Wie man sich seine „kulturelle Kompetenzen” erwirbt, am PC oder bei der Klassikerlektüre, soll in Hamburg jedem einzelnen vorbehalten bleiben

Bildungsfernes Abitur

Goethe, Schiller, Kleist - das war gestern

Wer in Hamburg das Deutsch-Abitur bestehen will, braucht dafür keine Klassiker mehr zu lesen. Für die Vorbereitung auf die „Teilhabe am kulturellen Leben“ soll es künftig ausreichen, „die Bedienungsanleitung einer Kaffeemaschine“ enträtseln zu können. So will es der neue Rahmenlehrplan. Von Hannes Hintermeier

Lesermeinungen zum Beitrag

24. Juli 2008 14:44

Bildung und Eliten

im eigenen Land (DerProphet)

Es ist doch seltsam - da beklagen die einen, dass sich die Eliten des Landes prinzipiell aus sich selber rekrutieren, insbesondere deshalb, weil sie schon von frühester Jugend an einen bevorzugten Zugang zur Bildung (und nicht nur zum Wissen) haben und so ein Verhaltensrepertoire entwickeln, das "Oben" angesagt ist. Die anderen dagegen sind der Ansicht, ohne (klassische) Bildung ginge es auch - und wundern sich dann, wenn die Eliten unter sich bleiben und alle nur noch am liebsten "irgendetwas mit Kommunikation und Design" machen wollen. Natürlich ist es langweilig, die Klassiker zu lesen - ist ja eben auch ein bisschen anspruchsvoller und deshalb anstrengender.

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24. Juli 2008 14:08

Kausalität und Korrelation

Markus Leibold (MSL)

Nur weil viele gute Leute die Klassiker kennen, heißt das noch lange nicht, dass das eine ursächlich für das andere ist - in meinen Augen ist wahrscheinlicher, dass beides ähnliche Ursachen hat.

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23. Juli 2008 15:22

Bildung und Universalität als unwesentlich?

Nils Bezares (nbrod)

Technik und Pragmatismus sind wichtig. Diese sind aber nur lebendig solange der der etwas weiß sich nicht dafür schämen muss und es als wertvoll gilt, Wissen zu erlangen, Bildung zu schätzen und Universalität zu suchen. Eine "atomistische Denkweise" als Axiom führt nicht zu neuen Wegen und ermöglicht keine kritische Wesen groß zu ziehen. Wissen ist korrelliert. Die Geschichte ist nicht eifach das Gewesene und alte Literatur nicht einfach Verstaubtes und merkwürdig geschriebenes. Es geht darum, Ideen kennenzulernen und zu verstehen lernen. Verschiedene Denkweisen zu lernen und beherrschen, und kritisieren zu wissen. Das ist das Wesen des Rationalismus! Und er wiederum der modernen Technik, aber auch einer funktionierenden Demokratie! Vieles im Leben braucht man vielleicht nicht wieder. Was aber wenn schon? Besser, man kann im Nachhinein sagen, Goethe hätte man nicht gebraucht als nicht mal die Chance gehabt zu haben, zu einem eigenen Schluss zu kommen. Das letztere ist nicht Wege einfacher zu machen. Es ist einfach rücksichtslos unsozial und kurzsichtig.

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23. Juli 2008 14:52

Hochschulreife heißt auch Bildung!

Nils Bezares (nbrod)

Wenn Schulen nicht mehr verpflichtet sind, für eine Allgemeinbildung der Schüler zu sorgen, wie es in Hamburg anscheinend geplant ist, dann wird es mit der Chancengleichheit noch viel düster aussehen. Nicht alles, was man macht oder lernt ist praktisch nützlich. Das heißt aber lange noch nicht, das Wissen wäre nichts wert! Eine weite Sicht und die Möglichkeit verknüpfend zu kritisieren und weiterzudenken wird erst mit Bildung und Denkanstöße ermöglicht. Dafür muss man auch manches lernen, was sich erst viel später als wesentlich entpuppt (man soll auch entscheiden können, ob etwas unnötig WAR). Wenn man noch weiteres gelernt hat. Kulturteilhabe fängt zu Hause an (und ist dort wesentlich!), der Staat ist aber auch verpflichtet, dafür zu sorgen und sie zu verteidigen; allein schon der Demokratie und des Sozialstaats wegen. Wie kann sonst eine Demokratie Grundlagen schaffen und funktionieren? Wie kann sonst ein Land in die Zukunft schauen? Was kann man in einem Land erwarten, wo Kultur und Wissen entweder einfach als langweilig oder als parasitär gelten? Welche Chancen haben dann die Kinder in der Welt, besonders wenn es so vielen Eltern egal ist, ob sie etwas lernen ("das braucht mein Kind nicht!" heißt es oft)?

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22. Juli 2008 18:10

Herr Bleyl stößt Göthe vom Thron

H. Gebhardt (hgebhardt)

Eine Sprachanalyse des Beitrags von Herrn Bley zeigt, dass er über wichtiges Englisch und Mathematik doch etwas versäumt hat. Ich lass einmal nur die "Aufhänger" aus seinem Text stehen: Zitatanfang: stöhst ... sich endlich mal jemand dazu entscheidet ... - sich endlich einmal jemand entscheidet ... ganzen "Klassiker" .... halbe Klassiker? doch ... doch ... doch Häufung Aufzaehlung: erstens aber zweitens fehlt Kommata A propos wichtige Sache Englisch: schlechtes Deutsch ist schlecht übersetzbar wichtige Sache Mathematik: Mathe zu beschreiben erfordert sehr gutes Deutsch.

