Arztbesuch: Besser am Anfang des Quartals

Kassenärzte

Die alltägliche Planwirtschaft

Gedeckelt, geregelt, genervt: Kassenärzte schimpfen auf die Gesundheitsministerin, auf die Kassen und einige auch auf Patienten. Alle klagen über das Abrechnungssystem. Die Gesundheitsreform hat nichts verändert. Wir hatten unsere Leser aufgerufen, an diesem Beitrag mitzuschreiben und über eigene Erfahrungen zu berichten. Die Kommentare werden im Anhang dokumentiert. Von Magnus Heier

Lesermeinungen zum Beitrag

15. Januar 2007 10:27

Nochmal zusammengefaßt:

gisbert heimes (gisbert4)

Im Gesundheitssystem ist viel Geld drin.
Im Gesundheitssystem gibt es viele Gruppen und Interessen.
Hinter die Gruppen- und Geldinteressen tritt in der Regel das Gesundheitsinteresse zurück.

Die Grundstellung ist: der Kranke und sein Arzt. Um diese Konstellation rankt sich alles andere: von den Kassen bis zur Pharmaindustrie.

Eine Lösung wäre, radikale Wettbewerbsbedingungen durchgängig durchzusetzen. Dabei blieben nicht wenige auf der Strecke: es gibt nun mal Ärzte, die keine Kaufleute sind, und es gibt Kranke, bei denen nichts zu holen ist.

Eine andere Lösung wäre: alles und alle in einen großen Topf. Sozialismus eben. Dann müßte man definieren, in einem 'breiten Konsens', was geht und was nicht. Man müßte auch ein 'Volksgesundheitsprogramm' auflegen (Prävention, Sport, Rauchen, Saufen usw. usf.). Sehr schwierig, wegen der Interessen und wegen der 'Freiheit' (sic!). Würde aber die Kosten sehr bald gravierend senken. Am Ende stünde die 'Volksgesundheit'. Jedenfalls eine bessere.

Alles äußerst mühsam. Aber mühsamer als das jetzige Gezerre kann es auch nicht sein. Wozu haben wir denn diese verdammte Große Koalition.

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15. Januar 2007 09:54

Teilweise partizipativer Journalismus

Thomas Kaspar (Bibliothomas)

Liebe Kollegen,

da habt Ihr ein tolles Stück journalistische Arbeit geleistet.
Ich habe es in meinem Blog bei CHIP Online kommentiert:
http://blog.chip.de/community-blog/faz-am-sonntag-teilweise-partizipativer-journalismus-20070115/

Gruß
Thomas H. Kaspar
CHefredakteur Community
CHIP Xonio Online

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15. Januar 2007 00:32

Die alltägliche Planwirtschaft

Peter Ronge (Ulenspegel)

Das ist neu:
Die FAZ schildert in allen wesentlichen Punkten zutreffend (wenn auch nicht vollständig, das wäre unmöglich) die Lage der 120.000 "Kassen"ärzte, welche Tag für Tag unter den Bedingungen eines völlig absurden, ja pervertierten staatsplanwirtschaftlichen pseudosozialen Systems die Hauptlast der Gesundheitsversorgung der bundesdeutschen Bevölkerung tragen.

Daß sie dafür (AUCH VON DER FAZ!) gerne einmal mit Kriminellen ("Abrechnungsbetrug in Milliardenhöhe") auf die gleiche Stufe gestellt werden, WEIL DIESES ABSURDE SYSTEM IN SICH SELBST EINEN UNIVERSELLEN BETRUG darstellt, ist nicht vergessen.

Hier wenigstens eine kleine "Wiedergutmachung".

Bleibt zu hoffen, daß die verantwortlichen Redakteure auch auf dem gefährlichen Eis des Gesundheitswesens genauer nachhören, bevor sie allfällige Vorurteile und Propaganda aus arztfeindlichen Quellen kolportieren.

Es besteht also Hoffnung auf Objektivität; hoffentlich keine journalistische Eintagsfliege !

Gruß

Ulenspegel

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15. Januar 2007 00:28

Was will der Bürger ?

Stephan Falk (Pathosurfer)

Als niedergelassener Arzt kann ich allen Meinungen im Forum nur zustimmen: es gibt gute und schlechte Ärzte, es gibt Idealisten und Opportunisten sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten, es gibt korrekte und Hochleistungsabrechner, es gibt Bürokratie und Zwang ohne Ende...
Was es nicht gibt ist Freiheit - Freiheit des Patienten, sich mündig und ökonomisch zu verhalten, seine Versicherungsform selbst zu bestimmen, selbst einen Kontrakt mit dem Arzt zu schließen und die Rechnung auch selber zu prüfen. Freiheit des Arztes Patienten ohne irrwitzige Bürokratie und ohne Abstaffelung bei erneuten Besuchen (es soll auch chronisch und Schwerkranke geben, die der laufenden Zuwendung bedürfen) und ohne Büttelfunktion der GKV bei der Verschreibung auch teurer Medikamente und Therapien zu behandeln. Das gibt`s schon lange nicht mehr in der GKV, jetzt wird auch noch die PKV, in der diese Freiräume noch existieren, derart ausgehöhlt, daß ihr Ende absehbar ist: ein Reformerfolg nur im Newspeak a la Orwell !
Hat eigentlich irgendjemand der Verantwortlichen den Bürger gefragt, ob er das bürokratische Monster Gesundheitsfonds braucht, der noch mehr Geld aus der Patientenversorgung abzieht, um sich selbst zu erhalten?

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14. Januar 2007 22:11

Gesundheitsreform - Krankenkassen

Gabriele Limmer (rlimmer)

Warum wird nicht endlich der Rotstift auch bei den Krankenkassen selbst angesetzt? Die Krankenkassen scheinen ein Selbstbedienungsladen für die eigenen Führungsetagen zu sein!
Anstatt das Geld der Versicherten für die Mitglieder zu verwenden, wird aufwändig in eigener Sache geworben - mit Plakat-Fernseh - und Flyerwerbung!
Durch die Praxisgebühr, die von uns Ärzten ja kostenlos eingetrieben wird, entstehen bei uns selbst und auch bei den KVen enorme Verwaltungskosten. Dies wird noch gesteigert durch die vielen Ausnahmen, die mittels meist unsinniger Früherkennungsnachweise erkauft werden. Wenn ich sehe, wie die Patienten Rabattmärkchenartige Heftchen führen müssen, um Wohlverhalten zu demonstrieren, wird mir schlecht!
Es ist absolut notwendig, dass die Betroffenen selbst : Patienten, Ärzte (nicht Funktionäre) und Sachbearbeiter der Krankenversicherungen Einfluss auf die Struktur der Gesundheitspolitik nehmen. Wir brauchen nicht noch mehr unsinnige Verwaltungsverrenkungen, sondern weniger!
MfG Dr. Limmer, Solingen

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14. Januar 2007 17:22

Thema Praxisgebühr:

Dietrich Berner (dieterberner)

Ich kann den geschilderten Sachverhalt nur bestätigen. Da ich dies bzgl. Notdienst jedoch nicht kannte, habe ich nachgefaßt. Das Thema "Notfall" ist im gesamten SGB 5 bzgl. Praxisgebühr nicht angesprochen. Nächste Stufe war Rückfrage beim BMG, bei der BKV, der zuständigen Landes-KV, bei meiner Krankenkasse, wo diese 100%-Ausweitung der Praxisgebühr geregelt ist. Niemand konnte mir bis heute sagen, wo diese Handlungsweise geregelt und - da es sich um ein Gesetz des Bundestages handelt - von diesem autorisiert wurde.
Die Praxisgebühr muss der Arzt zwar an die Kasse weitergeben, aber sie fließt dann wieder an die Ärzte zurück. Die Kankenkassen sind froh, daß sie mehr Geld in ihren Topf bekommen, und die Ärzte ebenso. Letztlich ist es aber eine dumme Sozialistenidee der Sozialistin Schmidt und des "Sozialpopulisten" (FAZ vom 14.1.07) Seehofer. Sozialisten sind nicht in der Lage die Grundkrankheit eines sozialistischen Systems zu erkennen: wenn ich schon gezwungen werde zu zahlen, werde ich soviel wie möglich mitnehmen. Der sozialistische Staat DDR ging letztlich daran zu Grunde.
Wer kann mir sagen, wo die Notfall-Praxisgebühr gesetzlich geregelt ist. Im SGB 5 jedenfalls nicht!

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13. Januar 2007 03:23

Ihr Artikel Die alltägliche Planwirtschaft

Michael Brenner (MichBren)

Ihr Artikel beschreibt sehr gut die völlige Absurdität des ärztlichen Handelns im Alltag, bei dem kaum noch Platz für den Patienten und seine Krankheit übrig bleibt. Es wird allerdings betreffend des Abrechnungssystems nicht deutlich genug, dass die Verantwortung für die Absurditäten nicht bei der Selbstverwaltung, d.h. der KV liegt, die nur den Mangel verwalten kann, sondern bei der Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen verursacht hat, sich dieser Verantwortung jedoch nicht stellt. Ein wesentliches Element des ärztlichen Leidens fehlt ebenfalls noch, nämlich die permanente Bedrohung durch Medikamentenregresse aufgrund von Budgets, mit denen Patienten nicht annähernd nach den geltenden medizinischen Standards behandelt werden können, mit Regreßsummen, existenzvernichtend sind. Das Ganze noch verschärft durch die neu gesetzlich verankerte Bonus-Malus-Regelung, die den Arzt in eine nicht lösbare Ethikfalle führt,nämlich entweder an seine wirtschaftliche Existenz zu denken und dann dem Patienten die erforderlichen Medikamente zwecks Bonus zu verweigern oder sie ihm zu verordnen mit der Konsequenz, mit der Malus-Regelung finanziell bestraft zu werden.Dies alles zusammen genommen erklärt den massiven Frust sehr gut.

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12. Januar 2007 19:42

zu AOK 2

Hermann Trouvain (liwiz)

Die Quelle dieser Daten (Zunahme der Kostenfaktoren, insbesondere die Kostenexplosion bei den Arzneimitteln) würde mich brennend interessieren.

