Hochschulen

Wie ein Studienort zerstört wurde

Der Fall der renommierten Marburger Osteuropageschichte: Durch bare Frechheit und entschlossenen Dilettantismus ist ein vorzüglich aufgestelltes Fach ruiniert worden. Ein Erfahrungsbericht aus den Abgründen der deutschen Hochschulpolitik. Von Stefan Plaggenborg

Lesermeinungen zum Beitrag

20. November 2007 14:34

"Chef-Sache"......

Jean-Louis Arriotti (euromax_faz)

Macht wieder mal einen sehr gekonnten Eindruck.
Bliebe "nur noch" festzustellen, warum "andere Instanzen", es nicht für nötig befunden haben, ihre Einschätzung, bzw. Stellungsnahme zur der Sache zu geben...
Und eventuell auch, "was" diese scheinbar inkompetente, bzw., destruktive (um es milde zu formulieren) Handlung motiviert hat.

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20. November 2007 14:15

Bzgl Frau Berlinghof

Kai-Christian Kempe (doublekai)

Abwählen schön und gut, aber da fehlt doch wirklich der Glaube, dass durch das Ändern von Namen sich die ganze Politik wandelt! Ein politischer Wechsel, der wenn nicht radikal, dann zumindest doch schnell und effizient durchgeführt werden müsste, könnte theoretisch helfen. Aber natürlich fehlt in Deutschland die Bereitschaft und der Wille, das durchzuführen. Der von Ihnen angesprochene Zustand der Bibliotheken (früher für alle Bürger, heute nur für Studenten) ist ein Jammer, vor allem da sich ja auch keine Verbesserung einstellt - im Gegenteil. Ich (im Alter von 21 Jahren...) sehe in der Gesamtsituation der Politik und Wirtschaft keine Hoffnung auf Besserung - zumindest in den nächsten 10 Jahren nicht. Ich studiere in Großbritannien und bin auch heilfroh darüber, und obwohl ich mein Heimatland sehr mag, fühle ich mich von der momentanen Situation so abgestoßen, dass ich meine Zukunft eher auf anderen Kontinenten sehe.

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20. November 2007 13:32

Politisch vorauseilender Gehorsam in die Unterordnung

norbert doerre (ndoerre)

Es gibt handfeste Gründe dafür, warum gerade in Deutschland Bildung nicht mehr wertfrei funktionieren darf, sondern Alles mit etwa zehn Jahren Nachlauf politischen Ansprüchen unterworfen wird, soweit es die Fachbereiche zulassen. In den naturwissenschaftlichen Fächern spielen zunehmend ethische Ansprüche von Politikern die bestimmende Rolle, in den geisteswissenschaftlichen politische.
Professoren, die sich nicht dem Trend der Politik unterwerfen, sondern wertfrei forschen wollen, werden ganz einfach ausgegrenzt. Welche Interessen hat die Politik schon an Osteuropa, während die Türkei den Beitritt zur EG erstrebt? Unsere Politiker wissen um die immensen Gefahren, die damit verbunden sind, doch der Islam breitet sich in Deutschland am Grundgesetz vorbei ungehindert aus. Was liegt da näher, als sich mit unserer zukünftigen Kultur intensiv zu befassen? Politisch ist es wichtig, die kommenden Generationen von Studenten schon jetzt in ihre Sklavenrolle unter dem Islam einzuweisen. Der einzige Zweck der Übung ist, den Kopf einzuziehen, keinen Widerstand zu leisten und zukünftige innenpolitische Konflikte zu vermeiden, indem mit vorauseilendem Gehorsam der Weg der geschmeidigen Unterordnung gegangen wird.

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20. November 2007 13:29

Warum nicht früher protestiert?