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22. Juli 2008 08:53

Bildung - Wissen

Lars Uhlson (Uhlson)

Es scheint da ein Missverständnis zu bestehen, dass Bildung und Wissen zwei sich ausschließende Begriffe seien. Einige Kommentatoren scheinen das zu trennen: Wissen ist das, was man für den Beruf braucht und Bildung ist das so ein zusätzliches, vielleicht ganz nettes Gedöns. Bildung wird assoziert mit verstaubten Bibliotheken und dem Aufsagen von Gedichten. Jeder fachlich Hochqualifizierte braucht neben seinem fundierten Fachwissen ein Vielzahl an weiteren Qualifikationen, die sich unter dem Begriff 'Bildung' zusammenfassung ließen - unter anderem die Fähigkeit zur Reflektion gemachter Erfahrungen, ein Horizont, der über das eigentliche Fach hinausgeht, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, eben kein eindimensionales Denken....etc. 'Fachidioten' haben die Welt noch nie wirklich weitergebracht - Wissen braucht eine Einbettung. Das Problem der Schule ist (neben den bekannten hausgemachten Problemen) dass sie mit einer Medienlandschaft konkurrieren muss, die mit schnellen Reizen arbeitet und Oberflächlichkeit den Weg bereitet statt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt anzuregen. Abgesehen davon scheint ohnehin der Trend der Zeit zu sein, Dinge immer mehr biologistisch anzugehen - Philosophisches ist out(?).

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22. Juli 2008 08:26

Deutschland frisst sich selbst auf

Andreas Bitterer (bitblue)

Indem man das Niveau immer weiter senkt, bekommt man vielleicht mehr (sogenannte) Abiturienten, aber deren Niveau ist gleichermassen niedrig. Irgendwann reicht die deutsche "Hochschulreife" gerade mal für eine 08/15-Lehre, und die Unis sind bevölkert mit Studenten aus Asien, die besser deutsch können als die direkten Nachfahren der Dichter und Denker. Die Politik macht mal wieder genau das Gegenteil von dem was ratsam ist, weil sie (a) feige sind, und (b) selbst nur auf dem Niveau der Kaffeemaschinen-Gebrauchsanweisung daherblödeln in ihren Worthülsen-Gefechten.

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22. Juli 2008 08:02

Liberal sein

Matthias Hühn (matthiashuehn)

Liberal sein, ist schick und bringt Waehlerstimmen. Liberal sein heisst, das Rennen um das Niveau von oeffentlicher Seite zu gewinnen, indem man einfach das offiziell gewuenschte Niveau schneller sinken laesst als es ohnehin in der breiten Oeffentlichkeit der Fall ist. Ich empfehle die Lektuere der Buddenbrooks: was die erste Generation (Adenauer) aufgebaut hat, vernichtet die dritte Generation leichtsinning und grosszuegig. Bildung und Leistungswille schaffen Wohlstand. Nicht Verbloedung und Disziplinlosigkeit. Letztere sind aber in den letzten Jahren zu den wichtigsten Waehlerstimmenlieferanten avanciert.

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22. Juli 2008 07:26

Besser Marx, Schumpeter, Keynes und Samuelson statt Goethe

Paul Rabe (heidelpaul)

Ich bin ja nun wirklich nicht mehr der jüngste, aber schon ich habe mich in der Schule gefragt was ich denn von einem Dichter wie Goethe fürs Lebens lernen soll, dessen Lebenswirklichkeit mit meiner in keinster Weise übereinstimmte. Die Leiden und Probleme eines Faust mögen in hoher Abstraktion allgemeinste Menschheitsprobleme schildern, aber um die Bilder und Sprache eines Goethe zu verstehen müsste man sich doch zu intensiv mit seiner Zeit beschäftigen, als es in der Schule sinnvoll wäre. Schüler sollten sich mit der eigenen Zeit beschäftigen, die ist schwierig genug. Überhaupt sehe ich Literatur als nicht besonders wichtig an, es ist für mich mehr ein schönes Hobby, man lernt in der Schule ja auch nicht Klavierspielen oder Golf. Viel wichtiger wäre es in der Schule die verschiedenen wichtigen Schulen der Ökonomie kennen zu lernen, damit Schüler früh schon gesundes Misstrauen gegenüber Politikern entwickeln die sich als 'Wirtschaftsexperten' bezeichnen. Wer die Ideen hinter Marx, Schumpeter, Keynes oder Samuelson verstanden hat, der weis, daß es auf komplexe Fragen von Politik und Wirtschaft eben keine einfachen oder eindeutigen Antworten gibt. Das wäre wichtig für zukünftige Staatsbürger um den 'Rattenfängern' zu begegnen.

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22. Juli 2008 03:34

Ohne Muttersprache keine Fremdsprachen

Martin Lepper (mlepper01)

Ich spreche täglich 5 Sprachen. Nach 6 Jahren im Ausland stelle ich fest, daß mein Deutsch schlechter wird. Auch wenn man nicht die Möglichkeit hat, seine Muttersprache so häufig anzuwenden, wie nötig, um den erreichten Standard zu halten, so kann man dennoch durch Lesen den Verfall bremsen. Entscheidend dabei ist dabei aber auch die „Grundausbildung“ in der Muttersprache, die man mitbringt. Ich mochte als Schüler weder das Lesen der zitierten Klassiker besonders noch den Lateinunterricht bis zur 10. Ich kann aber versichern, daß ich heute glücklich darüber bin, dieses ANGEBOT wahrgenommen zu haben, denn es hilft mir heute sehr. Wieviel Zeit geht denn in 12-13 Schuljahren für die „Klassiker“ drauf? Ich denke, wer seine Muttersprache nicht in ausreichendem Maß beherrscht, nur wenig über die Kultur seines Heimatlandes weiß (auch die literarische gehört dazu), der wird auch mit Fremdsprachen seine Probleme haben - ein nicht zu unterschätzender Faktor in der heutigen Arbeitswelt. Ob dazu die „Klassiker“ notwendig sind oder nicht, sei dahingestellt – für das Dechiffrieren von Bedienungsanleitungen sind Englischkenntnisse sicher hilfreicher, und für das Verstehen derselben könnte durchaus auch logisches Denken weiterhelfen.....

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22. Juli 2008 01:06

Völlig hirnverbrannt...

