Der Ökonom Lujo Brentano sagte voraus, dass mit zunehmendem Wohlstand der Zeu...

Familienpolitik

Die Verstaatlichung der Kinder

Um 1900 bekamen Frauen in Deutschland durchschnittlich etwa fünf Kinder, heute sind es nur noch 1,3. Obwohl der Staat Milliarden für die Familienpolitik ausgibt, sinkt die Geburtenrate seit Jahrzehnten. Was sagen die Ökonomen dazu? Von Philip Plickert

Lesermeinungen zum Beitrag

13. Mai 2008 23:30

@Zufferey Marcel (Davos08) nicht der Pillenknick!!!

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

In Osteuropa ist die "Pille" zu teuer, hier haben wir besonders seit Einführung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung den gleichen Kindermangel! Es geht also mehr darum ob man Kinder w i l l . Der Staat mit seiner familienfeindlichen Steuerpolitik will sie nicht wirklich. Alles nur Lippenbekenntnisse. "Emanzipation" ist wichtiger, wovon auch immer.

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13. Mai 2008 22:53

Milchmädchenrechnung

Marc Anton Grasnitzer (marcantongrasnitzer)

"Die beste Familienpolitik, so könnte man kurz sagen, wäre der Verzicht auf staatliche Familienpolitik. Im Gegenzug könnten die Steuern und Abgaben drastisch sinken - was hätten die Familien dann mehr Geld zur Verfügung." Diese Schlußfolgerung ist Unsinn. Trotz niedriger Geburtenrate haben in Deutschland vor allem zwei Bevölkerungsgruppen viele Kinder: Die ganz Reichen und die Armen. Nur die Mittelschicht reproduziert sehr wenig. Dies liegt aber nicht in erster Linie am Geld, sondern an den Opportunitätskosten. Die Mittelschichtfamilie, die sich Kinder leisten will, kann das auch. Dann entfallen allerdings der Daimler vor Tür, oder eben der Jahresurlaub in den Vereinigten Staaten. Und somit gewisse Statussymbole, die in dieser Gesellschaftsschicht praktisch Pflicht sind. Die Vereinigten Staaten haben heute eine Reproduktionsrate von ca. 2,0 Kindern pro Frau. Auch diese wird durch Arme und z. Bsp. katholische Einwanderer aus Lateinamerika aufgebläht. Staaten wie Frankreich, oder Schweden, die einen sehr weit ausgebauten Wohlfahrtsstaat haben, kommen an diese Rate durchaus an. In Frankreich liegt dies nicht zuletzt an den Kindergartenplätzen, die uns in Deutschland fehlen!

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13. Mai 2008 22:35

'It's the culture, stupid'

Torsten Klier (TorstenKlier)

Am besten zu sehen in den USA. In den blauen Staaten sind die Leute intelligent, witzig, gutaussehend - und unfruchtbar; sozusagen das Spiegelbild des ach so aufgeklärten Europa. In den roten Staaten kriegen die Menschen Kinder. So einfach ist das. Denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem was aus dem Mund des Herrn geht“ (5. Ms. 8,3). Aber über dieses reaktionäre Zeuch können sie nur lachen, die intelligenten, witzigen, gutaussehenden - kinderlosen Sozialisten.

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13. Mai 2008 21:50

Industrialisierung und Pillenknick

Zufferey Marcel (Davos08)

Bemerkenswert an diesem Artikel (und versch. Komentatoren hier) ist zweierlei: A) Die sozialen Folgen der industriellen Revolution während des 19. und 20. Jahrhunderts werden kategorisch ausgeblendet, obwohl es sich dabei um die mit ABstand grösste Transformation der Menschheitsgeschichte handelt. Der darauffolgende technologische Fortschritt hat, zusammen mit dem Industriekapitalismus, eine Entwicklung (bei zugleich historisch wachsendem Wohlstand breiter Bevölkerungskreise) mit sich gebracht, die der österreichische Ökonom Joseph A. Schumpeter unter dem "Prinzip der schöpferischen Zerstörung" zusammengefasst hat: Der Übergang vom Agrar- ins Industriezeitalter verlief geradezu schmerzvoll und dramatisch, wie auch der ungarische Wirtschaftswissenschaftler- und Theoretiker Karl Polanyi in seinem Buch "The Great Transformation" eindrücklich bewiesen hat. Ein ganz erheblicher Teil der sinkenden Geburtenraten in Europa ist meiner Ansicht nach vor allem auf diese enormen gesellschaftlichen Umwälzungen zurückzuführen. 2) Der Pillenknick wird bequemerweise gar nicht erst erwähnt: Seit Einführung der Pille sind die Geburtenraten in vielen Industrienationen z. T. ebenfalls dramatisch zurückgegangen. Das nur so der Vollständigkeit halber.

