Wolf Singers Behauptung, Meditierende versuchten konfliktträchtige Inhalte zu meiden, muss aus der praktischen Erfahrung eines seit nicht allzu langer Zeit Meditierenden entschieden widersprochen werden. Beispielsweise werden Meditationen nach Franz Jalics durch das Herstellen einer Haltung der Bereitschaft zu Verzeihen und Dunkelheiten (d.h. negative Gefühle) liebevoll zu Durchleiden eingeleitet. Das Bewusstsein wird dadurch gezielt auf konfliktträchtige Inhalte ausgerichtet. Im weiteren Verlauf der Meditation werden die Dunkelheiten im liebevollen Durchleiden quasi wie Wunden versorgt und heilen anschließend ohne Anstrengung von selbst. Dies klingt nicht nur einfach, es funktioniert auch bei Tausenden von Personen auf dem ganzen Globus an jedem Tag. Wer diesen Weg geht findet seine Mitte - dort wo Körper, Geist und Seele beisammen sind. Aus dieser Mitte heraus werden gerade konfliktträchtige Situationen im Alltag mit Vorteilen für alle Beteiligten gelöst und die Lebensführung vereinfacht sich nachhaltig. Mögen viele Menschen diesen Weg zu ihrem eigenen und zum Vorteil ihrer Mitmenschen finden und Autoritäten wie Wolf Singer dies unterstützen.
Für mich stellt der Versuch,das menschliche Bewusstsein als mehr oder weniger „vorbewusst“ zu (v)erklären,den Versuch dar,nicht nur das Ausmaß,sondern auch die besonderen Gründe für die eben besondere und als solche „Kulturleistung“ des Menschen zu relativieren.Es ist dies die Übertragung des Machschen Relativismus auf das „Phänomen menschliches Gehirn“.Und dabei dreht sich die Diskussion philosophisch besehen nur im Kreis.Was a priori gegeben ist und was vom Menschen innerhalb dessen Kultur immer wieder oder neu zu erlernen ist,scheint einer Kantschen Vernunft nicht zugänglich.Letztlich läuft alles darauf hinaus,eines Gottes Kreatur zu beweisen,einer solchen nämlich,die eben weil sie eine solche sei,mit „Vorwissen“ auf die Welt käme.Hier wird die Wissenschaft zur Philosophie,und beides agnostisch wie auch subjektiv idealistisch,denn die sog. „letzten Fragen“ bleiben halt unerklärlich,bzw. unerklärbar.Was das sog. Vorwissen angeht,so deckt sich das mit der esoterischen Behauptung, dass alles Wissen verknüpft sei.Was einer mal wisse,wisse somit die ganze Menschheit, jetzt und für alle Zeiten, wahrlich transzendent.Was solches quasi als Fata Morgana im Hirn des Einzelnen entstehen lässt,ist das hohe Maß an Vergesellschaftung.
Der Autor Wolf Singer geht m. E. von einer Reihe falscher Grundannahmen aus. Das beginnt schon im ersten Satz des Textes „Unser Gehirn kommt mit einem ungeheuren Schatz an Vorwissen auf die Welt.“ Das ist deshalb nicht anzunehmen, weil der Mensch eine mehrjährige Lernzeit („Kindheit“) benötigt, um selbstständig zu werden. Darin besteht ja gerade die Stärke des Menschen, dass sein Wissen immer auf dem neuesten Stand seiner Kultur ist. Die Fortsetzung seines Gedankengangs mit „Wahrnehmen ist, so gesehen, das Bestätigen vorformulierter Hypothesen“ ist daher ebenso als unrichtig anzunehmen. Im Gegenteil ist das Gehirn pausenlos auf der Suche nach dem Widerspruch zu seinen vorformulierten Hypothesen. Alles, was dem gewohnten Wahrnehmungsschema widerspricht, wird bewusst und damit einer neuen Zuordnung („Lernen“) unterzogen. Die Beobachtung der synchron oszillierenden Nervenaktivität erscheint sehr interessant, die daraus abgeleiteten Theorien aber bislang nicht schlüssig.
Nachdem Herr Singer Ende der 80er die 40 Hz Schwingungen entdeckt hat und die seriöse Wissenschaft nicht davon überzeugen konnte, daß diese ein Korrelat für das Bewußtsein beim Menschen ist, treibt er die Kuh 25 Jahre später halt mit Hilfe der Esoterik weiter durchs Dorf. Traurig. Aber an dieser Frage sind schon andere verzweifelt, siehe Francis Crick, der Mitentdecker der DNA-Helix.