Marco Zeino (Zeini)

In meinen Augen liegt es weniger an den Klassikern und ihrer "veralteten" Sprache, als mehr an der häufigen Unfähigkeit der Lehrer, ihren Schülern schwerer zugänglichen Thematiken schmackhaft zu machen. Der Hebel müsste daran angesetzt werden erst einmal die Ausbilder profund auszubilden, um dann die Schüler auszubilden zu können. Was bringt ein Lehrer, der nach zehn Jahren Beruf am Burn-Out-Syndrom leidet, keinen Bock mehr hat und Alkoholiker ist. Der soll dann die schwierige Aufgabe übernehmen, spätpubertierenden Jugendlichen den Faust nahezubringen? Das kann ja kaum funktionieren. Hamburg schlägt den völlig falschen Weg ein. Es bekämpft die Symptome und nicht die Ursache. Dumm, dümmer, Deutschland...

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22. Juli 2008 01:01

@Herr Gebhardt

Markus Leibold (MSL)

Na, da werden sie dann wirklich die Top-Arbeitskräfte bekommen. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, waren diejenigen, die im klassischen Wissen top waren, die größten ewiggetrigen Pfeifen ohne irgendeine Ahnung von Mathematik, Physik, Englisch und anderen relevanten Fächern. Der Deutschunterricht war ganz nett mit den Klassikern, wirklich reflektiert habe ich allerdings zugegebenermaßen mehr im Religionsunterricht - ich hatte das Glück einen Lehrer zu erwischen, der über ethische Fragen diskutieren wollte und anderslautende Meinungen, sofern sie begründet waren, klaglos akzeptiert und bei guter Reflektion mit besseren Noten bedacht hat als eine Repetition des kirchlichen Kanons. Ich wünsche ihnen viel Spaß mit verklemmten Ewiggestrigen und dem Verpassen der Leistungsträger ;) Ich konnte mit meinem NRW-Abitur und einem Mathematik_leistungskurs übrigens so gut wie lernfrei durch die ersten beiden Semester Mathematik huschen - viele meiner Kollegen aus Bayern und der Schweiz haben dort richtig ranklotzen müssen. In NRW ist, die richtige Schule vorausgesetzt, das Abitur eine Reifeprüfung und damit eine Holschuld. Wenn man will, bekommt man eine Top-Ausbildung. Wenn nicht, bekommt man einen Wisch mit 3er Schnitt, zugegeben... ;)

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22. Juli 2008 00:34

Die Folgen sind bereits absehbar

Klaus-Peter Menzing (theblueyonder)

Der Weg, der da angeblich eingeschlagen werden soll, ist doch ganz klar : Die Erschaffer des "Turbo-Abiturs" sehen langsam ein, daß der bisherige qualitativ anspruchsvolle Lehrstoff nicht zu schaffen ist und Abstriche gemacht werden müssen. Zusammen mit den Aufnahmeprüfungen an Universitäten und Studiengebühren ist der Weg doch bereits vorgezeichnet : Die Bildung legt der Staat (wir alle !!!) zurück in die Verantwortung der Eltern. Wer es sich in Zukunft leisten kann, schickt seine Kinder auf eine Privatschule oder Internat oder in eine außerschulische kostenpflichtige Zusatzschule, in der der verlorene Lehrstoff nachgeholt wird, der für die Aufnahmeprüfung notwendig ist. Wer kann, setzt sich mit seinen Kindern nach der Schule selbst hin und bringt ihnen den erforderlichen Stoff bei. Das Abitur wird zur Aufnahmevoraussetzung einer Berufsausbildung degradiert, in einigen Jahren wird es durch einen angelsächsisch-amerikanischen Abschluss abgelöst - so wie unsere hervorragenden Studienabschlüsse an den Universitäten. Ins Hintertreffen geraten nur diejenigen, die zwar "helle Köpfe" sind, aber eben nicht über das nötige Kleingeld verfügen. Na, Hauptsache man hält das Volk dumm, dann lässt es sich leichter regieren !

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21. Juli 2008 22:41

Vorbildliches Hamburg

Stefan Pohl (friedrich_leipzig)

Ach, daß die Schüler doch überall Kaffeemaschinenbedienungsanleitungen lesen dürften! In Sachsen — und sicherlich nicht nur dort — müssen Gymnasiasten im Rahmen des rabiaten deutschen Schulzwanges pornographische Bücher lesen. Familien, die sich unter dem Eindruck solcher Beispiele in Deutschland zum Heimunterricht entschließen, werden auseinandergerissen, indem entweder die Eltern ins Gefängnis gesteckt werden oder die Kinder ins Heim (es gibt dieser Tage ganz aktuelle Beispiele für beides). Unter solchen Bedingungen muß man fast dankbar sein, wenn nur Kaffeemaschinenbedienungsanleitungen gelesen werden. Das nutzt zwar wenig, richtet aber auch nicht viel Schaden an. Und so, wie Bedienungsanleitungen heutzutage beschaffen sind, kann man nicht einmal sagen, daß dies eine bequeme Sache wäre. Je nach konkretem Fall wird hier wenigstens entweder das verstehende Lesen kruder Alltagsprosa oder das Verständnis für Realsatire gefördert. Ist das nichts?

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21. Juli 2008 22:25

Die CDU und die Bildung

Wolfgang Polleichtner (maxreger)

Was kann man schon von einem CDU-Landesverband erwarten, der erst großartig Wahlkampf mit dem Gymnasium macht, und dann sein Geschwätz von gestern bei den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen gründlich vergisst. So wie der bayerische Ministerpräsident Stoiber vor den letzten Landtagswahl in Bayern das neunjährige Gymnasium noch für unantastbar, dann aber in der ersten Regierungserklärung nach der Wahl für zwingend überflüssig hielt. Aber die Politiker folgen doch nur einer Maxime, die der Wähler ausgibt: Auf's Gymnasium dürfen nur die besten Köpfe --- und mein Kind. Niveau ist da außerhalb jeder Diskussion; ja es ist sogar hinderlich.

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21. Juli 2008 22:21

Amüsant zu sehen, daß

Chi Tamago (tamago)

in naher Zukunft oder eventuell schon heute japanische Studenten in Japan mehr über die deutsche klassische Literatur wissen werden als ihre deutsche Kommilitonen in Deutschland. Wenn die Bundesländer, wie z.B. Hamburg, dieses „bildungsferne Abitur“ ansteben, sollten sie konsequenter Weise auch die Bedeutung des Gymnasialabschlusses als allgemeine Hochschulreife (Abitur) an den Status in anderen Ländern wie Japan, UK und USA anpassen. 12 Jahre Schule dort bedeutet garnichts. Erst die bestandene Aufnahmeprüfung an der ausgewählten Uni bescheinigt die „Hochschulreife“ (Studierfähigkeit). Schüler und Eltern würden umgehend mit Nachdruck die Unterrichtung in klassischer Literatur fordern.