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13. Mai 2008 21:49

ein Umdenken ist überfällig!

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

"Das staatliche Rententransfersystem hat damit einen erheblichen - negativen - Einfluss auf die demographische Entwicklung." Das muss man sich bitte auf der Zunge zergehen lassen. Mehr noch: Nach Urteil des BGH vom 10. November 1998 sind Familien auch zu Lebzeiten zu stark besteuert. Es verlangte aus Gleichheitsgründen den steuerfreien Mindestbetrag für jeden Bürger, nicht nur für den Alleinstehenden. Deshalb darf kinderfreundlicheres Denken nicht auf Harz-IV-Empfänger beschränkt werden. Aus dem BGH-Urteil: Art. 6 Abs. 1 GG gebietet, bei der Besteuerung einer Familie das Existenzminimum sämtlicher Familienmitglieder steuerfrei zu belassen: a) Dabei bildet das sozialhilferechtlich definierte Existenzminimum die Grenze für das einkommensteuerliche Existenzminimum, die über-, aber nicht unterschritten werden darf. b) Das einkommensteuerliche Existenzminimum ist für alle Steuerpflichtigen - unabhängig von ihrem individuellen Grenzsteuersatz - in voller Höhe von der Einkommensteuer freizustellen. Die Politik ignoriert bisher die festgestellte Verfassungswidrigkeit, andere Länder machen es besser!!!!

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13. Mai 2008 21:40

Kinderwunsch

Volker Rast (VolkerR1)

Man möchte als "verwöhntes" deutsches Elternpaar nicht mit Eltern in den USA tauschen. Kein Kindergeld, keine (bis zu dreijährige) Elternzeit, geschweige denn Elterngeld. Ein Partner kann dort eigentlich nur zuhause bei den Kindern bleiben, wenn der andere überdurchschnittlich verdient und somit mittel- bis langfristig der "Einverdienerhaushalt" realisierbar ist. Insofern sorgt die deutsche Familienpolitik schon für eine konkrete Entlastung der Eltern. Damit wird aber sicherlich nicht nachhaltig der Wunsch zum Kind erweckt. Wie in den USA muss das Kind und die Familie in der Mentalität der Menschen zu einem "gesunden" Lebensentwurf gehören, um dauerhaft die Geburtenraten zu erhöhen. Politik schafft vielleicht begrenzte finanzielle Anreize, kann und soll aber nicht die Mentalität einer Gesellschaft verändern. Wenn hier von einem Kommentator behauptet wird, dass die Freude am Aufziehen des Nachwuchses ein fragwürdiger Grund ist, Kinder zu bekommen, sagt das einiges über die gegenwärtige Mentalität aus.

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13. Mai 2008 21:07

Das ist der Casus Knacktus: Kinderwunsch primär zur Befriedigung eigener(!) ...

Klaus P. Lücke (microplan2002)

