Trauer oder Spektakel?

Robert Enke taugt nicht zum Helden. Abstoßend empfindet Richard Wagner den Trauerfuror, der über das Land hereinbrach und den die Medien anheizten. Menschen wollen ihre Trauer teilen. Und ihre Angst, hält Bertram Eisenhauer dagegen: pro und contra.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. November 2009 15:52
Spektakel oder Trauer  
Christiane Lauer-Härtel (chriscrisis)

Ich kann mich nur anschließen und erweitern:
Als nächstes kommt die Burda-Stfftung und macht ein neues Werbe- und Petitionsthema auf: Die Depression.
Stars und Sternchen haben neben der Stiftung eine neue Werbeplattform, die Petition will erreichen, dass gesetzliche Krankenkassen in die Pflicht genommen werden, Ärzte und Pharmaindustrie haben wieder finanzielle Unterstützer und die Stiftung ihre Steuergelder.
Genau wie bei der peinlichen aber werbeträchtigen Aktion mit dem Darm.

Bewerten: schlecht gut
17. November 2009 13:07
Wollen die Menschen wirklich trauern ... und wenn ja welche ?  
Alfred Paul (chiefa)

Ich will nicht trauern - ich kannte den Selbstmörder Enke garnicht ... und wenn ich jetzt um jeden Selbstmörder trauen sollte - hätte ich verdammt viel zu tun !!! Ich verabscheue diese Tat - mit der er nur Trauernden hinterlassen hat - sowie Menschen - die ihr weiteres Leben mit seiner Tat fertig werden müßen !!! Er war kein Volksheld - einfach nur krank !!! Aber das sind hunderttausend andere auch - sie heißen nur anders !!!

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 16:27
Nanana,Herr WillyF  
Markus Teuber (arathorn)

was reden Sie denn da für Sachen zusammen !Wäre das Thema nicht so ernst.wäre mir gar zum lachen. Woher wollen Sie denn wissen,in welchem Trauma der Zugführer und gar die Zugpassagiere denn stecken oder steckten.Den meisten dürfte wohl (und dies weiß ich nun einmal aus eigenem Erleben) die verursachte Verpätung das größte Trauma gewesen zu sein. An den toten Menschen werden die Wenigsten ihre Gedanken -na wie heißt es so schön- "verschwendet" haben. Insofern hat nicht nur die Fußballwelt noch etwas zum Nachdenken und Lernen,sondern auch der Rest der Gesellschaft! Ihr nicht nachvollziehbarer Satz ..."den Zugfahrer attackiert"... sowie Ihre juristische Beifügung,es handele sich ..."um einen gefährlichen Eingriff in den Schienenverkehr"... ist so teutonisch juritisch deutsch,wie nur eben Deutsche sein können ! Aber Sie sind ja nicht allein! Andere halten nun "tote (britische) Soldaten" für nicht besonders gedenkswert und bestätigen genau diese rücksichtslose,engstirnige Wertvorstellung ,welche andere Menschen als "minderwertig" einordnet,weil diese nicht ins eigene Weltbild passen. Eben genau diese Welt wollte R. Enke verlassen !

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 16:10
Gedenken und Nachdenken  
Rudolf Carstens (Nachhall)

Gestern war Volkstrauertag. Ein Tag des Gedenkens an Millionen junger Menschen, die sinnlos in Kriege gejagt und um ihr Leben betrogen wurden. Ein trauriger Anlass des Gedenkens an die zu Tode gemordeten Opfer der Gewaltherrschaften. Die Nation erfuhr in kurzen Routinemeldungen über die Anteilnahme der amtlichen Gesellschaft, während die Betroffenen in stiller Trauer an den Gräbern und Gedenkstätten weilten. Allein das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen sah sich zu Höherem aufgerufen und übertrug im großen Zeitrahmen eine perfekt organisierte Trauerfeier im Diana-Stil aus einem Tempel des Kommerz-Fußballs. Auch die genüsslichen Kameraschwenks über die Werbebande der Haupttribüne mit den Sprüchen eines Vermögensberaters für mehr Siege gehörten dazu und kontrastierten bezeichnungsvoll die Stimmung in der Arena.
Der Forist hätte Robert Enke und seiner Familie ein stilleres Gedenken gewünscht. Wenn ihm dennoch so überbordende Anteilnahme widerfuhr, so mag im Nachhinein sein Leiden und Sterben stellvertretend für viele Menschen ein Anstoß zu neuem Mut und Nachdenken gewesen sein. Enke stand erst am Anfang der Medien-Werteskala für Superstars, Titanen und Galaktische und wird hoffentlich auch nur so in Erinnerung bleiben.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 15:35
Sehr geehrter Herr Wagner!  
Thorsten Bregulla (BertoldB)