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21. Juli 2008 22:15

Deutsch wird überbewertet

Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

Das Lesen von Klassikern sollte man taxifahrenden Germanistikstudenten überlassen, den heutigen Oberstufenschülern stünde ein Wirtschaftspflichtfach BWL o.ä. viel besser als diese pseudointelektuelle Bildungshuberei um Faus und co.

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21. Juli 2008 22:08

... pisa für pauker.

Olaf Trunschke (amokwriter)

... was ist an faust schwer zu verstehen? wieso ist bildung maloche? - wer als lehrender nicht vermitteln kann, das macbeth im münchener mafia-milieu vor einer mcdonalds-kulisse spielt, der sollte nach pisa pilgern und sich vom schiefen turm stürzen!

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21. Juli 2008 21:32

selbsternannte Bildungsbürger

Gerd Lehmann (Gerd_L)

Wenn ich so einige Kommentare lese, dann fällt mir nen Spruch meiner 85j Oma ein: "Vornehm geht die Welt zu Grunde" ... da is was dran :)

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21. Juli 2008 20:29

Ic h bin schockiert

Thomas Spaniel (Echnaton1970)

Einer der Vor-Poster hier brachte ja schon das Zitat aus der Feuerzangenbowle (sinngemaess, Medizin muss bitter schmecken, sonst taugt sie nichts). Ich moechte ergaenzen: seit wann muss Bildungserwerb leicht sein/ leicht gemacht werden? Seit wann passt sich der Erwerb von Bildung dem Niveau/ den Wuenschen der Auszubildenden an? Bildungserwerb ist geistige Schwerstarbeit!! Kein junger Mensch (und das sind die Abiturienten ja alle durchweg) kann mit seinen wenigen Lenzen tatsaechlich beurteilen, was er im spaeteren Leben einmal brauchen wird und kann und was nicht. Fuer meinen Teil war der Goethe'sche Faust eine Offenbarung (OK, der II-er ist nur was fuer Goetter und Unsterbliche :-)), und ich habe mit Genuss die Fontane'sche "Effi Briest" gelesen, weniger des Inhalts, sondern der ausformulierten Sprache wegen. Ich habe nie wieder einen Autor gelesen, der auf so vielen Seiten ein z. B. Anwesen so beschreibt, als liefe man selbst da herum. Und auch die (A.) Zweig'sche "Erziehung vor Verdun" hat z. B. dazu gefuehrt, dass ich mir diesen Platz der Weltgeschichte zusammen mit meiner ganzen Familie persoenlich angesehen habe, ohne Lektuere des o.g. Werkes haette ich es vielleicht nie getan, aber das ist ein "...weites Feld" ...

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21. Juli 2008 20:12

Selbstverständlich ist Faust schwer zu verstehen

Torsten Klier (TorstenKlier)

und Hamlet auch. Trotzdem bin ich froh, damals mit der Nase draufgestoßen worden zu sein. Denn so blieb (ohne das ich das im Einzelnen beschreiben könnte) eben was hängen, was mir später Grund war die Werke doch zu lesen. Es stimmt schon, die Klasse der Klassiker ist erst im Licht der Lebenserfahrung sichtbar, die (woher auch?) der Teenager naturgemäß nicht hat. Aber ohne den Anstoß durch die Schule wird es gleich gar nichts. Und wer angesichts der allgemeinen Verwahrlosung immer noch behauptet, Menschen könnten ohne Kultur leben und es gäbe eine Kultur ohne Kanon, „dem haben wir nichts zu sagen“ (wenn ich mal Brecht zitieren darf).

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21. Juli 2008 19:19

Kirche im Dorf lassen !

Volker Rast (VolkerR1)

Meine eigene Schulzeit ist schon fast 20 Jahre vorüber. Trotzdem eine kurze Einschätzung zum Sinn und Unsinn von "Klassikern": Schon Mittelstufenschüler mit Brecht, Schiller o.ä. zu nerven, geht an der Erfahrungs- und Lebenswelt von jungen Teenagern total vorbei. Hier sollte es eher Ziel sein, eine solide Rechtschreibung, Grammatik und schriftliche / mündliche Ausdrucksweise zu vermitteln. In der Oberstufe mag das anders sein, vor allem im Leistungskurs Deutsch. Aber auch hier finde ich es amüsant, wenn der Abiturient "Die Räuber" und "Faust" rezitieren kann, aber nicht weiß, was ein Tagesgeldkonto bzw. eine Haftpflichtversicherung ist (mir ging es genauso). Vielleicht macht statt eines Klassikers ja auch ein Rhetorikkurs bzw. das Erlernen von Diskussions- und Präsentationstechniken Sinn. Hier sind Schüler / Studenten aus dem angelsächsischen Raum meilenweit voraus.

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21. Juli 2008 19:15

Ich war da immer skeptisch

Robert Schrey (etiterum)

Ich habe mich immer gefragt, wieso Bücher gelesen wurden, die weder den Lehrer noch die Schüler irgendwie interessierten. Heute weiss ich, dass das Einübung von Konsumverhalten war.