Regina Berlinghof (ReginaBerlinghof)

Gegen die sinnlose Zusammenfassung von "Orchideenfächern" habe ich schon in meinem Leserbrief an die FAZ vom 16. Juni 2005 protestiert. Nicht nur die Zerschlagung des Marburger Osteuropazentrums, sondern auch die Aufgabe der Orientalistik und Judaistik in einer Großstadt wie Frankfurt zeugt von kulturpolitischem Banausentum. Die Judaistik konnte für Frankfurt gerettet werden. Die Orientalistik läßt man den Bach heruntergehen. Die Bibliothek von 40.000 Bänden (so im heutigen Lokalteil) soll nach Marburg wandern. Aber in Frankfurt leben ja keine Araber, keine Türken, keine Perser. Und deren Heimatländer mit ihren paar Millionen Einwohnern sind ja auch zu unwichtig, als daß man sich mit ihnen befassen sollte. Frankfurts Uni und seine Bibliotheken waren einmal eine städtische Einrichtung, unterstützt von großzügigen Frankfurter Mäzenen. Bürger hatten freien Zugang zu den Bibliotheken, nicht nur Studenten. Auch das wird nun abgewürgt. Wenn keine Bibliotheken mehr da sind, die Fächer nicht mehr gelehrt werden, wo soll man sich noch informieren können? Die hessische Wissenschafts- und Kulturpolitik ist eine Schande! Es hilft nur abwählen! Bald!

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20. November 2007 13:18

Marburg...

Marko Zweigler (zweigi)

Da ich selbst einmal ein Semester in Marburg verbracht habe, finde ich es schade,
dass hinter der Fassade solche Vorgänge stattfinden. Ich fand es damals bemerkenswert und faszinierend, dass es dort ein Forschungszentrum für die Geschichte Mitteldeutschlands gibt. Hoffentlich ist das wenigstens geblieben?

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20. November 2007 12:39

rektoren, klüngel und bildungsföderalismus

Philipp Degenhardt (phildegenhardt)

der artikel spricht mir (als student in mannheim) aus der seele und ich denke, dass es sich um ein weiteres beispiel handelt, wie ein selbstherrlicher rektor ohne sinn und verstand die uni-landschaft nach seinen vorstellungen modelliert. beispiele dafür gibt es in der ganzen republik und ich finde es traurig, dass es trotz vieler abschreckender beispiele immer so weiter geht. die faz sollte daraus auch eine "serie" machen.

wann begreift die politik endlich, dass kompetente leute für den bereich bildung/kultur nötig sind und diese stellen nicht nur - wie bei weiland gerhard s. - als "gedöns" abgetan werden? und ganz ehrlich - das jedes bundesland seine eigene suppe kocht, ist ja wirklich niemandem (insbesondere nicht im ausland) vermittelbar! kein wunder, dass alles unkoordiniert abläuft und irgendwelche rektoren den landesklüngel für ihre zwecke nutzen.

nur so ein paar gedanken aus der sicht eines studenten.

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20. November 2007 11:41

wozu

Gerd Lehmann (Gerd_L)

braucht man ein Osteuropazentrum, Orientzentrum, Ostasienzentrum, Japanzentrum etc. ?? schade um das Geld das da versickert, könnte man sinnvoller einsetzten, z.B. bei der Kinderbetreuung, Schulspeisung usw. !!

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20. November 2007 10:50

Die deutsche Mittelmassuni

Bjorn Schumacher (bjornschumacher1)

ein inkompetenter (aber entscheidungstragender) Minister, selbstherrlicher Uni-Praesident, und ein Forscher, der seine Zeit mit Grabenkaempfen verbingen muss. Wenn wundert es da noch dass die deutschen Unis international hoaechstens Mittelklasse sind, die besten Studenten sich frueh ins Ausland verabschieden, und von dort kaum jemand je wieder zurueckkehrt.
Das schlimmste obendrein ist die Borniertheit, mit denen man die Unis vor Wettbewerb um die beste Forschung, die besten Studenten und meisten Forschungsmittel schuetzt, um ja das planwirtschaftliche Mittelmass beizubehalten. Studium fuer jederman? Natuerlich aber nicht fuer jeden an der gleichen Uni. Freiheit statt Sozialismus an deutschen Unis!