Laut OECD betrug der Anteil unserer Arzneimittelkosten an den Gesundheitsausgaben im Jahre 1970 16%, ging in den 90er Jahren zurück auf 13% und liegt in 2004 bei 14,1 %.
Das sind die Daten, die unsere Regierung an die OECD geliefert hat. In vielen OECD Ländern liegen diese Kosten in 2004 um 20%.

Die wahren Gründe für die Kostenentwicklung in unserem "Krankheitssystem" sind:
- unsere Krankheitstage, akut-Einweisungen in Krankenhäuser und Zahl der Arztbesuche (jeweils pro 1000 Einwohner) sind Spitzenwerte in den OECD Statistiken
- Mangelnde Transparenz führt zum Mißbrauch des Systems
- Budgetrestriktionen verhindern eine angemessene Behandlung der Patienten mit Arzneimitteln
- eine absolut unnötige Bürokratie mit über 200 Krankenkassen und den Krankenkassenärztlichen Vereinigungen. Der Gesundheitsfond wird dieser Bürokratie die Krone aufsetzen!

Zudem haben wir ein Finanzierungsproblem, da die Zahl der Beitragszahler nicht wächst.

Keines dieser Probleme wird mit der "Gesundheitsreform" angesprochen, geschweige denn eine Lösung aufgezeigt.

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12. Januar 2007 19:17

AOK - Erklärung der Praxisgebühr

Thomas Sitte (t.sitte)

zur Praxisgebühr:

Die Niedergelassenen sind die Eintreiber der Praxisgebühr. Das, was sie hier in die Kasse buchen, dürfen sie tatsächlich behalten. Es wird Ihnen quasi "gutgeschrieben".

ABGEZOGEN wird ihnen aber für jeden einzelnen zahlungspflichtigen Patienten 10,- € vom Honorar. Wenn der Patient nicht bezahlt hat, macht man halt ein Minus. Darauf kommt es ja dann auch nicht mehr an, könnte man sarkastisch anmerken.

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12. Januar 2007 19:13

Zur Niederlassung und Kooperationsmodellen

Thomas Sitte (t.sitte)

So richtig verwirrend wird es bei den Abrechnungsmöglichkeiten erst, wenn sich mehrere Ärzte in einer Gemeinschaft zusammenschließen wollen. Dies ist ja eigentlich vom Gesetzgeber und den KV gewünscht und gefordert. Es kann den Patienten die Versorgung durch kurze Wege, schnelle Konsile unter einem Dach und "geballte Fachkompetenz" die Versorgung wesentlich erleichtern.

Wir haben im Dezember wegen einer Umtrukturierung unserer durch den unsäglichen EBM 2000+ gebeutelten Praxis bei der KV nachgefragt. "Wollen Sie wirklich russisch Roulette spielen? " war der durchaus ernst gemeinte Rat des kompetenten Mitarbeiters! Haben wir dann doch lieber nicht.

Zum Glück sich wir agil und flexibel um unsere Praxis durch die Untiefen des Systems zu lotsen. Einige Male hätten wir fast Schiffbruch erlitten. Ein paar Mal ging es sehr gut. Inzwischen weiß ich, man will uns nichts Böses anhaben. Manche bei der KV meinen es wirklich gut. Aber das System ist kaputt. Ich spiele Monopoly mit meiner Kassenpraxis, ernsthafte, langfristige Strategien sind völlig nutzlos.

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12. Januar 2007 19:05

kleine Korrektur

Thomas Sitte (t.sitte)

auch von mir Herrn Heier meinen Glückwunsch, dass er das System tatsächlich besser begriffen hat, als die meisten meiner Kollegen. Zwei Dinge sind mir aufgefallen, die ich korrigieren würde.
In unserer Schmerzpraxis mit vielen Patientenkontakten bringt der Erstkontakt 195 Gummipunkte je 2,5-3,5 ct, der Zweitkontakt schon nur noch 50 Rubbelpunkte je 2,5-3,5 ct, jeder weitere Kontakt stürzt auf 50 Pünktelchen je 0,45 ct (= 0,22 € oder in der alten Währung 12 Pfenning für 10 min Gespräch plus Dokumentation). Nett nicht wahr.

Wie hieß es doch: wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Thalers nicht wert!

Beim Abrechnungskatalog der Nervenärzte ist schlicht ein Fehler unterlaufen, der Umfang der fachärztlichen Leistungen umfasst 17 Katalogseiten, dazu kommen noch 72 allgemeine Seiten. Der Kommentar dazu ist natürlich viiiiiiiel dicker aufgeblasen und für keinen mehr zu durchschauen. Abrechnungsfehler, vox populi nennt das "Arztbetrug" ist Tür und Tor geöffnet!


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12. Januar 2007 16:11

Zur Stellungnahme II der AOK

Markus Teuber (arathorn)

Dort wird behauptet,die Praxisgebühr verbliebe bei den Ärzten.
Das ist schlichtweg gelogen
(einen anderen ,gemäßigteren Ausdruck gibt es leider nicht)!
Die Praxisgebühr wird von den Ärzten zwar eingetrieben,ist aber ohne Abzug bei der zuständigen KV abzugeben.
Dort wird sie anteilsmäßig wieder auf die Krankenkassen verteilt.
Die Ärzte treiben diese Gebühr stellvertretend für die
gesetzlichen Krankenkassen ein!
Die Praxisgebühr wurde nicht eingeführt,um das Honorar
der Ärzte aufzubessern,sondern um den Anstieg der Beiträge
zur gesetzlichen Krankenkasse auf diese Weise zu kaschieren
(da Frau Schmidt 1 Jahr vor der Einführung der Praxisgebühr
noch versprochen hatte,die Beiträge zur GKV werden in Zukunft sinken).
Dies ist nur ein Beispiel für vielerlei falsche oder verfälschte Behauptungen und Darstellungen im Rahmen
der "ewigen" Gesundheitsreform.

Etwas mehr Ehrlichkeit von Seiten der jeweiligen Lobby-Gruppen wäre äußerst hilfreich,um das Gesundheitssystem wirklich zu reformieren.

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12. Januar 2007 14:59

Stellungnahme des Bundesverbandes der AOK 2

Joerg Albrecht (joergalbrecht)

Leider kommen in dem Artikel auch wichtige Fakten zu kurz. Deshalb hier nur vier Punkte zur Entwicklung der ambulanten Versorgung von 1993 bis 2005: 18,3 Prozent mehr berufstätige Ärzte. 20,8 Prozent mehr niedergelassene Vertragsärzte. 20,5 Prozent Plus bei den Arzthonoraren (ohne die Praxisgebühr, die beim Arzt verbleibt). 78,4 Prozent Plus bei den Arzneimittelausgaben. Mehr dazu unter www.kassenbesuch.de.

Udo Barske, Leiter der Pressestelle AOK-Bundesverband

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12. Januar 2007 14:58

Stellungnahme des Bundesverbandes der AOK 1

Joerg Albrecht (joergalbrecht)

Gesetzlich Krankenversicherte werden von niedergelassenen Ärzten in Deutschland sehr gut behandelt.Durchschnittszeiten von Arzt-Patientengesprächen sind dazu kein Widerspruch, wenn man bedenkt, dass viele Patienten auch nur ein Rezept abholen. Gerade bei manchen Fachärzten gibt es allerdings unnötige Wartezeiten, daran arbeiten wir gemeinsam mit den Ärzten. Auch eine Änderung der Vergütung der Ärzte, eine Umstellung auf Fallpauschalen, die sich - ähnlich wie im Krankenhaus - an der Schwere der jeweiligen Erkrankung und des dadurch notwendigen medizinischen Aufwandes orientiert- wird kommen. Eines wird sich dadurch aber nicht ändern: dass Geld ein knappes Gut bleibt. Die „alltägliche Planwirtschaft“ wird also nicht abgelöst werden können durch den ungehinderten Griff in die Kassen der gesetzlichen Krankenkassen oder in den Geldbeutel des Patienten.

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12. Januar 2007 12:00

Positivbeispiel

Andreas Seidl (ASeidl)

Ich habe einige nicht besonders schmeichelhafte Beispiele hier abgegeben und möchte das durch ein positives ergänzen, um ein faires Bild zu geben.

Vor zwei Jahren plagte mich der Husten einige Wochen und nichts half. Es wurde ehr schlimmer. Also suchte ich einen Arzt auf, bei dem ich vor Jahren schon mal war und in der Familie einen guten Ruf hat. Nachteil: man muß lange warten und durch die halbe Stadt fahren. Er nahm sich 20 Minuten Zeit um alle Symptome und den Krankheitsverlauf zu besprechen, untersuchte mich und stellte seine Diagnose. Er erklärte genau, was los war, verschrieb ein Medikament, erklärte wie es wirkt und wie es anzuwenden sei. Ich holte es für ca. 15 € aus der Apotheke, verfuhr gemäß Anleitung und gut eine Woche später war der Husten weg. Dann kam die Arztrechnung: gut 20 €. Aus meiner Sicht supergünstig.

Ein weiterer Systemfehler liegt offensichtlich in der GOÄ, die die aufgewendete Zeit für eine vernünftige Diagnose und Beratung nicht ausreichend honoriert. (Ulla Schmid möchte hier noch kürzen!) Man sollte die Tarife für Beratungsleistungen nach Aufwand staffeln und einen für Freiberufliche marktüblichen Stundensatz zu Grunde legen.So könnten Fehler reduziert werden und letztendlich die Kosten sinken.

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12. Januar 2007 11:12

@ Hr. Majorek

Andreas Seidl (ASeidl)

Danke für Ihren Kommentar. Auch hierzu einige Ergänzungen:

Ich halte es für falsch, Menschen, die sich für ihre Gesundheit aktiv interessieren und informieren als "modernen Patienten", was in Ihrem Kontext Ignorant bedeuten könnte, abzustempeln. Wenn der Arzt sich die Zeit nicht mehr nimmt zu informieren, muß man eben anderweitig recherchieren. Im übrigen ist macher Wikipediaeintrag informationsreicher als das was ein Arzt zum gleichen Thema spontan sagen könnte. Im Übrigen wünscht so manger Gesundheitsexperte, daß die Patienten aktiv mitwirken. Dadurch daß das Wissen einfach zugänglich geworden ist, wird man auch kontrollierbarer. Daß das nicht jedem genehm ist, kann ich verstehen.