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21. Juli 2008 18:31

Hamburgs weg ist auch nicht der beste

Robert Bleyl (Wasserleiche88)

An alle Kommentatoren, die meinen Beitrag auseinandergenommen hatten: Mit "Klassikern" meinte ich solche Werke wie die von Goehte und Schiller, also solche, die Jahrhunderte alt sind und nicht etwa aus dem 20. Jahrhundert. Da hatte ich mich wohl etwas ungenau ausgedrückt. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man spezial Faust aus dem Unterricht streichen kann, da dieses Werk extrem schwer zu lesen geschweige denn zu verstehen ist. Auch andere Werke aus vergangenen Jahrhunderten sind einerseits schwer zu verstehen, geben aber andereseits aber auch eine Kultur/Gesellschaft wieder, die heute nicht mehr existiert. Dabei sei zb. die Rolle der Frau und die Rang-Gesellschaft angedeutet. Natürlich argumentieren gleich welche, die Geschlechter-Gleichheit sei immernoch nicht vollkommen hergestellt und es gibt immernoch Klassen in der Gesellschaft. Es ist doch aber ersichtlich, dass der Zustand heute dem Zustand vom 19. Jahrhundert weit voraus ist. Ja natürlich kann man wissen, dass es damals anders war und wie es anders war, aber dafür muss man keine "Weltliteratur" lesen müssen, wo man sich im Unterreicht und in Klausuren die Zähne ausbeißt. Das kann man doch sicher auch an effektiver und vorallem schneller vermitteln.

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21. Juli 2008 18:06

Deutsch - wozu??

Klaus Steffen (krs)

Eigentlich doch schön so. Ist es doch schon heute für die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen sehr schwer, sich dank mühevoller Vorarbeit der letzten zwanzig Jahre, verständlich auszudrücken. Wozu also überhaupt noch Deutsch? Ist doch eh nur ein alter Zopf, welchem in Wahrheit nur die Witschaft hierzulande noch anhängt. Und für komplizierte Texte gibt es ja die Juristen. Das normale Lallen und Blubbern, vermischt mit einer gehörigen Portion Denglisch reicht völlig aus, um sich beim Bäcker ein Brötchen zu ordern. Und schon nimmt man am gesellschaftlichen kulturellen Leben teil. Wenn ich nicht so faul wäre, dann könnte das motivieren, mal eben noch schnell das Abitur (in Hamburg) zu machen.

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21. Juli 2008 17:05

Freiheit für die Lehrer

Owe Jessen (owe.jessen)

Das Ziel wurde im Text doch beschrieben: Die Lehrer bekommen mehr Autonomie, die Texte herauszusuchen, mit denen sie ihre Schüler begeistern können - also im Zweifel die Texte, von denen sie selbst begeistert sind. Wer dann mit Tuchoslky mehr anfangen kann als mit Goethe, wird dann wohl eher dort den Schwerpunkt legen, und muss sich dann nicht mehr rechtfertigen, er käme nicht mit dem Lehrplan hin. In meinem Deutschkurs hingegen war Faust einer der Höhepunkte, weil der Lehrer es verstanden hat, uns Schüler für Sprache und Inhalte Goethes zu begeistern.

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21. Juli 2008 16:45

@ Robert Bleyl

Franz-Josef Wilde (drfjwilde)

Lieber Kommentarschreiber, ich bin mir ja nicht sicher, ob Sie in Ihrer Überschrift Stilmittel zum Schreiben von Kommentaren - bewußte Falschschreibung - eingesetzt haben. Allerdings ist der Name "Goethe" richtig geschrieben und nicht etwa "Göte"- käme ja auch hin. Also drei Fehler in so einer kurzen Zeile zu generieren das hat schon was und das läßt einen doch kritischen Blick auf Ihre weiteren Ausührungen zu. Wenn Unterricht dazu verkommt, dass wir unseren Kindern nur noch das vermitteln, was aktuell und beliebt ist, dann verlieren wir das, was uns bisher ausgemacht hat. Und wir sind auf dem besten Wege dahin. Ich empfehle die Lektüre "Generation Doof" - die vielen Beispiele sind leider keine selektive Wahrnehmung. Das auch noch politisch induzierte weitere Ausbremsen einer umfassenden Bildungsvermittlung wird schon ihre Spuren hinterlassen. Ausbaden muss das die zukünftige Gesellschaft.

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21. Juli 2008 16:42

Das vereinfacht die Qual der Wahl der Ausbilder

H. Gebhardt (hgebhardt)

Wenn sich dann in Zukunft Abiturienten um einen Job oder einen Ausbildungsplatz bewerben fragt man als Arbeitgeber am besten klassisches Wissen ab. Dann ist man sicher, dass man eine herausragende KandidatIn vor sich hat, der/die an Klassikern dermassen interessiert ist, dass sie/er sie schon auch selbst mal in der Freizeit ausprobiert hat, mit freundlicher Unterstützung der Eltern.

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21. Juli 2008 16:42

@menelas

Micro Chiroptera (chirp)

das hört sich fast so an, als wäre ihr hauptsächliches Argument für das Lesen von Klassikern in der Oberstufe, dass damit eine noch höhere Qualifikation für den Arbeitsmarkt erreicht werden kann. Frei nach dem Motto: Ja, ich hab mich mit 16 durch den Faust gequält, und wenn ich in einem Vorstellungsgespräch Schiller zitiere kommt das bestimmt gut! Sollte es uns darum gehen, wenn Schülern solche Bildungsinhalte näher gebracht werden? Der Erwerb von Bildung mag eine Leistung sein, aber in erster Linie bedeutet es Charakterbildung, Verstehen-Lernen. Das jemanden beizubringen, der nicht von selbst will, ist pädagogisch eine extrem schwierige Aufgabe und wohl kaum zu bewältigen wenn man pro Klassiker vielleicht 8 Stunden zur Verfügung hat und da noch sämtliche Stilmittel und Vorwissen dazu durchnehmen muss. Da entsteht bei kaum jemand wirkliches Verständnis für das, was in diesen Texten tatsächlich verhandelt wird, geschweige denn dass man an den Punkt kommt, eigene Gedanken dazu zu entwickeln. Das geht nun mal einfacher mit Brecht oder Frisch, auch ganz neue Sachen sollten da nicht ausgeschlossen werden. Und dann gibt es da hoffentlich ein Aha-Erlebnis und man merkt, was hier überhaupt passiert zwischen den Zeilen.

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21. Juli 2008 16:37

Was machen dann die Schüler/innen im Deutschunterricht?

