Der Auskunftgeber schwieg: Günter Grass

Grass' spätes Eingeständnis

Eine zeitgeschichtliche Pointe

Spezial Ausgerechnet Günter Grass, der Schriftsteller, der allen die Zunge lösen wollte, der das Verschweigen und Verdrängen der alten Bundesrepublik zum Lebensthema machte, hat jetzt sein eigenes Verschweigen bekannt. Ein Kommentar von Frank Schirrmacher.

Lesermeinungen zum Beitrag

15. August 2006 18:38

Jugend entschuldigt alles?

Michael Flacke (Maiastra)

Nun ist es also vorbei, die Nachkriegserzählungen enden mit Grass, der sich nach über sechzig Jahren, in denen er stets das moralische Gewissen der Bundesrepublik darstellte, entschlossen hat, ein wenig Teilnahme am schlimmsten Verbrechen der Menscheitsgeschichte einzugestehen.
Und was tut die Presse? Im Großen und Ganzen wird er entschuldet, gelobt, mild zurechtgewiesen oder gar für seine unendlich späte Offenbarung gelobt.
Haben wir vergessen war einer Truppe er angehörte? Haben wir die Massaker vergessen, die die Soldaten mit der Doppelrune in Polen, der Ukraine oder Russland verübten?
Warum wird er entschuldet? Weil er 17 war? Ja und? Wissen wir, was er getan, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit er möglicherweise begangen hat?
In der gesamten Debatte schwingt der unerträgliche Ton, das die Deutschen, besonders die Jugendlichen, nur Opfer waren und dem Malmstrom des Krieges eh nicht entrinnen konnten. Somit wertet Grass und mit ihm die gesamte Presse, die dieses Nichtgeständnis nicht hinterfragt, den gesamten deutschen Wiederstand ab. Wie hat denn Sophie Scholl widerstehen können, wenn er, das Genie es nicht konnte?
In allen seinen Offenbarungsreden fehlt Reue und Demut. Es ist unerträglich.

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15. August 2006 12:29

Günther Grass

Jan Eurelings (eurelings)

Die ganze Debatte über Grass' Bekenntnis, er sei bei der Waffen-SS gewesen, droht in eine mir unangenehme Richtung zu verlaufen. Die Neigung, bei dieser Angelegenheit selbst Richter zu spielen, ist unverkennbar, wird jedoch der Person Günther Grass und seinem unermesslich grossen Beitrag zur politischen, moralischen und geistigen Neuorientierung Deutschlands nach dem Krieg gar nicht gerecht.
Vielleicht könnte man behaupten, gerade seine nicht öffentlich eingestandene, jugendliche Fehlentscheidung habe ihm sein ganzes Leben die Motivation und die Kraft gegeben, das Thema Vergangenheitsbewältigung únd moralische,politische Neuorientierung auf so meisterhafte, national und international anerkannte Weise literarisch zu gestalten.
Ich möchte davor warnen ,dass man nicht den historischen Kontext, in dem Grass zu seinem Fehlschritt kam, und sein jugendliches Alter aus dem Auge verliert.
Verübelt man ihm seine Tat nicht ,gerade weil er später zu solch einer weltbekannten, einflussreichen Persönlichkeit herangewachsen ist, während man einen gleichen Fehltritt anderer Zeitgenossen leicht als verständlich betrachtet?
Der Zeitpunkt des Geständnisses ist richtig, da seine erbrachte Leistung schon längst seine Schuld getilgt hat.

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15. August 2006 12:22

Sind wir nicht alle Grass?

werner probst (wernerprobst)

seien wir doch ehrlich: Herr Grass hat vierzig Jahre eine Melodie gespielt, die wir alle nur zu gerne gehört haben. Grass - unser Stellvertretergewissen! Grass und andere haben den Takt vorgegeben und bereitwillig hat die öffentliche Meinung der bundesrepublikanischen Gesellschaft auf alles eingeschlagen, was verdächtig im Wege stand, die Höfers, Kohl, Adenauer, Kiesinger, Bitburg. Und kaum einer ist auf die Idee gekommen bei Grass, Böll, Jens und all den anderen selbsternannten Richtern die eigene Legitimation zu hinterfragen. Und wer es doch getan hat war der ewig gestrige. Da war es doch besser auf der Seite der Gutmenschen zu stehen. Und heute beklagen wir uns allen Ernstes getäuscht worden zu sein? Wir hätten es besser wissen können - also laßt uns anfangen, uns mit unserer Geschichte, mit den bösen und den guten Seiten unvoreingenommen zu befassen. Viellicht gelingt es uns dann, die jungen Menschen wieder für diese Gesellschaft zu interessieren. Dafür brauchen wir Herrn Grass nicht.