Zu den Impfungen empfehle ich Ihnen die Impfempfehlungen Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Universität München beispielsweise für Lateinamerika abzurufen. Die dort gegebene Information deckt sich nicht mit der Ihres Beitrags hinsichtlich der Hepatitisimpfungen.

Wenn die Ärztin so kalkuliert haben sollte, wie Sie sagen, ist mein Beitrag natürlich in diesem Punkt falsch und es tut mir leid ihr Unrecht getan zu haben, aber warum hat sie dann nicht genau den Ablauf dieser Immunisierung erklärt? - Verstehen Sie was ich meine?

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12. Januar 2007 09:56

Planwirtschaft

Frank Martin (FrankMartin)

...oder genauer Zentralverwaltungswirtschaft bedeutet natürlich nicht, dass zentral erarbeitete Pläne auch eingehalten werden, sondern nur, dass jemand mit großer Geste behauptet, er wisse für alle anderen besser und vorher, was gut und richtig ist und also dank seiner weisen Entscheidungen auch kommen wird.

'Zentralverwaltungswirtschaft' ist prinzipiell selbstwidersprüchlich, denn eine zentrale Bürokratie zu betreiben, dient vornehmlich der Vermeidung verantwortlichen Handelns derer, die individuelle Probleme möglichst wirtschaftlich zu lösen haben.

Gesundheitsdienstleistungen und deren Finanzierung zentral planen zu wollen ist so absurd wie der Versuch, eine Fernbedienung für eine Katze zu erfinden.

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12. Januar 2007 08:04

Cui bono?

Hans-Jörg Rechtsteiner (hhrr)

Ein Hauptproblem, Verbesserungen unseres Gesundheitssystems zu erreichen, liegt in der miserablen Qualität der öffentlichen Debatte. Beispiel: Selbstbeteiligung. Obwohl die entsprechenden Instrumente fraglos nötig und in der Praxis wirksam sind, gibt es eine völlig überzogene Medienkritik an den wenigen moderaten Instrumenten wie Praxisgebühr und Zuzahlung, die dazu noch sozial oder durch das „Hausarztmodell“ abgefedert sind. Um dennoch ihre Unzumutbarkeit belegen zu können, muß die Kritik zu Fehlinformationen greifen. Beispiel: Die Sendung „Hart aber fair“ diese Woche. Es wurde eine Rentnerin gezeigt, der am Monatsende angeblich die Medikamente ausgehen, weil sie die Zuzahlung für das neue Rezept nicht leisten könne. Offensichtlich eine Medienlüge: Die Dame ist als „Chronikerin“ von Zuzahlungen befreit, sofern sie 1% des Einkommens überschreiten. Zu fragen ist in gut Brechtscher Manier: Wem nützen solche Kampagnen? Antwort: Denjenigen, die von der Ineffizienz des Systems profitieren. So einfach sind manchmal die Verhältnisse auch in komplexesten Systemen.

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12. Januar 2007 07:11

Die alltägliche Planwirtschaft

Thomas Kraus (tkraus16)

Seit 1983 bin ich als Gynäkologe und Kassenarzt in Nürnberg niedergelassen. Ihr Artikel ist excellent recherchiert und zeigt die gesamte Misere sehr gut auf. Tragisch ist, daß ein Moloch von Verwaltung (Krankenkassen und KV) dem System Geld entzieht, welches dem Versicherten vorenthalten wird. Beispiel sind die sog. DMP's, bei denen die Einschreibung des Patienten in dieses Programm für den Arzt, wie ich glaube, 30 € und die Kasse 2-3000 € bringt. Hier wird sog Papiermüll produziert, der eine excellente Einnahmequelle für die Krankenkassen darstellt. Meine These lautet: Das Geld im Gesundheitssystem wird flächendeckend misbräuchlich verwendet. Würde man echte Präventionsprogramme konsequent anwenden(siehe www.gsaam.de oder www.drkraus.net) könnte man den großen Volkskrankheiten, die die meisten Resoursen verschlingen, wirksam bekämpfen, nämlich Gefäßkrankheiten(Schlaganfall, Herzinfarkt), Demenz, Depression, Diabetes, Hypertonie. Ursache ist vorallem die Fehlernährung mit folgender Adipositas. Wo ist hier eine ehrliche Aufklärung von Seiten der Politik? Die geplante Gesundheitsreform wird unsere Probleme noch mehr verschleiern. Eine weitere Katastrophe wird die "Gesundheitsreform" sein.
Mit freundl. Grüßen

Dr. Thomas Kraus

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12. Januar 2007 00:53

Patient wird Opfer

Matthias R. (mrecky7)

Längst ist der Patient zum Opfer einer fehlerhaften Gesundheitssystems geworden. Das System ist krank und die jetzigen Reformen garantieren dann einen langsamen Tod. Bis man dann auf die einfache Lösung, wie in Belgien kommt.
Das jetzige Kassensystem täuscht dem Patienten ein offenes, soziales Gesundheitssystem vor. Faktisch muss man sich sehr gut mit den Mechanismen des Systems auskennen, damit man die Leistung bekommt, auf die man dringend angewiesen ist, nämlich unbürokratische schnelle HILFE IM KRANKHEITSFALL.
Aber das System ist nicht auf Rückkopplung ausgelegt.
Der Kassenbeitrag ist nicht an die Inanspruchnahme einer bestimmten professionellen Leistung gekoppelt, sondern hängt vom Verdienst des Versicherten ab.
Das System würde kollabieren, wenn sich die Einzahlungsparameter gegenüber den Ausgabeparamtern weiter verschlechtert. Bei 30% Krankenkasseneinheitsbeitrag hört der Spaß sicherlich für die meisten Bürger auf.
Die kassenärztliche Vereinigung ist nur ein kleines Rädchen im Getriebe und bekommt 30% des Gesundheitskuchens zur Ausschüttung an die Ärzte und das kostet dann 10% der Verteilsumme und bringt sicherlich 20.000 Verwaltungs-Arbeitsplätze.

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11. Januar 2007 23:34

Planwirtschaft?

Thomas Sitte (t.sitte)

Planwirtschaft?

Jeder Kassenarzt wäre froh, wenn es einen Plan gäbe. Mal gibt
ordentlich Geld für gute Arbeit, mal weniger, mal gar nichts. Vorher weiß man nie, wie viel Umsatz man mit einer Leistung macht und auch vier, fünf Jahre danach kann es nachträglich sich völlig unvorhersehbar ändern.

Das Einzige, was planbar ist sind unsere Praxiskosten!

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11. Januar 2007 23:29

Planwirtschaft?

Thomas Sitte (t.sitte)

Wir führen mit fünf Kollegen eine größere Praxis und kämpfen seit Jahren ums Budget. Wir werden zu Verwaltungsexperten, Abrechnungskünstlern, politisch Bewegten. Was wir nicht werden: Ärzte mit mehr Zeit für Patienten, mit mehr Liebe am Beruf, mit Muße zum Nachdenken für die Sorgen anderer.

Was wir täglich versuchen, ist die Betreuung unserer Kassen-Palliativ- und Kassen-Schmerzpatienten aus anderen Töpfen zu subventionieren. Wie lange wir diesen Alturismus noch durchhalten? Keine Ahnung, aber wirklich Freude an der Arbeit kommt unter diesen Bedingeungen leider nicht mehr auf. Sehr viele der Kollegen haben sich schon lange in die innere Kündigung zurückgezogen und es wird kaum noch drei Jahre dauern, dann merkt es jeder am eigenen Leib.

Wen es zuerst trifft, sind die Kränksten und die Ärmsten. Heute schon ist die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen nach dem Stand der Wissenschaft unter Kassenbedingungen nicht mehr durchführbar. Eine Palliativversorgung zu Hause war das noch nie.
Lösungen - teils auch kostensparend - gäbe es viele gute, gefragt um Rat werden aber meist die falschen Lobbyisten.

Ob sich das jemals ändern wird?

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11. Januar 2007 23:06

@ Hr Bayerl

Andreas Seidl (ASeidl)

Zunächstmal: Aufgrund der Längenbegrenzung der Beiträge im Forum mußte ich schon 3 Teile posten, die auch nicht alle Details enthielten:
Darum folgende Ergänzung:

zu 1. die Antwort steht im Beitrag, erhebliche Beschwerden lagen vor. Ohne Beschwerden, da stimme ich ihnen zu, ist eine Behandlung nicht nötig.

zu 2. Die im Befund empfohlenen und auf Resistenz untersuchten Antibiotika waren das nicht. Besagtes Bakterium kann nicht mit jedem Antibiotika behandelt werden. Im übrigen wirken Schwangerschaft und Stillen wie ein Jungbrunnen, den die Beschwerden verschwanden für diese Zeit.

zu 3. Der Notarzt war ein Allgemeinarzt, wir haben das mit dem Heliobacter selbverständlich gesagt, der Mann hat aber nicht richtig zugehört und seine Diagnose gestellt. Übrigens kein Einzelfall.

Was ein häufiger Arztwechsel ist, muß noch definiert werden. Auf jeden Fall nutzt mir kein Arzt, der sich nicht die Zeit nimmt und ich zig mal hinrennen muß bis ich ein Leiden los bin.

Was ich sagen will ist, daß der Zeitdruck, unter dem die Ärzte stehen zu Falschbehandlungen führt und noch mehr Kosten erzeugt.

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11. Januar 2007 22:59

Gesundheits-Planwirtschaft

Bernd J. Melchers (bmelchers)

Das deutsche Gesundheitssystem leidet an einer kaum noch zu übertreffenden Intransparenz, die förmlich zum Missbrauch verleitet und zwar bei allen Beteiligten. Ich erinnere mich z.B. an einen Bericht eines mir bekannten niedergelassenen Arztes, der von seiner Kassenaerztlichen Vereinigung (KV) aufgefordert wurde, bestimmte Untersuchungen vermehrt durchzuführen, um den Durschnitt im Abrechnungsbezirk nicht kaputt zu machen. Gesetzliche Krankenkassen sind aufgrund der Abrechnungspraxis nicht in der Lage, doppelte oder medizinisch nicht angezeigte aerztliche Leistungen und den Missbrauch von Krankenversicherungskarten zu stoppen. Der Patient weiss nicht welche Kosten er verursacht und die Gesundheitsindustrie verkauft unkoordiniert ihre Leistungen zu - in vielen Faellen -überzogenen Preisen. Im Zeitalter der EDV und vernetzten Syteme ist ein derartiger Zustand unertraeglich. Hier liegt ein ungeheures Sparpotential, was nicht angetastet wird. Statt dessen wird der Weg eingeschlagen, noch mehr Geld ins Sytem zu schleusen, was wiederum die Begehrlichkeiten erhoeht. Das System bleibt für alle eine Selbstbedienungsladen mit hohem MIssbrauchpotential bis es kollabiert. Ich habe den Eindruck, daß erst dann einew wirkliche Reform kommt.