Peter Henche (roterturm)

Deutschunterricht - ohne Klassiker? Was machen die denn dann in Deutsch? Um es auf den Punkt zu bringen. Das ist ein Armutszeugnis - für die Lehrer/innen. Offensichtlicht sind diese dann nicht in der Lage, die Unterricht mit den Klassiker so zu gestalten, dass der Unterricht spanndend ist. Wir haben in Deutsch vor allem Berthold Brecht gelesen. Das war kein Klassiker, aber auch furchtbar langweilig. Mit dem "Fänger im Roggen" war es auch nicht viel besser. Die Klassiker habe ich nach der Schulzeit gelesen, ohne die Kommentare unserer Lehrerin. War sicherlich spannender. Aber, Hand aufs Herz. Die Sprache der Klassiker mag etwas ätzend sein - aber die moderne Litaratur ist auf keinen Fall besser. Und durch den Wechsel der Lektüre wird der Unterricht auch nicht besser. Der Kernpunkt ist doch: kann der Lehrer, die Lehrerin etwas vermitteln. Ist der Lehrer, die Lehrerin in der Lage, ein Thema für die Schüler zu erschließen, dass diese nicht gleich einschlafen. Ich Deutsch habe ich nur geschlafen, da der Unterricht so spannend war. Das linke Gesülze meiner Lehrerin ging mir nur auf den Keks. Für den Unterricht hätte ich ein Kissen gebraucht, dann wäre es bequem gewesen. Wir brauchen neue Lehrer, keine neuen Lehrpläne!

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21. Juli 2008 16:29

Freiheit und Beliebigkeit

Jürgen Lamprecht (j.lamprecht)

scheint der Hamburger Senat zu verwechseln. Die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung verschließt sich mir. Vor allem zwei Konsequenzen kann ich erkennen. 1. Das vorhandene Nord-Süd-Gefälle beim Abitur wird verstärkt. 2. Manche Eltern werden die Klassiker mit ihren Kindern selbst lesen, andere nicht. Die erste Gruppe ist (erneut) im Vorteil. Es ist ein Irrglaube, daß Bildung durch Titel vermittelt wird. Bildung ist Wissen und Haltung. Je nach späterer beruflicher Neigung kann die Unkenntnis der Klassiker ein Stolperstein sein, der den sozialen Aufstieg verhindert. Eine Lösung für derartigen bildungspolitischen Humbug ist nach meiner Einschätzung die Einführung der Freiheit für die Universitäten, sich ihre Studenten selbst auszusuchen. Die Hamburger Eltern würden Ihren Politikern was husten, wenn ihre Kinder nur noch realistische Aussischten auf einen Studienplatz in Hamburg oder Bremen hätten.

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21. Juli 2008 16:28

Bleyl

Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)

Weltliteratur spiegelt nicht eine Kultur wieder, sondern zum einen ist Sie Bestandteil der jeweiligen Kultur (und auch anderer Kulturen) zum anderen zeigt sie die Werte auf! Goethe mit z.B. Werther:Unerträgliche unglückliche Liebe bzw. Liebeskummer (was ist daran veraltet?;haben heutige jugendliche keinen Liebskummer mehr?) mit Faust: und der zwanghafte Wunsch zu erfahren woher wir kommen und wohin wir gehen mit den daraus resultierenden Konflikten? (Gentechnik:Ja/Nein? Landwirtschaft Masse(kein Hunger) Qualität=keine Umweltschäden; was ist daran nicht aktuell?) Schiller/Lessing:Freiheit für jedermann, was ist daran nicht aktuell? Georg Büchner:Dantons Tod:Die Revolution frisst ihre Kinder (was ist daran nicht aktuell? E.M.Remarque: Im Westen nichts Neues:Der Schrecken und die Desillusion von Krieg nach Kriegsbegeisterung und der Meinung auf der richtigen Seite zu stehen!Was ist daran nicht aktuell? Brecht:Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin, dann kommt der Krieg nämlich zu Dir!(Das lernt man natürlich nicht bei sozialistischen Kuschelpädagogen) so geht es Weiter Herr Bleyl Wer nicht sehen will,sieht eben nicht. Der braucht aber auch nicht auf Kosten der Allgemeinheit auf dem Gymnasium rumlungern!

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21. Juli 2008 16:19

Verkehrte Welt

Felix Hartmann (felixhartmann)

Wer hätte das gedacht - wir brauchen die SPD, um den Deutschunterricht nicht vollends auf Gebrauchsanweisungs-Niveau absinken zu lassen. Welche Folgen es hat, wenn man Goethe & Co. vom Thron "stöhst", lässt sich anschaulich dem Beitrag von Herrn Bleyl entnehmen.

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21. Juli 2008 16:15

...

David Weinmann (Terratex)

Ich habe mein Abitur vor 3 Monaten zum Überthema Recht und Gerechtigkeit geschrieben. Die passenden Lektüren dazu waren Die Räuber, Michael Kohlhaaß und Kafkas Proceß. Dank meines überaus engagierten Deutschlehres haben wir aber zusätzlich noch Szpilmans Pianist, sowie Faust I, und Faust II auszugsweise behandelt. Missen möchte ich davon nichts! Bei uns in BaWü gibt es halt sowohl für Deutsch als Mathe nur den Leistungskurs....

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21. Juli 2008 16:15

@Pamberg und Bleil

Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)

Ob auf dem Gymnasium im 21. Jahrhundert=2008 der komplett gleiche Literaturkanon wie z.b. 1957 unterrichtet werden muss,ist natürlich sehr zu bezweifeln,kommt doch auch heute noch permanent Weltliteratur(auch deutsche hinzu)das mal vorab.Jedoch ist der Einschnitt der im Artikel geschildert wird wesentlich tiefgehender.Es geht eben nicht um die Debatte z.B. einen Lessing durch Grass,Walser etc.zu ersetzen,sondern darum,dass eben auch ein Grass/Walser etc. nicht mehr gelesen wird.Es soll gar keine Literatur mehr gelesen werden.Und was die Behauptung angeht,die Schwerpunkte lägen ja bei Mathe und Fremdsprachen:Die Traurige Wahrheit ist doch,dass die grosse Mehrheit Jahrzehnte ihre ALLGEMEINE Hochschulreife erworben hat 1.mit Leistungskurs-kombinationen wie z.B. Biologie/Deutsch(eben weil Mathe, Physik/Chemie auch schon "zu schwer"waren!)3.&4. Prüfungsfach waren dann Fächer wie Sport oder Gemeinschaftskunde. Durch das "tolle" Leistungskurssystem konnten fast alle Problemfächer abgewählt werden,Deutsch wird jetzt kastriert!.Was das mit Allgemeinbldung zu tun haben soll,ist mir Schleierhaft.Wer von den heutigen Abiturienten hat denn z-B. aus Mathe,Physik,Deutsch,Englisch(Französisch,spanisch),Chemie seine 4 Prüfungsfächer gewählt?

