Vielen Dank, Frau Göbel, für diesen objektiven Bericht, der sich so gar nicht als populistisch darstellt. Ich wusste es, als Polizeibeamter in Schleswig-Holstein verdiene ich schon so lange viel zu viel. Seit Anfang der 90er Jahre wurden wir gerechterweise nicht mehr mit einem vernünftigen Tarifabschluss bedacht. Dafür erhöhte sich die Wochenarbeitszeit auf 41 Stunden (Dank nochmals hier an Frau Simonis und ihrer ganz eigenen Machtvollkommenheit).
Frau Göbel, was halten sie davon am Wochenende einmal bei uns Dienst zu machen? Wer will zu der Zeit schon gerne etwas mit seinen Kindern unternehmen?
Sie sind herzlich eingeladen.
Eine Bekannte von mir hat notgedrungen in den letzten Tagen einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma annehmen müssen. Sie wurde als Verkaussachbearbeiterin (International) eingestellt, wozu folgende Anforderungen nötig waren: Englisch in Wort und Schrift, SAP R/3, die ganze Office Paltte und entsprechende Berufserfahrung. Ihr Stundenlohn: 8,80 Euro. Von ihrer Jobsicherheit (zunächst 10 Monate Einsatzgarantie) ganz zu schweigen. Für diesen Lohn würde im ÖD kein Mensch aufstehen, da dort die Müllwerker schon mehr verdienen.
@Gisbert: Sie haben nicht Unrecht, aber unerträglicher empfinde ich es, dass all jene „Offiziere des Kapitals“ (Marx), die uns jetzt während der Streikvorbereitungen das Leben schwer machen, Druck auf die Kollegen ausüben, die streikwillig sind etc.p.p., dann auch noch in den Genuss der durch Arbeitskampfmaßnahmen erst zustande gekommen sein werdenden Lohnerhöhung (und die durch einen erfolgreichen Streik hoffentlich auch kassierte Arbeitszeitverlängerung) kommen. Das sind die unangenehmsten Trittbrettfahrer eines Arbeitskampfes im Öffentlichen Dienst, nämlich eines solchen, den sie mit allen Mitteln zu unterdrücken gesucht hatten! – Wir kämpfen nämlich für unsere Bosse gleich mit!
Ihr Kommentar beleidigt jeden, der sich für diesen Staat und seine Gesellschaft einsetzt.
Leider haben Sie die vielen Jahre vergessen, in denen es im öffentlichen Dienst Steigerung deutlich unter denen der übrigen Tariflandschaft gab. Mit den „satten Einmalzahlungen“ der vergangenen Jahre war "lediglich" die Erhöhung der Wochenarbeitszeit verbunden. Ihre Warnung vor der Belastung der Steuerzahler klingt wie Hohn, wenn man die Unterstützung der durch unfähige Manager in Not geratene IKB Bank betrachtet.
Im öffentlichen Dienst – und dazu zählt auch die Gewährleistung der inneren und äußeren Sicherheit, erbracht durch Polizei und Bundeswehr – wird Leistung erbracht. Mancher musste dafür im Dienst mit seinem Leben bezahlen.
Der Steuerzahler wird laut Recherche des ZDF sechs Milliarden EURO für nicht erbrachte Leistungen bei der IKB bezahlen – vielleicht schaffen Sie es dazu einen entschuldigenden Kommentar zu schreiben……..
Rechnen Sie doch einfach mal aus und schreiben es dann bitte in einem Nachtrag zu Ihrem Kommentar, wieviel der Fiskus via Steuern (verstärkt noch durch die Steuerprogression!) von der Lohnerhöhung gleich wieder einkassiert. Und die Sozialsysteme sind auch mit von der Partie.
Doch davon hört und liest man nichts, auch nicht von den tumben Gewerkschaften.
wie gut der ÖD sein soll, Herr Ackermann, sollten wir erst mal eingrenzen was überhaupt dazu gehören soll. Das ist doch die Crux.
Bestreitet doch niemand, dass wir Polizisten, Feuerwehrmänner, Ärzte und Krankenschwestern brauchen. Und das die gut sein sollen, darüber müssen wir nicht diskutieren.
Aber die aufgeblähte Verwaltung, die Ämter deren Wegfall kein Mensch bemerken würde?
Jeder weiß was uns fehlte, wenn die oben aufgeführten Berufsgruppen streiken würden.
