Punktum? Wohl kaum. Auch nach der Entschuldigung wird Philipp Lahms Interview nachwirken - nicht zuletzt bei seinen Mittelfeldkollegen

Der Fall Lahm

Über die Grenzen hinaus

Freiräume für die Meinungsfreiheit - ein schwieriges Unterfangen für den mündigen Fußballprofi. Der Fall des Bayern-Profis Lahm ist hierfür exemplarisch: Duckmäusertum ist die Regel - nur hinter vorgehaltener Hand wird von Profis ein offenes Wort gesprochen. Von Michael Horeni

Lesermeinungen zum Beitrag

11. November 2009 15:28

Nix Zensur!

David Zett (dzett)

Es geht nicht um Zensur oder um die Frage ob Lahm in der Sache Recht hat oder nicht!
Er hat gegen klare Regeln verstoßen, die im Übrigen absolut üblich sind. Wer was wann wem und wie sagt, bestimmt der Verein (=Arbeitgeber). Es steht Lahm als Spieler (= Angestellter) schlicht und ergreifend nicht zu öffentlich Kritik an der Vereinsführung (= Vorgesetzte), der Mannschaft (= Kollegen) oder der Taktik (=Unternehmensstrategie) zu üben. Das ist in keiner Firma so. Ich habe in den vergangenen Jahren nicht eine Pressemitteilung oder Interview von Konzernvorstandsmitgliedern erlebt, in denen die Vorstandskollegen und die unternehmerische Ausrichtung öffentlich kritisiert wurden. Das heißt nicht, daß hinter den Kulissen Einheitsbrei herrscht.
In jeder Firma wird jeder Mitarbeiter mindestens abgemahnt.
JEDER Verein gibt klare Vorgaben an Spieler, Trainer, etc. wie mit der Öffentlichkeit umzugehen ist. Lahm ist Vollprofi. Er weiß das und er wußte sicher auch um die Konsequenzen. Und diese Konsequenzen sind absolut folgerichtig. Es ist vollkommen ausreichend, wenn Fans und Beobachter ihre "Beiträge" zur Diskussion leisten. Lahms Diskussion gehört aber INNERHALB des FC Bayern geführt. Nicht in der Süddeutschen!

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11. November 2009 08:40

lieber herr fat kqiku.....

YIN YANG (YANGI)

wir leben ja nicht in burma,lieber freund ......mit duckmaesertum und die klappe halten, fangen kriege an!manche zeitgenossen brauchen die .......moralische faust!

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10. November 2009 18:11

Man muss absoluten Resepkt vor

Reiner Luecker (Reinerluecker)

Lahm haben, wenn man solches liest. Bayern muss Ihn hoch loben, wenn nicht muss man sich Fragen was Uli eigentlich als angehender Präsident will. Wer hat eigentlich den Elfmeter über das Tor hinaus geschossen. Lahm nicht! Und wer hat eigentlich fast eine Rote Karte verdient, andere Spieler sicherlich. Wenn man das verhalten von einen Spieler imletzten Spiel analysiert! Und nach allem kann sogar Eintracht Frankfurt noch Meister werden, wenn man anschaut wie die FCB spielt. Nach dem Aussagen des Meistertrainers.

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10. November 2009 14:09

allmählich nervt es

Klaus Müller (mo-mu)

Lahm kritisiert das FCB-Management, hach je. Ist anscheinend eine Staatskrise oder der Weltuntergang. Und nicht nur das, in München gibt es ja auch noch (noch) die 60er, die zwar mal wieder gegen den Abstieg aus der zweiten (!) Liga spielen, aber in altbekanntem Größenwahn von der Rückkehr in das Giesinger Stadion träumen, vorausgesetzt es findet sich ein Irrer, der ein paar Dutzend Millionen für die Sanierung springen läßt. Das fantastische Olympiastadion, die schönste Sportanlage Deutschlands, ist ihnen anscheinend nicht gut genug. Ach ja, 60 selbst kann es nicht zahlen wg. Überschuldung.
Prognose: der Münchner Klub dieser Saison wird Haching, weil sie als einzige Erfolg haben werden, nämlich in die zweite Liga aufsteigen.
Der FCB soll endlich mal richtig losen, die meisten Fäns in Deutschland wird es freuen.