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11. Januar 2007 22:35

Gesundheitssysteme in der EU

Jürgen Weber (weberjn)

Vielleicht könnte die FAZ ausführlich die Gesundheitssysteme in der EU dokumentieren.

Sicherlich gibt es da viele Erfahrungen, aus denen man lernen kann.

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11. Januar 2007 22:32

ad dominikator - Belgien

Jürgen Weber (weberjn)

"Man bezahlt grundsätzlich jede Rechnung selbst, reicht diese ein und bekommt daraufhin 80% erstattet."

Noch besser, die Krankenkasse zahlt 100% und fordert 20% vom Patienten zurück, dann hat dieser im Krankheitsfall keine so hohe Kapitalbelastung.

Letztlich entspricht das belgische Modell meinem Vorschlag "Eigenanteil auf jede Leistung ", nur ohne Deckelung (ist das wirklich so?).

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11. Januar 2007 22:25

Gesundheitssystem ?

Hermann Trouvain (liwiz)

(1) mit unseren Krankheitskosten pro Kopf liegen wir nach USA und Schweiz an 3. Stelle

Nachfolgende Angaben beziehen sich auf die OECD-Länder:

(2) Die Anzahl der Ärzte pro 1000 Einwohner wird nur von Italien übertroffen
(3) Die Anzahl der akuten Einweisungen in Kliniken pro 1000 Einwohner ist Spitze
(4) Die Anzahl der Krankheitstage pro Arbeitnehmer erreicht die Silbermedaille
(5) Das Einkommen der Ärzte in Prozent des Bruttosozialproduktes ist unter dem Durchschnitt
(6) Mit unserer Lebenserwartung liegen wir immerhin an 8.Stelle

Wenn man diese Zahlen im Zusammenhang betrachtet sollte man unser Gesundheitssystem in Krankheitssystem umbenennen.


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11. Januar 2007 22:09

Beitrag grundsätzlich korrekt

Martin Hahn (mhh3)

Der Beitrag gibt die, von einigen Mängeln im Detail abgesehen, verwirrende Realität korrekt wieder. Eine mutige grundlegende Reform muss auf das zurückgreifen was in einer freien Gesellschaft üblich ist: es wird zwischen den handelnden Parteien (hier Arzt und Patient) ein Vertrag geschlossen (Natürlich nicht schriftlich, genausowenig wie für eine Beratung beim Kauf eines Brotes oder beim Beratungsgespräch eines Finandienstleisters). Die beiden Vertragsparteien schulden sich Leistung (Arzt) gegen Geld (Patient). Alles andere ist planwirtschaftliches Vorgehen. In einem planwirtschaftlichen System benötigt man enorme Resourcen für die Kontrolle (siehe Artikel in der FAZ: 'Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser'). Eine grosse Anzahl von Ärzten befürwortet die Kostenerstattung. Erst damit erhält das System die Grundlage zur Transparenz. Das Argument der Patient könnte nur bedingt die Notwendigkeit einzelner Leistungen abschätzen greift zu kurz. Zum einen funktioniert dieses Prinzip bei Privatversicherern schon seit über 100 Jahren und andererseits gilt dies für andere Lebensbereich (Auto, Finanzdienstleistung, Hausbau, etc.) genauso, ohne dass z.B. eine Mobilitätskasse gegründet worden wäre.

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11. Januar 2007 22:00

@Rechtsteiner (hhrr) Marktwirtschaft + "Gesundheitsökonomen"

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

Staatliche Planwirtschaft ist schlicht das Fehlen von Marktwirtschaft.
Auf sog. Gesundheitsökonomen wird viel zu viel gehört und nicht zu wenig. Ich kann solche Menschen nur ernst nehmen, wenn sie auch wirklich was von Medizin verstehen.
Von zwei berüchtigten Vertreten dieses Faches aus der Schweiz wurde eine bestimmte Menge Alkohol empfohlen um die Zahl der teuren Rentner zu reduzieren, klar nicht zu viel, damit man möglichst bis zur Rente noch arbeiten kann.
Krankheit kostet Geld, das ist die erste Regel, nicht irgendwelcher Automatismus der Gesundheitslobby, das scheint ihr Lieblingsgedanke zu sein. Natürlich muss Medizin effizient sein, wenn sie sich rechnen soll. Aber wer kämpft nicht alles für Homöopathie, tradition. chinesische Medizin etc. bis zu F.J.Strauss gott hab ihn seelig, in Bayern waren die meisten "Naturmittelhersteller".
Von meinem ökonomisch studierten Geschäftsführer wurde mir früher als Leiter der Chirurgie gesagt, ich solle auf Grund der staatlichen Vorgaben die Betten vollmachen und möglicht gar nicht operieren, das sei zu teuer. Leistungen (kurze Liegezeit durch moderne Op-Technik) werden durchaus nicht selten ökonomisch bestraft, besser wäre ein Jurist als Geschäftsführer bei dieser Planwirtschaft.

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11. Januar 2007 21:32

Die alltägliche Planwirtschaft

Thomas Nolte (conmagi)

Das tägliche Elend!

Das Dilemma von Schmerzpatienten in der kassenärztlichen Versorgung:

„Das kassenärztliche Abrechnungssystem ist teuer, ineffizient und ungerecht.“ Und produziert im Bereich der Schmerztherapie das, was es eigentlich verhindern sollte, nämlich die weitere Chronifizierung bei Patienten mit ungelösten Schmerzproblemen.

Nach einer aktuellen Untersuchung (GEK-Report) gehen die Patienten in Deutschland weltweit am häufigsten im Jahr zum Arzt, der erhält dafür im internationalen Vergleich ein geringes Honorar. Zitat: „Das Vergütungssystem der Ärzte treibt Menge und verdirbt die Preise“ (Deutsches Ärztezeitung vom 28.11.06). Die systemischen Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung induzieren genau dies: medizinische Versorgung bis zum Ausschöpfen des „Drei-Monats-Vorrats“, Wiedervorstellung im nächsten Quartal garantiert.

Die qualifizierte Schmerztherapie degeneriert in diesem Milieu kassenärztlichen Versorgung zur letzten Instanz für die im System der Regelversorgung austherapierten Patienten, die in dem zuvor beschriebenen System zu Schmerzkranken geworden sind: seit Jahren Schmerzen, bei allen Ärzten im Ort bekannt, immer wieder krank geschrieben oder Zeitrente schon bewilligt, alle Leistungen aus d

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11. Januar 2007 20:24

Nachtrag

Hans-Jörg Rechtsteiner (hhrr)

Unsere Medien verstehen es, die Verhältnisse im Gesundheitswesen so darzustellen, als lägen die Interessen der Leistungserbringer ganz auf Seiten der Versicherten: Alle wollen nur das Beste für den Patienten, aber leider vereiteln die Politiker den edlen Vorsatz, indem sie dem System das nötige Geld verweigern, mehr noch: alle Beteiligten mit bösartigen Schikanen drangsalieren. Soweit der mediale Grundkonsens. Er gibt den Fond ab, aus dem die vielen journalistischen Rührstücke gekocht werden, mit denen wir Tag für Tag gefüttert werden. Die Wirklichkeit sieht naturgemäß ein wenig anders aus. Gesundheitsökonomen – merkwürdigerweise kommen sie nur sehr selten zu Wort – sind sich fast durchgehend darin einig, daß unserem Gesundheitswesen genügend Geldmittel zur Verfügung stehen. Den Beweis, daß mit der heutigen Abrechungsordnung erfolgreich gewirtschaftet werden kann, erbringen schließlich zahlreiche privatwirtschaftlich strukturierte Kliniken oder auch viele Praxisgemeinschaften, die Medizin auf höchstem Qualitätsniveau betreiben. Dennoch: zu viel Geld versickert immer noch durch Ineffektivität und mangelnde Marktmechanismen, sprich: staatlich geschützte Privilegien. Diese abzubauen müßte das Anliegen der Medien sein.

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11. Januar 2007 18:58

Praxiskauf: Steuerliche Berücksichtigung des Kaufpreises möglich?

Robert Stürcke (rstuercke)

Sie merken richtig an, dass es die einzige Möglichkeit für einen jungen Arzt ist, eine gut gehende Praxis zu kaufen, um ein ausreichendes Abrechnungsvolumen zu erlangen. Sie schreiben dazu: "Das ist teuer." Das stimmt.
Die steuerliche Abzugsfähigkeit des Kaufpreises - soweit er auf die Kassenzulassung entfällt - war Gegenstand eines Verfahrens vor dem Finanzgericht Niedersachsen. Das Gericht hat in einem speziell gelagerten Fall festgestellt, dass eine steuerlich wirksame Abschreibung des Kaufpreises - soweit er auf die Kassenzulassung entfällt - nicht mehr möglich ist. Die OFD Koblenz fühlte sich mit Verfügung vom 12.12.2005 dazu berufen, die Versagung der Abschreibung pauschal auf eine Vielzahl von Fällen auszuweiten.
Zukünftig besteht somit das Risiko, dass der anteilige Praxiskaufpreis aus versteuertem (Netto-)einkommen zu zahlen ist. Das wird teuer! Das ändert jedoch nichts daran, dass der Veräußerungsgewinn der auf Verkäuferseite steuerpflichtig ist!

Robert Stürcke
Wirtschaftsprüfer - Steuerberater
www.Der-Aerzte-Steuerberater.de
02151-5312658

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11. Januar 2007 18:11

Was soll man da noch sagen....