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15. August 2006 12:13

Ich kann Grass gut verstehen

Matthias Rietz (oekonom_de)

Ein 17 Jähriger war und ist damals wie heute unreif und kann die Konsequenzen seines Handelns nicht selbständig erfassen, das wird sogar im Strafrecht berücksichtigt. In einer Zeit, in der Aufklärung und Informationen bekämpft bzw. kanalisiert wurden, mehr als heute in unserer sogenannten Informationsgesellschaft. Ich wundere mich über die Kommentare in unseren Medien, in denen ein 17jähriger, denn Grass war damals in der SS, verurteilt wurde. Umso angenehmer ist der ausgeglichene Kommentar des Herrn Schirrmacher. Grass hat sich seines Makels zu tiefst geschämt. Aber was wäre passiert, wenn er nicht geschwiegen hätte. Er hätte niemals kritisieren können. Die rechtspopulistische Springerpresse hätte sich auf ihn gestürzt. Diese Generation gehört auch zu den Opfern des NS-Regimes. Sie wurden ihrer Jugend beraubt und am Ende des Krieges als Kanonenfutter in die Linien geworfen. Diese Generation war und ist traumatisiert. Wieviele Jahre bedarf es um sich selbst zu therapieren? Und mit wem darüber sprechen? Mit den Alt-Nazies, die in der jungen BRD wieder das Sagen hatten? Mit den heldenhaften Wehrmachtsangehörigen, die nie Verbrechen begangen, sondern uns gegen die Polen verteidigten? Oder mit den alle Deutsche Pauschalverurteilern?

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15. August 2006 10:56

Verdrängung und Shizophrenie

Eckhard Schmidt (eckhard43)

Ich bin Jahrgang 1943 also viel zu jung um mich an diese Zeit zu erinnern. Was ich also aus dieser Zeit weiss, stammt aus Büchern, Filmen und vom Hörensagen.
Gott sei Dank hat das 1000 jährige Reich nur 12 Jahre gedauert, so dass die meisten Mitläufer und Begeisterten schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kamen. Mir ist auf jeden Fall ein geläuterter Paulus lieber als ein Saulus.
Vergessen wir nicht, dass es in der Nachkriegszeit auch noch genügend Menschen gab, die jemanden der nach der Umerziehung durch die Allierten und dann gegen rerchts wetterte, als Verräter galt und Repressalien rechnen musste.
Mit 17, also 1960, wurde ich als Deutscher in Irrland noch mit Heil Hitler begrüßt, was damals Empörung bei mir auslöste, wurde dann aber von Engländern aufgeklärt dass es eben auch Leute gab die jeden Feind Englands als Freund betrachteten.
Ich habe 1961 auf Kreta die Gebeinhäuser gesehen und doch mit den Söhnen der masakrierten und deren Angehörigen Freundschaft geschlossen und in Belgrad mit den Kindern hingerichteter Partisanen Geschichte aufgearbeitet.
Für die, die die 12 Jahre erlebt, gelebt und mit dabei waren blieb nach dem Krieg nur verdrängen übrig und dazu muß man in schon Schizophren sein.


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15. August 2006 10:08

An alle Verteidiger des Herrn Grass!

Janos Sin (Janos_Sin)


Es ist schon beachtlich, mit welchem Eifer Sie hier um Verständnis für Ihr Idol werben.
Sie fordern Nachsicht, die Sie selber einem anderen nie einräumen würden, siehe Martin Walser.
In einem Kommentar war die Rede von einer "engstirnig- konservativen" Gesellschaft, man muß schon selber sehr engstirnig sein um der deutschen Gesellschaft einen solchen Vorwurf zu machen.