... emotionaler Bedürfnisse (Zitat: 'Die Liebe zu Kindern ist für viele ein starkes Motiv. Es macht Freude und stolz, die eigenen Kinder aufwachsen und gedeihen zu sehen')! Ich persönlich halte diese Motivation für verantwortungslos. Denn diese Lust am Nachwuchs bedeutet ja umgekehrt, dass Kinder aus letztlich egoistischen Motiven gezwungen werden, sich in diese Gesellschaft und Rechtsordnung einzupassen, sie müssen später in der Schule und bei privatwirtschaftlichen Arbeitgebern buckeln (d.h. deren! Normen erfüllen), werden zunehmend dichter staatlich überwacht und reglementiert, haben so gut wie keine Möglichkeit, die Verhältnisse zu ändern. Und geht was schief, ist der heutige Staat auch nicht mehr verantwortlich und gibt 'den Auftrag' an die (im Beitrag so hoch gelobte) 'innerfamiliäre Solidarität' zurück, hält sich also schadlos. Das Risiko jedenfalls, dass die hohe Investition in sehr viel Zeit und Geld in die Kinder nicht aufgeht, ist nicht vernachlässigbar, oder man muss ein 'dickes Fell' haben und 'mit den Wölfen heulen', d.h. die Kinder dem System ausliefern. Für alle diejenigen, die das nicht akzeptieren, bleibt die Kinderaufzucht ein Würfelspiel ... auf das man, den Kindern zuliebe, ggf auch verzichten sollte.

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13. Mai 2008 20:52

Der Leserkommentar von Emmanuel Declerq ...

Peter Zentner (Caterwaul)

... trifft den Nagel so 100%ig auf den Kopf, dass jedes weitere Wort verschwendet wäre. Danke! Selten war eine Diagnose so knapp, klar und zutreffend. Man kann sie nicht oft genug lesen, was besonders unseren staatlichen Zwangsbeglückern ins Stammbuch geschrieben sei. (Aber die haben ja keine Kinder, also auch keine Stamm-, sondern nur Parteibücher.)

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13. Mai 2008 20:37

Der Fortschritt hat die Menschen verändert, so dass niemand mehr Familie braucht

Konstantin Schneider (bundesboy)

Der Gedanke, dass das Leben durch Fortschritt ein Spiel werden könnte, fasziniert die Menschen nun schon seit Generationen. Deswegen ist die Bereitschaft sich die Bürde der Reproduktion aufzuhalsen stark gesunken und nur infantile Erwachsene kommen noch auf die Idee, sich jetzt erst recht Kinder anzuschaffen. Promis, die sich die Kinder leisten, weil sie über genügend Kapital verfügen, erzeugen vielleicht viel eher den Wunsch, es ihnen gleichzutun, als Ursula van der Leyens staatliche Programme. Da andererseits immer weniger Paare die Erziehung ihrer Kinder bis zu deren Erwachsenenalter in ihrer Hand behalten, schwindet auch das Bewusstsein dafür, dass Reproduktion einer Gesellschaft zwangsläufig in einer Familie stattzufinden hat. Hieran wird sich so bald nichts ändern doch sollte deshalb auch niemand verzweifeln

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13. Mai 2008 19:57

Es ist nur einfach schlicht das Ergebnis einer staatl. Überregulierung bis in

Tom Bloggiblog (bloggi)

den letzten Winkel des privaten Lebens. Allein die Ausgestaltung des Scheidungsrechtes und der Steuergesetzgebung zeigt die vermeintliche Regulierungsüberzogenheit zulasten der Mütter und Väter. Väter degenerierten zu Zahlungspersonen der 1ten Wahl für die Ex & Kinder. Der Staat zu einer Fürsorgeeinheit zugunsten im Schwerpunkt der kinderlosen steuerlich begünstigten Ehe. Anstatt zu sagen "Kind ist Kind" - alle zahlen; wird eine überbordende Bürokratie u. Regelungswut gewählt. Andere Staaten sind pragmatischer. Lebensgemeinschaften mit Kinder (aber nicht verheiratet) und Alleinerziehende wurden dagegen "vom Gesetz wegen" benachteiligt; diese Scheinheiligkeit zu Lasten der Kinder sind nur eine Facette in der bundesdeutschen Realität. Der deutsche Staat kümmert sich mit seinem weltweit einmalig dicken Steuerbuch, vor allem um die, die Mittel steuerlich in hohem Masse absetzen können; Ihnen gebürt die ganze Aufmerksamkeit ... nicht den Kindern. Würde der Staat sich den Kindern widmen, wären viele Leistungen für Kinder frei und normaler Bestandteil einer kinderbejahenden Gesellschaft. Stattdessen überwiegt Kinderselektion in den Schulen und Chancenungleichheit bei kinderreichen Familien. Zukunft wird so (zum Teil) verspielt.