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21. Juli 2008 15:57

@Häusler

Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)

Na das ist ja ein tolles Argument, zu sagen in NRW wurde das scho nseit zig Jahren so gehandhabt bzw. war das Gymnasium schon seit über 20 Jahren niveaulos. Was ja auch unbestreitbar stimmt. In NRW konnte mein sein Abitur ja auch mit Laubsägearbeiten erwerben. Auch Real-und Hauptschulabschluss waren schon damals auf einem Niveau, dass man nicht einmal in 3.Weltländern erwartet hätte. Gleiches galt auch schon vor 20 Jahren für die Berufsschule. Und bevor der Sturm der Entrüstung losbricht: 1. Ich kenne viele Abiturienten der damaligen Zeit und Ihre Prüfungsaufgaben, 2. ich kenne Prüfungsaufgaben sowohl der IHK als auch der Besrufsschule für Tischler aus dieser Zeit 3. Nein ich komme nicht aus B. oder B-W. Es war ja auch Jahrzehnte nicht mehr nötig, gab ja Jobgarantien durch dauersubventionierten Bergbau. Untertage braucht man wirklich kein Literaturverständnis, geschweige denn Mathematik, Physik oder Chemie... Ja ich weiss, Bergbau ist eine Wissenschaft und sehr kompliziert/schwierig, Hut ab wer sich dort spezialisiert hat bzw. entsprechende Hochschulen absolviert hat. Mir geht es aber um die zig Millionen die eben nicht auf Bergbauschulen/Universitäten waren und nicht um die einsamen Lichter im grossen Dunkel.

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21. Juli 2008 15:56

Was machen dann die Schüler/innen im Deutschunterricht?

Peter Henche (roterturm)

Deutschunterricht - ohne Klassiker? Was machen die denn dann in Deutsch? Um es auf den Punkt zu bringen. Das ist ein Armutszeugnis - für die Lehrer/innen. Offensichtlicht sind diese dann nicht in der Lage, die Unterricht mit den Klassiker so zu gestalten, dass der Unterricht spanndend ist. Wir haben in Deutsch vor allem Berthold Brecht gelesen. Das war kein Klassiker, aber auch furchtbar langweilig. Mit dem "Fänger im Roggen" war es auch nicht viel besser. Die Klassiker habe ich nach der Schulzeit gelesen, ohne die Kommentare unserer Lehrerin. War sicherlich spannender. Aber, Hand aufs Herz. Die Sprache der Klassiker mag etwas ätzend sein - aber die moderne Litaratur ist auf keinen Fall besser. Und durch den Wechsel der Lektüre wird der Unterricht auch nicht besser. Der Kernpunkt ist doch: kann der Lehrer, die Lehrerin etwas vermitteln. Ist der Lehrer, die Lehrerin in der Lage, ein Thema für die Schüler zu erschließen, dass diese nicht gleich einschlafen. Ich Deutsch habe ich nur geschlafen, da der Unterricht so spannend war. Das linke Gesülze meiner Lehrerin ging mir nur auf den Keks. Für den Unterricht hätte ich ein Kissen gebraucht, dann wäre es bequem gewesen. Wir brauchen neue Lehrer, keine neuen Lehrpläne!

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21. Juli 2008 15:50

Wählerzucht

Steve Lutzmann (TomderAffe)

So züchtet man doch den Wähler den man haben will. Unfähig zum historischen Vergleich/Analyse, unfähig zur Kritik. Der Ideale Nährboden für Demagogen aller Art. An Deutschland wundert mich inzwischen gar nichts mehr.

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21. Juli 2008 15:21

Es wird doch immer schlimmer

Chris Pamberg (menelas)

Ich schliesse mich meinem Vorredner an. Es wird doch mittlerweile jede Aktivität die nicht völlig stupide ist als tolle Leistung gefeiert. Aber wenn unser kulturelles Leben so reduziert wird dann kann einem Angst und Bange werden. Dass man mit 17,18 nicht völlig begeistert ist, Goethe zu lesen, das kommt vor. Aber Mathe mag auch nicht jeder und trotzdem schafft keiner es ab. Zitat aus "die Feuerzangenbowle":"mit der Schule sit wie mit der Medizin, sie muss bitter schmecken sonst nützt sie nichts". Etwas übertrieben, ja, aber nicht unwahr. Denn demnächst wird ja nur noch unterrichtet was Kinder und Jugendliche sich selbst beibringen können (siehe Vorredner) oder was die Eltern hätten übernehmen sollen. Dies aus dem Grund weil alles zu konservativ sei und die Jugendlichen sich nicht damit identifizieren?! Das ist doch total egal! Jeder 25 Jährige ist im nachhinein doch dankbar alle grossen Klassiker einmal gelesen zu haben. Denn wenn man nach oben (da wo einem der Kaffee GEBRACHT wird, und dies soll doch jedem Bürger offen stehen wie z. B jemand mit den Voraussetzungen von Gehard Schröder) will und dort mitreden, dann braucht man keine Kaffee-Anleitungs Kenntnisse und keine Jugendsprache sondern klassische Allgemeinbildung !!!!!!

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21. Juli 2008 15:19

Endlich stöhst jemand Goethe und co. vom Thron

Robert Bleyl (Wasserleiche88)

Ich finde es klasse, dass sich endlich mal jemand dazu entscheidet, diese ganzen "Klassiker" der Literatur aus dem Unterricht nehmen zu dürfen. Was bringt einem dieses Wissen heutzutage? Die Werte, die diese Bücher vermitteln, kann man heute doch auf viel einfachere Weise vermitteln, als es diese Uralt-Schinken vermochten. Viele quälen sich doch in der Oberstufe im Deutsch-Grundkurs, nur um sich danach auf wichtigere Sachen wie Englisch oder Mathe zu konzentrieren, da diese erstens interessanter bzw. wichtiger fürs heutige Leben sind. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es heute noch von Bedeutung für die Masse sein kann, einen Text zu lesen, der vor Stilmitteln nur so überquillt und eine Kultur widerspiegelt, die Jahrhunderte alt ist.