Sehen wir das Geständnis als das was es wirklich ist, Publicity für sein neues Buch. In aller Munde, man wird sich eine Zeit lang mit dem Thema beschäftigen und dann ist es auch wieder vorbei.

An der Doppelmoral des werten Nobelpreisträgers wird das nichts ändern. Er wird weiterhin den "Mahner der Nation" geben. Nach dem Motto:

Jetzt erst recht!

Ob sich jemand dann auch dafür interessiert ist eine andere Frage.
Gott sei dank, hat sich Herr Grass selbst aus der Öffentlichkeit eliminiert. Danke hierfür.

Seine Werke werden trotz alledem ein wichtiger Bestandteil deutscvher Literatur bleiben. Ob man ihn nun mag oder nicht.

In diesem Sinne

János R. Sin, Budapest

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15. August 2006 09:10

die Pointe des Herrn Grass

Peter Brinkmann (peter.brinkmann)

Das nun Herr Grass dunklere Seiten seiner Vergangenheit auskehrt und dies vielleicht auch etwas spät, ist meiner Meinung nach gar nicht der Punkt: viel erstaunlicher ist, dass ein Aspekt in seiner Lebensbeichte nicht erscheint: Der im Glashaus sitzt, sollte nicht oberster Moralapostel sein. Weniger Moralin wäre überaus wohltuend und angemessen. Insofern könnte für die Kritiker des Kritikers auch durchaus gelten: Nichts ist wie es scheint. Und von der erhobenen Hand zeigen drei Finger immer auf den Moralisten.
Dr. Peter Brinkmann (Dortmund)

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15. August 2006 00:55

Grass, Friedmann, Röttgen usw.... wohl alle doppelmoralapostel

Paolo Pinkel (Paolo.Pinkel)

Günter Grass reiht sich in die typisch deutsche (doppel)Moral ein. Ich messe andere an meinen Maßstäben, ich selbst bin aber darüber erhaben. Wer erinnert sich da nicht an Vorsicht Friedmann und ihn selbst als moralische Instanz & Anwalt der Bürger. Doch hinter dem Anwalt steckte der koksende und mit zwangsprostituiereten verkehrende Paolo Pinkel. Aber da hörts ja noch nicht auf, bis heute keine Entschuldigung bei den Frauen. Denn eine über allem erhabene moralische Instanz sagt da natürlich nur: "Ich habe einen Fehler gemacht" oder "Ich war erst 17 Jahre alt", Worin der Fehler allerdings bestand, darauf ist Friedmann bis heute nicht eingegangen. Die Liste ist endlos, Norbert Röttgen - der Doppelmoralverdiener - von den Bürgern gewählt, um den BDI zu vertreten. Nach langem Hin- und Her beweist er einen Funken Anstand und lässt die Finger vom BDI, doch er hat natürlich keinen Fehler gemacht, frei nach dem Motto: "da behalt ich doch lieber mein Bundestagsmandat und Bürger brauchen sowieso keine Entschuldigung". Und jetzt der gute Günter, der den Splitter bei anderen nur zu genau sieht aber über den eigenen Balken natürlich weit erhaben ist. Entschuldifung?? - Auch hier Fehlanzeige. Entschuldigung ich muss kotzen: doppelmoralapostel

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14. August 2006 23:23

Etwas mehr Gelassenheit...

Stefan Zotschew (zeta01)

...wäre vielleicht angebracht: Ja, es war falsch, über 60 Jahre lang zu schweigen. Ja, dieses Schweigen beschädigt Grass' moralische Autorität - und zwar, wie ich annehme, nicht nur in den nächsten Wochen, sondern auf Dauer.

Andererseits: Wer hat denn zu Tage gefördert, das Grass in der Waffen-SS war? Ein investigativer Journalist? Ein verbitterter Zeitgenosse aus jenen Tagen? Ein einschlägig bekannter Grass-Feind? Nichts von alledem - Grass selbst stellt sich in aller Offentlichkeit diesem Kapitel seiner Vergangenheit. Niemand hat ihn dazu gezwungen, niemandem ist es auf den letzten Drücker mit seinem "Geständnis" zuvorgekommen. Hätte er einfach geschwiegen, wäre die Geschichte auf Dauer unter dem Teppich geblieben.