Wie wäre es, wenn sich spaßeshalber die Gleichstellungsbeauftragtin mit Trillerpfeife und Transparent vor´s Rathaus stellte,
„Gebt mir mehr Geld her, sonst stell ich nicht gleich mehr!“
@Ackermann:Gerade für den ÖD gilt,dass die Arbeit nicht von den Führungskräften gemacht und noch weniger verantwortet wird,sondern, wenn überhaupt von Führungskräften,dann von denen, die noch auf die Information und das Feedback aus der (sachbe-)arbeitenden Ebene angewiesen sind.Die „mittleren Führungskräfte“,Sie meinen damit vermutlich ab Abteilungsleiter,also ab A14,sind nicht so schlecht bezahlt,da sie oft Beamte sind,wenig Steuern und Sozialabgaben zahlen und einige Privilegien (versichert wie Private, Beihilfe berechtigt) und in der Tat einen sicheren Arbeitsplatz haben.Mit der Privatwirtschaft kann man sie schon deshalb nicht vergleichen,weil sie keine vergleichbare „persönliche Verantwortung“ übernehmen.Ich habe selten eine unfähige Führungskraft (was ist das überhaupt im ÖD?) gefeuert gesehen,dafür aber so manche befördert (einmal Führungskraft - immer Führungskraft) Hauptproblem scheint mir im ÖD die wachsende Einkommensspanne zwischen der sachbearbeitenden- und der Führungsebene,eben weil die Führungskräfte sich zunehmend an der Privatwirtschaft orientieren glauben zu dürfen,während die Sachbearbeiter von ihnen mit den dortigen Zuarbeitern verglichen werden! – D a s zerstört die Qualität der Arbeit!
Guten Abend,
ich hatte heute (mal wieder) ein erhellendes Erlebnis in der öffetlichen Verwaltung, diesmal bei der Gewerbeanmeldung. Fazit: wenn ich als Selbstständiger so arbeiten würde, wäre ich schon lange pleite.
Richtig ist, dass verschiedene Positionen im ÖD deutlich unterbezahlt sind, Feuerwehr, Polizei, Jugendamt etc..
Richtig ist aber auch, dass dort keiner seinen Job verliert und niemand mal gerade in Bochum 2000 Stellen streicht, um in Rumänien weiter zu arbeiten. Diesen Faktor muss man abwägen.
Und man muss den Menschen in Deutschland endlich sagen, dass wir a) länger arbeiten müssen und b) unsere Ansprüche zurückschrauben müssen, wenn wir diesen Staat einigermaßen so erhalten wollen, wie er jetzt ist.
Die Mitarbeiter im ÖD sollten dabei mit gutem Beispiel bei sicheren Arbeitsplätzen vorangehen und nicht noch weiter an der Stuerschraube drehen.
Gruß
Georg Schütz
Gerade höre ich von einem gut bekannten Unternehmer, dass die mittleren Führungsebenen im öffentlichen Dienst finanziell erheblich zurückgeblieben seien. Das ist unbezweifelbar. Für die Einkommen, die im öffentlichen Dienst erreicht werden, kann man die "Schlechten" bekommen, denn die haben Angst um ihren Job und erwarten im öffentlichen Dienst Sicherheit. Die "Guten" aber bekommt man eher nicht. Die haben weniger Zukunftsangst, erhalten ausserhalb des öffentlichen Dienstes deutlich mehr Einkommen (plus Nebenleistung) und haben dort auch erheblich bessere Karrieremöglichkeiten.
Einen guten Staat bekommt man nicht zum Nulltarif. Wer im öffentlichen Dienst gute Leute haben will, der muss sie auch so bezahlen. Das gilt für alle Bereiche: für das Finanzamt, das Jugendamt, das Bauamt, die Polizisten, die Lehrer, die Richter, die Staatsanwälte, die Feuerwehr ...
Die leeren öffentlichen Kassen sind kein brauchbares Argument. Wenn der Staat die Steuern senkt oder Milliarden in strittige Projekte steckt, ist doch nicht das Problem der im öffentlichen Dienst Beschäftigten. Die Beschäftigten können nicht für die Fehler der Politik einstehen.
Sie sollten sich, bevor Sie einen solchen Artikel verfassen, eingehender informieren. Vom Schreibtisch aus werden Sie kaum einen Artikel verfassen können der den tatsächlichen Fakten im öffentlichen Dienst entsprecht.
Recherchieren Sie doch einmal bei der Polizei in FF oder bei der Feuerwehr. Erfragen Sie doch dort einmal wann zum letzten mal die Gehaltserhöhungen die allgemeinen Lebenshaltungskosten überschritten haben.
"...den Gewerkschaften - nicht zum ersten Mal - gelungen, den Preis für einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst ohne besonderen eigenen Aufwand vorzeitig und kräftig in die Höhe zu treiben...
Eine solche Aussage ist nicht nur schlicht unrichtig, sie zeugt auch von einer allgemeinen Unkenntnis der Sachlage.
Glauben Sie denn allen Ernstes, dass eine Krankenschwester im Nachtdienst, die sich bei Ihnen -hypothetisch- an Aids oder Hepatitis ansteckt, ausreichend bezahlt wird?
Das ein Polizist, der bei einer Verkehrskontrolle erschossen wird, ausreichend bezahlt wird?
Das ein Feuerwehrmann, der unter Einsatz seines Lebens ein Kind aus dem brennenden Haus rettet, ausreichend bezahlt wird?
Ihre Recherche sollte Anfang der 90er erfolgen, dann könnte sich ein lesenwerter und kein tendenziöser Artikel ergeben.