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21. Juli 2008 15:02

Und? Sollen doch die Lehrer Bücher aussuchen, die den Kindern näher stehen.

Ralf Becker (mfoe)

Allemal besser als Effi Briest, für die Elftklässler nicht mal annähernd reif genug sind, und die 90% der Klasse völlig am Allerwertesten vorbei geht. Wer an Klassikern interessiert ist, wird sie schon auch selbst mal in der Freizeit ausprobieren, mit freundlicher Unterstützung der Eltern. Sollen die Kinder doch Capote, Kafka, Dürrenmatt, Palahniuk, Roth, sprich: moderne Literatur in moderner Sprache im mordernen Kontext lesen. Welchen Nutzen soll es bitte haben, sich durch das altertümliche, oft schwer verständliche Deutsch der Klassiker zu quälen?

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21. Juli 2008 14:58

Anderswo genauso

Martin Haeusler (emhaeu)

Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor weiß, was im Deutschunterricht auch in anderen Bundesländern schon seit langem der Normalfall ist (der Normalfall steht natürlich nicht in den Richtlinien, die kaum jemand liest, gemeint ist die übliche Praxis). Ich war 25 Jahre in NRW an einem Gymnasium im Deutschunterricht der Oberstufe eingesetzt, da wurden in drei Jahren von nahezu allen Kollegen in den Grundkursen vier Werke gelesen, davon nur eines aus der Zeit um 1800, meist der "Werther", dann vielleicht noch der "Woycek", "Homo Faber" und was von Brecht, und schon war der literarische Kanon abgeschlossen. Da braucht man nicht erst nach Hamburg zu wecheln.

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21. Juli 2008 14:11

Employability

Matthias Rüttgen (MRuettgen)

Die gesamte Logik der jüngeren Veränderungen an Schulen und Hochschulen läuft darauf hinaus, dass die Abiturienten und Absolventen fit für den Arbeitsmarkt sein sollen. Dazu wird ihnen beigebracht, was der Stand der Dinge in berufsbefähigenden Kompetenzen ist. Wichtig sind Schreiben, Lesen, Rechnen auf einem gewissen Mindestniveau. Leider aber übersieht diese Politik, dass nur ein Überschuss an Wissen und Kompetenz Innovation und Zukunft schafft. Deutschland arbeitet daran, durch punktuelles Vermitteln von Minimalbefähigungen jede Kreativität zu ersticken. Statt jungen Menschen Angebote zum Denken und Entwickeln zu geben (und dazu gehört auch die Literatur), werden ihnen stupide Übungen abverlangt. Wie will ein Land die Zukunft meistern, wenn es sich nur Menschen heranbildet, die nichts anderes als schreiben, lesen und rechnen können, aber keine experimentellen Ideen niederschreiben, keine Texte kritisch beurteilen und keine mathematischen Formeln entwickeln können?

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21. Juli 2008 12:35

klassiker

Micro Chiroptera (chirp)

Wenn man ehrlich ist, ist es aber tatsächlich ziemlich schwierig, bei den Kindern mit Goethe oder Schiller ein Interesse an Literatur und Kultur zu wecken. Man braucht nur die Namen erwähnen oder einen Satz lesen lassen, schon beginnt das große Gähnen und anderweitig Beschäftigen. Das bringt so auch nichts. Und Tatsache ist es gibt sehr viel Literatur, mit denen die Kinder sehr viel mehr anfangen können, und wenn sie dann einmal angebissen haben, gesehen haben, was Literatur für ihr eigenes Leben sein kann, dann werden sie vielleicht irgendwann dahin kommen, auch die Klassiker zu lesen. Aber ganz ehrlich, die meisten sind in dem Alter noch nicht so weit, das ist doch meistens nur ein Auswendiglernen von Interpretationen oder Zerfetzen von Aussagen ohne wirkliches Verständnis. Für mich wäre das wichtigste, dass die Schüler überhaupt merken, was Bücher ihnen geben können, und da brauchen die Lehrer einfach mehr Freiheit um die Schüler da abholen zu können, wo sie stehen. Sonst läuft das nämlich komplett an der Realität vorbei.

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21. Juli 2008 11:59

Überflüssiger Artikel oder überflüssige Rubrik?

Michael Iderhoff (idf48)

Seit einigen Monaten bin ich (mal wieder) Abonnent der FAZ und sehr zufrieden mit dem Informationsangebot. Diesen Artikel fginde ich allerdings nicht informativ, arrogant und in der Tendenz unklar - falls er eine Meinung wiedergeben soll. Mich stören auch besonders folgende Formulierungen: "Alsterente mit gestreifter Bluse ...", "Multikulti-Metrosexuelle", "elende Armutsjugend im Problemviertel Mümmelmannsberg". Was möchte der Autor eigentlich kennzeichnen? Sollte ihm daran gelegen gewesen sein, Standards im Hamburger Abitur einzufordern, hat er diesem Ziel einen Bärendienst erwiesen. Michael Iderhoff

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21. Juli 2008 11:44

Unterm Rad

Calpo Salmrohr (calpo_salmrohr)

Als ob der Flurschaden, den die Kultusministerkonferenz in der jüngeren Vergangenheit angerichtet hat, noch nicht ausreichte. Aber wenn schon vor der geistigen Totalverwahrlosung kapitulieren, dann bitte richtig: Klingelton-Download im Musikunterricht, Nintendo zocken im Sportunterricht, die Taschenrechnerfunktion am Handy in Mathe. Es grenzt an Hohn, von einer "Teilhabe am kulturellen Leben" zu sprechen, wenn man selbiges sehenden Auges ausrottet. Gelungen finde ich hier den Header "Bildungsfernes Abitur".

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