Fabian Beier (Kartoffelklopfer)

Ich halt mich mal zurück und zitiere nur: Untersuchung der EU aus dem Jahr 2000 (einfach in google mit den hier so oft genannten Schlagworten suchen):

"Es besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens insgesamt und dem Volumen der Gesundheitsausgaben bzw. den Aufwendungen für das medizinische Versorgungssystem. So wurden etwa in Deutschland 1999 über 10 % des BIP für die Gesundheits -versorgung ausgegeben (und damit mehr als in jedem anderen EU-Land), gegenüber nur 7 % in Spanien, und doch haben die Deutschen eine um zwei Jahre niedrigere Lebenserwartung. Die Lebenserwartung deutscher Männer ist niedriger als die britischer Männer, die Lebenserwartung der Frauen gleich hoch, obwohl das Vereinigte Königreich deutlich weniger für sein Gesundheitssystem ausgibt (6,8 % des BIP)."

Ach ja, die Ärzte in Grossbritanien verdienen auch noch deutlich mehr und .... Ach mein Blutdruck, ich reg mich nicht auf. Heute nicht.

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11. Januar 2007 17:54

@ Andreas Seidl und Allgemeinbildung

Mirko Majorek (hantaan)

Herr Seidl ist ein klassisches Beispiel für den "modernen" Patienten...
Eine 5-Minuten Internet Recherche macht noch keinen Fachmann.
1. Die besagte Hepatitis - Kombinationsimpfung kostet in der Tat rund 70 Euro - nicht nur bei DocMorris, sondern auch in der Apotheke.
2. Die Hausärztin hat auch recht: Eine Immunisierung gegen Hepatitis A alleine (das ist die Reiseimpfung) kostet etwa 160 Euro.
Lösung des Problems: Es sind 3 Impfungen nötig, um Impfschutz zu erhalten. Und nur die Hep A ist eine Reisekrankheit. (Hep B ist z.B. durch Geschlechtsverkehr übertragbar.)
Und die Moral von der Geschichte: Wieder einmal hat der Abzocker in weiß dem Patienten Geld sparen wollen. Der aber hat in Laienmanier alles besser gewußt und zahlt es dem Quacksalber so richtig heim...
Der Patient hat immer recht - sonst ist der Arzt, der nicht mehr Fachwissen haben kann als jener sich im Internet ergoogelt hat, weg vom Fenster. Allgemeinbildung und Internet ersetzen kein Studium und leider auch kein vertrauensvolles Arzt-Patienten Verhältnis. Aber für beides gibt's ja auch kein Geld in Deutschland...

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11. Januar 2007 17:38

Beispiel 3: Gesetzliche Krankenkasse im Ausland

Dominik Mayer (dominikator)

Belgien. Man bezahlt grundsätzlich jede Rechnung selbst, reicht diese ein und bekommt daraufhin 80% erstattet.

So einfach und transparent könnte das sein.

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11. Januar 2007 17:36

Beispiel 2: Rosinenpicken

Dominik Mayer (dominikator)

Eine bekannte von mir berichtete, dass sie in keiner privaten Krankenversicherung aufgenommen wurde, weil bei ven Angaben und Voruntersuchungen eine bestimmte psychologische Störung bei ihr diagnostiziert worden sei. Sie "musste" also in eine gesetzliche Versicherung.

Inzwischen weiss sie, dass dies eine falsche Diagnose war. Das ungute Gefühl, von den privaten "sitzengelassen" worden zu sein, bleibt. Und mich wundert es nicht mehr, dass bei den Privaten alles so gut funktioniert und finanzierbar bleibt, wenn diese sich nur die Rosinen herauspicken dürfen.

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11. Januar 2007 17:33

Beispiel 1: Unterschied Privat-Gesetzlich

Dominik Mayer (dominikator)

Als ich vor längerer Zeit von der Privaten zur gesetzlichen wechselte, mein damals behandelnder Arzt das aber nicht wusste (ich war zu krank und hatte vergessen ihm das zu sagen), kam später eine "Privatrechnung" über etwa 3500 DM. Diese Rechnung bei der gesetzlichen Versicherung eingeschickt, bekam ich Nachricht, dass davon nur etwa 348 DM erstattungsfähig wären. Der Arzt weigerte sich, entsprechend von privat auf gesetzlich umzubuchen, denn er habe erheblich mehr Leistung erbracht als "nur" das, was die Gesetzliche erstatte.

Gesund wäre ich auch ohne "Privatversichertenbehandlung" geworden, denn die richtige Diagnose kam vom Arzt so spät, dass ich schon fast wieder gesund war. Ich hatte Pfeifersches Drüsenfieber, und war die erste Woche mit einem Breitbandantibiotikum (=unwirksam) nach Hause geschickt worden...

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11. Januar 2007 17:21

@Gerd Breternitz.....typische Symptome..und das inder "BRD".

heike haubrichs (roselheike)

Ihre Erfahrungen mit der jetzigen Form des Gesundheits-
wesens ist hochinteressant und mitten aus der Praxis.
Mein Eindruck und Fazit: Dieses Gesundheitswesen ist krank, vielleicht sogar unheilbar erkrankt.
Daß Sie dabei Ihre Erkenntnise aus dem ehem. Arbeiter- und Bauernstaat mit dem jetzigen System gut vergleichen können, erhellt die Situation noch.
Nun war das von Ihnen Erlebte damals nicht freiwillig, sondern von oben und vom sozialistischen Gedankengut geprägt und damit hinzunehmen. Die Folgen haben Sie eindeutig vor Augen geführt.
Dass nun heute das "moderne" Deutschland sich freiwillig in ein solch abstruses Unterfangen nicht nur einlässt, sondern weiter ausbaut ist für mich unfassbar.
Hoffentlich lesen viele Ihren Beitrag und wachen danach auf.
Übrigens frage ich mich auch, wo die KrKassenbeiträge bleiben. Zusammen mit dem Arbeitgeberanteil waren aus meiner Kenntnis allein für eine Person (mir bekannt)zuletzt rd. 900,00 DM p.M. bzw. 10.800,00 DM p.A. fällig.
Die Beiträge wurden danach erhöht, die Leistungen jedoch gesenkt. Das ist die Realität.
MfG
W.Haubrichs

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11. Januar 2007 17:17

@Moritz Liedtke (Folko) was du beschreibst ist DDR-Medizin

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

herzlichen Glückwunsch!!!

Ja, man könnte tatsächlich denken unsere Frau Schmitt ist auf diesem Weg.
Deshalb stört sie auch die Privatversicherung.

Nun, dann würde ich mal ganz vorsichtichtig nachfragen, wie das funktioniert hat, es gibt noch genügend Ärzte und Patienten die das erlebt haben.
Den Ärzten geht es dann sicher etwas besser, aber den Patienten leider nicht :-)
Man braucht dann allerdings schätzungsweise mindestens doppelt so viele Ärzte.

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11. Januar 2007 17:04

@Andreas Seidl (ASeidl) "etwas Allgemeinbildung ;-)"

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

1)zunächst muss nicht jeder helibacter behandelt werden
2)es gibt auch Antibiotika, die man gefahrlos in der Schwangerschaft nehmen kann.
3) Da sie nun wußten, dass dieser heliobacter existierte, warum haben sie sich nicht nach der Geburt darum gekümmert und vor allem warum haben sie das dem armen Notarzt (vielleicht ein Augenarzt) nicht erzählt.
Sie sind ein schönes Beispiel für die Gefahr des häufigen Arztwechsels. Ihre Frau wird bermutlich wieder Magenschmerzen bekommen. Und es gibt dafür noch andere Ursachen als der heliobacter.
Man kann gerade als Privatpatient durchaus mit dem Doktor auch über Preise reden.

Pardon.

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11. Januar 2007 16:47

nochmal zur Anbieter-Lobby des Herrn Rechtsteiner

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

Zitat:
"Die Anbieter konnten nicht Maß halten sondern drängten den Patienten unsinnige Leistungen auf: Betriebswirtschaftlich verständlich, doch medizinisch unsinnig und damit volkswirtschaftlich schädlich."

Abgesehen davon, dass ich der rein "volkswirtschaftlichen" Betrachtung vehement widerspreche - es gibt noch andere Maßstäbe - darf man diese gerne etwas genauer ansehen:

Volkswirtschaftlich schädlich ist die Krankheit, ähnlich wie bei einem defekten Automobil, das nicht mehr fährt.
Dazu gehört auch die nicht erwerbstätige Mutter die die Kinder versorgt. Unsere Gesundheitspolitik verhätschelt in der GKV das defekte Auto und behindert die Reparaturwerkstatt. Das ist tolle Betriebswirtschaft.
Ähnlich inkonsequent werden auch ältere Menschen behandelt, man kann sie ja aus vokswirtschaftlichen Gründen schlecht umbringen, was sicher in einigen Köpfen herumspukt. Die Amerikaner haben längst ausgerechnet dass ein $ Therapie 5$ Pflege einspart. Auch hier ist also effiziente Behandlung wirtschaftlich sinnvoll.
Und zur verhinderung und möglichst raschen Beseitigung der Krankheit muss der Patient miteinbezogen werden.
Das funktioniert in der PKV schon ganz gut, deshalb wird sie zerstört.
Aldi ist auch Anbieter-Lobby

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11. Januar 2007 16:43

Schluss mit niedergelassenen Ärzten?

Moritz Liedtke (Folko)

Es kann natürlich nicht sein, dass Ärzte nicht wissen was Sie am Ende des Quartals bekommen oder vielleicht sogar Geld bezahlen müssen. Aber einfach nur privat wuchern und wirtschaften lassen funktioniert auch nicht.
Ein Weg wäre Ärzte nurnoch in den Krankenhäusern oder Ärztehäusern mit festem Gehalt vom Staat. Dann weiss der Arzt was er kriegt und es bringt nix zig unsinnige Untersuchen zusätzlich zu machen. Und wessen "Erfolgsrate" besser ist als die seiner Fachkollegen im Land kriegt einen Bonus als Anreiz für gute Arbeit.

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11. Januar 2007 16:35

Beispiele Teil 3

Andreas Seidl (ASeidl)

Als sie vor ein paar Tagen wegen einer Impfung bei der Ärztin war, fand sie zufällig im Befund der Magenuntersuchung den Nachweis dieses Bakteriums. Zum Glück ist sie jetzt nicht wieder schwanger.