@Klier: „immer mehr Nichtarbeitende“, haben Sie da jemand bestimmtes im Auge, oder sagen Sie das einfach nur so auf Verdacht? An der Auswahl Ihrer Feindbilder („Integrationshelfer“, „Frauenbeauftragte“), nehme ich aber an, dass es Ihnen sowieso lieber wäre, wenn all die nicht arbeiten würden. - So wäre also der Wunsch der Vater Ihrer Gedanken, nicht wahr?
Wie der erste Kommentar korrekt ausführt, haben die Arbeitgeber bis zur Schlichtung +- kein „Angebot“ gemacht. In der Hoffnung auf die in dieser Lohnrunde bestehende Überzahl bei der Schlichtung (nur der „Arbeitgeber-Kandidat der Schlichter war stimmberechtigt) hat man kein Interesse gezeigt, ein verhandlungsfähiges Angebot zu machen. Die „Schlichtung“setzt diesen „Kurs“ minimal verändert fort. Das im simplen Blick des „Berichts“ lukrative Angebot lautet etwas differenzierter dargestellt wie folgt:
Angebot West: ab April 2008 4% mehr, gleichzeitige Verlängerung der Arbeitszeit um 0,5 auf 39,5 Wochenstunden. 0,5 Stunden = rd. 1,3% Mehrarbeit. Durch Zahlung ab April werden die „4%“ nur für 9 Monate gewährt, wirksam im ersten Jahr damit 9/12 von 4% = 3%. Abzüglich 1,3% längere Arbeitszeit
verbleiben 1,7%.
Angebot Ost: Ab August 4% mehr, bei 5 Monaten Laufzeit
verbleiben 1,66%.
Was in 2009 dann noch kommt liegt ebenfalls unter der Inflationsrate.
Die im Artikels dargestellte Sachlage ist somit aus meiner Sicht grober Unfug. Da ich der Autorin keinesfalls mangelnde Sachkenntnis vorwerfen möchte gehe ich davon aus, dass sie an einer objektiven Darstellung kein wirklich ausgeprägtes Interesse hatte.
Herr Schmidt. Auch die heldenhaften Jugendämter (siehe FAZ 17.03.08, Jugendämter - Wegnehmen ist das Einfachste), Gleichstellungsbeauftragtinnen, Ausländerbeauftragtinnen, Kinderbeauftragtinnen, Antidiskriminierungsbüros. Denken Sie nur wie schlimm das wäre, wenn unsere Politiker nicht mehr die steuerfinanzierten Rechtsextremismusexperten vorschicken könnten, sondern persönlich vor´m Volk Farbe bekennen müssten.
Nicht zu vergessen die Kinderheime, der sozialpsychiatrische Dienst, Frauenhäuser, deren interdisziplinären Kongresse und, ganz wichtig, die zentrale Informationsstelle autonomer Frauenhäuser.
Viele Ausländer in Deutschland wüssten gar nicht, dass sie zu einer diskriminierten Minderheit gehören, wenn die total wichtigen Integrationshelfer denen das nicht alltäglich einreden würden.
Herr Schmidt, dem Ottonormalverbraucher wird von seinem sauer verdienten Geld 55% abgeknöpft. Möglich, dass Sie das gut finden - ich halte das für eine Unverschämtheit.
Natürlich kann ein Staat nur funktionieren mit einem Staatsapparat, einem öffentlichen Dienst. Nur hat dieser bei uns schon lange das Feld seiner originären Aufgaben verlassen und ist verkommen zur Alimentierungsorganisation für immer mehr Nichtarbeitende.
Weg damit!
...Insofern könnte dies auch als Vorteil in dem weiteren Konflikt gelten, wenn in der Folge die Öffentlichkeit Stellung nimmt. Denn diese hat zwar großes Verständnis für eine gerechte Entlohnung, jedoch auch ein Gespür dafür, wenn die Last eben dieser Öffentlichkeit ausufert. Stellt sie doch die Mehrheit dar, die nun auch die Zeche bezahlen muss und dadurch der eigene Geldbeutel gelöchert wird.
„Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur, die ihre Spuren bald in den öffentlichen Einnahmen hinterlassen wird, ist auch dies ein nennenswertes und fiskalisch riskantes Entgegenkommen der Arbeitgeber.“ Hier wird schon mit der Krise argumentiert. Angesichts der Verantwortung des Kapitals für diese Krise (im Allgemeinen wie auch hier im Besonderen) ist das schon reichlich dreist. Und doch sollten wir das nicht überhören, in all diesem Getöse über Aufschwung etc. Der Rest ist Zahlenspiel und von ver.di ausreichend widerlegt. Unterm Strich glatter Lohnraub und somit die Fortsetzung der in den letzten mehr als 10 Jahren geübte Einsparungspolitik einseitig zu Lasten der Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst. Ich als betroffener Beschäftigter argumentiere daher genau umgekehrt: Gerade weil die Krise vermutlich unmittelbar bevorsteht, sollten wir noch einmal kräftig zulangen, denn die „7 mageren Jahre“ kündigen sich schon wieder an (zuvor waren es übrigens mehr als 18 Jahre!), und schließlich machen das die Banker nicht anders, nur ist ihre Beute fetter – erheblich fetter!