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10. November 2009 11:17

Zensur als Eingeständnis von reformerischer Ohnmacht. Was passiert jetzt?

Mogens Kragh (mo193)

Den "Roboterprofi" - der den Medienvertretern immer wieder stromlinienförmig das ABC der Fußball-Platitüden runterrasselt um ja nicht seinem Verein zu widersprechen oder in besonderer Weise mündig zu wirken - den kennen wir doch spätestens seit Klinsmann und Bierhoff die DFB-Elf zum modernen Pop-Act reformiert haben, in dem jeder eingetrichtert bekommt, wie er bei Medienvertretern möglichst effektiv in jedem Interview individuelle Kanten vermeiden kann.
Die Adlers und Hitzlspergers werden daher beim DFB einem Wiese, Jones oder Frings bevorzugt ... Sie sind die netten Profis von nebenan ohne jegliches Profil. Perfekte Medien-Soldaten. Nicht bessere Kicker aber Angepasstere - Das ist Zensur durch Einberufungspolitik.
Aber Lahm schwimmt gegen Strom. Wenn K-H R. und Ulli Hoeneß nach Lahms Angriff glauben, ihr Position bloß mit der Macht der "Autorisierung" und dem Strafenkatalog verteidigen zu können um nicht in analytischen Diskussionen den Kürzeren zu ziehen, kann das ein Eingeständnis der reformerischen Ohnmacht sein. Der "9. November des Fußballs" beendete auch schon eine Ära auf Kaiserlautern. Wird der Vorstand des FCB bei der Mitgliederversammlung in zwei Wochen das nächste Opfer der Basisdemokratie?

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10. November 2009 09:44

Im Unrecht ist doch die Vereinsführung

Jutta Hamberger (Myshkin)

Da kommt ein Spieler, der nun wirklich nicht im Verdacht des Dauer- und Viel-Redens und der Geschwätzigkeit steht (wie seinerzeit Mathäus & Co.), gibt ein verflucht klares Interview, analysiert die Situation seines Vereins - den er offenbar sehr schätzt. Sonst könnte es ihm ja egal sein und er sich aufführen wie Ribéry. Tut er aber nicht. Lahm will, daß der FC Bayern wieder ein starker, attraktiv spielnder Verein wird. So, wie es derzeit aussieht, muß man sich wohl auf eine lange Durststrecke einstellen. Denn der Hauptvorwurf, es mangle an einem strategischen Konzept, trifft mitten ins Schwarze. Die Getroffenen treten um sich und bestrafen Lahm mit einer Geldstrafe.
Wer die Wahrheit ausspricht, besonders wenn sie derart unbequem ist, weiß, was er sich damit einhandelt - auch das hat Lahm in Kauf genommen. Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Die tatsächlichen Konsequenzen müßten heißen: Paßt unser Führungsstil noch in die heutige Zeit? Welchen Herausforderungen stellen wir uns wie? Welche Vision des FCB haben wir? Und welches Engagement bringen wir dafür auf? Hoeneß & Co. ist das alles leider nicht zuzutrauen, und den meisten Spielern auf dem Platz schon gar nicht. Schade.

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10. November 2009 08:19

@westerkamp

Peter Gaul (bocadillo70)

Eine Kündigung wäre wohl für Lahm das beste was passieren kann-stehen doch die Clubs bei ihm Schlange und er könnte ablösefrei wechseln.
Von daher hat er zwar richtung eigenes Tor geschossen-aber so geschickt an die Latte , so daß es auf der anderen Seite einschlägt.