Dann wollte meine Frau eine Hepatitis A+B Impfung für eine Reise. Die Ärztin klärte sie auf, daß das die Versicherung nicht bezahle und eine der beiden ca. 160 € kostete. Ich recherchirte. Lt. Doc Morris kostet der Kombinationsimpfstoff ca. 70 € Liste, das Applizieren einer Impfung kostet ca. 20 €, das habe ich schon mehrfach privat bezahlt. Macht zusammen 90 €. Es scheint, daß sie auf den Impfstoff den Faktor für Privathonorare anwenden möchte.

Wir werden also demnächst wieder den Hausarzt wechseln.

Mit etwas Allgemeinbildung und Kenntnis im Umgang mit dem Internet kann man den Ärzten auf die Finger schauen. Es wird Zeit das zu lernen. Nur leider überfordert das den Großteil der Bevölkerung.

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11. Januar 2007 16:27

Beispiele Teil 2

Andreas Seidl (ASeidl)

Unser Sohn hatte nach seiner Geburt das Bilirubin erhöht. Weder der Kinderarzt im Krankenhaus noch die von der Kasse bezahlte Nachsorgehebamme wies uns darauf hin, daß dabei besonders auf reichhaltiges trinken zu achten ist. Das Ergebnis war, daß wir den Kleinen ins Kinderkrankenhaus einliefern mußten, wo er eine Nacht unter der blauen Lampen verbrachte. Am dritten Tag im Krankenhaus, waren alle Werte normal, er trank gut und war fidel. Man machte aber keine Anstalten ihn zu entlassen, worauf ich einschritt. Mein Sohn ist privat versichert, der Spaß kostete gut 1700 €. Die Hebamme hat meine Frau dann gefeuert.

Nach der Stillzeit bekam meine Frau eines Nachts heftige Magenschmerzen, worauf wir den ärztl. Notdienst holten. Er behandelte lediglich die damit verbundene Panikattacke. Am nächten Tag gingen wir gemeinsam zu ihrer neuen Hausärztin. In weniger als einer Minute stellte sie die Diagnose: "das ist ein Magen-Darminfekt, das haben zur Zeit viele." Als wir uns damit nicht zufrieden gaben, las sie den Bericht des Notdienstes mit dem Kommentar: "der hat das ja gar nicht behandelt" und schickte meine Frau zu einer neuen Magenspiegelung. Dann wiederholte sich die Geschichte.

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11. Januar 2007 16:16

...und noch etwas

Gerd Breternitz (brt48)

Die Honorarverteilungsberechnungen der Kassenärzte erfordern ein Studium und auch dann bleiben sie absurd. 5,11 Cent war beim noch neuen EBM 2000plus eigentlich vereinbart - die Kassen zahlten in den letzten beiden Jahren zwischen 2,7 und 3,4 Cent - eben nach Kassenlage! Wo sonst noch im Kapitalismus bekommt man Leistungen geschenkt? Das ist so wie in der DDR, wo Bauern Brot an die Schweine verfütterten, da das Schweinefutter nicht vorhanden war oder eben teurer als Brot. Oder, Sie geben an das Volk Gutscheine aus für die Waren eines Kiosk-Besitzers, bezahlen an den Besitzer aber nur ca. 50-70% der Waren - die Leute räumen dann mit den Gutscheinen den Kiosk aus. Wenn der Kioskmann sich dann beklagt, dann weisen Sie ihn darauf hin, daß er doch ein bißchen Idealismus mitbringen müßte für seinen Beruf und die Qualität seiner Leistungen verbessern müsse.
Verstehen kann man die Honorarverteilungsverträge ohnehin nicht, da wird begrenzt, abgezogen, hinzugezählt, prozentuiert und mit Faktoren multipliziert, bis man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Wenn man als Arzt notwendige Medikamente verschreibt, soll man sie am Ende noch selbst bezahlen (Regreß), dazu wird man überall bedroht mit Honorarabzug. Nun ja, was lange währt, ...

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11. Januar 2007 16:16

Beispiele

Andreas Seidl (ASeidl)

Hier ein paar Beispiele wie das System das Verhalten der Mediziner ändert und dessen Folgen.

Als vor zwei Jaheren mein privater Krankenkassenbeitrag um 50 € p.M. angehoben wurde, rief ich meinen Versicherungsvertreter an, ob die Ärzte nun aufgrund der vorangegangenen Gesundheitsreform die von den Privatversicherten höhere Umsätze zu bekommen trachten, er sagte "eigentlich dürfen wir das nicht sagen, aber weil sie so direkt fragen, das stimmt." Da ich ein solidarischer Mensch bin rege ich mich nicht weiter auf.

Meine Frau, gesetzlich versichert, hatte vor 3 Jahren Magenprobleme. Die Ärztin schickte sie zur Magenspiegelung. Dannach verschrieb sie ein Medikament zur Magensäurereduktion und sagte zu, daß sie nach Erhalt des entgültigen Befundes anrufen wird, falls sich eine Änderung ergebe. Als meine Frau Wochen später wieder bei der Ärztin war, und diese in ihren Papieren kramte, stellte fand sie plötzlich den Befund, wonach meine Frau ein Bakterium, Helicobacter, und mit ANtibiotika behandelt werden müsse. Nur war meine Frau zwischenzeitlich schwanger. So verging Schwangerschaft und Stillzeit ohne Behandlung. Die Ärztin hat seither aus unserer Familie niemand mehr besucht.

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11. Januar 2007 15:44

jetzt wird ein Schuh draus, Herr Vogts

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

Ihr Zitat:

"Wenn schon die Statistik bemüht wird, dann muss auch erwähnt werden, dass statistisch gesehen Besserverdienende weniger krank werden und genau jene dürfen ja nun mal nur in die PKV. Das hat kein Fünkchen mit "Neidideologie" zu tun."

Nein, es sind auch kleine Selbständige ohne Arbeitheberanteil wie ich,
ich bezahle als über 60-jähriger unter 100 € im Monat mit einem "Selbstbehalt" von 5200 €/Jahr, kein Krankengeld etc.
das heißt, ich zahle fast alles selbst und kenne daher auch die Preise, sie sind nicht höher als bei Handwerkern, das gönn ich den Doktors. Eine GKV wäre mir zu teuer.
Die 100€ sind also nur die Notversicherung, wenn wirklich was Ernstes passiert, schwerer Unfall, Herzinfarkt, Krebs.
Nun, auch dagegen kann man was tun, ich rauche nicht treibe Sport, bekomme also keinen Infarkt und gehe zur Vorsorgeuntersuchung.
Gesünderes Leben und weniger rauchen und trinken trifft man in der Tat mehr bei den Besserverdienenden. Aber auch hier gibt es Bypass-Op`s, Lebertransplantationen etc. Es rechnet sich durch höhere Preise und weniger Leistung wie bei mir. Für Vorerkrankungen gibt es Risikozuschläge, kein Verbot.
Wenn das zerstört wird leidet auch die GKV, alles wird wesentlich schlechter werden.

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11. Januar 2007 15:43

Wahrer Sozialismus

Gerd Breternitz (brt48)

Wahrer Sozialismus a la Ulla Schmidt und SPD/CDU zeichnet sich in Deutschland dadurch aus, daß eine Fachärztin (Nervenärztin) im Einzelfall bei 46 Std. wöchentlicher Arbeitszeit und 25 Patienten am Tag und Bürokratie und Gängelei und viel Verantwortung- nach Abzug aller Kosten und Steuern mit einem Stundenlohn von 12€ nach Hause geht und ihre Sprechstundenhilfe mit 10€! Alle Menschen sind ja gleich - aber warum sollen Fachärzte, wenn man den Verdienstausfall durch Studium dazuzählt und jetzt noch Studiengebühren abzieht weniger verdienen dürfen als Sprechstundenhilfen? Eine Sekretärin bei der AOK verdient ja auch mehr als ein Assistenzarzt im Krankenhaus.
Läuft da etwa das gleiche Programm wie bei der Rechtschreib-Reform? Die Reform ist gut, die Politik immer erfolgreich und verdienstvoll. Übrigens: Das obige Resultat ist nicht der Erfolg der neuen Gesundheitsreform - nein, es ist bereits der Erfolg der 1993ziger Reformen. Wann merken endlich die Patienten oder das Volk, daß sie hohe Krankenkassenzwangsbeiträge zahlen müssen, dafür aber bald keine Behandlung mehr bekommen - das Geld verschwindet einfach - komisch, nicht.

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11. Januar 2007 15:33

Die richtigen Fragen Stellen - Teil 3

Andreas Seidl (ASeidl)

Wird die Abrechnung über die Patienten zur Krankenkasse durchgeführt, wird auch das intransparente System der Kassenärztlichen Vereinigungen obsolet.

Hier im Forum wurde die Statistik bemüht mit der Aussage, Besserverdienend seien weniger krank, ohne sie zu hinterfragen, warum das so ist.

In der Regel verdient nur überdurchschnittlich, wer bereit ist Verantwortung zu übernehmen und Leistung zu bringen. Häufige und ausgedehnte Krankheitszeiten stehen im Widerspruch zu dieser Grundhaltung. Das bedeutet, daß man im Falle einer Krankheit abwägt ob man sofort zum Arzt rennt, zudem bei den üblichen Infekten der Arzt ohnehin nur die Symptome behandelt. Die Besserverdienenden sind sicher nicht weniger krank, sie werden nur statistisch weniger gezählt. Diese Statistik bestätigt eigentlich die Fragestellung nach der Verantwortung.

Ich denke, daß die Politik die Bürger für eine Gesundheitsreform gewinnen könnte, wenn sie statt der diletantischen Umsetzung ideologischer, aber in der Praxis untauglicher Konzepte, die richtigen Grundsatzfragen diskutieren würde und die notwendige Reform darauf aufbaut.

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11. Januar 2007 15:25

Missverstanden?

Bettina Krull (BMKrull)

Kann es sein, dass der Großteil der Kommentatoren die Aufforderung "Steuern Sie Informationen bei, berichten Sie über Ihre Erfahrungen!" irgendwie missverstanden hat?

Bislang hab ich hier nur 1,5 Erfahrungsberichte unter den 14 Kommentaren ausmachen können.