Herr Seibel hat recht. ich zähle auch 4*(2 + (1+2+3+4)) = 48 Dreiecke. :)
Leider ist die in der Ausgabe vom 30.04.2008 abgedruckte Lösung von 44 unvollständig: es gibt 48 Dreiecke: Anzahl Länge der Katheten 16 1 12 2 8 3 4 4 4 sqrt(2) 4 2*sqrt(2) 48 Summe Dreiecke
Meines Erachtens fehlen noch weitere vier Dreiecke in dem mittleren Quadrat der vier kleinen Quadrate.
Was für ein brillanter Artikel ... Danke ... Interessant wäre die Verküpfung der Erkenntnisse dieses Artikels und dem Artikel über Schlaganfall ( Hirntraining Faz )
Wolf Singer ist ein Guru und daher seine Ambivalenz zu den „Magien des Ostens“, die er doch so kritisch betrachten möchte. Ich glaube, dass ihm dieses - semantisches - Problem“ quasi, den angefangenen Gedanken nicht zu Ende denken ließ. Im Übrigen stimme ich meinem Vorredner (Probst) zu. Nur was Cusanus angeht, bin ich ein wenig skeptisch, wie aktuell der heute noch wäre. Die Moderne und davor die Pest sind doch ein erheblicher Schnitt nicht nur in der Geschichte sondern vor allem auch im Denken der Menschen. Was die Pest nicht wegräumte, das schaffte die Moderne: die Zerstörung des antiken Denkens, also nicht nur des mittelalterlichen. Cusanus klingt wohl in manchen Aspekten sehr modern, nehmen wir nur seine „negative Theologie“, die zusammen mit seinem „Zusammenfallen der Gegensätze“ ein wenig nach Adornos „negativer Dialektik“ klingen könnte, aber im Wesentlichen war er ein Mystiker, der somit genau jene antike (neoplatonische) Weltsicht verkörperte, die innerhalb der Moderne nur noch in Nischen zu überleben vermag, vorzüglich in der christlichen Religion. Und das unterscheidet den Westen vom Osten: im Osten ist dieses (antike) Denken in den Massen aktuell geblieben.
Zu den Fragen der Vorredner: Der "Preis" der gezahlt werden müsse, soll wohl nach Lesart der Redaktion (oder sogar des Autors) die kulturelle Umgewöhnung sein, die für "Westler" mit der Meditation verbunden sei, als Weg vom "westlich-extrovertierten" zum "diszipliniert-introvertierten" Bewusstsein oder Aufmerksamkeitsmodus.
Allerdings muss wohl die dahinterstehende kulturhistorische Hpothese als schwach angesehen werden. Wer Wolf Singer des öfteren in den letzten Jahren im Hochschul- oder medienöffentlichen Kontext erlebt hat, mag ohnehin darüber staunen, mit welch positivistischer Selbstverständlichkeit Hirnforschung als "Kulturtheorie" und Philosophieersatz von ihm angeboten wurde. Im neuzeitlichen "Bewusstsein des Westens" gibt es durchaus weitreichende Wurzeln einer "Innen-Aussen-Balance", wie sie sich - nur als Beispiel - im humanistisch-neoplatonistischen Kernbegriff der "Kon-Zentration" spiegelt. Freilich müßte man dafür Cusanus kennen. Europa und Asien mögen fundamental unterschiedliche Einordnungsschema ihrer Realitätsmuster kultiviert haben, aber die Meditation als "fremde Kulturtechnik" auszugeben, macht bei einem Mann seines vermeintlichen Wissens einigermassen stutzig.
Was uns Herr Singer wirklich sagen will, ist mir leider nicht klar geworden. Die Aufreihung einer Einzelbeobachtungen oder Phänomene ist ja ganz nett - ansonsten fehlt die Message: welcher Preis wird von wem für was gezahlt?
Bleibt zu hoffen, dass Herr Singer noch Forschungsgelder requiriert, solange die Hirnforschung noch "in" ist: sonst bleiben nicht nur die Ergebnisse seines Gebietes mager;)
Ich kann nicht erkennen, wie hoch (bzw. was überhaupt) „der Preis ist, den „wir zahlen“ müssen, wie in der Einführung erwähnt.
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