Zitat: "Durch die Hauptstraße dieses Städtchens fahren nämlich die Leichenzüge mit den britischen Soldaten..."
...da trauere ich doch lieber um einen außergewöhnlichen Menschen.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 13:51
Medienhype ist nicht meine Sache ...  
Hartmut Albrecht (Drahtfuchs)

... aber die Tatsache, daß ein junger Mensch, der soviel Erfolg hat und dem die Sympathien der Fans zufliegen, von Versagensängsten gepeinigt, keine Ausweg als den Tod sieht, dazu die schlichten und ungeheuer ergreifenden Worte seiner Frau, das hat mich tief berührt. Die Trauer um Robert Enke gilt stellvertretend so vielen Unbekannten, die in der gleichen Situation den Tod gesucht haben. Da kommt man auch ins Nachdenken über das eigene Leben, den Erfolgsdruck, dem wir uns aussetzen, die Häme und Herabsetzung, die wir so gern in den Medien über andere lesen (gerade für Politiker und Sportler) und uns zu eigen machen.
Danke an alle Verantwortlichen für die Gestaltung der Trauerfeier im Stadion von Hannover.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 12:13
Ein widerlicher Beitrag  
Markus Zehme (Binkowski)

Anmaßend und widerlich kann man nur diesen Beitrag nennen. Es ist diese moralisch sich selbsterhebende Attitüde der Bessermenschen, die einen so abstößt. Hier wurde kein Selbstmord gefeiert sondern der Bevölkerung war
es ein inneres und aufrichtiges Bedürfnis sich von einem wertvollen Menschen zu verabschieden. Besonders war sie von der Tragik seines jungen Lebens so ergriffen, wie auch von der Tapferkeit seiner Frau. Wer selber Kinder hat kann
gut nachempfinden, was es bedeutet eines in jungen Jahren zu verlieren. Das mancher daran zerbricht läßt sich auch gut nachempfinden. Natürlich gibt es hunderttausende gleicher Schicksale in Deutschland, die man nicht alle in gleichem Maße würdigen kann. Nichts desto trotz: Enkes Schicksal steht stellvertretend für die vielen anderen, sein Tod steht symbolisch für die anderen. Das die Menschen in der heutigen oberflächlichen Spaßgesellschaft ihren Sinn für Tragik bewahrt haben,
kann Herr Wagner nicht begreifen.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 12:04
Zwei Seiten  
Nicole Heinz (NH87)

Auch ich habe Zweifel daran, ob dieses ganze Spektakel wirklich in Robert Enkes Sinne war. Vor allem die Aufgebahrung in der Spielfeldmitte.
Wenn nur ein TV-Sender die Feier übertragen hätte, hätte dies vollkommen genügt. Damit die Menschen, die sich eben nicht mit dem Mensch Robert Enke und seinem Tod befassen wollen, es auch nicht müssen. Man sollte auch dafür Verständnis haben, man kann nicht erwarten, dass alle Menschen die gleiche Trauer empfinden, das hat nichts mit mangelnder Empathie zu tun. Michael Jacksons Tod hat mich auch emotional nicht ergriffen, aber ich wurde Tag für Tag über die Medien damit konfrontiert, ob ich wollte oder nicht.
Im Gegenzug sollte man auch nicht darüber urteilen, dass so viele Menschen "nur" um einen Fussballer trauern, der auch noch zu "feige" war sich seinen Problemen zu stellen. Wer so etwas behauptet, hat immer noch nicht verstanden, dass Depression eine Krankheit ist und er jahrelang versucht hat mit professioneller Hilfe dagegen anzukämpfen.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 11:19
Ich habe gehofft  
Dimitri Drapkin (ddd80)