Selbst kann ich leider keinen beisteuern. Auch als noch gesetzlich Krankenversicherte konnte mein Orthopäde bei meinem Bandscheibenvorfall eine MRT statt Röntgen und 4 Monate durchgehende Krankengymnastik durchsetzen. Ob er dafür draufgezahlt hat, weiß ich allerdings nicht.

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11. Januar 2007 15:23

Die richtigen Fragen stellen - Teil II

Andreas Seidl (ASeidl)

Neben der Frage nach der Definiton des Gesundheitssystems, ob Rundumversorgung oder Risikoversicherung und die Wahlmöglichkeit für den einzelnen, ist die Frage wichtig, wie man die Patienten dazu bekommt, die Verantwortung für sich selbst wieder zu übernehmen. Hier ist Kostentransparenz und ein sinnvolles Eigenbeteiligungssystem, z.B. über einen jährlichen Selbstbeitrag als Sockel, eine prozentuale oder Eigenbeteiligung oder eine Mischform sinnvoller, als das Praxisgebührchaos heute. Soziale Härtefälle sollten nicht in der Krankenversicherung, sondern über das Sozialamt ausgeglichen werden, durch Zuschüße auf oder Übernahme der Eigenbeteiligung.

Eine weitere Frage ist die sinnvolle Betrugs- und Korruptionsbekämpfung. Es gibt Schätzungen, die Betrug durch Chipkarten und Abrechnung auf einen zweistelligen Milliardenbetrag hochrechnen. Dazu müßte das Risiko der Kostenerstattung auf den Patienten übertragen werden. Der überlegt sich dann, obe er seine Karte verleiht. Der Arzt wird automatisch die Identität des Patienten prüfen, bliebe er doch bei einer gestohlenen Karte auf der offenen Rechnung sitzen.

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11. Januar 2007 15:22

Die alltägliche Planwirtschaft

Gerd Breternitz (brt48)

Ihr Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf - genau so ist es, wenn man in Deutschland als niedergelassener Arzt arbeitet! Meine Frau ist niedergelassene Nervenärztin und hat in den letzten beiden Jahren nach Steuer monatlich 2.213,32 € verdient, von denen sie 450€ (ermäßigter Satz) an das Ärzteversorgungswerk zahlen muß (Zwangsabgabe!!!), 515€ Krankenversicherung u. 500€ Praxisdarlehen: Ihr bleiben also nach Adam Riese 748,32€ Monatsverdienst, von dem sie also Lebensmittel kaufen soll, sich kleiden soll, Hygienemittel kaufen soll, ihr Auto finanzieren soll, Miete und Kindesunterhalt (die Tochter bekommt 300€ monatlich), Versicherungen, Gas und Strom bezahlen soll. Wie man sieht, ist der Politik eine Fachärztin mit langem Studium, langer Facharztausbildung noch viel weniger wert als ein HarzIV-Empfänger!! Wenn ich als Ehemann nicht das deutsche Gesundheitssystem erheblich subventionieren würde, hätte meine Frau die lezten zwei Jahre sowieso nicht überlebt mit monatlich minus 1352€ Einkünften!!!
Sie arbeitet 46 Std. wöchentlich, hat ca. 25 Patienten am Tag und viel Bürokratie und Gängelei! Jetzt ist Schluß - sie arbeitet ab sofort im Ausland bei ca. 7-fachem Netto-Verdienst! Sie verläßt Deutschland wie einst die DDR.

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11. Januar 2007 15:13

Die richtigen Fragen stellen

Andreas Seidl (ASeidl)

Seit 4 Dekaden reformieren Politiker das Gesundheitssystem, um es besser zu machen. Anfangs wurde der Leistungskatalog ausgebaut, in der Vergangenheit ist immer mehr der Kostendruck bestimmend geworden. Einzelfallgerechtigkeit bemühend versucht man die Kosten in den Griff zu bekommen, schafft zu jeder Regel eine Vielzahl von Ausnahmen (Praxisgebühr).

Das System ist heute eine Rundumversorgung, bei dem der Versicherungsnehmer eine Kreditkarte erhält, mit der er das Recht hat Leistungen abzurufen. Die Ansprüche sind mit der Reaktion der Ärzte auf die Veränderungen im System gewachsen. So tastete einst der Arzt den schmerzenden Bauch ab, heute erwartet der Patient eine Ultraschalluntersuchung. Die Ärzte reagieren auf den Kostendruck auf ihre Art und versuchen dem jahrzehntelang entmündigtem Patienten privatärztliche Zusatzleistungen zu verkaufen, der hier oft hoffnungslos überfordert ist und viel Geld unsinnig ausgibt.

Die richtigen Fragen die gestellt werden müßen sind: Wie soll eine sinnvolle Krankenversicherung aussehen, welche Risiken soll der Patient, welche die Allgemeinheit tragen? Gehört der Schnupfen nicht besser zur persönlichen Lebensführung?

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11. Januar 2007 15:01

Die Redaktion informiert: Schreiben Sie mit!

Joerg Albrecht (joergalbrecht)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben mit diesem Artikel ein kleines Experiment vor und haben ihn deshalb noch vor der Print-Veröffentlichung ins Netz gestellt. Sie haben dadurch die Chance, ihn zu verbessern. Sinnvolle Ergänzungen, Richtigstellungen, zum Beispiel in der Frage der Praxisgebühr, werden wir am nächsten Sonntag im Wissenschaftsteil der Sonntagszeitung dokumentieren. Vielleicht wissen Sie etwas, was wir nicht wissen? Dann lassen Sie es uns wissen.

Jörg Albrecht

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11. Januar 2007 14:24

Funktionierende Privatwirtschaft?

Hans Vogts (Kontra)

Der Herr Bayerl schreibt "Das blöde Anbieterlobby-Gerede wird von der fünktionierenden Privatversicherung widerlegt. [...] Privatkassen arbeiten mit Gewinn und alimentieren seit Jahren sowohl in Krankenhäusern als auch in Praxen die GKV noch mit."
Dass Privatkassen Gewinne erwirtschaften können ist ja wohl kein Wunder. Die dürfen sich die Risiken, die sie sich ins Boot holen ja auch aussuchen. Schlechte Risiken bleiben draussen.
Außerdem: "Ein Radiusbruch heilt wissenschaftlich nachgewiesen bei einem Privatpatient schneller als bei einem GKV-Patient." Wenn schon die Statistik bemüht wird, dann muss auch erwähnt werden, dass statistisch gesehen Besserverdienende weniger krank werden und genau jene dürfen ja nun mal nur in die PKV. Das hat kein Fünkchen mit "Neidideologie" zu tun.

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11. Januar 2007 14:11

@heike haubrichs (roselheike) ausgezeichnet

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

sie haben den größten Schwachpunkt der Planwirtschaft beim Namen genannt:
"Wie will man wirtschaften, wenn man den Kosten-verursacher als Patienten oder Verbraucher nicht einbezieht?"
Na klar das ist extrem unpopulär, die Patienten meckern ja jetzt schon "zu wenig, zu wenig".
Dabei muss man wissen, dass die höchsten Kosten nicht die Behandlungskosten, sondern die Krankheitsfolgekosten (Lonfortzahlung etc.) darstellen. Die richtige Maßnahme der Kohlregierung, diese von 100% (teilweise mehr) zu senken, wie in jedem anderen Land der Welt, wurde ja von den rot-grünen als erstes wieder gestrichen.
Unser Sytem fördert also nicht den Anreiz schnell wieder gesund zu werden. Krankheit ist ein "sozialer Besitzstand", da müssen andere Buhmänner her, wenn das zu teuer wird.
Finland bezahlt beispielsweise die kostenlose! Zahnmedizin nur bis zum 18. Lebensjahr, wer dann immer noch kranke Zähne hat muss das bezahlen.
Hier bei uns wäre schon die Streichung der Taxigebühren zum Krankenhaus nicht durchsetzbar, dafür wird lieber die teure Behandlung rationiert, im Krankenhaus ebenso wie in der Praxis. Ärzte sind die erklärten Feinde der Ministerin, wie simpel.

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11. Januar 2007 14:03

in einem boot

Thomas Leutbecher (thlb)

wie hier sehr richtig bemerkt wurde benötigt ein system die verantwortung und das entsprechende bewusstsein der beteiligten um funktionieren zu können. ohne auf die wirtschaftlichen gesichtspunkte eingehen zu wollen, möchte ich mich eher dafür aussprechen das diejenigen die über eine reform entscheiden genauso davon betroffen sind wie alle anderen auch. wer glaubt unsere gesundheitsministerin müsste auf einen kassenarzttermin warten oder um eine behandlung mit der kasse streiten liegt daneben.

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11. Januar 2007 13:32

@Hans-Jörg Rechtsteiner (hhrr) einseitige Sichtweise

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

Das Deckelungsprinzip zu Kostendämpfung ist die Aufgabe der Zielsetzung optimaler Behandlung.
Es bedeuted natürlich auch Rationierung der Behandlung, die Verantwortung wird aber nicht von der Politik übernommen sondern den Ärzten in die Schuhe geschoben und wehe die befolgen die vorgegebene Rationierung zu genau, dann sind sie schnell auch mal vor dem Staatsanwalt, Sozialgerichtsurteile bestätigen ihre Verpflichtung auch mit Verlusten behandeln zu müssen, entwürdigend, kann man da nur sagen.
Das blöde Anbieterlobby-Gerede wird von der fünktionierenden Privatversicherung widerlegt. Hier haben die Patienten wegen den hohen Kosten in der Regel auch die Absicht schneller gesund zu werden, ein identischer Radiusbruch bei identischer Behandlung heilt wissenschaftlich nachgewiesen bei einem Privatpatient schneller als bei einem GKV-Patient. Privatkassen arbeiten mit Gewinn und alimentieren seit Jahren sowohl in Krankenhäusern als auch in Praxen die GKV noch mit.
Und dieses Model soll aus Neidideologie abgeschaft werden, dann wird alles noch schlechter und teurer, aber auch einheitlicher auf niedrigerem Nibeau,
Komunismus heist das, dahin geht der Zug,
merkwürdig, dass eine ehemalige DDR-lerin, Merkel, das mitmacht.

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11. Januar 2007 13:24

Stimmt alles!