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20. November 2007 10:34

Fachbereichszerschlagung

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Es ist hier wie überall. Neuerdings ein bißchen zugespitzer. In der Wirtschaft, in der Bürokratie, im Parlament. Es geht nicht mehr darum, was das beste und sinnvollste ist für das Land, für die Gesellschaft, für das Volk. Auch wenn das immer wieder in Sonntagsreden so progagiert wird. Es geht um Prestige, um Macht, Ansehen ,um den nächsten Wahlerfolg, und letzten Endes immer ums Geld. Da kommt eben das Gute, Ehrliche und Sinnvolle, das Menschliche unter die Räder.

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20. November 2007 10:15

Goethe und Schiller oder doch eherein Land der Hofschranzen?

Berthold Grabe (BGrabe)

Die geschilderten Zustände können so an vielen Stellen beschreiben werden.

Das Land wird langsam aber stetig ruiniert, durch Dummheit und Anmaßung auf Basis eines Rechtssystem das durch seine Vollkaskomentalität Verantwortlichkeit aushebelt und für Karrieren unwichtig macht, Status ist wichtiger denn Qualifikation, mediale Darstellungsfähigkeit erfolgreicher als Intelligenz und Konsequenz.
Da ist es keine Überraschung, das wir die "Eliten" bekommen, die wir haben.

Das oströmisch Reich hat so einige Jahrhunderte überstanden und ist schließlich deshalb gegenüber der damals neuen und unverbrauchten Ethik des Islam zusammengebrochen.
So leicht haben wir das heute nicht, da die historische Erfahrung uns gelehrt hat, das alles korrumpierbar ist, selbst die Glaubensorganisationen.

Berthold Grabe

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20. November 2007 10:14

Respekt!

Marko Hrbat (Hrbat)

Es erfordert Mut, die Wahrheit zu schreiben.

Selbst wenn herr Plaggenborg inhaltlich nicht Recht hätte, ist der Umgang der Ministrialbürokratie nach Gutsherrenart nicht mehr hinnehmbar.

Normalbürger haben nur zwei Einflussmöglichkeiten:
Wahl des Bundestages und des Bundesrates (mittelbar über die Landtagswahl).

Wir geben dem Parlament eine allumfassende Vollmacht, die wir weder widerrufen noch sonstwie beeinflussen können. Das Parlament wählt die Regierung - und das war es.

Letztlich sind die Unterschiede zwischen dem Staat und einer deutschen AG nicht groß. Die Aktionäre/Bürger zahlen die Zeche.
Die Administration kassiert ab und bestimmt.

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20. November 2007 10:01

Hochschulen: Wie ein Studienort zerstört wurde

Jürgen Tarach (Rotationer)

Müssen eigentlich Bewerber für die Stelle eines Universitäts-Direktors eine Eignungsprüfung ablegen? Dürfen diese Leute ungestraft Steuergelder verschwenden?

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20. November 2007 10:01

fachleute

Christian Bartke (DerBartke)

"Während der Debatte bitte ich Staatssekretär Leonhard, den anwesenden Kollegen, die zu einem großen Teil gegen die Verlagerung protestiert hätten, zu erläutern, warum das Ministerium nicht auf die Fachleute hören wolle. Das Ministerium höre auch bei anderen Gelegenheiten nicht auf Fachleute, lautet die Antwort."

Das ist so traurig, das es schon wieder komisch ist.

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20. November 2007 09:57

Traurig

Tanja Hagedorn (tanjaha)

Mit der selben Fassungslosigkeit beobachte ich auch schon seit langem die absolut absurde Zentrenbildung z.B. in Marburg und Gießen, die sich durch die Exzellenzinitiative meiner Meingung nach noch verstärken wird. Man wird langfristig eine Konzentration von "Orchideenfächern" nicht verhindern können, aber es ist eine Schande, wer darüber entscheidet und wie.

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20. November 2007 09:31

Demokratie der Unzuständigkeiten

Sebastian Arnoldt (sebumundo)

Das liest sich wirklich wie eine Geschichte aus dem DDR Alltag. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Demokratie in Deutschland eine Illusion ist. Wir stehen der Demokratie Russlands in vielen Aspekten nicht nach.

Wie kann ein einzelner Universitätspräsident dermaßen unsere Steuergelder verschwenden?

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