Dies nicht getan zu haben, verdient Respekt, denn es ist mutig, sich um der Katharsis nach innen Willen nach außen selbst zu beschädigen.

Deshalb: Etwas weniger Schaum vorm Mund - und von dort ins Hirn steigend - wäre manchen Lesermeinungschreiber zu wünschen.

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14. August 2006 22:14

Wenn man im Grass-Haus sitzt...

Jörg A. Bahnemann (J.A.Bahnemann)

Der große Trommler, der mit seinen politischen Beiträgen maßgeblich mitgebaut hat an der totalen Verdammung der Waffen-SS, deren Frontverbände doch meistens nicht mehr und nicht weniger waren, als besonders tapfer kämpfende Elitetruppen, er ist in seine eigene Trommel eingebrochen. Reagan und Kohl haben auf dem Friedhof von Bitburg nicht die Träger des verbrecherischen Regimes, die sich als Mörder und Henker profilierten, geehrt, sondern die Soldaten mit dem Totenkopf auf der Uniform, die ihre Heimat verteidigt haben, wie die meisten Angehörigen der Wehrmacht auch.
In der Eilfertigkeit der Versicherung, in vier Monaten keinen Schuß abgegeben zu haben, baut sich der geschmeidige Schriftsteller die nächste Falle. Irgendwann wird sich ein Zeuge für das Gegenteil melden, und wir werden erstaunt vernehmen, welche Bemäntelung der große Trommler sich dann einfallen läßt.

Die Prügler, über die sich Grass jetzt so bitter beklagt, hat er selber aufgehetzt und trainiert. Nicht weil er als 17-jähriger wie viele der Faszination des Nazi-Regimes erlag, sondern weil er ein feiger Täuscher ist, gehört herr Grass aus den Schukbüchern entfernt.

Jörg Bahnemann



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14. August 2006 21:23

Genug Wirbel

Martin Haeusler (emhaeu)

Ich kann ja verstehen, dass die FAZ stolz darauf ist, dass Grass sein Interview - das ich übrigens für sehr lesenswert halte - der FAZ gegeben hat.
Aber ich finde, irgendwann ist das thema auch mal ausgeschlachtet: Grass ist sicher ein wichtiger deutscher Schriftsteller, aber ist er so wichtig, dass die Nachricht oben auf die Titelseite gehört? Ist er so wichtig, dass nun jeden Tag ausführlich dokumentiert werden muss, was nun andere ebenso wichtige oder unwichtige Leute dazu sagen?
Das ist mir zu viel Personenkult - mir reicht der Wirbel.

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14. August 2006 19:48

Als 17 Jaehriger darf man das also???

Lars Johannes (lars.johannes)

Tut Mir Leid, ich kann keine der Verteidigungen nachvollziehen. Grass und die Seinen haben erst die gesamte Verantwortung fuer die Naziherrschaft von sich und auf die vorangegangene Generation geschoben. Dann, viele der seinen im Lehramt angekommen, haben sie unermuedlich die besondere Verantwortung der jungen deutschen Generation derselben eindoktriniert (in meinem Geschichtsunterricht fing die Nazizeit direkt nach der Renaissance an). Sobald ein "geschichtsverleugnender" Schueler die Forderung nach "Normalitaet" erhoben hat, gab's was aus die Muetze.

Ein 17-jaehriger, der 50 Jahre nach Kriegsende nicht von seinem Lehrer fuer die Nazizeit in Sippenhaft genommen werden will ist also ein Schuft. Ein 17-jaehriger der in die WaffenSS eintritt ist ein unschuldig verblendeter. Ich habe den Eindruck, dass viele der Leserbriefe hier von Angehoerigen einer Generation geschrieben wurde die die Schuld fuer alles immer woanders sieht, nur nie bei sich selbst.

Das ich von Grass keine oeffentlichen Auesserungen mehr zu Politik, Wirtschaft und sozialem lesen will liegt aber daran, dass er davon keine Ahnung hat. Dann soll er besser weiter Buecher und seinen Lebenslauf erfinden.

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14. August 2006 19:11

"Welcher Deutsche hat zu dieser Zeit nicht der SS gedient?"