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10. November 2009 08:16

d-orth ....na dann

Peter Gaul (bocadillo70)

gibt es gar keinen einzigen Grund mehr für STaatshilfe-schließlich gibt es ja kaum einen der Beschäftigten nicht über GM wettert-aber das ist ein anders Thema.
Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht....man hat nicht in aller Öffentlichkeit über seinen Ag herzuziehen.
Ich sehe das eher als letzten Hilferuf.....danach gehts für Lahm nach Spanien oder England.
Dann kann sich zwar Herr Hoeneß über viel Geld freuen-schließlich hat er mit falscehn Versprechungen Lahm dazu gebracht seinen Vertrag zu verlängern-Bayern wird aber wieder ein STück schwächer...die Liga freuts

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10. November 2009 04:19

d.orth...

Uwe Wagner (view)

... scheint als einziger zu verstehen um was es geht.
Entschuldigung, fanatische FCB Hasser. Es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um eine öffentliche Denunzierung des eigenen Arbeitgebers. Egal ob Lahm irgendwo recht haben sollte, er darf das so nicht tun. Profifußballer unterschreiben Arbeitsverträge und haben sogar Berater. Sie sollten also besser wissen was sie tun und was sie nicht tun dürfen laut Vertrag.
Stellen sie sich vor jeder Arbeitnehmer prangert öffentlich seinen GM an.
Sollten einige dieser Verträge rechtswidrig oder sittenwidrig sein, können diese vor Gericht eingeklagt werden, ganz legal. Was die Journalisten dann schreiben ist deren Käse, und brauch nicht von jedermann gegessen zu werden.
Ach ja, die Neider verbreiten im Allgemeinen auch viel Unsinn, das ist Meinungsfreiheit.

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09. November 2009 22:09

Was heißt hier "Angestellter"? Das sind doch eher Freiberufler mit Millionen-

Bernd Michalski (michalski2)

Honorar, zumal in der Preisklasse eines Philipp Lahm. Und wenn sich die Öffentlichkeit nicht geradezu fanatisch für all das interessierte, was auf dem Feld und drumherum so passiert, könnten die ganzen Ligavereine dicht machen oder sich ein neue Geschäftsfeld suchen, z.B. als geheimniskrämerische Privatdetektei oder so. --- Na klar passt den "Bossen" das nicht, wenn man sie kritisiert, das ist natürlich beim FCB wie überall. Andererseits: BL-Vereine sind nun einmal keine normalen Unternehmen, die Szene eher vergleichbar z.B. mit dem politischen Leben - und da darf, ja soll jeder Dorfbürgermeister doch gern mal den Bundeskanzler abmeiern. Und was ist mit dem Journalismus sowie vor allem dem "Journalismus"? Da gehört es doch wirklich zur Grundausstattung eines geboten "kritischen" Umgangs mit der Prominenz, an allem denkbaren und undenkbaren herumzunörgeln. --- Also letztlich ist doch absurd, wenn einem solchen Könner wie Lahm ein privatrechtlicher Vertrag unter die Nase gerieben wird, weil er endlich mal den Finger in die Wunde gelegt hat. Als nächstes werden wahrscheinlich die Fanclubs abgestraft, wenn sie nicht nett genug jubeln? --- Fazit: Souveränität sieht anders aus als die FCB-Führung sich verhalten hat.

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09. November 2009 21:19

Lahm schoß Eigentor!

Wilhelm Westerkamp (Ralf128)

Philipp Lahm ist von Statur her eher klein, dafür aber um so eloquenter. Der"kleine
Mann" hat großen Mut bewiesen, als er interne Dinge des F.C.Bayern kritisierte,
die eigentlich nur die Verantwortlichen des F.C. Bayern etwas angehen. Man wan-
dert als Spieler auf einem schmalen Grad, wenn man sich in einer solchen Weise
äußerst und das in einer großen Tageszeitung, die nur darauf wartet, so ein "hei-
kles Interview" mit einem Spieler des F.C.Bayern zu führen. Doch nicht nur Kritik
musste Lahm einstecken, er bekam sogar von ehemaligen Torwarttitanen Oliver
Kahn Rückendeckung, der immer schon für den mündigen Sportler plädiert hatte.
Doch beim F.C. Bayern gelten andere Regeln, das wissen auch die Spieler. Wer
Interna an die Presse gibt, wird vom F.C. Bayern hart bestraft, was bis zur Kündi-
gung des Vertrages eines Spieler gehen kann. So gesehen hat sich Philipp Lahm,
in seinem Eifer, ein "dickes Eigentor" geschossen.

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09. November 2009 19:55

Bayerische Gesetze

Thomas Boettger (ThBoettger)

Erstens: Interviews von Spielern und anderen Vereinsangestellten werden von der Pressestelle organisiert und autorisiert.
- Sind alle Interviews des Herrn Beckenbauer a priori autorisiert? Scheint so, oder er ist kein Vereinsangestellter.
Zweitens: Spielern des FC Bayern ist es untersagt, in der Öffentlichkeit Kollegen, den Trainer oder den Vorstand zu kritisieren.
- Dies gilt natürlich im Umkehrschluss nicht.

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09. November 2009 19:54

Wo hat ein Angestellter die Freiheit..

d. orth (rodeo)

.. seine Vorgesetzten in der Öffentlichkeit zu kritisieren? Das konnte auch Herr Forster bei Opel/GM nicht lange und das gehört sich auch nicht.
Das hat doch nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

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09. November 2009 18:48

Kontext: Mehr Mut!

Thomas Seifert (Thomas_Seifert)

Horeni greift mit sicherem Blick die Passage heraus, die man - bei isolierter Zitation - als Angriff auf die eigenen Mitspieler interpretieren könnte. Deshalb ist es um so wichtiger, sie in den Kontext der gesamten Aussage von Lahm zu stellen.
Er sagt nämlich, kurz gefasst: Uns, vor allem dem Mittelfeld, fehlt im Moment das Zutrauen, das van Gaalsche Konzept der Ballzirkulation und -kontrolle offensiver zu interpretieren - wie z.B. Barcelona. Warum? An der Qualität liegt es nicht vorrangig (wir könnten es auch mit diesem Kader), vielmehr an der Tatsache, dass viele in der Mannschaft mit ungewohnten Methoden offener Kritik noch nicht umzugehen gelernt haben, sie momentan also lieber Risikopässe vermeiden.
Das wirft ein Schlaglicht auf das überkommene Selbstverständnis vieler Bayern-Profis: Der (Klinsmann-)Anspruch des täglichen, individuellen Besser-Werdens schön und gut, aber das soll tunlichst schmerz- und kritikfrei vonstatten gehen - wasch mich, aber mach mich nicht nass... Lahm fordert also von seinen Kollegen mehr Selbstzutrauen, mehr Mut, Kritik anzunehmen und produktiv umzusetzen. Das ist letztlich sehr mannschaftsdienlich gedacht. Denn wie sonst soll individuelle Verbesserung gelingen, von der das Team profitiert?

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09. November 2009 18:28

Respekt, Hr. Lahm!

JS B (YueHan)

Recht haben Sie! Und zwar in allen Punkten Ihres Interviews mit der SZ! Sollten Ihre zur Zeit doch sehr zufrieden und behäbig wirkenden "Mannschafts"-Kameraden Sie für die Aussagen angreifen oder sonstwie bestrafen, machen Sie sich nichts draus! Dasselbe gilt für den Fall, dass die Profilneurotiker aus dem Vorstand ihre in den letzten Jahren verwunderliche Transferpolitik nicht ändern möchten.
Wenn ich als Vorlesungsschluss-Kicker und Thekentrainer Ihnen noch einen Rat geben darf: Sollte sich nichts ändern, sagen Sie bitte bald "ManU oder Barca, Hauptsache England!". Sportler wie Sie haben größere Qualitäten und Ambitionen, als das es gerechtfertigt wäre beim FC Bayern zu bleiben.
Philipp Lahm - Ein Mann von Format!

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