Türken will die Islamisierung des Staates. Wenn alles demokratisch zugeht wollen sie die Abschaffung der Demokratie. Um die Demokratie zu erhalten, bedarf es in der Türkei undemokratischer Methoden. Das soll mal nicht als lächerlich abgetan werden, denn auch in Europa sind viele mit der Demokratie unzufrieden. Man schaue nach Irland. Oder in Deutschland sind auch die Nichtwähler die stärkste Partei. Wenn die ein "Rattenfänger" -wie Hitler- aktivieren kann, dann steht es auch sehr schlecht um unsere Zukunft.
Ein wahrhaft genialer Schachzug ist den religiösen Eiferern in der Türkei gelungen: Anstatt wie bisher auf die offene religiöse Revolution bzw. Machtergreifung zu setzen, haben sie sich nun äußerlich die westlichen Werte von Volkssouveränität und Demokratie angeeignet und führen ihren Kreuzzug zur Durchsetzung religiöser Wertvorstellungen unter dem Deckmantel der liberalen Freiheitsrechte, damit blenden sie zudem noch äußerst erfolgreich die Medien und die öffentliche Meinung im Westen, wo doch man ernsthaft glaubt es ginge den religiösen Eiferern um Demokratie! Ihre konservativ-säkularen Widersacher aber stößt dies in ein existenzielles Dilemma moralischer Natur: Durch die Übernahme des Präsidentenamtes, trotz Putschdrohungen und Obstruktion der Parlamentsopposition, stehen sie unter Zugzwang. Stürzen sie die religiösen Eiferer, ganz gleich wie, so müssen sie fortan dieses Land offen diktatorisch regieren, da sie keine parlamentarische Mehrheit in freien Wahlen mehr erzielen können, tun sie dies aber so verraten sie vor aller Welt eben die republikanischen Werte, für die sie immer eingetreten sind. Die religiösen Eiferer können sich ihren letztendlichen Sieges gewiss sein und werden ihn durch passiven Widerstand beschleunigen.