Anja Reusrath (Anja.R)

Herr Teuber, meine Aussage "Welcher Deutsche hat zu dieser Zeit nicht der SS gedient" war nicht verallgemeinernd zu verstehen, sondern im Rahmen einer gewissen Sinnbildlichkeit. Denn ist es nicht so, dass zu dieser Zeit sich fast jeder diesem Regime unterwerfen musste, damit er überlebt? Ich weiss es nicht. Ich muss gestehen, dass ich noch etwas jung bin u. daher vielleicht nicht über das nötige Wissen verfüge. Mein Beitrag bezog sich im Übrigen auch lediglich auf die Diskussion bezüglich dessen, dass von ihm gefordert wird, seinen Nobelpreis abzugeben sowie die Ehrenbürgerschaft in Danzig abzutreten. Um ehrlich zu sein, habe ich mich den politischen Aktivitäten und Äußerungen von Hr. Grass weniger als seinen literarischen Werken gewidmet, dennoch denke ich nicht, dass ausnahmslos alle seine politischen Äußerungen gemacht wurden, um sich als "Wachhund" der Republik zu repräsentieren od. "aufzuspielen".
"der es mit eigenen Wahrheit nicht genau nahm" - ich möchte nicht wissen, wieviele große Persönlichkeiten in Dtl. es mit der eigenen Wahrheit nicht so genau nehmen u. sich ebenfalls als Moralapostel aufspielen. Ich bin durchaus mit "konservativen, rechteren???, nicht meinen polit. Vorstellg. entspr. Moralaposteln gnädig".

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14. August 2006 18:39

Die Zwiebel

Klaus Jeziorkowski (Jeziorkowski)

Grass ist ein harmloser Fall, etwa im Vergleich zur Vergangenheit und dem notorisch guten Gewissen des Marinerichters Filbinger. Andererseits aber: Grass’ seit Jahrzehnten aufgerichteter Zeigefinger ist schwarz geworden. Wer sollte ihm noch etwas abnehmen? Das braucht man auch nicht: Nichtbeachtung dieses überschätzten Autors ist seit längerem angezeigt, seit vierzig Jahren ungefähr. Die grauenhafte Vergangenheit der Deutschen spricht bei W. G. Sebald oder bei Georges-Arthur Goldschmidt weit eindringlicher. Es lohnt wenig, sich mit Grass abzugeben, zumal man immer wieder den Nasenstüber des Besserwissens und der nicht erbetenen Predigt von ihm zu gewärtigen hat. Das perpetuum mobile des Moralisierens kann er wohl kaum noch abstellen. Es ist freilich keine Pflicht, ihm dabei zuzuhören. Auch dem Häuten der Zwiebel unterzieht man sich nur im Notfall. Das Ergebnis sind falsche Tränen und übler Geruch.

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14. August 2006 17:30

Eine zeitgeschichtliche Pointe

Ulrich Hartmann (Ulrich36)

Da ist es nun gefallen das letzte Götzenbild des moralisierenden, penetrant linkslastigen Intellegensbürgertums in Deutschland. Günter Grass war – freiwillig – bei der Waffen-SS. Blutjung mit siebzehn, viel zu jung um verantwortlich zu sein und propagandistisch verführt außerdem.? Zum Glück für uns und für Herrn Grass war der Naziterror bald danach am Ende, geschlagen von ebenso Jungen „nicht verantwortlichen“, vielleicht etwas weniger verführten Soldaten auf Seiten der Anti-Hitler Mächte. Seither heißen Straßen und Plätze in Deutschland unter anderem Geschwister-Scholl-Platz/Strasse. Diese waren auch junge deutsche Menschen, eben der gleichen Generation zugehörig, wie Herr Grass, und ebenso verführt aber wohl doch von etwas anderem Charakter als er. Im Übrigen werden auch die unzähligen Siebzehnjährigen, denen seinerzeit und später im Osten Deutschlands das Entsagen allen Totalitarismus, das Leben, die Arbeit, den Beruf, den Studienplatz oder auch nur den täglichen Frieden gekostet haben, an dieser Stelle ein dreifaches „Pfui! Pfui! Pfui!“ in ihren Mündern führen. Bei soviel berechnender Dreistigkeit, nervender Geltungssucht und „kapitalistischen“ Egoismus bleibt Herrn Grass nur anzuraten nicht zu Versuchen wie Reineke Fuchs

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