Stefan Schmidt (StSchmidtSG)

Meine Frau übt seit 27 Jahren den Beruf der Arzthelferin aus. Jede der im Artikel aufgeführten Schildbürger-Fallstudien sind mir aus ihren allabendlichen Klagen bekannt.
Die Hoffnung auf eine Besserung hat sie schon vor Jahren eingestellt - die Freude am Beruf ist unter die Räder gekommen (ob auch bei ihrer Chefin, darüber mag ich nicht spekulieren).
Was beide trotzdem im Beruf hält? Zumindest bei meiner Frau ist es die Verantwortung, die der hippokratischen Verpflichtung entspringt - obwohl der entsprechende Eid von den Ärzten und nicht von deren Personal geleistet wird.
Und die Zukunft? Da wird nichts mehr besser. Es wird noch ein, zwei halbherzige und nutzlose Reformen geben und dann wird das ganze System implodieren. Schauen wir einmal was danach kommt . . .

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11. Januar 2007 13:10

Die alltägliche Planwirtschaft

Hans-Jörg Rechtsteiner (hhrr)

Wir haben das beste Medizinsystem weltweit und das sozialste. Dafür stellt unsere Volkswirtschaft pro Jahr einen dreistelligen Milliardenbetrag zur Verfügung. Daß die Verteilung dieser Mittel durch ein kompliziertes Verwaltungs- und Regelsystem gesteuert werden muß, leuchtet unmittelbar ein. Wie es den heute kritisierten „Deckelungen“ gekommen ist, wird ja geschildert: Die Anbieter konnten nicht Maß halten sondern drängten den Patienten unsinnige Leistungen auf: Betriebswirtschaftlich verständlich, doch medizinisch unsinnig und damit volkswirtschaftlich schädlich. Auch der Krankenversicherte denkt meist nur an sein individuelles Interesse, nicht an das der Versichertengemeinschaft, deren Mitglied er ist. Auch er fordert oft unsinnige oder überzogene Leistungen. Welcher Journalist käme je auf die Idee, seinen Lesern einmal zu erzählen, daß eine Solidargemeinschaft nur funktionieren kann, wenn sich der einzelne auch gegenüber der Gemeinschaft fair verhält und ihr eben auch vermeidbare Lasten erspart? Die Anbieter-Lobby hat ohnedies kein Interesse an Konsumverzicht, sie möchte den Umsatz steigern. Daher soll die Politik mehr Geld ins System pumpen, und die Medien sind freundlich eingeladen, dafür die Herzen zu öffnen.

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11. Januar 2007 13:04

Planloses " wirtschaften" mit Kranken?

heike haubrichs (roselheike)

Zunächst muss man richtig stellen, dass 40 € pro Quartal nicht zu zahlen sind, wenn dennoch gezahlt wurde, werden 20 € im von Ihnen geschilderten Fall wieder erstattet, wenn die vorhergehende Zahlungen von je 10 € beim Hausarzt und Zahnarzt nachgewiesen werden.
Ansonsten gilt, daß im Bereich der GKV keinerlei Transparenz der Kosten/Gebühren nach außen, also zum Patienten existiert. Der müsste doch als Beitragszahler per ipsum z.B. die Leistungen gegenzeichnen können.
Dieser Kardinalfehler wirkt sich mit Sicherheit auf die Kosten aus.
Wie will man wirtschaften, wenn man den Kosten-verursacher als Patienten oder Verbraucher nicht einbezieht?
Kostenbewußt kann man doch nur handeln, wenn das System durchschaubar ist. Und wer kann das schon, wenn selbst Experten da Probleme haben.
Der Begriff "Planwirtschaft" ist zudem irreführend, weil man entweder (staatlich) plant oder betriebs-`wirtschaftlich` handelt.
Hierauf gibt die so genannte Reform m.W. keine Antworten.
Dagegen feiern verstärkt Verwaltung, Verschleierung und Töpfchendenken fröhliche Urstände bis zum Exzess.
MfG
W.Haubrichs

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11. Januar 2007 13:03

@Max Bähring (skyeyeliner) nichts kappiert

W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)

wieder so ein falsches pauschales Anti-Ärzte-Urteil.
Bei Gesundheitspolitik ist plötzlich jeder Experte.
Die niedergelassenen Ärzte sind schon seit langem "gedeckelt", das heist je mehr sie behandeln, desto niedriger werden die Erlöse. Sie können einem wirklich nur noch leid tuen. In welchem anderem Beruf gibt es etwas vergleichbares???
Ich habe noch keinen Arzt kennen gelernt, der nicht Interesse an dem Erfolg oder der Wirksamkeit seiner Behandlung gehabt hätte. Natürlich mit unterschiedlichem Ergebnis, ein anderer Beitrag zeigt ja, dass ein Großteil der Patienten an einer Therapie kaum interessiert ist. Sie wollen einen Diagnose, um die Vorteile des Krankenstatus zu erlangen, ein sozialer Besitzstand, den es zu verteidigen gilt.
Wenn ein Arzt zu viel verschreibt, zum Nutzen des Patienten (Medikamente) muß er es aus eigener Tasche bezahlen, in welchem Beruf gibt es ähnliches??
Wir haben eine Gesundheitspolitik, die Krankheit unterstützt, aber nicht die Behandlung, die Beseitigung der Krankheit.

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11. Januar 2007 12:00

Hinter vorgehaltener Hand

Markus Teuber (arathorn)

Warum können in Deutschland Wahrheiten immer nur "hinter vorgehaltener Hand" ausgesprochen werden?
Wenn Mitarbeiter in den (kassenärtzlichen) Verwaltungen,Fachleute,aber auch Politiker die Wahrheiten kennen,warum nennt sie dann keiner öffentlich und beim Namen ?

Bis es soweit ist, ändert sich auch am System nichts.

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11. Januar 2007 11:20

Kontrolle?

Andreas Frick (Hephaistos)

In dem Beitrag wird leider nicht darauf hingewiesen, daß es bei der Abrechnung der Leistungen wenig Kontrollen gibt und eigentlich alles auf gegenseitigem blinden Vertrauen basiert, was dem Abrechnungsbetrug Tür und Tor öffnet. Außerdem rechnet der Arzt seine erbrachten Leistungen ab, vollkommen unabhängig davon ob die Therapie erfolgreich war oder nicht. Falls es zu Behandlungsfehlern kommt, kommt es erst dann zu einer Rückforderung durch die Krankenkasse, wenn der Patient den Fehler in einem langwierigen Rechtsstreit nachgewiesen hat. Bei Privatpatienten sieht das ganz anders aus, da kann der Patient die Rechnung kürzen und dann muß der Arzt klagen, um an sein Geld zu kommen. Neben der besseren Bezahlung erhöht das die Motivation, eine gute Therapie durchzuführen, doch ganz beträchtlich. Als Kassenpatient hat man überhaupt keine Möglichkeit, schlechte Arbeit zu bestrafenaußer der, in Zukunft jemand anderes zu konsultieren. Da die Zulassung aber sehr beschränkt ist, gibt es keinen Wettbewerb, der schlechte Behandler radikal durch Einkommensverlust bestraft.

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11. Januar 2007 10:49

Regelungen zur Praxisgebühr falsch wiedergegeben

Michael Meier (mmeier2)

...
Vielleicht ist es mit der Praxisgebühr wie bei einem Buffet: Wer einmal den Eintritt gezahlt hat, geht so oft zum Buffet, bis er platzt. Sprich: Wer die Praxisgebühr einmal gezahlt hat, der nutzt sie auch aus - und klappert in den drei „bezahlten“ Monaten alle Fachärzte ab, die er kennt. Bezahlt ist bezahlt.
...

Das ist so nicht korrekt! Der Patient kann einen weiteren Facharzt/Arzt im Quartal ohne erneuter Zahlung der Praxisgebühr nur aufsuchen, wenn er von dem Arzt, bei dem er die Praxisgebühr entrichtet hat, eine Überweisung erhält. Ohne Überweisung ist die Praxisgebühr zu bezahlen! Die Idee der Praxisgebühr, das Doktorhopping einzudämmen, wird damit erreicht!

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11. Januar 2007 03:45

Endlich wacht auch die Presse auf

Vlad Twer (twervlad)

Sie da, die Presse lernt das nachdenken. Jahrelang waren die Aerzte die Boesen. Ich habe 1989 zwei florierende Unternehmen im medizinischen Bereich gegruendet. Eine Zhanarztpraxis und ein Handel- und Vermietungsunternehmen fuer medizinische Hilfsmittel. Zunaechst waren die Neugruendungen sehr erfolgreich, jedoch 1993 fing es an. Man beschnitt die deutschen Zahnaerze, wie natuerlich auch andere medizinische Berufe, machte aus einem selbstaendigen Unternehmer Lohnemfaenger, der sich von Krankekassenangestellten Therapievorschlaege hat anhoeren muessen. Nach erbrachter Leistung musste ich ploetzlich Geld im vollen Umfang zurueckzahlen?! Irrwitzig!! Kurze Zeit spaeter wurde mit den gleichen planwirtschaftlichen Methoden die Pflegeversicherung eingefuehrt, und meinem zweiten Unternehmen per Dekret die Grundlage entzogen. Meiner Schwester erging es im Pflegebereich aehnlich. Resultat: Zehn Gebildete Koepfe, Unternehmer samt aller Kinder sind ausgewandert und hinterliesen eine Luecke. Ahnlich wie Hunderttausende andere, gebildete und lebensfrohe Deutsche, die das Land verlassen, zurecht. Wer zu spaet kapiert, den bestraft das Leben.

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10. Januar 2007 23:27

Eigenanteil auf jede Leistung

Jürgen Weber (weberjn)

Gegen Selbstbedienungsmentalität von Patient und Arzt hilft nur Schmerz im Geldbeutel des Patienten. 25% Eigenanteil auf jede Leistung bis zu einem Deckel würde statt der Planwirtschaft Marktwirtschaft im Gesundheitswesen einführen.

Die Notwendigkeit, beim Frisör aus eigener Tasche zu bezahlen, verhindert, daß man beliebig oft zum Frisör geht und daß der Frisör beliebig viele Leistungen abrechnet.

Als Deckel schlage ich 10% des Nettoeinkommens pro Monat für alle, auch Rentner und Sozialhilfeempfänger, vor.
Selbstverständlich müssen den Patienten Rechnungen ausgestellt werden.

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