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13. Mai 2008 19:52

@Herr Nöth: Da stimmt was nicht

Marvin Parsons (mapar)

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Nicht "Lediger" und "Familienvater" sind zu vergleichen, sondern "Verheirateter" und "Familienvater". Und der Verheiratete ohne Kinder zahlt so wenig Steuern wie der mit, gleiches Eheeinkkommen vorausgesetzt. Auch ist die Höhe der Rentenbeiträge nicht davon abhängig, ob man Kinder hat. Für Kinder gibt es so gut wie keine Steuerermäßigung, wie viele Kinderlose offenbar glauben. Wenn kinderlose Paare mehr Steuern zahlen, dann weil sie mehr verdienen (weil sie keine Zeit für Kinder verschwenden). Verdient der Familienvater auch so viel, bezahlt er den gleichen Steuerbetrag.

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13. Mai 2008 19:42

AABI

Stefan Rubens (RubensStefan)

Kinder bekommen in diesem Land genau die richtigen Gruppen A: Adlige A: Assoziale B: Beamte I: Idioten Die erste, weil Kinder finanziell mitlaufen und die Fortführung des blauen Blutes sichern. Die Assozialem, da Kinder mehr Geld bringen, als sich durch Arbeit erwirtschaften lässt. Beamte, weil sie unkündbar sind, immer noch ein Gehalt erhalten, wenn die Kinder aus Haus sind und bei der Höhe der Pensionen nicht privat vorsorgen müssen und last but not least die Idioten, die im Gegensatz zu den Beamten erkennen müssen, daß sie mit 50 zu alt für den Arbeitsmarkt sind, weil sie dort von ihrer eigenen Brut zwischenzeitlich verdrängt worden sind. Ach ja, eine Gruppe habe ich noch vergessen: Die religiösen Fanatiker mit dem Geschwätz von der Schöpfung. Na ja, zumindest der Pfaffe hat sein A15 Dotierung. Amen.

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13. Mai 2008 18:29

Was muss man tun

Emmanuel Declerq (Declerq)

Was muss man tun, damit der Sand in der Sahara knapp wird?. Die Antwort ist einfach: dort den Sozialismus einführen. Sozialismus und staatlicher Interventionismus ist exakt das gleiche. Letzteres haben ist in Deutschland vor allem in der Familienpolitik en Masse: Ergebnis stets sinkende Geburtenzahlen. Auffallend und im Gegensatz zu anderen Industrie-Ländern ist die hohe Ideolegisierung und das fehlende Pragmatismus in der deutschen Familienpolitik. Gerade die aktuelle Frauenministerin ist die Personifizierung solcher Tendenzen, die nicht Familien fördern will, sondern die neuen Menschen für neue Familien schaffen will. Traurig ist aber dass kaum Menschen und vor allem Bürger bereits dazu sind, zu erkennen, dass der Sozial- und Wohlfahrtsstaat ein Bankrotteur ist: Er vernichtet Geld, er vernichtet menschliche Beziheungen, er vernichtet Gesellschaften und vernichtet Zivilisationen.

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13. Mai 2008 18:09

also wer Schweden...

Hannes Ehrmann (hans1066)

...auch nur peripher mit der DDR vergleicht der hat nun wirklich keine Ahnung! Schweden hat zwar eine hohe Staatsquote aber individuelle Freiheit wird hier grossgeschrieben! Das weiss ich aus eigener Erfahrung.

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13. Mai 2008 17:57

»Die systematische Ausbeutung der Familien in Deutschland«

Stefan Pohl (friedrich_leipzig)

Dringend empfehle ich zu diesem Thema auch das Lesen des Artikels »Die systematische Ausbeutung der Familien in Deutschland« von Prof. Dr. Hermann Adrian von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er stellt schlüssig und faßlich die wirtschaftlichen Zusammenhänge dar und beziffert die Benachteiligung der Familien. Leider konstatiert er auch, warum keine Änderung in Sicht ist: »Bereits heute ist die Hälfte der Abgeordneten kinderlos oder hat nur 1 Kind.«

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