dass wenn nicht das mediale Trauern, dann wenigstens der Streit über die Angemessenheit des medialen Trauerns unterbleibt. Aber nein. Das war aber auch zu erwarten.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 11:04
Einen Suizid medial breitzutreten und in der Öffentlichkeit...  
Bruno Penetratore (BrPe)

einen Neuzeit-Helden daraus zu konstruieren ist mehr als perfide!
.
Aber ein hervoragendes Instrument für die Medien und Organisatoren (sowie für die bereits im Hintergrund mit geifernder Manier wartenden Resteverwerter...). Es soll hier nicht über die finanziellen Verhältnisse spekuliert werden, aber das Ganze wirkt beinahe gewinnoptimiert aufbereitet...
.
Der Suizid ist der letzte Ausweg eines Menschen, die Einen gehen Ihn aus Verzweiflung (und oder), die Anderen mangels Wertschätzung des eigenen Lebens. Häufig initiiert oder kombiniert mit tiefer emotional erfahrener Enttäuschung...
.
Nur: Ein 'echter' Ausweg ist es nicht,
lediglich eine feige Flucht vor der Realität und deren Problemen...
der keinesfalls Sinn für ein mediales Spektakel gibt...
.
Fußball... "Brot & Spiele"... bis zum Untergang!
.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 10:49
Sucht nach Trauer?  
Michael Meier (never1)

Warum geilt sich die Öffentlichkeit (sorry ob der Formulierung) so auf an prominenten tragischen Todesfällen (Diana, Enke usw)? Fehlt uns die alltägliche Konfrontation mit dem Tod? Freuen wir uns, daß wir noch leben?

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 10:38
fehlte nur noch  
Lars Schmidt (fuspils)

die Fanmeile, Bier und Würstchen.
*
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 10:13
Event ist Event  
Fritz Goergen (Heimkehrer)

Die Masse läuft zu jedem Event. Leider. Deutschland, einig Feierland.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 09:13
Abstoßend  
Dirk Heinrich (Heinrich1968)

Dem Kommentar von Richard Wagner folgend, habe ich den Rausch der Medien
an einen unsinigen Selbstmord mit Kopschütteln verfolgt.
Es ist erschreckend zu beobachten, wie unsere Gesellschaft den Medien folgt.
Robert Enke ist kein Vorbild für Fussballer, Kinder oder suizidgefährdete Menschen.
Warum seine Frau dieses Spektakel zugelassen hat, ist mir unerklärlich. Man kann für die Zukunft nur hoffen, dass die höhere Moral in unserer Gesellschaft dazu
beiträgt, solche kommerziellen Gefühlsorgien zu verhindern.
Ich war betroffen, als ich Nachricht von Robert Enke´s Freitod erhalten habe.
Von dem, was danach folte bin ich erschüttert.

Bewerten: schlecht gut
16. November 2009 00:41
Danke Herr Wagner...  
Herbert Sauerbier (simon-says)

... ich dachte schon, mit mir stimmt was nicht. Tatsächlich finden noch andere, dass hier etwas völlig daneben läuft.
Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass der Verstorbene nicht gerade erbaut wäre über den affektierten und durch unsere Medien total überhitzen Affenzirkus, der um seinen Tod veranstaltet wird. Wird nicht in jeder Stellungnahme betont, wie ruhig, sachlich und zurückhaltend Herr Enke zu Lebzeiten war? Dann
Wir bekommen hier langsam aber sicher amerikanische Verhältnisse - dort werden die Massen auch durch durchgeknallte Medien um des Kommerz willen hysterisiert.
Beispiele: Michael Jackson WOCHENLANGER Tod; die ach so ganz normale, eher hamlose Schweinegrippe (die nur hier so 'gehyped' wird); ein Statement eines Fussballers(Herr Lahm!) zum Zustand des FCB - 3 Tage lang ganz oben in ALLEN Gazetten??? etc. GEHT'S NOCH?
Dass heute mal wieder unsere und die Zukunft unserer Kinder durch einen Minimalkompromiss im internationalen Klimaschutz nachhaltig gefährdet wurde bleibt eine Randnotiz... na dann schlaft gut und lasst euch einlullen mit (relativ betrachtet) Belanglosigkeiten...
says Simon

Bewerten: schlecht gut
1 - 15 von 39 Lesermeinungen
1 | 2 | 3 VorZum Ende blättern
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche