Im Gespräch: Josef Ackermann

„Ich habe keine Zweifel an der Stabilität des Banksystems“

Mit seinen Zweifeln an den Selbstheilungskräften der Märkte hat Josef Ackermann eine Debatte über die Rolle des Staates in der Bankenkrise ausgelöst. Im Gespräch mit der F.A.Z. stellt er nun klar: „Es geht nicht um die Rettung der Investoren“.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. März 2008 11:50

Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert?

Lutz Gerwig (falle)

Ackermann müßte auch sagen: "ja, das wird gefordert, aber aus Gründen der Stabilisierung der Märkte." Und fairerhalber muß man dann hinterher auch vom Bankensystem verlangen dürfen, daß diese dem Staat die Gelder wieder zurückerstatten, die sie in der Krise gezogen haben. Die Stabilisierung kostet ja Steuerzahler und Kreditnehmer auf der ganzen Welt eine Menge und die Banken, die überleben, können nach der Bereinigung wieder höhere Gewinne machen. Damit muß ehrlicherweise gesagt werden, daß die Banken sehr wohl Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen. Das ist aktuell im Gemeininteresse. Aber im Allgemeininteresse ist auch, daß die Gewinne wieder der Allgemeinheit zufließen, wenn sich die Lage verbessert hat.

Das hat nicht mit Sozialismus, sondern mit Gerechtigkeit in einem Kapitalismus zu tun, der in der Krise Geld vom Staat fordert - und sei es, weil dies notwendig ist.

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20. März 2008 11:42

Gibt es Banken, mit denen die Deutsche Bank heute keine Geschäfte mehr macht?

Lutz Gerwig (falle)

Ackermann hätte doch sagen können: "ja."

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20. März 2008 10:35

...und nun?

Terrence Troesch (twt89)

Sind es nicht gerade Institute wie z.B. die Deutsche Bank, die in der jüngeren Vergangenheit auch schon immens viel Geld verbrannten: 1. Outsourcing Retailbanking; umbenannt in Deutsche Bank 24; nach Einbruch des Investmentgeschäfts wieder zurück geholt zu Mama. 2. Investmentbanking und M/A-ausbau zum Global Player. Dafür wurden ganze Teams von Konkurrenten für horrendes Geld eingekauft mit irrwitzigen Verträgen ausgestattet. Und dann...das M/A Geschäft und Investmentbanking bricht dramatisch ein, zum Glück gab es noch das nicht verkaufte Retailbanking.
Anderes Beispiel: Commerzbankchef Müller äußerte vor einigen Wochen, dass er mit seinem Gehalt von rund 780.000 € im Jahr noch nicht mal unter den Top-250-Verdienern seines Instituts ist.
Die Financial Times Deutschland veröffentlichte folgende Personalie: Der Vorstandschef von Bershire Hathaway, ein gewisser Warren Buffet hat sich das 27. Jahr in Folge ein Gehalt von 100.000 $ überwiesen, weder Bonus, Aktienoptionen noch andere Zulagen für seine Tätigkeit. Frage: Ist das nicht der derzeit reichste Mensch der Welt????

Banken sollten wieder konservativer Ihre Geschäftspolitik betreiben, dann geht es Ihnen vielleicht genauso wie der Firma Porsche...einfach gut seit vielen Jahren

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20. März 2008 08:37

Keine Zweifel

Stefan Pohl (friedrich_leipzig)

Ich bin ja gespannt, ob das Ackermann-Citat »Ich habe keine Zweifel an der Stabilität des Banksystems« irgendwann einmal dieselbe Popularität erlangen wird wie das Ulbricht-Wort »Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten«.

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20. März 2008 07:41

Finanzmarkt in der momentanen Ordnung schwer kontrollierbar

Ralf Schneider (ralf61)

Die Gier vernebelt allen Akteuren, sowohl Bankern als auch Investoren, den reellen Blick auf die Mechanismen der Wertschöpfung.
Lustig ist das schon wenn jetzt einige der Akteure von Auswirkungen auf die "Realwirtschaft" sprechen, bewegen sich somit die Trader und die Anleger im Irrealen?
Wenn man die Jubelarien der letzten Jahre von Wall Street, der City London oder den asiatischen Handelsplätzen so hörte, incl. der irrwitzigen Boni der "Besten Leute...." ´(Zitat: Ackermann), dann fragte ich mich: Wo liegt die Wertschöpfung bzw. wer bezahlt die Zeche? Jetzt wissen wir es!
Ich würde mir wünschen, dass die Akteure, nun auf dem Boden der Tatsachen angelangt, tatsächlich ein vernünftiges Regularium für den Globus auf die Reise bringen.
Nie war der Zeitpunkt günstiger, aber bitte mit Sachverstand und nicht geführt oder "kontrolliert" von Politikern.
Übrigens ist Ackermann ein Guter.

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20. März 2008 00:44

Kommentar zu den Kommentatoren

Owe Jessen (owe.jessen)

Kurzfassung: Nuhr!

Langfassung: Die Realwirtschaft bezieht sich auf den Wirtschaftsverkehr, der sich mit Gütern und Dienstleistungen beschäftigt, also das, was tatsächlich existiert, während die Geldwirtschaft, also der Geldverkehr nur ein Abbildung dieser realen Güter darstellt. Kein Grund, diesen Begriff zum Unwort zu erklären.

Und was hat Angebotspreise mit den Linken zu tun? Hier beschreibt Ackermann doch nur den Umstand, daß zur Zeit nur Wertpapiere angeboten werden, wobei keine Nachfrage herrscht. Dementsprechend sind die Kurse, die genannt werden entweder taxiert, oder bei so geringen Umständen entstanden, daß sie keine Aussagekraft haben.

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19. März 2008 23:19

Das Problem mit den Preisen

Michael Hoch (stnikolai)

Dazu stellte einst Keynes die Frage: Was nützt es, für eine Ware 25 zu zahlen, wenn der tätsächliche Wert 30 beträgt, aber der Markt nur bereit ist, 20 dafür zu zahlen?

Es gilt immer nur der Marktpreis. In illiquiden Märkten lediglich der Geld/Nachfragepreis. Jeder Kreditkunde einer Bank wäre froh, wenn seine Sicherheiten zum Nachfragepreis bewertet würden. Bei illiquiden Vermögenswerten berechnen Banken hohe Abschläge.

Dazu kommt: Die hinter den Krediten stehenden Kreditnehmer sind fast so individuell wie der eigene Lebenspartner. In beiden Fällen sollte man sich genau anschauen, auf wen man sich einläßt. Keine guten Voraussetzungen also für ein Handelsinstrument. Die Kreditpakete werden mit enormen Aufwand aufgeschnürt werden oder die hohen Abschläge bleiben bestehen. Man kann deshalb behaupten: Dieser Markt ist tot.

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19. März 2008 23:05

Gespräch war notwendig.

B. Lehmann (lemdax1)

Zunächst will ich Hr. Haupricht zustimmen, dass dieses Gespräch sehr hilfreich war. Die Notwendigkeit vorübergehender Interventionen zum Zwecke der wertgerechten Stablilisierung sehe ich auch. Da hatte ich die vorigen Berichte bzgl. Hr. Ackermanns Vorschlägen anders interpretiert.

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19. März 2008 21:17

Aber ich.

gerd hodina (hodger)

Ich wünsche mir. das dieses (Banken)-Kapital-System in Amerika und eigentlich auch weltweit zusammenbricht. Denn nur, wenn es (ohne Krieg) totale Verluste gibt, wird den Playern auf dieser Zockerbühne klar, das wir einen grundsätzlichen Neu-Anfang brauchen. Ich schlage vor, sich intensiv mit den Thesen von Götz Werner, Chef der sehr erfolgreichen DM-Drogeriemarktkette auseinanderzusetzen. Setzt die Banker ohne Abfindungen auf die Strasse, veräussert deren private Villen und die Paläste der Banken und Investmentgesellschaften und steckt das (gewonnene Geldkapital) in Bildung und den Nachwuchs. Die Macht der korrupten und unfähigen Politiker ist sowieso begrenzt, denn ausser dummgläubigen Staunen über die Krise hört man nichts vernünftiges. Weiter so. Die Gletscher schmelzen.

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19. März 2008 21:05

es geht nicht um die Rettung der Investoren

Niels-Christian Otzen (nco)

was für eine Heuchelei: Josef Ackermann ist Multimillionär weil er virtuelle Gewinne schafft und dadurch die Kreditpyramide immer weiter auf die Spitze stellt.
Jetzt, wo Sie umzukippen droht, soll die Allgemeinheit sich dagegen stemmen.

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19. März 2008 18:50

Klarheit geschaffen........

wolf haupricht (emilgilels)

Dieses Gespräch mit Herrn Ackermann war notwendig, um Fehlinterpretationen anl. der Podiumsdiskussion auszuschließen. Daraus ist in der Tat vorschnell eine Systemveränderungsdiskussion entstanden, wie man an den Kommentaren ablesen konnte. Dass die Immobilienkrise in USA über Gebühr anhalten könnte, ist der entscheidende Punkt, der in konzertierter Aktion gelöst werden muss. Insofern hat Ackermann dies erkannt und beim Namen genannt. Dafür sei ihm gedankt.

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19. März 2008 18:27

Alles nur ein Spiel auf der Wiese der virtuellen Wirtschaft

Sophia Orti (rum)

"Überhaupt nicht, vielmehr geht es jetzt darum, zu vermeiden, dass diese Verwerfungen auf den Finanzmärkten auf die reale Wirtschaft übergreifen"

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